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Er kommt zu schnell, er steht nicht mehr
über Störungen der männlichen Sexualität

Rund 30 % aller Männer, die im großstädtischen Bereich leben, leiden unter seelisch bedingten Störungen ihres Liebeslebens. Von den meisten gefürchtet, stellt die sexuelle Störung für den einzelnen Mann eine Bankrotterklärung all dessen dar, was er unter Männlichkeit versteht.

Besser, stärker, schneller ...

Das wohl häufigste Problem ist der vorzeitige Samenerguss. Kurz bevor der Mann in die Frau eindringt oder schnell danach bekommt er seinen Samenerguss - mal mit dem Gefühl der Befriedigung, mal nicht. Organische Ursachen (Phimose; zu kurzes Bändchen zwischen Vorhaut und Eichel) sind eher die Seltenheit. Vielmehr treffen wir hier auf Männer, die mit ihrer eigenen Person überhaupt nicht zufrieden sind. Voller Unruhe versuchen sie, beständig und in allen Lebensbereichen besser, stärker, schneller zu sein. Seine übersteigerten Erwartungen an sich und die Angst vor dem Versagen schaffen eine hohe Grundspannung im Mann. Jede zusätzliche Spannung - wie z.B. die sexuelle Erregung - überlastet Körper und Seele. Es kommt zu einer spontanen, unkontrollierbaren Entlastungsreaktion: der vorzeitige Samenerguss befreit von innerem Überdruck. Beratungsarbeit bedeutet hier herauszufinden, weshalb der Mann mit seiner eigenen Identität so unzufrieden ist. Er wird lernen, seine hohen Erwartungen auf ein ihm angemessenes Maß anzupassen. Gleichzeitig erarbeiten wir einen Weg, der es ihm in allen Lebensbereichen ermöglicht, authentischer und offener mit seinen Gefühlen umgehen zu können.

Was tun bei Impotenz?

Einen etwas schwierigeren Weg haben Männer vor sich, die unter Erektionsstörungen leiden bzw. impotent sind. Ihr Kennzeichen ist eine sehr ängstliche Grundhaltung, der sie mit deutlichem Imponiergehabe entgegentreten. Ursächlich für diese sexuelle Störung ist das Verhältnis zwischen Sohn und Vater: letzterer beherrscht seine Familie wie ein Despot, der keine eigenständige Person neben sich ertragen kann. Seinem Sohn stellt er unausweichliche Fallen: dessen empfindsamen und bedürftigen Seiten verachtet und verhöhnt er - die kraftvollen und aggressiven Seiten bestraft er streng. Eine stabile eigene Identität kann der Sohn so nicht entwickeln. Quer durch alle Lebensbereiche fehlen diesem dadurch die Eigenschaften, seinen „Mann im Leben zu stehen“. Häufige Brüche im privaten und beruflichen Lebenslauf weisen auf die mangelnde Selbständigkeit hin.

Sich auch innerlich aufrichten ...

In der Sexualberatung wird dieses Thema als zentraler Punkt aufgegriffen: jede Intervention wird dem Mann dabei behilflich sein, sich innerlich aufzurichten, den eigenen Wert zu erkennen und sich kraftvoll in die Welt einzubringen. Sein Sexualleben wird auf diese Weise ebenfalls gestärkt, und er wird sich auch dort potent erleben können.

Lesen Sie in der nächsten BALANCE:
Wenn die Liebe schlafen geht ... Alltag und körperliche Lust in Partnerschaften
 

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Quelle: Balance ® 4/99

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