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Bei Rückenschmerzen Zähne zeigen

Jeder zweite Bundesbürger hat mindestens ein Mal in seinem Leben Rückenschmerzen. Probleme mit der Wirbelsäule sind die häufigste Ursache für Fehlzeiten am Arbeitsplatz und 100.000 Bandscheibenvorfälle werden jährlich operiert.

Was aber viele, selbst chronisch Betroffene nicht wissen, die Ursache für ihr Kreuz mit dem Kreuz kann in den Zähnen liegen. Lesen Sie hier über den Zusammenhang zwischen Rücken und Zähnen und warum man bei ungeklärten Rückenproblemen unbedingt "Zähne zeigen" sollte.

Zähne sind in erster Linie "Werkzeuge", um Nahrung zu zerkleinern und für die Verdauung vorzubereiten. Medizinisch-anatomisch zählen die Zähne zum Skelett. Deshalb spricht man auch von Kieferorthopädie. Die Backen-, Eck- und Schneidezähne sind im Kiefer fest verwurzelt und stehen somit über den Schädel in enger Verbindung zur Wirbelsäule. In einem intakten Gebiss steht jeder Zahn in einem ganz bestimmtem Kontakt zu seinem Gegenzahn. Durch diese Anordnung werden die Zähne senkrecht belastet, die Kaukraft wird gleichmäßig auf die Kiefer verteilt. Wird dieser Kontakt zwischen Zahn und Gegenzahn verändert oder gestört, zum Beispiel durch Verlust eines Zahnes, durch nicht hundertprozentige Wiederherstellung nach Kariesbehandlung oder durch schlecht sitzende Brücken und Kronen, kann das weitreichende Folgen haben. Unser Kauapparat zählt nämlich zu den sensibelsten Systemen, die wir im Körper haben: Ein Haar mit einem Durchmesser von 80stel bis 100stel Millimeter zwischen den Zähnen, empfindet man als deutliche Störung.

Liegt im Gebiss also eine Störung vor, versucht die Muskulatur des Kauapparates durch stärkeres Anziehen des Unterkiefers den mangelhaften Kontakt auszugleichen. Bleibt der Fehlkontakt über längere Zeit bestehen, wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt: Der Unterkiefer zieht fester, auf andere zuvor richtig belastete Zähne wird mehr Druck ausgeübt. Das kann  zur Bildung von Knochentaschen, zur Lockerung von Zähnen oder zur Schädigung der Zahnhälse führen. Auch der Kieferknorpel kann gequetscht werden, was sich als Knacken im Kiefer bemerkbar macht.

Schließlich überträgt sich der mangelhafte Kontakt in der Kieferleiste auf die Wirbelsäule: Die Muskeln halten unseren Körper durch ein gleichmäßiges Zusammenspiel  von links und rechts in aufrechter Position. Werden durch stärkeres Zubeißen auf einer Kieferseite die Muskeln verkürzt, verkürzt der Körper automatisch auch die Muskulatur auf der anderen Seite. Durch diese Muskelverkürzungen kann es zu Verdrehungen der Wirbelsäule kommen.

Ein Millimeter Fehlstellung im Kiefer kann bis zu einem Zentimeter Fehlhaltung in der Wirbelsäule bedeuten. Wie eine Welle geht der Druck von oben nach unten durchs Rückgrad. Leicht vorstellbar, dass es zu Verspannungen im Nacken, zu Verdrehungen der Wirbel und zu generellen Rückenbeschwerden kommen kann.

Analyse des Fehlkontaktes

Bei herkömmlichen allgemeinen Zahnbehandlungsmethoden können  Zusammenhänge zwischen Zähnen und Rückenproblemen in der Regel nicht hergestellt werden. Dazu sind spezielle Analysegeräte und eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Patienten notwendig. Modernste Mess- und Computerverfahren ermöglichen es der ganzheitlichen Zahnheilkunde, die Stellung von Ober- und Unterkiefer zueinander genau zu überprüfen und etwaige Fehlstellungen ausfindig zu machen, außerdem die Drehachse der Kiefergelenke zu bestimmen und den Kiefer in alle Bewegungsrichtungen zu vermessen. Nach den Ergebnissen einer solchen kompletten Messung - Funktionsanalyse genannt -  ist es möglich, Zahnfüllungen und Zahnersatz nach dem für jeden Menschen individuellen Kaumuster zu gestalten. Das heißt, die Zähne werden originalgetreu wiederhergestellt. Eine wichtige Voraussetzung, damit Rücken und Zähne nicht aus der Balance geraten.

Frauke Kleist
Medizin-Journalistin

Weitere Adressen finden Sie auch im Internet unter dem Stichwort
„Ganzheitliche Zahnheilkunde"

Die ganzheitliche Betrachtungsweise ist schon mehr als 200 Jahre alt

Dass Zähne aber mehr sind als bloße „Beißwerkzeuge“ und sogar Charakter zum Ausdruck bringen, zeigt schon unsere Sprache. Da heißt es: „Beiß die Zähne zusammen“, oder jemand „klappert vor Angst mit den Zähnen“, „da hat jemand Biss“ oder „jemand  ist gar verbissen“.
Diese ganzheitliche Betrachtungsweise ist durchaus nicht neu. Bereits im Jahre 1800 hat der amerikanische Zahnarzt Horace H. Hayden als Pionier der Zahnheilkunde gefordert, bei der Behandlung von Zahnkrankheiten umfassende Kenntnisse der Anatomie, Physiologie und anderer medizinischer Fächer einzubeziehen. Diese umfassende  Betrachtungsweise wurde nicht unbedingt geschätzt. 1825 musste Hayden seine Lehrtätigkeit wegen Unstimmigkeiten an der Universität von Maryland aufgeben.

Check-up Liste

Bei diesen Beschwerden/Symptomen könnten die Zähne die Ursache sein
 

• Rheuma ohne Befund
• Knacken im Hüftgelenk
• Allergien
• Schmerzen im Hüftgelenk
• Ekzemen
• Ohrgeräuschen
• Haarausfall
• Tinnitus
• Hörsturz
• Kopfschmerz
• Nackenverspannungen
• Sehstörungen
• Rückenschmerzen
• Schwindel
• Gliederschmerzen
• Bewusstseinstörungen
• Verschleiß der Gelenke

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Quelle: BALANCE® 2/2001

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