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F.M. Alexander-Technik
Ein Weg zu Flexibilität in Denken und
Bewegung
Die ständig wachsende Anzahl
von Heilmethoden in dem weiten Feld der so genannten Bewegungsprobleme könnte
darauf schließen lassen, dass eine Vielzahl dieser Probleme tatsächlich
auf einer Krankheit beruhen, die man nur zu „heilen bräuchte. Nur
sehr wenige Menschen machen sich bewusst, dass ihr Bewegungsproblem womöglich
gar keine Krankheit ist, sondern dass sie selbst durch ihr Verhalten die
Hauptverursacher ihrer Probleme sind - dass sie sich durch die Art und
Weise schaden, wie sie etwas tun, wenn sie etwas tun.
Vielleicht erkennen Sie sich in dieser
Situation wieder: Sie schreiben einen Brief oder telefonieren und halten
dabei den Kugelschreiber bzw. den Telefonhörer so fest, als wäre
er eine Zitrone, die Sie auspressen wollten. Dem Kugelschreiber und Telefonhörer
schadet das vergleichsweise wenig, Sie aber haben sich selbst geschunden
und haben nun weiße Druckstellen an den Fingern, vielleicht auch
ein steifes, schmerzendes Handgelenk und eine verkrampfte Schulter.

Dies ist nur ein Bagatellebeispiel
für eine unangemessene Überbeanspruchung des Organismus’. Wenn
man aber tagtäglich bei vielen Tätigkeiten mit sich auf die gleiche
kraftraubende, anstrengende Art umgeht, sollte es einen eigentlich nicht
wundern, wenn man abends mehr gerädert ist als nötig. Ganz zu
schweigen davon, dass man sich nach einigen Jahren der ständigen Überanstrengung
als versteift, unbeweglich und ungeschickt erlebt oder sogar Schmerzen
hat.
Meistens werden wir auf diese Unzulänglichkeiten
erst aufmerksam, wenn wir entweder Schmerzen empfinden oder wenn wir den
Dingen, die uns wichtig sind, nicht mehr problemlos nachgehen können.
Da haben wir den Musiker, der sein Instrument nicht mehr ohne behindernde
Verkrampfungen spielen kann, den Sänger, der heiser wird beim Singen,
die Tänzerin, die wegen Rücken- und Hüftproblemen das Tanzen
aufgeben muss oder die Büroangestellte, der wegen Kopf-, Rücken-,
und Handgelenkschmerzen der Bürotag zur Hölle wird.
Die Alexender-Technik gibt sich nicht
damit zufrieden, Missstände erst dann zu beachten, wenn man auf sie
aufmerksam wird, sie versteht sich als präventive Methode. Zwar kommen
die meisten Menschen erst zur Alexander-Technik, wenn sie unter Beschwerden
leiden, doch ist der Fokus der Arbeit darauf gerichtet, sein eigenes Verhalten
als (Mit-) Ursache anzuerkennen und dann so zu verändern, dass gar
keine weiteren Probleme mehr auftreten müssen. Wie funktioniert die Alexander-Technik?
In den Unterrichtsstunden lernen
die Schüler, wie sie sich und ihre Bewegungen organisieren, z.B. beim
Gehen, beim Schreiben auf dem Computer oder beim Zähneputzen etc.
Meist sind die Schüler darüber verblüfft, wieviel unnötige
Anspannung im ganzen Körper sie zu diesen einfachen Tätigkeiten
einsetzen.
In Teamarbeit suchen Schüler
und Lehrer gemeinsam neue Lösungsmöglichkeiten dafür, wie
man diese Tätigkeit so effizient wie möglich gestalten kann.
Dabei geht es keinesfalls um das Verteilen von Rezeptanweisungen, sondern
um die Schulung einer neuen Denkfähigkeit, mit deren Hilfe man lernen
kann, jede Tätigkeit, ob bekannt oder neu, effektiv zu meistern. Leitlinien
dabei sind nicht starre Handlungsanweisungen (der Rücken soll gerade
sein, beim Bücken in die Knie gehen etc.), sondern allgemeinere und
hilfreiche Grundsätze.
Ein wichtiges Prinzip der Alexander-Technik
könnte man bezeichnen als „Weniger ist mehr“. Es spricht davon, dass
es bei den Veränderungen seiner Handlungen nicht darum geht, etwas
anderes zu tun, sondern darum, das Überflüssige wegzulassen.
Das Ergebnis ist verblüffend. Alexander beschrieb diesen Prozess so:
„Wenn man aufhört,
das Falsche zu tun, wird sich das Richtige von allein tun“.
Von den Schülern wird dieser
Prozess meinst als große physische und psychische Erleichterung empfunden.
Sie bemerken oft eine deutliche körperliche Entlastung, ohne den Zwang,
etwas „richtig machen zu müssen, d.h. ohne Verhaltensregeln einhalten
zu müssen.
Die Alexander-Technik ist ein spannender
Prozess, durch den man nach und nach seine Denk- und Verhaltensstrukturen
kennenlernt und bessere Alternativen für diese entwickelt. Durch diesen
neuen Denkprozess lernen wir, das „Falsche zu stoppen“ und erlangen dadurch
mehr Flexibilität in unseren Bewegungen und ein größeres
Bewegungsrepertoire. Gefühle von Steifigkeit, körperlicher Abgeschlagenheit
und Schmerzen, die durch Verspannungen hervorgerufen wurden, verschwinden
oft nach kurzer Zeit.
Wie und wo kann man die Alexander-Technik
erlernen?
Der Unterricht kann je nach persönlichem
Bedürfnis als Einzelunterricht oder als Gruppenunterricht stattfinden,
in kleinen, manchmal auch großen Gruppen. Alle drei Formen sind sehr
empfehlenswert und effektiv. Der Lehrer arbeitet in jeder Unterrichtsform
sowohl auf der verbalen Ebene, als auch mit Hilfe von Berührungen.
Ausgebildete Alexander-Technik-Lehrer
gibt es in fast jeder größeren Stadt in Deutschland. Oft besteht
die Möglichkeit, sich in Einführungsvorträgen oder Workshops
über die Arbeit zu informieren.

Quelle: BALANCE® 1/2001 |
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Heft 1/2012
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