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Trauerbegleitung
welche verschiedenen Wege gibt es?

Menschen, die einen ihnen nahestehenden Menschen verloren haben, benötigen bei der Bewältigung ihrer Trauer oft Hilfe: Trauerbegleitung.

Sich nach einem solchen Verlust in einem Trauerzustand zu befinden, ist etwas ganz Natürliches. Doch oft kann der/die  Betroffene die Trauer in seinem/ihrem Umfeld nicht ausleben und/oder verdrängt sie, was zu einer ernsthaften Erkrankung führen kann. Deshalb stellt Trauerbegleitung eine Form der Gesundheitsprävention dar.

Unsere Gesellschaft tut sich schwer, Gefühle wie Trauer, Wut, Depression, u. a. bei jemandem zuzulassen. Heitere und fröhliche Menschen sind es, die „gewollt“ werden und nicht trauernde, und so neigen Betroffene oft dazu, ihre wahren Gefühle hinter einer Maske zu verstecken. Sie tun dies oft deshalb, weil sie (berechtigte) Angst haben, wegen ihrer Trauerreaktionen vom Umfeld für verrückt gehalten zu werden. Sich an dieser Stelle bewusst zu machen, dass im Leben dieser Menschen tatsächlich etwas verrückt ist ­ nämlich dass ein geliebter Mensch plötzlich nicht  mehr da ist, was nicht zu begreifen ist ­ wäre für Betroffene eine große Hilfe.

Deshalb ist eine Aufgabe des Trauerbegleiters für den Einzelnen oder die Gruppe, im wahrsten Sinne des Wortes Raum zu schaffen, so dass alle Gefühle, die einen Trauerprozess  begleiten, zugelassen werden können. Das ist Vorraussetzung dafür, dass Wunden heilen können.

Sterbe- und Trauerbegleitung

Sehr oft wird Sterbebegleitung mit Trauerbegleitung verwechselt und umgekehrt. Dabei führt die Sterbebegleitung in den Tod und die Trauerbegleitung (zurück) in das Leben. Daraus resultierend beschäftigen einen sterbenden Menschen ganz andere Dinge, als jemanden, der um einen geliebten Menschen trauert. Er ist noch „hier“ und muss nun den Alltag, in dem eine schmerzliche Lücke klafft, bewältigen.

Pfarrer, Hospize und Ehrenamtliche

Menschen, die einen nahen Angehörigen durch Tod verloren haben, wissen oft nicht, dass es nicht nur eine einzige Form der Trauerbegleitung gibt. Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, sich in seiner Trauer begleiten zu lassen. Dass Betroffene die für sie richtige Art der Trauerbegleitung finden, ist nicht leicht, aber grundlegend für ihren Weg in die Trauerarbeit.

In der Hauptsache sind es Pfarrer und Hospize, die Trauerbegleitung anbieten. Leider ­ ohne lautere Absichten abwerten zu wollen ­ haben Sie es hier oft mit ehrenamtlichen Mitarbeitern zu tun, die in maximal acht Abenden auf ihre Rolle als Trauerbegleiter vorbereitet wurden.

Hospize bieten eher Sterbebegleitung als Trauerbegleitung an. Dennoch werden hier oft beide, der Sterbende und der Trauernde von ein und demselben ehrenamtlichen Begleiter im Hospiz betreut. Doch ist dazu ein Mensch wirklich in der Lage? Muss er da nicht  ­ zu seinem eigenen Schutz ­ in den Gesprächen an der Oberfläche bleiben? Kann er wirklich, wenn der Betroffene es signalisiert und braucht, tiefer gehen? Ist das Hospiz, wo ein Mensch seinen nahen Angehörigen durch Tod verloren hat, der geeignete Ort für Trauerbegleitung?

Trauerbegleitung in Gruppen, wird von Pfarreien und Hospizen häufig im Kursverfahren, d.h. an sechs bis acht Abenden oder viermal jährlich (je ein Abend) abgehalten. Hier stellt sich die Frage, ob die Dauer der Trauerbegleitung vom Anbieter oder vom Betroffenen auszugehen hat.

Offene Gesprächskreise

Hier erfahren Betroffene, dass ihnen zugehört wird und sie über das sprechen können, was sie erlebt haben. Danach fühlen sie sich oft sehr erleichtert und verstanden. Es gibt Trauernde, denen das reicht. Sie wollen oder können nicht in die Trauerarbeit einsteigen.

Bei dieser Form der Trauerbegleitung wird aus der Einheit von Körper, Geist und Seele, hauptsächlich der Geist beansprucht.

Themenorientierte Gesprächskreise

Auch hier wird der Geist angesprochen. Interessierte Betroffene tun gut daran, vorab zu schauen, ob sie der Themenkatalog auch anspricht oder ob sie das Gefühl haben, dass ihnen etwas „übergestülpt“ wird.

Selbsthilfegruppen

Hier treffen sich Menschen, die alle vom Tod eines nahen Angehörigen betroffen sind. Auch hier geht es um reden, zuhören und verstanden werden, nicht aber um tiefgehende Trauerarbeit.

Trauerbegleiter

Inzwischen werden Ausbildungen zum Trauerbegleiter angeboten, die  ausgehend von sechs Wochen bis hin zu einigen Monaten dauern. Hier lernen Interessierte, nach welcher Methode Trauerbegleitung stattfinden sollte.

Aber ist es sinnvoll, einem so starken Gefühl wie Trauer mit Methodik zu begegnen? Das Erlernen von Trauerritualen anderer Länder kann ein weiterer Bestandteil der Ausbildung zum Trauerbegleiter sein. Trauernde Menschen sollten genau nachfragen, welche Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen ein Trauerbegleiter hat und was er anbietet.

Der ganzheitliche Weg

Trauerbegleitung, in der Körper, Geist und Seele des Menschen gleichermaßen angesprochen werden, können ganzheitlich arbeitende Therapeuten, wie z.B. Sozialpädagogen oder Gestalttherapeuten, leisten. Bei der Trauerbegleitung geht es um Trauer,  ein sehr starkes Gefühl, das im Bauch und nicht im Kopf empfunden wird. Um es wirklich verarbeiten zu können, muss es daher erlebt werden. Geschehen kann dies z.B. durch entsprechende Atem-  und/oder Sinnesübungen. Die tiefe Bauchatmung ist besonders trauernden Menschen oft abhanden gekommen. Betroffene lernen so, sich selbst wieder zu fühlen beziehungsweise wahrzunehmen. Die Trauerarbeit beginnt. Unsere fünf Sinne machen Lebens-Sinn. Das wird Betroffenen durch die Sinnesübungen deutlich.

Gespräche schließen sich dem Erlebten an. Jetzt können Worte für diffuse Gefühle gefunden werden. Viele Trauernde berichten, dass sie mit der Stille, die sie jetzt umgibt, nicht zurecht kommen. Daher gibt es Stilleübungen und Gespräche, die helfen, mit dieser Stille umzugehen.

Zwischen den Gruppenstunden kann jede Übung zu Hause vertieft werden ­ als Hilfe zur Selbsthilfe. Das hierbei Erlebte kann dann mit in den nächsten Gruppenabend gebracht werden, wo auch weitere Anliegen der Gruppe ihren Platz finden: Das (Aus) Sprechen psychosomatischer Beschwerden, Träume vom Tod und anderes. Dieser Weg der Trauerbegleitung geht vom einzelnen Menschen aus. Das, was dieser sagt, denkt und fühlt, ist für ihn richtig und wird akzeptiert. Jeder Betroffene wird so auf SEINEM Trauer-Weg begleitet. Das Ziel ist es hier, mit ihm zu ent- decken, was wieder Lebensfreude und Halt gibt. Denn hinter jeder Krise steckt mindestens eine Chance. Dadurch bekommen Betroffene die Kraft, mit dem  Verlust  (wieder) LEBEN zu wollen.

Jeder Mensch, der trauert, hat seine Trauerzeit. Der eine braucht drei Monate, der andere ein Jahr und länger. Trauern ist ein Prozess. Kann dieser abgeschlossen werden, ist die Trauer wirklich verarbeitet. Trauerarbeit richtet sich daher nach den Bedürfnissen des einzelnen und gibt keine Zeit vor, in der die Trauer zu bewältigen ist.

Kosten

Institutionen, die Trauerbegleitung anbieten, werden in der Regel bezuschusst. So können sie diese kostenfrei oder gegen ein geringes Entgelt anbieten. Bei der ganzheitlichen Trauerbegleitung ist das nicht der Fall. Gestalttherapeuten und Sozialpädagogen, die selbständig arbeiten, sind auf Teilnehmergebühren angewiesen. Betroffene sollten genau überlegen, welche Gesichtspunkte bei der Trauerbegleitung für sie wichtig sind.

Ich wünsche ihnen, dass Sie den für Sie richtigen Trauer-Weg finden.

Gabriele Fuhs
 

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Quelle: BALANCE® 2/2001

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