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Wenn die Liebe schlafen geht
Alltag und Lust in Partnerschaften

Verliebt, verlobt, verheiratet - das Glück auf Erden wurde schon immer in festen Partnerschaften gesucht. Hier erhoffte man sich die Erfüllung lang ersehnter Wünsche: Geborgenheit in der Beziehung, Anerkennung durch den Partner und ein erfülltes Liebesleben.

Viele Paare stellen jedoch fest, dass diese glückliche Zeit auch ein Ende haben kann. Mit den Jahren läßt die Begeisterung füreinander nach, und man empfindet nicht mehr so viel für den anderen.

Eintönigkeit bestimmt das Geschehen in den Ehen – vor allem im Bett. Das Liebesleben findet nur noch vereinzelt statt oder macht nur dem einen Partner Spaß. Bald geht der eine fremd, bald quält der andere sich mit Trennungsgedanken. Über die Jahre finden sich die Partner mit diesem Zustand ab oder trennen sich.

10 Jahre Beratungsarbeit mit Paaren zeigen mir jedoch: das muss nicht sein. Bis zu 80% der betroffenen Paare kann mit Hilfe intensiver Beratung wieder zu einem zufriedenen Miteinander finden. Die folgenden kritischen Stellen in einer Partnerschaft müssen dabei jedoch gesehen und gebührend beachtet werden.

Kompromisse

Wir haben alle die Tendenz, uns schnell mit den kleinen Fehlern unseres Partners zu arrangieren. "So schlimm ist das ja nicht!" sagen wir uns und schlucken die unliebsamen Bemerkungen und Verhaltensweisen. Über die Jahre sammeln wir so eine große Anzahl kleiner Verletzungen, die sich mehr und mehr auf unser Gemüt legen und die Liebe zerstören. So gehen uns Freude und Lust am Partner verloren.

Mein Tip daher: Hören Sie auf, die kleinen Verletzungen nicht ernst zu nehmen. Jeder Nadelstich tut weh! Nehmen Sie gerade die kleinen Dinge ernster. Hören Sie also auf, sie anzusammeln, sondern sprechen Sie sie an. Machen Sie den Berg der Verletzungen zum Thema. Nicht in Vorwürfen und Hassausbrüchen. Hören Sie auf, Dinge von Ihrem Partner zu fordern und einzuklagen. Fangen Sie damit an, sich Dinge von ihm zu wünschen (!). Forderungen gegenüber können wir uns nämlich nur widersetzen – Wünsche aber können in Erfüllung gehen.

Versuchen Sie daher, in Ruhe zu sprechen. Zeigen Sie Ihrem Partner, wie sehr Sie die Missachtungen und Verletzungen schmerzen. Versuchen Sie, das Herz Ihres Partners zu rühren.

Missverständnisse

Wir kümmern uns zu wenig darum, dass Missverständnisse geklärt werden können. Nach einem arbeitsreichen Tag sind wir oft so erschöpft, dass uns die Arbeit an der Beziehung zu viel ist. Lieber lassen wir uns einfach hängen und das Missverständnis bleibt im Raum stehen. Schnell kommt es dann dazu, dass wir bei der Beurteilung des Partners von falschen Sichtweisen ausgehen. Weitere und größere Missverständnisse sind die Folge, die eine Kluft zwischen die Partner treiben. Schließlich fühlt sich niemand mehr richtig verstanden.

Mein Rat: wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Partner Sie nicht versteht (oder Sie ihn nicht), dann resignieren Sie bitte nicht. Suchen Sie das Gespräch, nochmal und nochmal. Es gibt viele Arten, sich verständlich zu machen. Oft meinen wir nur, dass wir uns klar ausdrücken, aber kein Mensch versteht uns. Gerade zwischen Frauen und Männern geschieht das oft. Seien Sie geduldig mit Ihrem Partner, warten Sie vielleicht einen Tag ab und versuchen es noch mal- oder auf eine andere Art. Auch spezielle Kommunikationstrainings für Paare helfen hier, einen Weg zu ebnen. Sprechen Sie mich auf entsprechende Angebote an.

Verletzungen

Es gibt Verletzungen, die wir unserem Partner nicht so einfach verzeihen können. Ein "Entschuldige bitte!" reicht da in der Regel nicht. Außerdem: wenn ich meinen Partner verletzt habe, so habe ich Schuld auf mich geladen. Diese Schuld kann der andere mir aber nicht nehmen, weil sie nicht zu ihm gehört. Eine Entschuldigung gibt es also gar nicht. Viel besser ist es, wenn der Partner, der verletzt hat, zu seiner Tat steht. Tiefe Wunden müssen schließlich heilen können. Am besten geschieht dies, indem Sie sich um die Verletzung kümmern, die sie Ihrem Partner zugefügt haben. Verletzen Sie ihn mit einer Glasscherbe, so werden Sie ihn ja auch nicht einfach blutend da stehen lassen.

Genau so sollten Sie auch mit seelischen Verletzungen umgehen. Gehen Sie auf Ihren Partner zu und fragen Sie ihn nach dem Ausmaß der Verletzung und nach der Größe des Schmerzes. Und bitten Sie ihn um Verzeihung: "Das tut mir leid. Es schmerzt mich zu sehen, wie sehr ich Dich verletzt habe."

Ich weiß, das ist nicht einfach, das erfordert Mut und Courage. Aber hinterher werden Sie den Eindruck haben, über sich selbst hinaus gewachsen zu sein.

Ängste

Oft werden in Partnerschaften neue Ängste ausgelöst und alte wieder zum Leben erweckt. Gerade, wenn es um persönliche und körperliche Nähe geht, können Distanzierungswünsche beim Partner auftreten. Hier sind Grenzen überschritten worden, die für den Partner einen wichtigen Schutz vor realen oder befürchteten Verletzungen darstellen. Diesen Schutz zu respektieren ist Aufgabe des Partners. Denn jede Grenzüberschreitung verletzt erneut und bewirkt, dass der Schutzwall größer wird. Der verletzte Partner wird quasi dazu gezwungen, auf Abstand zu gehen.

Was kann ein Partner da machen? Stellen Sie sich ein Kind vor, das mitten in der Nacht von einem Alptraum aus dem Schlaf gerissen wird. Es hat Angst, wieder einzuschlafen. Was würden Sie mit diesem Kind machen? Natürlich, es trösten und beruhigen. Nicht anders sind wir Erwachsenen. Haben wir große Angst vor etwas, so nutzen uns keine Vorwürfe, keine Vernunft und kein Zusammenreißen. Da hilft uns nur, wenn wir getröstet und beruhigt werden. Denken Sie daran, wenn Ihr Partner sich ängstigt – er wird es Ihnen danken.

Nichts geht mehr

Oft sind Partner miteinander schon so festgefahren, dass Tips und Ratschläge nicht mehr helfen. Auf diese Paare kommt unweigerlich die Frage zu, ob sie alles beim Alten lassen wollen oder eine wirkliche Wende zum Besseren beabsichtigen – notfalls eben mit Hilfe eines Dritten.

Sollten also meine Vorschläge, wie ich sie hier gemacht habe, nicht helfen, dann holen Sie sich Hilfe, fachkundige Hilfe.

Suchen Sie Therapeuten auf, mit denen Sie dann gemeinsam schauen, wie Ihre Ehe noch zu retten ist, was beim größten Teil der Paare sehr wohl möglich ist. Verlieren Sie also nicht die Hoffnung, sondern ergreifen Sie gemeinsam die Initiative. Es wird sich lohnen.

 

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Quelle: BALANCE ®  1/2000

 

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