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Die Säulen der Gesundheit
oder aller Anfang kann auch leicht sein

von Dr. med. Rüdiger Dahlke

„Gesundheit ist das höchste Gut“ weiß der Volksmund, und Schweizer geben sie unter den Neujahrswünschen ganz vorne an. Umso erstaunlicher, dass sich das so wenig im Gesundheitsverhalten niederschlägt. Der Dichter Christian Morgenstern formulierte diesen Widerspruch treffend: „Das Gesundheitsinteresse ist riesig, das Gesundheitswissen ist mäßig, das Gesundheitsverhalten ist miserabel“. Ein Buch zu diesem Thema kann also durchaus auf großes Interesse stoßen, es kann das sowieso schon vorhandene Wissen noch erweitern und vertiefen, wirklich helfen aber wird es nur, wenn es in der Lage ist, das Gesundheitsverhalten nachhaltig zu beeinflussen und zu verändern. Letzteres wissen wir für „Säulen der Gesundheit“ aus der Erfahrung vieler Seminare. In diesen hat sich einerseits die Erkenntnis von Morgenstern bestätigt, andererseits haben sich mit der Zeit in der Praxis bewährte Auswege aus dem Dilemma ergeben.

Gesundheitsverhalten muss Spaß machen und zeitgemäß sein

Gesundheitsverhalten muss Spaß machen, um langfristig Chancen zu haben; dass es vernünftig und über alle Maßen gesund ist, reicht leider nicht. Vollwerternährung wird erst dort zur wirklichen Alternative, wo sie auch besser schmeckt als die mit Geschmacksverstärkern aufgepeppte Konkurrenz. Bewegung wird nur durchgehalten, wenn sie Freude macht.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen müssen sich in Formen kleiden, die zur jeweiligen Zeit passen und die Menschen dort abholen, wo sie sind. Die Vorstellungen von Pfarrer Kneipp und Turnvater Jahn sind zwar noch immer richtig und gesund, sie finden auch keinen Widerspruch, aber auch kaum noch Anhänger. ­ Schließlich müssen die Konzepte leicht, rasch verständlich und logisch nachvollziehbar sein ­ wir geben uns und entsprechenden Maßnahmen immer weniger Zeit.

1. Säule: Bewusstsein

Auch wenn wir heute gern alles neu machen wollen, sind die alten Ideale noch immer gültig, etwa das der Antike vom gesunden Geist im gesunden Körper. Erst wo Gleichgewicht herrscht zwischen körperlicher und geistiger Entwicklung und wo die Seele gern im eigenen Körperhaus wohnt, kann jene Zufriedenheit einkehren, aus der Glück werden kann. Der Weg zum Glück kann überall beginnen, aber er muss irgendwo anfangen.

Heute zerfällt das Ideal der Antike immer mehr in Einzelteile: Das Mehrheitsmedium Fernsehen präsentiert uns uralte äußerlich fit wirkende, innerlich leere US-Greise, deren einziges Ziel Altwerden ist, was sie dann gar nicht sein wollen, oder auf Idealfettwerte getrimmte seelisch verarmte Sportwesen, deren Lebensstimmung sich auf der Fettwaage entscheidet, oder Ernährungsapostel und Gesundesser, deren moralinsaure ungesunde Ausstrahlung ihr eigenes Programm Lügen straft ­ und schließlich die modernen sogenannten Couchpotatoes, die angesichts der Aussichtslosigkeit all dieser Ansätze gar nicht mehr mitmachen ­ ihr Leben spielt sich vor dem Fernseher ab.

Aus solchen Versuchen folgt, dass Ergebnisse in Einzelbereichen zu kurz greifen und tief in uns noch immer der alte Wunsch lebt und wartet: ein gesunder Geist möge in einem gesunden Körper leben. Wünschen allein aber reicht nicht, man müsste auch einiges unternehmen, um sich diesem Ziel zu nähern. Die Säulen der Gesundheit tragen jede für sich und alle zusammen das Dach unseres Körperhauses. Dabei unterstützen sie sich gegenseitig und machen die Last erträglicher.

2. Säule: Ernährung

Eine typgerechte gesunde Ernährung fördert z.B. die Bewegungsfähigkeit und -lust, sorgt für genügend Energie im Körper und belastet ihn nicht über Gebühr. Sie erhöht die Sensibilität des eigenen Organismus, so dass er schneller spüren und melden kann, wenn er Entspannung oder Bewegung braucht.

3. Säule Bewegung

Vernünftige Bewegung erleichtert ihrerseits die Verdauung, zum Beispiel indem sie die Atmung anregt und damit den Massageeffekt, der vom Zwerchfell als Hauptatemmuskel ausgeht, erhöht und durch die Anspannung der Bauchmuskeln vertieft. Außerdem steigert sie die Stoffwechselrate und damit den Grundumsatz, was dazu beiträgt, den Organismus in die für ihn stimmige Form zu bringen, da überschüssiges (Fett-)Gewebe verbrannt werden kann. Vor allem kann die persönlich richtige Bewegungsart enorm viel Spaß machen und damit die Motivation für jedes Gesundheitsprogramm heben.

Regenerierende Entspannung fördert ihrerseits im Anschluss die Lust auf Bewegung und erleichtert diese auch, weil sie auf ganz andere Weise als Bewegung die Durchblutung fördert und natürlich damit auch den Geist befruchtet, der ja ebenfalls auf gute (Gehirn-)Durchblutung angewiesen ist. Einfache geführte Meditationen, die die Aufmerksamkeit zum Beispiel mit einem inneren Lächeln in bestimmte Regionen des Körpers lenken, erhöhen dort ­ inzwischen sogar messbar ­ die Durchblutung und damit nicht nur die Entspannungstiefe, sondern auch die Regeneration ­ und oft die Heilungschance. Die Bewegungsfähigkeit wird auch besser, sobald die Entspannung Dehnungselemente einschließt. Die so gesteigerte Flexibilität macht Bewegungsübungen leichter und fließender und vor allem genussvoller und reduziert das Verletzungsrisiko.

Für viele psychosomatisch Interessierte ist inzwischen selbstverständlich, daß bewusst gesteigerte körperliche Beweglichkeit auch die geistige Anpassungsfähigkeit erhöht, ganz ähnlich wie zunehmende Durchblutung und Belebung der Muskulatur etwa beim Laufen auch die Hirndurchblutung steigert, was wiederum die vielen guten Ideen etwa beim Laufen erklärt. Entspannung hilft natürlich und vor allem auch unserem Geist, seine Möglichkeiten auszuschöpfen.

Ein regelmäßig in tiefe, genussvolle Entspannung abtauchender Mensch wird damit aber auch seine Möglichkeiten verbessern, die anstehenden Lebensaufgaben zu verdauen, was sich wiederum positiv auf die Verdauung im Magen-Darm-Trakt auswirkt. Wer etwas nicht verdauen kann, und sich das nicht eingesteht, wird das bald an seiner körperlichen Verdauung spüren wie die Erfahrungen mit „Krankheit als Symbol“ gezeigt haben. Jeder einzelne Atemzug im Rahmen entsprechender Übungen massiert über das Zwerchfell nicht nur sanft und bestimmt die Verdauungsorgane, sondern die Atmung profitiert natürlich ihrerseits, wenn die Verdauung ungestört verläuft und nicht etwa ein überblähter Darm nach oben gegen das Zwerchfell drückt und es in seinem Bewegungsspielraum einengt. So viele lohnende Möglichkeiten, die sich gegenseitig befruchten, fördern und verstärken, müssten eigentlich herausfordern, und nähmen wir die Säulen Umwelt und Bewusstheit noch hinzu, wären es noch weit mehr. Die meisten Menschen nutzen aber nur einen geringen Prozentsatz ihrer Möglichkeiten.

Die Anfangshürde überwinden

Der springende Punkt ist und bleibt, dass es zuerst gilt, die Anfangshürde zu nehmen beziehungsweise die eingefahrenen Teufelskreise zu durchbrechen. Sobald das geschafft ist, ergibt sich ein Zusammenspiel der einzelnen Säulen, das einen selbst und die Umgebung begeistern wird. Dann kann man erleben, dass Gesundheit mindestens so ansteckend ist wie Krankheit. Jetzt werden sich die Freunde und Kolleginnen zu interessieren beginnen, warum man an keiner Grippewelle mehr teilnimmt, essen kann, wozu man Lust verspürt, ohne dick zu werden, warum man am Abend frischer ist als sie am Morgen und insgesamt mehr und Besseres leistet. Bis dorthin ist der Weg zwar nicht weit, aber er wird ungewohnt sein und mehr Eigeninitiative und -verantwortung erfordern, als wir gewohnt sind, für Gesundheitsthemen zu investieren. Wer aber einmal von der prickelnden Energie und fließenden Bewegungslust gekostet hat, bleibt dabei, die brennende Frage ist nur, wie kommt er dahin?

Möglichkeiten der „Umkehr“

Natürlich kann man mit mit allen Säulen der Gesundheit gleichzeitig anfangen, das Problem ist aber nicht das Anfangen, sondern das Durchhalten bis man Ergebnisse spürt - dann ist alles gewonnen. Insofern gilt es, sich zu Beginn richtig einzuschätzen und die eigene Energie und Disziplin gut einzuteilen.  ­ Jeden Tag eine halbe Stunde im Sauerstoffgleichgewicht zu laufen, wäre eine wundervolle Möglichkeit, aber wenn jemand abnehmen und schnell in Form kommen will, dauert es doch lange - nämlich Monate - bis der gewünschte Effekt eintritt. Die erste halbe Stunde Laufen bringt ihm zum Abnehmen nämlich kaum etwas, er muss seinem Körper die Fettverbrennung erst wieder beibringen, die dieser in faulen Jahren verlernt hat. Zum Glück verlernt der Körper aber nicht nur schnell, er lernt auch schnell. Wer einmal ein Körperglied aus einem Gipsverband zurückbekommen hat, kennt das. Der Organismus passt sich dem Ruheprogramm an und baut nicht benutzte Muskulatur ab. Genauso reduziert er die entsprechenden Fettverbrennungsmöglichkeiten, wenn jemand seinen Stoffwechsel einschlafen läßt. Nun dauert es Wochen und manchmal Monate, bis eine effektive Verbrennung wieder in Gang kommt und das Abnehmen klappt. Dann allerdings kann man sich auch im Liegestuhl räkeln und wird sogar dabei abnehmen, denn nun arbeiten die kleinen Kraftwerke immerzu in großer Zahl und Effizienz.

Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass man richtig läuft, nicht zu schnell, um keine Sauerstoffschuld einzugehen, aber auch nicht zu wenig, um überhaupt einen wirksamen Reiz zu setzen. Wo man gerade noch genug Luft durch die Nase bekommt, ist in der Regel der passende Bereich. Wer sich und seine Disziplin kennt und weniger zu langem Durchhalten neigt, muss auch bezüglich einer Ernährungsumstellung vorsichtig sein, denn auch hier kann es Monate dauern, bis die positiven Auswirkungen spür- und sichtbar werden.

Glücklicherweise gibt es eine Reihe einfacher, zeitlich überschaubarer und trotzdem wirksamer Einstiegsmöglichkeiten, es kommt nur darauf an, die für sich richtige Methode zu wählen. Eine besonders einfache Methode, weil man auf vorgegebene Hilfen zurückgreifen kann, ist die geführte Meditation. Der regenerierende Effekt ist ähnlich wie bei einem Mittagsschlaf. Zudem kann man sie überall ­ im Liegen wie auf dem Stuhl ­ durchführen, und es gibt reichlich Themenangebote. Selbst jedes noch so kleine Krankheitssymptom zu einer Heilmeditation anregen.

Eine andere wirksame Möglichkeit für eine Umkehr und um aus einem Teufelskreis auszubrechen, ist eine Fastenwoche. Fasten, das nicht mit Nulldiät zu verwechseln ist ­ letztere ist wirklich in der Regel nullwertig ­ ermöglicht in ihrem Anschluß die Umstellung der Ernährung auf leichte Art. Solch eine Woche wäre ein idealer Neuanfang. Selbst ein süßigkeitenabhängiger Organismus entwickelt dadurch gesunde und natürlichere Bedürfnisse, die zu befriedigen, Freude macht. Außerdem ist eine bewusste Fastenzeit die einfachste Methode zum Entzug von Tabak-, Alkohol und Drogen. Der Organismus wird dabei auch ganz von sich aus Lust auf Bewegung entwickeln und dazu leichter in der Lage sein. Auch Entspannung fällt beim Fasten nicht nur leichter, sie passt bestens dazu und vertieft die Erfahrung. Wem auch eine Woche ­ wie zum (ersten) Fasten notwendig ­ noch zuviel ist, könnte immer noch auf den „verbundenen Atem“ bauen. In einer ca. zweistündigen Atemreise erreicht man eine ungewohnt tiefe Entspannung. Dermaßen tiefe Regenerationserfahrungen, die noch dazu auf naturheilkundlicher Seite viel bringen, wird man sich gerne gönnen. So wird der Organismus geradezu mit dem Lebenselixier Sauerstoff überschwemmt. Ein weiterer Vorteil ist: Atmen kann jeder, der noch lebt.

Sich anfangs nicht überfordern

Wichtig ist bei all diesen wie auch den übrigen Vorschlägen in „Säulen der Gesundheit“, dort anzufangen, wo man wirklich ist und sich nicht gleich von Anfang an zu überfordern. In „Säulen der Gesundheit“ haben wir darauf Rücksicht genommen, und trotzdem wird es jeder anders lesen und verstehen. Seine vielen Angebote lassen uns aber hoffen, daß jeder seinen individuellen Weg daraus ableiten kann. Gehen muss er ihn natürlich selbst, wobei es auch dafür noch Hilfsmittel und Einführungen gibt.

Weiterführende Literatur

R. Dahlke, B. Preiml, F. Mühlbauer: „Säulen der Gesundheit“, Hugendubel, Jan. 2000
Übungs-CD: R. Dahlke, F. Mühlbauer: „Den Tag beginnen“, Bauer-Verlag, 1999
R. Dahlke, Ehrenberger „Wege der Reinigung ­  Entgiften, Entschlacken, Loslassen“, 1998

Informationen zu Seminaren über die „Säulen der Gesundheit“, zum Fasten,
Ausbildungen: Heil-Kunde-Institut A-8020 Graz, Kernstockgasse 21, 
Tel. 0043-316-719888-5 Fax: -6; Internet: www.dahlke.at

Lesen Sie in der nächsten BALANCE über die II. Säule Ernährung: „Du bist, was du isst“

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Quelle: BALANCE® 1/2001

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