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Guten Morgen Vietnam
Eine Reise ins Paradies der Früchte
Die Rohköstlerin Angela Kampmann
bereiste mit einer Gruppe Gleichgesinnter Südvietnam. Ein spannender
Reisebericht ... nicht nur für Rohköstler.
Als das Flugzeug endlich nach 13-stündigem
Flug in Saigon landet, schlägt mir warme, tropische Luft entgegen.
Wir, eine kleine Gruppe von Rohköstlern, werden von unserem Reiseleiter
Bernd Bieder in Empfang genommen. Per Taxi geht es quer durch Saigon ins
Hotel. Schon diese Fahrt lässt mich das geordnete Europa schlagartig
vergessen.

Saigon
Saigon ist wohl die ursprünglichste
aller asiatischen Städte. Eine quirlige Metropole, geprägt von
Fahrrädern, Fahrrad-Rikschas und Motorrädern. Es wimmelt nur
so von Menschen. Noch am gleichen Abend stürzen wir uns in das Getümmel
dieser aufregenden, faszinierenden Stadt. Hier spielt sich das ganze Leben
auf der Straße ab. Bis spät in die Nacht hinein sind Geschäfte,
Garküchen, Restaurants und Marktstände offen. Dazwischen liegen
Vietnamesen schon schlafend auf der Erde. Einfach so auf dem Bürgersteig.
Exotisches Obst fordert uns überall
zum Kauf auf, und schon meine erste Mahlzeit ist paradiesisch. Ich habe
die Wahl zwischen Durian, Corosol, Jackfrucht, Ananas, Longan-Früchten
und riesigen Papayas.
Rohköstler-Herzen schlagen
höher
In den folgenden Tagen lernen wir
das ständig sommerliche, lebensfrohe Saigon kennen. Mit Fahrrad-Rikschas
geht es durch das Zentrum von Saigon, bis ins quirlige Cho Lon, auch „China-Town“
genannt. Dort reihen sich neben Kolonialbauten die niedrigen Wohn- und Geschäftshäuser
der Chinesen, bunte Marktstände und eindrucksvolle
chinesische Tempel. Das spannendste sind immer noch die bunten Märkte
mit einem riesigen Angebot von exotischem Obst und Gemüse. Jedes Rohköstler-Herz
muss sich bei diesem Anblick vor Freude überschlagen. Da braucht man
nur noch zuzugreifen und zu genießen. Die herrliche Durian wird von
uns gleich an Ort und Stelle verspeist.
Urwüchsige Natur
Von Saigon aus starten wir dann
mit einem Kleinbus in Richtung zu einer mehrtägigen, spannenden Reise
in das lebendige und üppig tropisch-grüne Mekong-Delta. Hier
erwartet uns ein unüberschaubares Labyrinth von Flussarmen, Kanälen
und Inseln; dazwischen immer wieder ausgedehnte weite Reisfelder, Mangrovenwälder
und -sümpfe.

Mekong Delta

Mekong Delta
Die kommenden Tage führen uns
zu buddhistischen Tempeln, Obstplantagen, Lotusfeldern und idyllischen
Pfahldörfern. Mit kleinen Booten erkunden wir Tag für Tag das
für uns fremde Leben im Delta, fahren zu kleinen abgelegenen Dörfern
und beobachten die Menschen bei ihrer Arbeit. Fliegende Hunde, weiße
Kraniche und Wasserbüffel gehören ebenso zu diesem farbenprächtigen
Bild wie die bunten Fischerboote, schwimmenden Märkte und die Kegelhüte
der Frauen. Daneben erleben wir eine friedliche Idylle in tropischer Umgebung.
Die herrlichen Fruchtgärten beeindrucken mich ganz besonders. Das
erstemal sehe ich riesige Pomelos, Jackfrüchte, Mangos, Ananas, Bananen
und Sapotillen, auch als Wildfrüchte, in ihrem natürlichen Umfeld.

Jackfrucht
Täglich kaufen wir unsere Früchte
ganz frisch auf einem der vielen idyllischen Märkte ein, wo immer
ein reges Treiben herrscht. Was ist das für ein Genuss, die vielen
unterschiedlichen Bananen zu probieren. Da gibt es rote und grüne
Bananen, kleine dicke und dünne, große pralle und welche mit
richtig festen Kernen, von uns „Müsli-Banane“ genannt.
Auch kulturell ein „Leckerbissen“
Eine Wanderung auf den heiligen Berg
Nui Sam, einer uralten hinduistischen Verehrungsstätte an der Grenze
zu Kambodscha, bildet den Abschluss einer wunderbaren Zeit im Mekong-Delta.
An Tempeln vorbei geht es zu einem schönen Aussichtspunkt, von wo
wir einen herrlichen Blick auf riesige Reisfelder werfen können. Hier
hören wir auch, dass aufgrund der jährlichen ganz normalen Überschwemmung,
die Reisbauern zeitweise zu Fischern werden - wie praktisch.

Am Südchinesischen Meer
Von der Hitze des Mekong-Deltas geht
es nun über Saigon ins kühle Hochland von Dalat. Die Fahrt führt
über eine der malerischsten Strecken in Vietnam. Palmenhaine werden
bald von Kaffee-, Tee- und Zuckerrohrplantagen abgelöst, riesige Mangobäume
stehen in voller Blüte, dicht bewaldete Hügel und Berge säumen
unseren Weg. Nach der Überquerung von zwei Pässen liegt Dalat
auf 1500 m, eingebettet in eine liebliche Hügellandschaft, vor uns.
Dalat galt einst wegen seiner bezaubernden Lage auf der Hochebene Lam Vien
als „Klein Paris“ von Vietnam. Die junge „Stadt des ewigen Frühlings“
wurde vor ca. 90 Jahren von Franzosen als Sommerfrische gegründet
und hat ihren französischen Charme bis heute nicht verloren.
Bei angenehmen Temperaturen erschließen
wir wandernd die schöne Bergwelt mit herrlichen Wasserfällen
und besuchen ein Dorf mit einer ethnischen Minderheit, die noch in steinzeitlichen
Verhältnissen lebt.
Auch in Dalat entfaltet der Hauptmarkt
auf uns eine besondere Anziehungskraft. Was macht das für einen Spaß,
die Märkte zu besuchen und sich sein Rohkostmenu zusammenzustellen:
Als Aperitif genießen wir eine Trinkkokosnuss, essen dann unsere
Früchte und vermissen nichts. Leben wie Gott in Frankreich - und
das in einer kleinen Stadt, die eine gelungene Symbiose zwischen französischem Kolonialerbe und asiatischem Charme darstellt.
Unsere Naturerlebnisreise führt
uns nun zum Südchinesischen Meer. Erste Station ist Nha Trang mit
dem wohl farbenprächtigstem Hafen Vietnams. Palmen, Sand und Sonne
warten auf uns. Einsame Strände und idyllische Buchten mit riesigen
Felsformationen begeistern uns. Mit dem Boot geht es hinaus aufs Meer zu
einer reizvollen Inselwelt, die berühmt ist für ihre Schönheit
und ihr kristallklares Wasser. Und dazu ein exotisches Früchtebuffet
an Bord!
Weiter geht’s entlang dem Südchinesischen
Meer nach Mui Ne. In dieser ebenfalls direkt am Meer gelegenen Gegend gibt
es wüstenähnliche Landschaften, die zu den schönsten des
Landes gehören. Wir wandern barfuss über Sanddünen,
erklimmen bizarre Sandsteinformationen, durchwaten einen Fluss in oasenähnlicher
Umgebung. Abends sitzen wir am Meer und bewundern einen mit Sternen übersäten
Himmel, den es bei uns schon lange nicht mehr zu sehen gibt.
Nach 1500 km endet eine herrliche
Rundreise wieder in der weltoffenen Tropenstadt Saigon. Nochmals lasse
ich mich von dieser lebendigen Stadt gefangen nehmen. Mit dem Besuch mehrerer
berühmter buddhistischer Tempel und einem letzten Blick auf den geschäftigen
Saigon-River nehme ich Abschied von Süd-Vietnam.
Als ich die Hitze Saigons verlassen
hatte und mich im Flugzeug anschnallte, wusste ich, dass ich einen großen
Traum verwirklicht hatte und auf dem Weg in meine alte Welt war. Ich habe
viel gesehen und erlebt, und sicher brauche ich noch viel Zeit, um all
diese Eindrücke zu verarbeiten … denn ich habe auch viel Trauriges
gesehen, aber das wäre eine andere Geschichte.

Quelle: BALANCE ® 3/2000
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Heft 1/2012
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