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Die Feldenkrais-Methode®
Selbstverantwortung durch Bewegung?

Bewusstheit durch Bewegung ­ so heißt die von Dr. Moshé Feldenkrais entwickelte Gruppenarbeit für mehr menschliche Beweglichkeit, Selbstverantwortung und Freiheit. Sicher große Worte für eine Sache, die ­ schaut man den Praktizierenden dabei zu ­ nach leichter Gymnastik ohne viel Pep aussieht.

Was man nämlich sieht, sind Menschen, die, meist auf dem Boden liegend, auf Anweisung eines meist sitzenden oder durch den Raum wandelnden Lehrers (oder Lehrerin natürlich) Bewegungen ausführen. Diese Bewegungen sind manchmal so klein, dass man fast nichts sieht und manchmal zwar groß, aber so fremdartig, dass man wiederum nicht weiß, was man davon halten soll. In jedem Fall aber sollen sie möglichst leicht und mühelos und immer schmerzfrei stattfinden.

Das Besondere an dieser eigentlich recht simplen Vorgehensweise ist, dass es keine Vorgabe für die letztlich „richtige“ Bewegung gibt. Jede(r) ist gehalten, die eigene „richtige“ Form zu finden. Deshalb liest oder hört man oft, bei der Feldenkrais-Methode könne man nichts falsch machen.

Dem eigenen Empfinden vertrauen, was richtig ist

Was hat es nun mit diesem „richtig“ oder „falsch“ auf sich ? Das Nervensystem des Menschen ist so strukturiert, dass der allergrößte Teil seiner Funktionen erlernt ist. Das heißt, sie sind nicht als Muster fest eingegeben, sondern werden in einem Prozess der Erfahrung angelegt. Dieses Lernen ist, wie jeder Lernvorgang, ein Prozess von Versuch und Irrtum. Die Feldenkrais-Methode unterscheidet sich durch die eigene Erfahrung des „Richtigen“ von dem, was wir gewöhnlich unter Lernen verstehen.

Während es bei dem Lernen, das wir aus Erziehung und Ausbildung kennen, immer eine Vorgabe für das Richtige gibt, gilt hier nur das eigene Empfinden als Maßstab für die Richtigkeit. Dies wird von den Teilnehmern oft zunächst als irritierend empfunden. Wir sind es schließlich gewohnt, dass ein Lehrer uns vormacht, zeigt, wie etwas richtig geht und uns korrigiert. Wenn wir dann diesem Vorbild entsprechen, waren wir erfolgreich mit unserem Lernen.

Dieses „Programm“ haben wir ein Leben lang trainiert, und am Beispiel eines kleinen Kindes wird dies deutlich: Nachdem es lange Zeit absolut erwünscht war, endlich ein „Bäuerchen“ nach der Mahlzeit zu machen, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem das Kind erfährt, das man so etwas nicht tut. Jedenfalls nicht merkbar für andere. Seine Fragen nach dem Warum bleiben unbeantwortet bzw. werden mit präzisen Aussagen wie; „das macht man halt nicht!“ beschieden. So lernt das Kind, das Bedürfnis seines Körpers für sein Wohlergehen zu sorgen, zu unterdrücken und statt dessen brav zu sein, um geliebt zu werden. Solche, tausendfach gemachten Erfahrungen, führen letztlich dazu, dass wir überhaupt kein Vertrauen mehr in die eigene Fähigkeit haben, beurteilen zu können, was für uns gut ist oder nicht. Wir suchen stets draußen nach Kriterien für das, was für uns gut und richtig ist, und finden sie in einer Fülle von Regeln, Lehren, Gesetzen, Religionen und Normen. Wir werden geradezu süchtig nach der äußeren Kompetenz, die uns die Verantwortung dafür abnimmt zu entscheiden, was „richtig“ ist.

Nicht antrainierte Regeln bestimmen die Entscheidung

Bei den TeilnehmerInnen einer Gruppe für „Bewusstheit durch Bewegung“ äußert sich das zunächst in einer Irritation darüber, dass man nicht genau gezeigt bekommt, wie denn nun die Bewegung genau sein soll. Feldenkrais nötigt gewissermaßen das Nervensystem dazu, wieder selbst zu entscheiden. Und diese Entscheidung wird dann auf einer Empfindungsebene getroffen. Wenn nämlich das Nervensystem frei von diesen äußeren Zwängen und zielorientierten Regeln entscheiden kann, wird es immer die angenehmste von mehreren Möglichkeiten wählen. Es wählt das, was sich am angenehmsten anfühlt.

Für die TeilnehmerInnen sind die auszuführenden Bewegungsabläufe daher nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Sie sind gehalten, die unterschiedlichen Varianten auf ihre Annehmlichkeit zu überprüfen; gewissermaßen „abzuschmecken“. Die jeweils angenehmste, und damit vermutlich leichteste Weise wird dann später weiter verfolgt und mit anderen Elementen, die vorher in gleicher Weise „abgeschmeckt“ wurden, in Beziehung gesetzt. So wird nach und nach das vom Lehrer zugrunde gelegte komplexe Bewegungsmuster in seiner Ganzheit wahrnehmbar, und es wird gelernt, oft bekannte, alltägliche Handlungen in sehr viel besserer und eleganterer Art auszuführen, bzw. neue Dinge zu tun, von denen mancher vorher nicht geglaubt hätte, sie jemals zu erlernen.

Oft verschwinden die verschiedensten Schmerzen

Indem nun die Teilnehmer mit diesen Bewegungsabläufen experimentieren, machen sie immer wieder die Erfahrung, dass etwas, was zunächst nicht machbar schien, doch geht, ja sogar angenehm wird. Sie führen Bewegungen mit Eleganz aus, die mit mehr oder weniger tollpatschigen Versuchen vor nur kurzer Zeit ihren Anfang nahmen. So wird das Empfinden für vorteilhafte Bewegungsweisen und Koordination trainiert. Es entwickeln sich mehr und mehr leichtere Alternativen zu bestehenden Handlungsabläufen. Durch diese optimierten Handlungsabläufe wird natürlich auch eine Verbesserung des allgemeinen Befindens eingeleitet und viele körperliche Symptome, wie Rücken-, Kopf- oder Gelenkschmerzen, können verschwinden. Auch bei dramatischeren Krankheitsbildern, wie MS oder Schlaganfällen, vermag diese Optimierung  des Potentials zu manchmal verblüffenden Resultaten führen. So hat die Feldenkrais-Methode® sich einen guten Ruf als so genannte Körperarbeit erworben. Kaum eine große physiotherapeutische Einrichtung verweist nicht mit Stolz darauf, dass man auch nach Feldenkrais arbeitet.

Die Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen

Aber dies ist nur ein Effekt dieser Methode. Indem ein Mensch wiederholt die Erfahrung macht, ganz allein durch sein Empfinden für das Richtige wichtige Lernschritte erfolgreich vollzogen zu haben, wächst das Vertrauen in diese Fähigkeit natürlich immens. Es wächst die Bereitschaft, unabhängig von den bestehenden und bisher als allein gültig akzeptierten Regelwerken, Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Die Verantwortung für das eigene Handeln wird wieder bewusst selbst übernommen und nicht an äußere Instanzen abgegeben. So gesehen ist die Arbeit von Dr. Feldenkrais also nicht nur als Körperarbeit im Sinne von gesunder Bewegung, sondern auch als Entwicklungsarbeit im Sinne von gesunden, unabhängigen und freien Menschen zu sehen.

Mit der Feldenkraismethode liegt uns ein Selbstentwicklungssystem vor, das in seiner Einfachheit und Effektivität seinesgleichen sucht. Denn diese Entwicklung wird ermöglicht durch geduldige Selbstbeobachtung bei den Lektionen, die sich in der Regel an Funktionen des Alltags orientieren.

Die Feldenkrais-Methode setzt an den Ursachen an

Dr. Feldenkrais ging davon aus, dass Struktur und Funktion in unserem Organismus derart miteinander verwoben sind, dass Struktur in ganz erheblichem Maße Funktion folgt, und nicht, wie oft behauptet, die Qualität der Funktion nur über die Struktur definiert wird. Wird also die Qualität der Funktion auf ein höheres Niveau gehoben, wird die Struktur nachziehen und sich diesem gehobenen Niveau anpassen.

Übersetzt auf Bewegung und unsere alltäglichen körperlichen (strukturellen) Beschwerden bedeutet dies: Im Rücken eines Menschen, der über Jahre in immer gleicher, unvorteilhafter Position am Schreibtisch sitzt, versteift sich z. B. die Muskulatur, die Bindegewebe verhärten sich und werden unelastisch. Als Folge werden Rückgrat und damit die empfindlichen Bandscheiben unter Druck gesetzt, und die bekannten Beschwerden sind unausweichlich. Viele so genannte Heilmethoden versuchen nun, die körperliche Komponente, die schließlich auch den Schmerz verursacht, zu verändern, indem sie versuchen, die  Muskulatur zu lösen und das gestauchte Rückgrat evtl. gar zu strecken. Momentane Erleichterungen sind damit sicher zu erwarten, aber der Grund für diese Zustände bleibt unangetastet.

Die Feldenkrais-Methode setzt hier an der Funktion, also der Bewegung, an und sucht diese zu verbessern. Die Koordination der beteiligten Muskelgruppen wird optimiert und parasitäre Anstrengungen (Muskeln, die gegeneinander statt miteinander arbeiten) eliminiert. Der Bewegungsapparat kann sich ob dieser verbesserten funktionellen Abläufe erholen und zu seiner eigentlichen Geschmeidigkeit zurückfinden.

Dr. Feldenkrais war es aber wichtig klarzustellen, dass seine Arbeit eigentlich keine Therapie für diverse Krankheiten ist, sondern das Individuum selbst in die Lage versetzt wird, funktionale Störungen zu erkennen und selbst beseitigen. Er verstand dies als einen Lernprozess und nicht als kurative Behandlung. Gern beschrieb er seine Arbeit daher als „Lernen zu lernen“.

Nähere Informationen bitte anfordern bei:
Peter Schulz, Tel. 0211 - 31 31 30
oder unter www.pschulz-feldenkrais.de

Dr. Moshé Feldenkrais, der 1904 in Slavuta geborene und 1984 in Tel Aviv verstorbene  Begründer der Methode, wurde durch eine alte Knieverletzung dazu veranlasst, sich mit menschlicher Bewegung und letztlich menschlichem Verhalten zu beschäftigen, da die damalige Medizin ihm wenig Hoffnung auf Besserung machen konnte. Es gelang ihm nicht nur, sein Knieproblem in den Griff zu bekommen, sondern bei seinen Experimenten mit Freunden und Studenten fand er immer wieder, dass über das Erlernen neuer Muster erhebliche Veränderungen bei den Menschen herbeizuführen waren. Der Mann, der einmal mit Frédéric Joliot-Curie  in der frühen Kernforschung tätig war, entwickelte sich so zu einem der hervorragendsten Kenner menschlichen Verhaltens und menschlicher Bewegung. Aus diesen eigenen Erfahrungen und der Faszination am menschlichen Entwicklungspotential entstand seine Gruppenarbeit „Bewusstheit durch Bewegung“ und die am einzelnen, passiven Klienten durchgeführte „Funktionale Integration“. Bei letzterer wird der Feldenkraislehrer in sanfter Weise den Bewegungsapparat des Klienten stimulieren und so dessen Nervensystem Angebote für neue Muster unterbreiten. ­ Heute findet man in  jeder größeren Stadt, in vielen Landkreisen und zahlreichen Kliniken ausgebildete FeldenkraislehrerInnen.

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