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Die Säulen der Gesundheit
2. Säule „Du bist, was Du
isst“
von Dr. med. Rüdiger Dahlke „Solange wir Schlachthöfe haben,
werden wir auch Schlachtfelder haben“ oder „Du bist was du isst!“ waren
die aggressiven Parolen der frühen Vegetarierszene, um den Fleischessern
deutlich zu machen, was von ihnen zu halten sei.
Die Beschimpften haben den Spieß
ihrerseits umgedreht und mit Ausdrücken wie „Rüben“, „Knollen“
oder „Kohlköpfe“ zurückgeschlagen. Solche Wortschlachten zeigen
die gespannte Stimmung zwischen den verschiedenen Ernährungslagern.
In keinem Bereich der Gesundheits-Szene herrscht so wenig Einigkeit wie
bei der Ernährung. Selbst in der an sich schon kleinen Gruppe der
Vegetarier ist man sich untereinander nicht besonders grün. Veganer,
die auf jede Form tierischer Produkte, also auch auf Milchprodukte und
Eier verzichten, grenzen sich noch vehement vom Rest der Vegetariern ab,
und die „Sonnenköstler“ - insgesamt ein verschwindendes Häufchen
? sind völlig überzeugt, dass ihre Kostform die einzig vertretbare
sei.
Die breite Mehrheit der Bevölkerung
isst dagegen auf einer ganz anderen Schiene und tendiert zu industriell
produzierten Fertiggerichten und Schnellfutter (fast food), das in Supermärkten
und den einschlägigen Schnellfutterplätzen reichlich und billig
angeboten wird. Im Gegensatz zum Überangebot an Ideologie in der Gesundlebeszene
hat diese Mehrheit gar keine Ernährungsphilosophie, sondern freut
sich darüber, dass ihre Nahrung so billig ist.
In der Schweiz hat sich mehr noch
als in den Nachbarländern in den letzten beiden Jahrzehnten dazwischen
eine breiter werdende Gruppe von Menschen entwickelt, die nicht fanatisch,
aber auch nicht bewusstlos, bereit sind, sich über Ernährung
Gedanken zu machen. An diese richtet sich dieser Artikel wie auch das Buch
„Säulen der Gesundheit“, wobei immer Hoffnung besteht, aus dem Kreis
der unbewussten Esser noch einige für die gesündere Sache zu
gewinnen.
Denn gerade dort isst man in großen
Mengen und wird nicht recht satt, denn sonst käme es wohl kaum zu
solchem Übergewicht. Allein mit dem der Deutschen könnte man
die Hungernden der sogenannten Dritten Welt kalorisch ein ganzes Jahr über
Wasser halten. Auch wenn das Problem in der Schweiz nicht so übergewichtig
sein mag wie in Deutschland, ist es doch nicht zu übersehen.
Wenn jemand immer weiter isst, obwohl
er schon längst über seinen Bedarf hinaus ist, liegt der Verdacht
nahe, dass er immer noch Hunger hat und jedenfalls nicht ganz satt sein
kann. Das liegt vor allem daran, dass die Nahrungsmittel, die er zu sich
nimmt, zwar reichlich Kalorien enthalten, aber nicht die nötigen Nährstoffe.
Da die Mehrheit das von der Industrie angebotene Billigfutter in übergroßen
Mengen verspeist und wenig Wert auf wirkliche Lebensmittel legt, wäre
es erstaunlich, wenn die Produzenten von sich aus dieses funktionierende
System ändern würden. Tatsächlich sind viele nicht nur mit
dieser Billignahrung zufrieden, sondern fordern und genießen sie
sogar. Eine enorme Anzahl von künstlichen Aromastoffen lässt
die von der Industrie „designte“ Nahrung genauso schmecken, wie gewünscht.
Amerikanische Collegestudenten ziehen längst künstliches Erdbeeraroma
dem echter Erdbeeren vor, wie Versuche eindrucksvoll ergeben.
Wären da nicht das laufend zunehmende
Übergewicht und einige andere unsympathische Krankheitssymptome, die
Essenswelt der Mehrheit erschiene durchaus heil. Tatsächlich herrscht
Mangel im Überfluss, wie er auch in vielen anderen Bereichen zu beklagen
ist und von Ernährungspäpsten wie Bircher-Benner, Kollath und
Bruker längst vorausgesagt wurde.
Bei Kindern wurde beobachtet, dass
sie bei Mangelerscheinungen anfingen, die eigenartigsten Dinge zu essen,
nur um einen fehlenden Stoff zu bekommen. Selbst vor Lippenstiften schreckten
amerikanische Kids nicht zurück, wenn diese ein ihnen fehlendes Spurenelement
enthielten. Ähnlich wie die Bevölkerungsmehrheit einen schwer
zu durchschauenden Cocktail an Farb-, Konservierungs- und Aromastoffen
zu sich nimmt, nahmen diese Kinder eine Menge an sich ungenießbarer
Farb- und Giftstoffe zu sich, nur weil ihr Organismus Mangel an einem einzigen
Spurenelement hatte. Insgesamt wird die mit Industriefutter abgespeiste
Mehrheit immer mehr Mangelerscheinungen hervorbringen, einfach, weil die
Grundstoffe, aus denen Fertiggerichte hergestellt werden, für unsere
Gesundheit wesentliche Spurenelemente nicht mehr enthalten. Selen, um nur
ein Beispiel zu nennen, ist in den durch intensive Bearbeitung ausgelaugten
europäischen Böden kaum noch vorhanden. Folglich wird der Organismus
solange Hunger erleben, wie er Selenmangel hat. Das heißt aber, solch
ein Esser wird nicht mehr satt, soviel er auch von der Mangelnahrung verschlingt.
Selbst wenn er sich den Bauch bis zum Völlegefühl vollschlägt,
ist er nicht satt, sondern eben nur voll. Wäre der Magen nicht voll,
würde er weiteressen, in der unbewussten Hoffnung, vielleicht doch
noch zu bekommen, was er braucht. Der Vorgang ist so leicht zu durchschauen,
dass man sich wundert, wie wenig Beachtung er findet.
Unsere „Lebens“-mittel verdienen
diesen Namen immer seltener
Der Weg zum Mangel ist genauso leicht
nachvollziehbar. Die Böden werden durch die intensive Ausbeutung ihrer
Spurenelemente beraubt. Moderne Bauern holen bis zu zwei Ernten aus ihnen
heraus, während man früher bei der Dreifelderwirtschaft nur alle
drei Jahre eine einzige Ernte erwartete wurde und die beiden übrigen
Jahre ausschließlich der Regeneration des Bodens dienten. Die heutige
Ergiebigkeit verdanken wir (Kunst-)Düngern, die zum Beispiel
Stickstoff und Phosphor ersetzen konnten. Aber natürlich konnten nur
jene Stoffe ersetzt werden, die man kannte. Die Spurenelemente kann bis
heute kein moderner Bauer ersetzen, da wir sie noch längst nicht alle
kennen. Mit der Zeit werden so unsere intensiv ausgebeuteten Böden
immer leerer und in der Folge auch unsere darauf produzierten Lebensmittel,
die diesen Namen immer seltener verdienen.
Der zweite ebenso wichtige Weg zum
Mangel im Überfluss führt über die Raffinierung der Nahrungsgrundstoffe,
der Kohlenhydrate, Fette und die Verfälschung der Eiweiße. Die
Nahrungsmittelindustrie macht derlei nicht aus Bosheit, sondern aus Effizienzdenken
und hat so zum Beispiel unser Mehl deutlich haltbarer gemacht, wodurch
es wiederum billiger wurde. Man spaltet vom vollen Korn den Keim und die
Schale ab, verfüttert beides als Kleie an Schweine und behält
den ganzen Stärkekörper in einer viel haltbareren Form. Dieser
vordergründige Vorteil hat allerdings den Nachteil, dass man mit der
Kleie auch die wichtigsten Spurenelemente verliert und die Verbraucher
im wahrsten Sinne des Wortes leer ausgehen. Unseren Fetten (Ölen)
und dem Eiweiß ergeht es technisch anders, aber nicht besser. - Nun
gibt es verschiedene Strategien, mit dem ganzen Dilemma umzugehen. Die
große Mehrheit in den Industrienationen ignoriert das Problem und
wacht nur jeweils kurz auf, wenn wieder einer der üblichen Skandale
durch die Presse geistert. Wenn gerade die BSE-Berichte den Blätterwald
beherrschen, wechselt man auf Schweinefleisch, und wenn die Schweinepest
im medialen Vordergrund steht, auf Geflügel; wenn dessen Salmonellenreichtum
öffentlich besprochen wird, wird wieder beim Rind begonnen. Diese
Situation ist zwar in der Schweiz besser und wird hier auch bewusster zur
Kenntnis genommen, allein der allgemeine Trend ist überall spürbar.
Gesunde Ernährung erhöht
die Lebenserwartung
Immerhin belaufen sich die Schäden
aus der Fehlernährung allein in Deutschland auf über 100 Milliarden
DM pro Jahr. Noch deutlicher und krasser illustrieren Tierversuche die
Lage. Füttert man Versuchstiere überreichlich mit einer Kost
wie sie der durchschnittliche US-Amerikaner bevorzugt, reduziert man deren
Lebenserwartung um durchschnittlich 30 Prozent. Wenn man dagegen dieselben
Tierarten mit einer artgerechten vollwertigen Nahrung sparsam ernährt
und ab und zu futterfreie Tage einlegt, erhöht sich die Lebenserwartung
um 25 Prozent. Die Ergebnisse dieser Tierversuche lassen sich ausnahmsweise
auf Menschen übertragen. Das aber heißt, dass es hier um Jahrzehnte
unseres Lebens geht. Und nicht nur die Quantität der Jahre steht auf
dem Spiel, sondern vor allem auch deren Qualität. - Die artgerecht,
vollwertig aber karg ernährten Tiere erfreuten sich einer beeindruckenden
Vitalität, während ihre reichlich mit Zivilisationskost versorgten
Artgenossen ähnlich kläglich an ähnlichen Zivilisationssyndromen
verendeten wie die Mehrheit der Menschen moderner Industriestaaten.
Nahrungsergänzungsstoffe
sind nicht einschätzbar
Eine kleinere Gruppe von Menschen
erkennt das moderne Dilemma mit der Nahrung und will gegensteuern, indem
die fehlenden Spurenelemente, (Co)Enzyme, Vitamine usw. nachträglich
der Mangelnahrung zugesetzt werden. So logisch dieser Weg des Ersatzes
der fehlenden Stoffe erscheinen mag, beinhaltet er doch leider gravierende
Denkfehler. Die unnatürlich hohen Dosen an Nahrungsergänzungsstoffen
sind in ihren Konsequenzen noch gar nicht abzuschätzen. Gegen sie
spricht, dass sie unnatürlich sind. Statt unkontrolliert pillenschachtelweise
Vitamine und Spurenelemente zu schlucken, wäre es sicher gesünder,
sich mit auf natürliche Weise gewachsener vollwertiger Nahrung zu
versorgen, die noch alles enthält, was wir brauchen. Selbst wenn solch
vollwertige Nahrung teurer erscheint, ist sie es doch nicht, denn das Zusetzen
der fehlenden Stoffe ist unvergleichlich kostspieliger, ganz abgesehen
von den Folgekosten entsprechender Krankheitssymptome. Im übrigen
kennen wir bis heute nur einen Bruchteil der notwendigen Spurenelemente.
Der Versuch, sie alle zu ersetzen, ist also chancenlos. Der Nahrungsmittelindustrie
erscheint der Weg der Substitution natürlich durchaus vielversprechend,
zuerst ruiniert sie die ursprünglichen Lebensmittel auf Nahrungsmittelniveau,
und dann verdient sie wieder an der Reparatur der Schäden.
Das besonders Gefährliche an
den irrationalen Heilsversprechungen der Vertreter von Ersatzstoffen ist
gerade, dass sich leicht beeinflussbare Menschen mit solchen Wunderrezepten
so sicher fühlen, dass sie für ihre Gesundheit wirklich wichtige
Maßnahmen unterlassen. Wer weiter Industriefutter zu sich nimmt,
sich zu wenig und falsch bewegt und seine seelischen Bedürfnisse ignoriert,
kann sich von Nahrungszusätzen nichts erwarten.
Natürlich wäre es
schön, weil so einfach, wenn man Gesundheit und ewige Jugend in Pillenform
schlucken könnte. Wer unbedingt schluckend seine Gesundheit verbessern
will, fährt noch am besten, wenn er sich an die uralten Rezepte der
großen Medizintraditionen hält. Die tibetische Medizin etwa
hat in Gestalt der Rezepte der kleinen Schweizer Firma Padma durchaus einiges
zu bieten. Das Rezept Nummer 28 kann tatsächlich die Durchblutungssituation
verbessern und so der Infarktgefahr vorbeugen. Von dieser Firma wird aber
bezeichnenderweise auch gar nicht behauptet, man könne sich auf Grund
dieses Mittels alles andere wie sinnvolle Bewegung oder die notwendige
seelische Auseinandersetzung ersparen.
Der beste Weg jedenfalls bleibt eine
artgerechte möglichst naturbelassene Ernährung, die dem individuellen
Typ angepasst ist und höchstens durch Naturstoffe ergänzt wird,
die sich durch Jahrhunderte bewährt haben.
Alte Heiltraditionen wie die chinesische
Medizin können uns bis heute helfen, unseren Ernährungstyp zu
finden. „Säulen der Gesundheit“ zeigt einfache Wege auf, sich die
wesentlichen Erkenntnisse aus dem Weisheitsschatz der Menschheit zunutze
zu machen, nicht nur für eine sinnvolle Ernährung, sondern für
ein insgesamt gesundes Leben.
Literaturempfehlungen: R. Dahlke,
B. Preiml, F. Mühlbauer: Säulen
der Gesundheit, Hugendubel, 2000
Übungs-CD zum Buch: R. Dahlke,
F. Mühlbauer: „Den Tag beginnen“, Bauer-Verlag, 1999
R. Dahlke, Ehrenberger „Wege der
Reinigung - Entgiften, Entschlacken,
Loslassen“, 1998
Informationen zu Seminaren über
die „Säulen der Gesundheit“, zum Fasten,
Ausbildungen: Heil-Kunde-Institut
A-8020 Graz, Kernstockgasse 21,
Tel. 0043-316-719888-5 Fax: -6;
info@dahlke.at
www.dahlke.at

Quelle: BALANCE® 2/2001
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