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Tantra
weit mehr als „nur“ Sexualität !

... über die Wiederentdeckung der eigenen Lebendigkeit

In den letzten Jahren ist Tantra immer mehr in Mode gekommen, denn diese ursprünglich geheime spirituelle Lehre erweckte zunehmend das Interesse einer breiten Öffentlichkeit. Doch vor allem die meist sexuell ausgerichteten Darstellungen von Tantra in den Medien sorgten eher für Verwirrung und Verunsicherung, und die Folge sind meist Vorbehalte dagegen oder ein sehr begrenztes Verständnis von Tantra als eine Massageform oder exotische Sexualtechniken.

Tantra ist der einzige ganzheitliche Weg, der das Tabu-Thema „Sex“ mit einbezieht

Tantra ist ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet „verweben“ oder „ausdehnen“. Die Ursprünge des Tantra reichen ca. 5000 Jahre Jahre zurück und entstanden als eine Gegenbewegung zum asketischern Yoga als auch zum Buddhismus. Tantra ist ein ganzheitlicher und spiritueller Erfahrungsweg, der als einziger das Tabuthema Nr. 1, die Sexualität und die sexuelle Energie bewusst mit einbezieht. In unserer heutigen westlichen Kultur gibt es kein Wissen und keinen Bezugsrahmen, um die transformierende Kraft und das heilende Potenzial unserer Sexualität zu erfahren.

Aus dem höchst spirituellen Meditationsweg, der früher nur durch persönliche Einweihung des Meisters an den Schüler weitergegeben wurde, ist heute eine populäre Erscheinung geworden. Inzwischen gibt es diverse Tantraschulen mit sehr unterschiedlicher Ausrichtung und Qualifikation der Leiter. Hier ist Vorsicht geboten, denn manche Schulen haben ganz andere Auslegungen von Tantra und bieten einiges an, was eher dem Bedürfnis nach sexuellen Kontakten entspricht als einem persönlichen und spirituellen Wachstumsweg. Auch Tantra, bei dem es einfach um Wellness und Entspannung geht, wird der Tiefe des tantrischen Geistes nicht gerecht.

Vom Denken ins Fühlen gelangen

Wie viel Aufmerksamkeit schenken Sie jeden Tag Ihrer Umwelt, wie viel sich selbst? Tantra bedeutet, anzuhalten in der Hektik des Alltags, zur Ruhe zu kommen und sich auf die eigene Mitte zurück zu besinnen. Aus dem Raum der inneren Ruhe entsteht ein ganz neues Lebensgefühl, eine erhöhte Wachheit für sich selbst. Sie werden präsenter, beginnen die selbstgestrickte Gedankenwelt, die Sie daran hindert, voll und ganz am Leben teilzunehmen, mehr und mehr loszulassen. Tantra ermöglicht es, aufzuhören in der Erinnerung an die Vergangenheit oder der Spekulation über die Zukunft zu leben - es bedeutet ins unmittelbare Erleben des Moments einzutauchen.

Tantra bedeutet Lebensfreude pur erleben. Wenn wir kleine Kinder betrachten, bekommen wir einen Eindruck von der unbändigen Lebensfreude und dem spontanen Ausdruck der Gefühle. Im Laufe des Lebens schneiden wir uns durch zahlreiche Erfahrungen und Konditionierungen von dieser Lebensenergie ab. Lebendigkeit und emotionale Präsenz nehmen ab zugunsten der intellektuellen Entwicklung.

Menschen, die zu uns kommen, beklagen oft, dass sie ihr Leben als lustlos und flach erleben, was sich dann auch auf die Sexualität auswirkt. Im Tantra erhoffen sie wieder mehr Lebendigkeit und Sinnlichkeit zu erleben.

Und tatsächlich ist Tantra ein Weg, der Menschen in Kontakt bringt mit ihrer ursprünglichen Lebensfreude und der Sehnsucht nach Verbindung mit sich selbst und anderen Menschen. Tiefes Glücksgefühl, Präsenz und Ekstase sind unser natürliches Lebensgefühl, an das die Menschen in Tantraseminaren wieder anknüpfen können.  Tantra zeigt einen Weg auf, um diese oft vergessenen Gefühle wieder erleben zu können ? als Bereicherung des eigenen Lebens.

Weiterhin zeigt Tantra einen Weg, um von der oft unbarmherzigen Selbstkritik zur Annahme und Selbstliebe zu gelangen.  Selbstliebe fängt bei ganz alltäglichen Dingen an - beim Annehmen von all den Gefühlen in uns: jemand, der Angst, Wut, Traurigkeit oder ein anderes ungeliebtes Gefühl fühlt und es nicht fühlen will, kämpft innerlich gegen sich selbst. Der innere Schalter ist auf NEIN. Schlüsselübungen im Tantra zeigen, wie es möglich ist, den inneren Schalter wieder auf JA zu stellen und mit Liebe alle Gefühle anzunehmen. Der kleine Unterschied im Erleben stellt sich ein, wenn ich von „NEIN, ich will nicht wütend sein.“ Auf „JA, ich bin jetzt wütend.“ umschalte und mir erlaube diese Wut zu spüren. Tantra zeigt hier einen Weg, um aus dem Dilemma herauszukommen, Gefühle entweder auszuleben oder sie unterdrücken zu müssen.

Erweckung der Sinne

Normalerweise erleben wir unsere Welt nicht mehr unmittelbar, sondern aus unseren Gedanken, Vorstellungen und Bewertungen heraus. Alles wird eingeordnet, für gut oder schlecht befunden, noch bevor wir überhaupt etwas erfahren können. Tantra führt uns zurück in das Reich unserer Sinne. Es lehrt uns, wie wir durch das reine Lauschen, Riechen, Fühlen und Schauen uns selbst und den anderen ganz neu wahrnehmen und begegnen können, jenseits des Verstandes und seiner Beurteilungen. So führt uns Tantra zum entspannten Fühlen, zu mehr Losgelöstheit von Gedanken und Erwartungen, zu unseren ureigensten Wünschen und Impulsen und zu einem sinnen-freudigen Dasein.

Tantra geht davon aus, dass in jeder Frau ein göttlicher Wesenskern ist, der „Shakti“ genannt wird, in jedem Mann ein „Shiva“. So geht es im Tantra nicht nur um die Begegnung von Mann und Frau, sondern insbesondere von Shiva und Shakti.

Den eigenen Körper wieder wertschätzen lernen

Wir wohnen als Götter im Tempel unserer Körper. Und dieser Tempel möchte gepflegt und verehrt werden. Viele Menschen unserer Kultur sind damit beschäftigt, den eigenen Körper zu kritisieren und sind zufrieden, wenn er „funktioniert“. Ein ganzer Markt lebt von der Ablehnung und mangelnden Wertschätzung des eigenen Körpers. Tantra kann eine neue Beziehung zum eigenen Körper und der ihm innewohnenden Sinnlichkeit aufbauen.

Tantra bedeutet weiterhin, die Liebes- und Beziehungsfähigkeit zu entwickeln, aufzuhören, den anderen die Schuld zu geben, sondern selbst Verantwortung für die Liebe zu übernehmen.

Im wesentlichen geht es um Erfahrungen, die man mit sich selbst macht, eben um Selbsterfahrung und persönliches Wachstum. Daher ist es auch nicht erforderlich, einen Partner zu haben, mit dem man ein Tantra-Seminar besucht. Es kann zwar schön sein, mit dem Intimpartner tantrische Übungen, Massage und gemeinsames Wachstum zu teilen, doch eine Vielzahl der Strukturen beinhalten keinen intimen Körperkontakt. Oft ist es auch so, dass Paare sich in ihrer individuellen Entwicklung einschränken oder behindern, weshalb manchmal Partner auch bewusst einzeln in unsere Seminare kommen.

Wir werden häufig gefragt, ob es nicht schwierig ist, einem fremden Menschen so nah zu begegnen. - Begegnungen im Leben sind häufig geprägt von einem Mangel. Man will Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit, Anerkennung oder etwas anderes vom anderen bekommen. Diese Haltung ist die eines Bettlers, eine Haltung der Bedürftigkeit.  Im Tantra führen wir Teilnehmer in Kontakt mit ihrem inneren Gott (Shiva) und der Göttin (Shakti). Sie erleben im Tantra eine ungeahnte Fülle und Freude - eine unbändige und sinnliche Lebensfreude, wie sie in jedem Kind steckt, aber im Laufe des Lebens oft verloren geht. Wenn ich mit diesem Grundgefühl einem anderen Menschen begegne, so ist es aus dem Bedürfnis des Teilens, des Schenkens heraus. Jede/r hat so etwas schon erlebt in sehr schönen Momenten des Lebens, etwa in der Zweit des frisch verliebt seins, wo die Freude einfach übersprudelt und sie mit anderen geteilt werden möchte. Nur leider hält dieser Zustand meist nicht lange an.

Um an einem Tantra-Seminar für Anfänger teilzunehmen, sind keine Vorkenntnisse erforderlich.  Sicherlich sind Erfahrungen in Körperarbeit, Selbsterfahrung, Meditation oder Tantra hilfreich, aber keine Bedingung.

Tantra ist ein Weg der Ausdehnung und führt über die oft engen persönlichen Grenzen des Verhaltens und der Einstellung hinaus, dennoch werden in seriösen Tantra-Schulen die TeilnehmerInnen niemals gezwungen, über ihre eigenen Grenzen zu gehen oder wird gar mit psychischem Druck gearbeitet. Die TeilnehmerInnen werden in ihren Bedürfnissen stets respektiert. Hierunter fällt auch das Thema Nacktheit, die in bestimmten Strukturen angenehm und sinnvoll sein kann (z. B. bei Ölmassagen), aber nie Pflicht ist. Auch inwieweit die Menschen in Kontakt gehen, bestimmen sie selbst.

Kanz klar zu betonen ist, dass sexuelle Vereinigung nicht Bestandteil unserer Seminare ist. Es werden auch keine sexuellen Praktiken oder Techniken ausprobiert.Tantra weist weit über die Befriedigung unserer Wünsche hinaus.

Völlige Hingabe an das, was ist

Indem der Wunsch, das Verlangen, völlig akzeptiert und angenommen wird,  braucht es nicht mehr zwingend seine Erfüllung. Tantra lehrt die Überwindung unserer Fixierungen und unseres Verlangens durch die völlige Hingabe an das, was ist. Wenn wir einen Wunsch haben, dann geben wir uns dem Wunsch hin. Wenn er erfüllt wird, geben wir uns der Erfüllung hin. Wenn er enttäuscht wird, geben wir uns der Erfahrung der Enttäuschung hin. Wenn wir auf diese Weise unsere Wünsche leben lassen, ohne auf ihre Erfüllung festgelegt zu sein, nimmt unsere Lebensfreude enorm zu.

Es geht im Tantra also nicht um vordergründige Befriedigung. Es geht um tiefere Prozesse und ein Ja zum eigenen Körper, zur eigenen Weiblichkeit bzw. Männlichkeit.

Tantra bedeutet aber auch persönliches Wachstum, die Wiederentdeckung der eigenen Lebendigkeit, Lebensfreude und Selbstliebe. Doch der tantrische Weg endet nicht im persönlichen und zwischenmenschlichen Bereich. Er führt weiter in eine größere Dimension, eine Erweiterung des Bewusstseins und spirituelles Wachstum.

Astrid Bust & Björn Leimbach
Tel. 0231/9173434· Fax 9173435
www.tantra.de

Die Autoren haben das LoveCreation Tantra® entwickelt. Sie sind Heilpraktiker, Tantralehrer und haben verschiedene Zusatzausbildungen absolviert, u.a. systemische Paartherapie, Atem- Körpertherapie u.a. Diese Erfahrungen bringen sie in ihre Seminare mit ein.

Teilnehmerstimmen

• Tantra heißt für mich, die Energie, Kraft und Liebe zu spüren, die in mir steckt.

• Der einzige Mensch, den ich verändern kann, bin ich selbst. Zunächst muss ich mich annehmen und lieben mit allen Stärken und Schwächen.

• Ich habe gelernt, nicht allein durch Härte zu mir oder anderen zu meinem Ziel zu kommen. Die Kraft und Energie fließt im Loslassen. Es erleichtert mir den Umgang mit mir selbst und meinen Mitmenschen.

• Beim Tantra erlebe ich intensive Kontakte zu anderen Menschen. Ich habe meine Lust und Freude gespürt. Ich bin meinen Ängsten, Projektionen und Schatten begegnet. Ich habe ein Stück Abstand gewonnen. Ich nehme meine Dramen nicht mehr ganz so ernst wie früher. Ich habe gelacht und geweint, war stolz und beschämt, war voll Hoffnung und verzweifelt. Ich habe die Kraft gespürt und den Sumpf. Ich hatte Momente der Stille und tiefen Glücks.

• Tantra ist für mich Heilung, Lebensfreude, Ekstase, Lust, Entgrenzung. Das Einschließen von allen Ebenen des menschlichen Seins, das Ja-Sagen zu mir und das bewusste bejahende Wahrnehmen aller meiner Regungen und Aspekte. Mir zu erlauben, alles zu fühlen und gleichzeitig sanft und bestimmt immer mehr die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. Tantra bedeutet dadurch auch Heilung, Freude, Verbinden mit allen und allem.

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Quelle: BALANCE® 3/2001
 

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