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Vegetarierin aus Überzeugung
Vegetarierin aus Überzeugung
Wie ich wurde, was ich bin
von Barbara Rütting
Es gab zwei Beweggründe, die
mich dazu brachten, vegetarisch zu leben - vor 30 Jahren. Der erste: Die
Rheumakrankheit meiner Mutter. Gegen ihr Rheuma erhielt sie Tabletten,
die schließlich Leberkrebs verursachten, an dem sie elend starb.
Ich vermutete damals zwar bereits
einen Zusammenhang zwischen ihrer Krankheit und unserer gemeinsamen
Ernährungsweise, hatte aber zu wenig Ahnung, um ihr helfen zu können,
zumal die behandelnden Ärzte einen solchen eventuellen Zusammenhang
ziemlich ironisch als absurd ausschlossen.
Im Alter von dreißig Jahren
bekam ich dann selbst Rheuma. Von der Mutter geerbt, hieß es, ich
müsse nun die gleichen Medikamente schlucken, bis an mein Lebensende.
Das tat ich einige Jahre, merkte jedoch, das Rheuma wurde
nicht besser, nur der Magen ging kaputt - und dass ich enden würde
wie meine Mutter.
Ich stellte meine Ernährung
langsam aber konsequent auf eine vollwertige vegetarische Kost um und bekam
so mein Rheuma in den Griff
Glücklicherweise hatte ich inzwischen
die Bücher von Dr. Bircher-Benner, Prof. Kollath und später von
Dr. Bruker in die Hände bekommen. Es wurde deutlich, dass die
Erkrankung meiner Mutter wie auch meine eigene sehr wohl mit unserer falschen
Ernährung zusammenhing - unserer „üppigen Mangelernährung“,
wie Prof. Kollath es ausdrückt: Man hatte nach dem Krieg „endlich
wieder alles“, Fleisch, Wurst, Zucker, Kaffee etc. Wir aßen üppig
- aber eben mangelhaft.
Der zweite, vielleicht noch einschneidendere
Beweggrund für die Umstellung auf eine vegetarische Lebensweise war
allerdings der Umzug aufs Land. Ich konnte die Tiere, die ich nun um mich
herum kennen und lieben lernte, nicht mehr essen. Nachbars Schaf
Franzi, als Braten mit grünen Bohnen - unmöglich. Oder gar mein
Zwerghuhnpärchen am Spieß - ausgeschlossen!
Ich habe dann später die Ausbildung
zur Gesundheitsberaterin bei Dr. Bruker gemacht, um meine in der Praxis
gewonnenen Erkenntnisse auch wissenschaftlich untermauert zu sehen.
Und siehe, sie hielten stand! Professor Leitzmann hat in seinen gründlichen
Studien bewiesen, dass Vegetarier grundsätzlich erst einmal gesünder
sind. Vermutlich leben sie auch länger.
Vegetarische Vollwertkost gegen
Hungersnot in Bulgarien
Als ich 1989 immer wieder in den
Gazetten las, die Polen hungern, die Bulgaren, die Rumänen, ebenso
die Russen, weil sie kein Fleisch, keine Wurst, keinen Zucker kaufen können,
fragte ich mich, wieso Menschen hungern, gar verhungern, weil sie etwas
nicht haben, was ich gar nicht brauche. Ich schlug vor, gemeinsam mit einem
bulgarischen Arzt die vegetarische Vollwertkost in Bulgarien vorzustellen.
Wir veranstalteten Kochkurse für
Ärzte und Köche am Schwarzen Meer und in Sofia, schließlich
auch in dem 10.000 Einwohner zählenden Ort Bansko, auf den sich später
meine "Hilfe zur Selbsthilfe" konzentrieren sollte. Zunächst druckten
wir eine winzige Broschüre mit den wichtigsten Informationen und Rezepten
aus der vegetarischen Vollwertküche, später 3.500 Exemplare der
Kurzfassung meines Buches "Grüne Rezepte für den blauen Planeten".
Beides wurde kostenlos an Ärzte,
Köche, die Medien und interessierte Laien verteilt, die sich
für eine Änderung ihrer Ernährungsweise hin zum Vegetarismus
interessieren. Inzwischen trägt eine große gespendete Getreidemühle
dazu bei, die Waisenkinder von Bansko mit vollwertigem Essen zu versorgen,
mit einer zweiten ebenfalls gespendeten Getreidemühle arbeitet ein
Banskoer Bäcker. Er sowie ein Unternehmer und der Banskoer Bürgermeister
wurden nach Salzburg eingeladen, um sich hier über das Backen und
Kochen mit Vollkorngetreide, den Bau von Getreidemühlen und
über sanften Tourismus zu informieren.
Als ich 1989 zum ersten Mal nach
Bulgarien kam, musste die Hausfrau bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen
von 800 Lewa 90 Lewa für ein Kilo Fleisch hinblättern, aber nur
3 Lewa für ein Kilo Getreide. Auch heute ist das Verhältnis ähnlich
krass. Es liegt auf der Hand: Vollwertige fleischfreie Ernährung ist
nicht nur gesünder, sondern auch ökonomischer. Und oft die Rettung
überhaupt.
Der Einstieg in eine bewusstere,
ökologische und dem gesamten Kosmos dienende Lebensweise geschieht
am einfachsten über die Änderung der Ernährungsweise.
Durch die Art, wie ich mich ernähre,
trage ich zur Rettung des Planeten bei - oder zu seinem Untergang
In den Ländern, die seit jeher
einen hohen Fleischanteil auf ihrem Speisezettel stehen haben, braucht
es natürlich viel Überzeugungsarbeit. Unsere Hilfe muß
immer Hilfe zur Selbsthilfe werden, wenn sie einen Sinn haben soll.
Durch die Art, wie ich mich ernähre,
trage ich zur Rettung des Planeten bei - oder zu seinem Untergang. Ernährung
ist also durchaus ein Politikum, und keine reine Privatsache. Mir scheint,
nicht der Biss in den Apfel hat den Sündenfall eingeleitet, sondern
der Biss ins Fleisch. Vor kurzem sah ich zufällig im Fernsehen einen
Film über die brutale Abschlachtung von Affen für den Fleischverzehr
in Afrika. In diesem Film wurde behauptet - und diese Theorie habe ich
bereits vor Jahrzehnten gehört, als zum ersten Mal von Aids die Rede
war - dass Affen seit Jahrtausenden den sogenannten Aidserreger in
sich trügen, er ihnen aber nichts anhabe, und dieser erst durch Jäger
und den ständig zunehmenden Verzehr von Affenfleisch zu der Seuche
geführt habe.
Die Natur wehrt sich
Ich werde nie die Bilder der so menschenähnlichen
Affengliedmaßen und Köpfe vergessen, die da als Leckerbissen
im Feuer geröstet wurden, nie die Augen des Gorillababys, das verstört
neben seiner zerstückelten Mutter hockte. Gorillas sind uns Menschen
sehr ähnlich, und wir sind also vom Kannibalismus gar nicht so weit
entfernt. Wir leben immer noch im Zustand der Barbarei.
Aber die Natur beginnt offensichtlich,
sich zu wehren. All die Lebensmittelskandale der letzten Zeit bringen nur
ans Licht, was wir Tierrechtler längst wissen - Salmonellen, Schweinepest,
BSE, der Dioxinskandal etc., sie sind "die Rache der verspeisten Tiere",
wie es ein amerikanischer Arzt ausdrückt.
Auch wenn viele Menschen nur aus
gesundheitlichen Gründen heute weniger Fleisch essen, ich betrachte
auch das als einen Fortschritt. Sie haben immerhin begonnen, nachzudenken.
Auszug aus dem Manuskript des zwischenzeitlich
bei Langen Müller Herbig, München erschienen Buches von Barbara
Rütting: Lachen wir uns gesund. Gebundene Ausgabe - 198 Seiten - ISBN:
3776622369

Quelle: BALANCE® 3/2001 |
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Heft 2/2013
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