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Mobbing - dicke Luft am Arbeitsplatz

Seit den 90er Jahren kursiert ein Begriff für Psychoterror, Intrigen und niederträchtige Gemeinheiten in der Arbeitswelt. Das Wort Mobbing ist in aller Munde. Es kommt aus dem englischen Sprachgebrauch und ist mit Anpöbelei, Attacken und Angriffen zu übersetzen.

Der Begriff schafft Klarheit, denn endlich hat ein Missstand einen Namen bekommen. Mobbing ist ein alter Hut, der früher gleichzusetzen war mit dem üblen Vorgang, einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin aus der Firma herauszuekeln. Und er verunsichert. Denn wer möchte schon zu den Mobbern zählen. Vorgesetzte weisen diesen Missstand häufig weit von sich. In ihrem Betrieb sei alles in Ordnung, das Betriebsklima stimmt, heißt es.

Konflikte müssen gelöst werden

Gleichermaßen ist zu beobachten, dass der Begriff unsicher und ungenau benutzt wird. Sachorientierte Kritik, einmalige Konflikte untereinander und auch dicke Luft in der Abteilung sind kein Mobbing. Richtig dagegen ist, dass, wenn ein Konflikt nicht erlöst wird, sich daraus Mobbing entwickeln kann.

Für die von Mobbing Betroffenen ist es häufig nicht einfach, sich einzugestehen, Opfer eines von Kollegen oder Vorgesetzten systematisch angelegten Zwietrachtgespinstes geworden zu sein.

Ute Pauls (Name v.d. Red. geändert) ist ein Mobbing-Opfer. Monate über Monate erlebte sie Intrigen und üble Machenschaften von Seiten der Kolleginnen in ihrer alten Firma.

Der Mobbing-Prozess beginnt in der Regel schleichend

Irgendwann wollte keine mehr mit ihr reden; sie wurde geschnitten oder bekam auf ihre Fragen nur knappe Antworten. – Der Prozess begann schleichend und diffus, was es für Frau Pauls auch so schwer machte zu erkennen, was da passierte. Sie ging jeden Tag mit beklemmenden Gefühlen in die Firma, und im Laufe des Tages nahm das Unwohlsein stetig zu. Unsicherheit, Angst und nächtliche Schlaflosigkeit kamen hinzu. Doch Frau Pauls arbeitete weiter, bis sie gesundheitlich und nervlich am Ende war.

Dann gelang es ihr, eine Entscheidung zu treffen: Nach jahrelanger Betriebszugehörigkeit kündigte sie ihren Arbeitsplatz. Jetzt ist sie für einen anderen Arbeitgeber tätig, und es geht ihr glänzend. Das Betriebsklima ist angenehm, Vorgesetzte und Kollegen sind in Ordnung und hilfsbereit. Wenn es etwas zu klären gibt, wird darüber geredet.

Frau Pauls hat es geschafft. Sie unterlag nicht den oft lebenslangen Folgen eines Mobbingprozesses, sondern ergriff die Initiative und traf für sie richtige Entscheidungen. Sie verließ ihre passive Opferrolle und nahm ihr Leben selbstbewusst in die Hand.

Entscheidungen treffen, bedeutet, die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen

Opfer zu sein, bedeutet im herkömmlichen Sinne ohne Macht, also ohnmächtig, zu sein. Doch auch Menschen, die Opfererfahrung haben, verfügen über Konfliktlösestrategien und Bewältigungsressourcen. Es gibt immer die Möglichkeit der Entscheidung, wie am Beispiel von Frau Pauls deutlich wird . Entscheidungen treffen zu können bedeutet, die Macht über das eigene Leben mit all seinen Vorgängen, in den Händen zu halten und dieses bewusst zu gestalten.

Das Wissen über die persönlichen Möglichkeiten, vorhandenen Konfliktlösestrategien und Entscheidungsfähigkeiten ist eine Grundlage der beraterischen Tätigkeit, weshalb es ein wichtiges Ziel ist, diese zu aktivieren, herauszuarbeiten und zu stärken. Parteilichkeit, Entspannung und Angebote der Reflektion dienen der Stärkung des Selbstbewusstseins der Betroffenen. Die Bedeutung des vorhandenen betrieblichen Systems und arbeitsrechtlicher Aspekte werden dabei berücksichtigt.

Angst vor dem Ungewissen

Viele Menschen jedoch trauen sich in Anbetracht der vorhandenen Arbeitslosigkeit überhaupt nicht, an eine Kündigung zu denken. Doch diie Frage der Eigenkündigung oder des Firmenwechsels ernsthaft in Erwägung zu ziehen, bedeutet einen ersten Schritt in die Richtung einer bewussten Entscheidung zu gehen.

Die Ohnmacht zu verlassen und Wege zu überlegen, die gehbar und praktikabel sind, das ist kraftgebend und aufbauend.

Es muss nicht immer Kündigung sein

Hierbei geht es nicht um die Kündigung um jeden Preis, denn es ist auch möglich, dass Menschen sich aus schwierigen Situationen befreien können, ohne den Betrieb verlassen zu müssen.

In der Beratung werden unter Berücksichtigung der Gesundheit, kluge, achtsame und umsichtige Lösungsschritte erarbeitet, die dem oder der Betroffenen zugute kommen und die in dem beruflichen Alltag umgesetzt werden können.

Besonders, bevor es zur Eigen- bzw. Fremdkündigung kommt, ist die Frage und die Ausschau nach konkreter Unterstützung und Hilfe für die Betroffenen ganz erheblich. Denn häufig ist das Familiensystem und der Freundeskreis überfordert, und nicht selten ziehen sich Angehörige und alte Bekannte zurück, da sie die zeitlich lang andauernden Klagen und Nöte nicht mehr ertragen können.

Doch leider suchen die meisten vom Mobbing Betroffenen, eine Beratungspraxis für arbeitsplatzbezogene Konflikte erst dann auf, wenn schon Schaden entstanden ist. Man meint, um Hilfe zu bitten, sei ein Zeichen von Schwäche. Doch, im Gegenteil, Unterstützung zu suchen, bevor es zu ernsthaften Schäden und Störungen kommt, dazu gehört Mut und ist erster ein Schritt heraus aus der Ohnmacht.

Margarete Wösthoff
www.keg-woesthoff.de

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Quelle: BALANCE ®  2/2000

 

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