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Emotionen und die Fünf Elemente

Ein natürlicher Wunsch des Menschen ist Gesundheit und ein langes Leben. Wie lässt sich dieses Ziel erreichen, wenn uns immer wieder Krankheiten heimsuchen oder Unglück zustößt? Gesundheit ist ein relativer Begriff. Manche Menschen, die bei bester Gesundheit sind, fühlen sich unwohl, andere wiederum, die mit schweren Erkrankungen leben, sind glücklich und für jeden Tag, den sie erleben, dankbar. Da der menschliche Körper vergänglich ist, kann das Gefühl von Gesundheit demnach eher ein geistiger Zustand sein. Dennoch ist es wichtig, dem Körper die Chance zur Regeneration und Selbstheilung zu ermöglichen. Körper- und Seelenpflege sind dabei unzertrennlich, da der Körper auf die geistigen Signale reagiert.

Wir alle kennen Redewendungen wie: „es bricht mir das Herz“, „etwas geht mir an die Nieren“, „die Galle läuft über“, „das verschlägt mir den Atem“ oder „etwas schlägt einem auf den Magen“. Diese Empfindungen, die an den Organen wahrgenommen werden, stehen immer in Bezug zu einem inneren Gefühlszustand. In traditionellen Gesundheitssystemen wird daher immer der „ganze Mensch“ mitsamt seiner Gefühle betrachtet. Der Medizinhistoriker Heinrich Schipperges beschreibt, dass es im westlichen Kulturkreis des Mittelalters auch so war, dass die Erkrankten gefragt wurden, wie sie sich fühlen, was sie bedrücke und wie sie sich ernährt haben. Heilung wurde seit jeher durch mehrere ineinandergreifende Therapieformen angestrebt. Bewegung, Ernährung, Atmung und Meditation sind auch heute wieder grundlegende Mittel, die Gesundheit und Harmonie fördern und erhalten.

Die Wirkung der Emotionen auf die Organe

Ernährung und Klimaeinflüsse können ganz offensichtlich Krankheiten verursachen. Wie wirken sich jedoch die Gefühle des Menschen auf seine Gesundheit aus? In der traditionellen chinesischen, tibetischen und ayurvedischen Gesundheitspflege werden die inneren Organe nicht nur auf einer physiologischen Ebene betrachtet. Sie haben auch einen energetischen Aspekt. Wir können uns die Organe als eine Art Gefäße vorstellen, die unsere Empfindungen aufnehmen. Alles, was wir auf der psychischen Ebene erleben, schlägt sich auf die Organe nieder und beeinflusst ihre Funktion. Es gibt dementsprechend keine emotionale Störung ohne körperliche Auswirkung. Diese störenden Emotionen, die wir alle kennen, lassen sich leider nicht immer so leicht abschütteln. Das Loslassen belastender Emotionen fällt den meisten Menschen sehr schwer, da dieser Festhalteprozess nicht bewusst ist. Der erste Schritt zur Lösung liegt daher in der Bewusstwerdung des eigenen emotionalen Zustandes. Mit dieser Erkenntnis beginnt die (Er-)Lösung. Auch wenn die störenden Emotionen und ihre Wirkungen bewusst sind, richten wir trotzdem häufig unsere Aufmerksamkeit darauf. Es gilt eine Fähigkeit zu entwickeln, den unerwünschten Emotionen die Aufmerksamkeit zu entziehen oder im besten Falle ihre Energie zu transformieren und zu nutzen. Im Taoismus sind auf dieser Grundlage viele Übungen entstanden, die der Umwandlung von Emotionen dienen und um die inneren Organe und Energiebahnen zu reinigen.

Generell haben Gefühle eine Yang-Qualität, sie regen das Yang im Körper an, wobei auf Dauer ein Überschuss von Hitze entstehen kann. Es besteht dann die Gefahr, dass das Yin angegriffen oder erschöpft wird. daher ist es wichtig, Emotionen nicht herunterzuschlucken und zu unterdrücken, sondern auszudrücken. Typentsprechend können Sprache, Gesang, Schreiben, Malen, Sport, Tanzen, Kampfkünste u. v. m. Ventile sein, Dampf abzulassen. Alle Emotionen, ob negativ oder positiv, lassen sich auf Grund ihrer Wirkung auf die Organe einem der Fünf Elemente, Holz, Feuer, Erde, Metall oder Wasser, zuordnen. Wegen des umfangreichen Themas gehe ich in diesem Text nur auf die störenden Emotionen ein.

Das Element Holz, die Leber und der Zorn

Die Leber sorgt für einen freien Fluss von Qi und Blut im Körper. Dies ist wichtig für ein allgemeines Wohlbefinden. Ist die Leber ausgeglichen, erzeugt dies ein gutes Lebensgefühl. Die Leber speichert einerseits Blut, andererseits alle vor- und nachgeburtlichen Erlebnisse. Dadurch hat sie eine Entsprechung zum Unterbewusstsein mit allen gespeicherten und verborgenen Informationen. Sie regiert über den gesamten Emotionalbereich und kontrolliert die Sinnesorgane. Jegliche emotionale Belastung, vor allem Beziehungsprobleme, können die Funktion der Leber beeinflussen. Dem Holzelement entspricht die Energie des Frühlings, dem Schöpferdrang und der Kreativität. Diese benötigen entsprechend Raum, damit sie sich frei entfalten können. Eine Einengung dieses Potentials, sowie einengende Beziehungsmuster rufen häufig Enttäuschung und Frustration hervor, die schließlich in Wut oder Zorn gipfeln. Bei Wut oder Zorn steigt die Energie nach oben, der Kopf errötet. Dabei kann der obere Körperteil erhitzt werden, während der untere kalt bleibt. Prämenstruelle Probleme, Kloßempfinden im Hals, Energieblockaden, wobei die Extremitäten unterversorgt und kalt sind, sowie Müdigkeit können eine Folge sein. In diesen Fällen fehlt es dem Körper prinzipiell nicht an Wärme oder Energie, sondern die Probleme entstehen durch emotional bedingte Energieblockaden. Loslassen, Klären und Reinigen stehen hier als Möglichkeit, den Energiefluss anzuregen, im Vordergrund.

Wird die Leberenergie durch bestimmte Nahrungsmittel (z. B. Grünkern), Kräutertherapie, Akupressur oder Akupunktur angeregt, können Emotionen freigesetzt werden. Als Folge können Weinen, Träume und unruhiger Schlaf auftreten. Auch bei Qi Gong-Übungen kann durch Anregen des Energieflusses Unbewusstes an die Oberfläche gelangen. Manchmal genügt sogar ein visueller Reiz von außen, um eine Erinnerung hervorzurufen.

Das Element Feuer, das Herz und die Begierde

Begierde in Form von ständig neuen unerfüllten Wünschen und der permanenten Suche nach Identität rufen eine Unruhe im Herzen hervor. Der zivilisierte Mensch ist selten „wunschlos“ glücklich. Zum großen Glück fehlt immer wieder etwas. Der Körper sollte dicker oder dünner sein, das Gefühlsleben sollte intensiver sein, der Job besser bezahlt und das Auto mehr PS haben. Die eigene Identität richtet sich nicht nach dem innewohnenden Potential, sondern sie wird im Äußeren, im Körper, in den Gedanken und Gefühlen gesucht. Schließlich wird Identität über Karriere, Status in der Gesellschaft und materielle Werte erfahren, die innere Herzensqualität bleibt unerkannt. Das Herz ist außerdem empfindlich gegenüber Hitze. Im Inneren ensteht Hitze durch mangelnden Tiefschlaf und Zeitdruck (Stress). Betrachten wir den einzelnen Menschen als Spiegel der Gesellschaft, erkennen wir, dass die zunehmende globale Zeitbeschleunigung viele Herzprobleme mit sich bringt. Einschlaf- und Durchschlafstörungen, unruhiger Schlaf mit vielen Träumen, ständiges Nachdenken, bis hin zu Verwirrung, Neurosen und Psychosen, sowie allgemein Herzprobleme und Herzinfarkt sind heutzutage weit verbreitet.

Das unruhige Herz benötigt Entspannung, Schlaf, Regeneration und Zeitlosigkeit. Je mehr Stress vorhanden ist, um so mehr Ruhe und Schlaf sind nötig. Auf einer geistigen spirituellen Ebene benötigt das Herz eine Quelle der alles umfassenden Liebe. Jegliche Begierde nach Identifikation und Erfüllung münden in einer Sehnsucht nach dieser Liebe. Wer diese Liebe erfährt, ist einfach glücklich, fühlt sich ganz und heil und ist in Verbindung mit dem Ganzen.

Das Element Erde, die Milz und das Grübeln

Grübeln (krankhaftes Nachdenken, meist über Vergangenes) staut die Energie. Wenn sich Gedanken im Kreis drehen bis hin zum Besessenheitsdenken, dann stagnieren Qi und Körpersäfte. Dabei werden die Verdauungsorgane direkt betroffen. – Das Element Erde ist Träger der Form, des Körpers. Es herrscht über die Mitte, hält alle Organe im Gleichgewicht und kontrolliert den Energiekörper. Die zugehörigen Organe, Milz, Bauchspeicheldrüse und Magen, sorgen für die Umwandlung der Nahrung. Insbesondere der süße Geschmack, aber letztlich alle Fünf Geschmacksrichtungen halten das Erdelement, unsere Mitte, im Gleichgewicht. Dies erzeugt ein Gefühl von Zentriertheit und beschert eine hohe Konzentrationsfähigkeit und eine klare Ratio.

In der heutigen Gesellschaft ist das Element Erde nicht in Harmonie. Die Ernährung spielt dabei eine gravierende Rolle. Ein Überkonsum von Einfachzucker, Milchprodukten und raffinierten Kohlehydraten führt zu starker körperlicher Disharmonie. Das Übermaß an Nahrungsmitteln des süßen Geschmacks führt zu einem Überschuss an Feuchtigkeit, wodurch Schleimprobleme entstehen können. Die Fähigkeit zur Konzentration und das Gedächtnis werden schlechter. Dies ist ein großes Problem bei vielen Schulkindern. Durch den ständigen gesellschaftlichen Zeitdruck ist es außerdem erschwert, im „Jetzt“ zu leben.
Im 12. - 13. Jahrhundert bildete sich in China die Schule der Mitte. Ihr Anliegen war es, über Ernährung und Körperübungen die Mitte zu stärken. Die Idee dabei war, dass eine gut funktionierende „Mitte“ den gesamten Organismus optimal versorgt. Das Element Erde kann auf der körperlichen Ebene durch Qi Gong, Atmung und Ernährung ins Gleichgewicht gebracht werden. Auf der geistig-mystischen Ebene führt Meditation ins Jetzt (Zeitlosigkeit), wobei es langfristig zur Auflösung der dualistischen Einstellung kommt.

Das Element Metall, die  Lunge und die Trauer

Die Lunge ist der Sitz der animalischen Natur, die dem Menschen das Überleben ermöglicht. Dieser Überlebensinstinkt tritt sofort nach der Geburt ein. Atmung, Nuckeln und Ausscheidung geschehen, ohne dass das Neugeborene darüber nachdenken kann. Auch im späteren Leben entscheidet ein instinktiver Überlebensmechanismus über das Verhalten des Menschen. Doch weltweit scheint es so zu sein, dass der Überlebensinstinkt des Menschen nachgelassen hat. Die Umweltzerstörung durch Ausbeutung der Rohstoffe, Verschmutzung und Zerstörung des natürlichen Lebensraumes werden weiter fortgesetzt. Parallel dazu sind durch die Zivilisation neue Krankheiten aufgrund einer geschwächten Immunität entstanden.

Dem Metallelement sind Lunge, Dickdarm und die Haut zugeordnet. Die Haut, Oberfläche des Körpers, bildet die Grenze zwischen Innen und Außen. Auch Lunge und Dickdarm stehen durch Atmung und Ausscheidung in enger Symbiose zur Außenwelt. Das Qi der Lunge ist wichtig für eine gute Schutz- und Abwehrenergie. Ist der Mensch traurig, sinkt seine gesamte Lebensenergie, besonders jedoch das Lungen-Qi. Daraus kann langfristig eine allgemeine Immunitätsschwäche entstehen. Tiefe Trauer tritt häufig zusammen mit Zukunftssorgen auf. Besonders Kinder reagieren auf familiären Stress oft mit einer verborgenen, inneren Trauer, die sich auf die Abwehrlage niederschlagen kann. Erhöhte Anfälligkeit für Erkältungen, aber auch Probleme der Atmungsorgane und Hautreaktionen haben nicht selten eine seelische Ursache.

Trauer kann überwunden werden durch Freude und Begeisterung. Nach dem kontrollierenden Zyklus der Fünf Elemente wird Metall von Feuer kontrolliert. Trauer und Zukunftssorgen können deshalb durch Unternehmungen, die Freude bereiten, aufgelöst werden. Auch eine Ausbildung, die inspiriert und Spaß macht, vermag wieder einen Weg für die Zukunft aufzuzeigen.

Das Element Wasser, die Nieren und die Angst

Angst erzeugt ein Gefühl der Auflösung im Inneren und einen Verlust der Wurzeln. Dies führt äußerlich zu Verspannungen und Verkrampfungen, die wiederum Blockaden im Energiesystem verursachen.

Im Taoismus sowie in der chinesischen Tradition wird dem Wasserelement und den Nieren besondere Bedeutung zugeschrieben. Die Nieren sind der Sitz der vorgeburtlichen Kraft (chin. = Jing), die wir von Vater und Mutter ererbt haben. Jing entspricht nach westlicher Vorstellung den Erbanlagen, und es ist wichtig für eine starke Konstitution und Widerstandskraft. Die Nieren haben außerdem eine Speicherfunktion, da dieses Jing erhalten bleiben soll und ständig durch neues nachgeburtliches Jing ergänzt und erfrischt werden soll. Nachgeburtliches Jing entsteht durch Essen, Trinken und Atmen. Auch das emotionale Gleichgewicht und ein ausgewogenes Sexualleben spielen bei der Erhaltung des Jing eine große Rolle. Empfehlungen für Gesundheit und Langlebigkeit beruhen im Taoismus und der chinesischen Tradition daher im wesentlichen auf der Erhaltung und Erfrischung dieser Nierenkraft. Zu viele Schwangerschaften bei Frauen, ein Übermaß an Samenverlusten bei Männern, aber auch starke Gefühle von Angst und Panik sind daher eine Gefahr für die Nierenkraft. Angst ist eine Emotion, die viele Gesichter hat. Träume können oft Hinweise enthalten, woher die Angst kommt. Letztlich münden jedoch alle Ängste, die sich ja aus der Vorstellung des Menschen ernähren, in der Angst vor dem Tod. Diese Angst vor dem Tod hat seit der Abschaffung des Reinkarnationsglaubens im Christentum tiefe Wurzeln bekommen. Eine Befreiung aus der Angst kann daher durch eine spirituelle Praxis, die zur Erkenntnis führt und ein Gefühl von Sicherheit und Furchtlosigkeit schafft, geschehen. Bei plötzlich eintretender Angst helfen Konzentrationsübungen wie Singen oder Sprechen von Mantren sowie bewusstes Atmen. Die Konzentration kontrolliert die Angst. Alle störenden Emotionen können entstehen, wenn der Mensch sich von der Schöpfung getrennt erlebt. Die Erkenntnis, dass diese Trennung jedoch nicht existiert, sondern dass alles Eins ist, kann eine Lösung aus störenden Emotionen bewirken. Dies ist sehr wichtig für die Regeneration der Organe.
 

Martha P. Heinen, Ernährungsberaterin u. Seminarleiterin für angewandte traditionelle  chinesische Ernährungsweise, Info unter  www.windpferd.com

 

Quellen: Kassettenprogramm „Die Psychologie der Fünf Elemente“ von Claude Diolosa, Avicenna Institut, Witten.

 

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Quelle: BALANCE® 1/2002

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