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Radon
ein Edelgas kann Schmerz besiegen
Österreichs Bad Gastein wirbt mit einer „Kur für die Sinne“. Das Gebiet
der Hohen Tauern und das Gasteiner Tal bieten ausgezeichnete Rahmenbedingungen.
Besonders aber Gasteiner Kurmitteln werden außergewöhnlich effektive Wirkungen
auf verschiedene Krankheitsbilder sowie Steigerung des Wohlbefindens nachgesagt.
Auch „Gesundheitsurlauber“ steuern Gastein an, um vitaler zu werden.
Mobilisierung körpereigener
Selbstheilungskräfte
Gasteiner Thermalquellen und der Heilstollen sind weltweit einzigartig. Liegt
der Stollen, von dem Wundersames berichtet wird, tatsächlich in einem
Zauberberg? „Nein“, sagt Kurarzt Dr. Anton Trattner. „Die Wirkung ist
wissenschaftlich erklärbar“, so der 49-jährige Mediziner. Als Leitender Arzt
des Badgasteiner Thermalkurhauses muss er es wissen. Und doch ist es ein
besonderer Berg, dessen weltweit einzigartiges Zusammenspiel von Radongehalt,
Lufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit leidgeplagten Patienten mit Morbus
Bechterew, chronischer Polyarthritis, Arthrosen, degenerativen
Wirbelsäulenerkrankungen, Erkrankungen der Muskulatur und Atemwegserkrankungen,
um nur einige unschöne Erkrankungen zu nennen, zu mehr Linderung oder gar
Heilung verhilft. „Gottes eigene Composita“ nannte Paracelsus die Gasteiner
Thermen. Als eines der wirksamsten Heilmittel der Bäderheilkunde bezeichnen
Wissenschaftler in heutiger Zeit die Radontherapie. Sie gilt nach Prof. Dr. Dr.
H.G. Pratzel, Präsident der Weltorganisation für Kurort-Medizin, als „typischer
Stimulus“ zum Vorteil „körpereigener Selbstheilungskräfte“ und „mobilisiert
Hormone zum Abbau übersteigerter krankhafter Schmerzempfindungen“. Aber nicht
nur Kranken tun Radonanwendungen gut. Mehr und mehr Gesundheitsurlauber
interessieren sich für die außergewöhnliche Heilkraft der Natur.
So wirkt das Edelgas Radon
Wie funktioniert das - eine Reise in einen Berg? Mit einem Zug, einem eigens
entwickelten Stollenzug, der so ein wenig an eine Spielzeugeisenbahn erinnert.
Alles ist kleiner: Die Lok, die Waggons. Einen Bahnhof gibt’s, einen
Lokführer natürlich auch. Und eine Bademantelstation, auf der sich die
Einfahrenden ihres Bademantels entledigen, denn im Berginnern, wird es warm,
immer wärmer, angenehm und wohlig, und feucht, fast so wie in der Sauna, nur
nicht so heiß. Angenehmer. Die Temperaturen der einzelnen Bergstationen weisen
38 bis 41 Grad plus auf. Insgesamt treffen im Stollen drei Heilfaktoren zusammen
– ein Radongehalt von etwa 4,5 nCi pro Liter Stollenluft, eine Lufttemperatur
von 38 bis 41,5° und eine relative Luftfeuchte von 70 bis 90 Prozent. Und das
zeigt Wirkung: Wärme und Luftfeuchtigkeit öffnen Hautporen, das Edelgas Radon
wird so besser aufgenommen. Radon sendet Alphastrahlungen, das sind doppelt
positiv geladene Heliumkerne, die in Folge ihrer großen Masse Energie an den
Körper abgeben. Das stimuliert den Stoffwechselkreislauf, die Drüsen, die
Blutzirkulation und wirkt rundum anregend auf die Organe, insbesondere den
Gelenken tut das gut. „Neuvitalität“ nennt Dr. Trattner das, was so viele
Kurgäste von sich berichten. Etwa eine Stunde, davon 50 Minuten auf einer
Holzbank liegend, dauert die eigentliche Prozedur, während derer außer
körperlichen Aktivitäten und angeregten Unterhaltungen alles erlaubt ist.
Schlafen zum Beispiel. Oder träumen. Loslassen von alltäglichen Problemen.
Einfach nur liegen und sich wohlfühlen. Gedämpftes Licht vermittelt eine fast
mystische Umgebung. Ungewöhnlich und anfangs amüsant: Wann untersucht der Arzt
schon in Badehose? Hier muss er es, schwitzt selbst mit und ist für einen
etwaigen Notfall zur Stelle. „Wie ich mich fühle? Wie neugeboren“,
verkündet eine mittlerweile rotbäckig aussehende, 80-jährige
Stollenbesucherin aus Niederösterreich. Ihr hat die feuchte Wärme nichts
angetan; im Gegenteil. Ein an einer Wirbelsäulenerkrankung leidender Kurgast
schwört sogar: „Mittels des Heilstollens ist es mir bis heute gelungen, eine
an sich notwendige, aufwändige und nicht ungefährliche Operation Jahr für
Jahr hinauszuschieben.“ Wie er kommen zahlreiche Kurgäste und solche, die das
unsichtbare Kurmittel einfach nur vorsorglich und zur Verbesserung ihres
Wohlbefindens nutzen, regelmäßig einmal im Jahr nach Gastein.
In hoher Menge gefährlich, wohl dosiert hingegen ein Heilmittel, bringt es
Rudolf Ladinger, Sprecher des Gasteiner Heilstollens, auf den Punkt. „Die
Dosis macht’s“, so der Gasteiner. Erst bei Überschreitung bestimmter
Strahlendosen dominieren die negativen Effekte, wie es in einem Kongressbericht
über das Internationale Symposium Radon und Gesundheit heißt. Fachleute
sprechen dann von Werten über 0,2 Gray, die jedoch während einer Stollenkur
nicht erreicht würden.
„Normalerweise ist der Stollen nichts für Menschen mit einer ausgeprägten
Angst, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Ernsthafte Probleme gab es
bislang aber nicht. Vor jeder Bergeinfahrt kümmern sich unsere Stollenärzte
eingehend um jeden Gast“, versichert Ladinger, der jeden Dienstag im Rahmen
einer Schnupperstollenfahrt im Berginnern – ebenfalls nur in Badebekleidung
– Wissenswertes über Berg, Radon und Wirkung erzählt. Wer dennoch Probleme
damit hat, tief in einen Berg hineinzufahren, muss auf die Wirkung der
Radonanwendungen nicht verzichten. Dunstbäder und Thermalwannenbäder
beinhalten prinzipiell die gleiche Wirkung. Zahlreiche Herbergen verfügen
bereits von Haus aus über entsprechende Anwendungsmöglichkeiten.
Rüdiger Jacob

Quelle: BALANCE® 1/2002
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Heft 1/2012
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