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Multiple Sklerose - heilbar?
ungewöhnliche Ansichten zu einer ungewöhnlichen Krankheit

Multiple Sklerose, kurz MS genannt, ist eine der häufigsten Krankheiten des zentralen Nervensystems, bei jungen Erwachsenen steht sie in der Häufigkeit der Nervenleiden an erster Stelle. 50% mehr Frauen als Männer werden betroffen, und bis jetzt ist unklar geblieben, warum. So gibt es auch über die Ursache der MS viele Vermutungen, aber keine definitiven Erklärungen.

Die Symptome der MS, die schubweise auftreten, z.B. Taubheitsgefühle, Lähmungen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen und ein 'Fatigue'(Müdigkeits)-Syndrom, lassen sich jedoch pathologisch beschreiben. Sie werden hervorgerufen durch Schäden an der Schutzhülle der Nerven im Gehirn und/oder am peripheren Nervensystem. Diese Schutzhülle nennt man Myelinscheide.

Während eines Schubes entzündet sich diese an unterschiedlichen Stellen, und es bildet sich später eine Narbe, die dann leider nicht mehr die volle Funktionsfähigkeit des Nerven gewährleistet. Aus dem Gehirn kommende Befehle werden nur langsam oder fehlerhaft fortgeleitet. Die individuellen Symptome richten sich nach den betroffenen Nerven und deren Versorgungsgebiet, sie sind deshalb bei jedem Betroffenen anders, obwohl bestimmte Symptome als typisch gelten.

Was ist die Ursache für diese Entzündung?

Obwohl es viele schlüssige Faktoren gibt, die bei der Entstehung vermutlich eine Rolle spielen, erklärt keiner von diesen für sich gesehen das Zustandekommen der Entzündung. Die Hauptfaktoren seien hier kurz vorgestellt:

1. Vererbung

MS scheint keine primär vererbte Erkrankung zu sein. Das ererbte  Erkrankungsrisiko ist relativ gering.

2. Virushypothese

Verschiedene Erreger sind mit MS in Verbindung gebracht worden, so z.B. der Mumps-, Masern- und Herpes simplex-Virus. Mittlerweise weisen die Forschungsergebnisse darauf hin, dass nicht ein Erreger die MS auslöst, sondern dass gewisse Stukturen auf der Oberfläche, z. B. eines der oben genannten Erreger, der Myelinscheide ähneln und dann vom Immunsystem genauso angegriffen werden wie dieser. Dies ist dann der 3. Forschungsansatz: 3. Autoimmunes Geschehen.

4. Umwelt und Klima

Die Umgebung, in der der Mensch aufwächst, scheint das Risiko, in späterem Lebensalter MS zu bekommen zu beeinflussen.

Generell besteht ein geografisches Gefälle, wenn man die Krankheitshäufigkeit auf der Weltkarte betrachtet: Rund um den Äquator ist die Krankheit recht selten und nimmt nach Norden und Süden hin zu. Interessanterweise scheint es so zu sein, dass Menschen, die nach dem 15. Lebensjahr aus einer mit niedrigem Erkrankungsrisiko eingestuften Gegend in eine Hochrisiko-Gegend ziehen, immer noch ein niedriges Erkrankungsrisiko haben, wohingegen ein in früher Kindheit erfolgter Umzug zur Übernahme des höheren Risikos führt. Dies legt nahe, dass Lebensumstände und/oder kulturelle Faktoren und erlernte Verhaltensmuster eine Rolle spielen.

5. Ernährung

Die regional unterschiedliche Ernährung könnte die Krankheitshäufigkeit zumindest teilweise erklären. Dennoch zeigt sich bei nahezu allen MS-Kranken beim Erheben der Krankengeschichte, dass nicht lange vor dem Ausbruch, dem ersten Schub der Erkrankung, eine außergewöhnliche Belastungssituation vorlag, was die Schlussfolgerung nahelegt, dass die

6. Psychosomatik

als wichtigster Punkt als anzusehen ist. Denn o.a. Belastungssituationen lagen in den meisten Fällen nicht im rein körperlichen, sondern vielmehr im emotional-seelischen Bereich. In dieser erstaunlichen, aber vielleicht bei näherer Betrachtung gar nicht so überraschenden Tatsache, liegt vielleicht der Schlüssel zur MS. - Sicherlich spielen die oben angeführten Faktoren (und auch noch einige nicht aufgeführte!) eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit, aber schon mehrere namhafte Wissenschaftler des vorigen Jahrhunderts haben festgestellt, dass 'das Milieu, nicht der Erreger' der Krankheit den Weg bahnt. Und heutzutage wissen wir aus der modernen  Psychosomatik, dass unter 'Milieu' zu einem großen Teil auch die seelische Befindlichkeit zu verstehen ist! - Diese Erkenntnis könnte auch der Schlüssel zur Therapie der MS sein.

Isabell Regine Oeynhausen

Im Rahmen der Veranstaltsreihe des IBATH. e.V. werden zu dieser Thematik verschiedene Vorträge und Seminare angeboten. Nähere Informationen erhalten Sie unter Tel. 0211-4056414

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Quelle: BALANCE ® 4/2000

 

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