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Startseite > gesund leben > Warum Bio? Warum Bio?von Barbara Simonsohn Schon vor 25 Jahren habe ich bei Baldur Springmann auf Hof Springe und im Schulungszentrum für naturgemäßen Land- und Gartenbau die Grundlagen des biologischen Gärtnerns gelernt. Dank der BSE-Krise ist die Bio-Landwirtschaft in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, und immer mehr Menschen interessieren sich für natürlich angebaute Lebensmittel. Bisher ist noch kein BSE-infiziertes Rind auf einem Bio-Hof gefunden worden. Dies überrascht mich nicht, werden Tiere auf Bio-Höfen doch artgerecht gehalten, so dass Tiermehl schon in der Vergangenheit ein Tabu war und die Tiere dank ihres fitten Immunsystems wenig anfällig für Krankheiten sind. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Bio-Bauern in Deutschland zwar im Jahr 2000 um 4,4 % auf 7.464 Höfe oder eine Fläche von 383.572 Hektar gestiegen, mit unter 3 Prozent der bewirtschafteten Fläche aber immer noch lächerlich klein im Vergleich zum Beispiel zu unserem Nachbarn Österreich, wo mehr als 20% der Fläche biologisch bewirtschaftet wird. Wenn heute auf einem Produkt „bio“ draufsteht, kann man sich in der Regel darauf verlassen, dass auch „bio“ drin ist. Ausnahme: Eier zur Osterzeit. Die Hühner wissen leider noch nicht, dass sie Ostern besonders fruchtbar sein sollen! Biologisch angebautes Obst und Gemüse gibt es sogar schon im Supermarkt, beispielsweise bei HL bzw. Mini-mal (Rewe-Konzern). Das europäische Kontrollzeichen für „bio“ zeigt eine Ähre, umgeben mit elf Sternchen. Die EU-Richtlinien für Öko-Lebensmittel sind allerdings nicht so streng wie die der deutschen Anbauverbände. Am strengsten sind die Richtlinien des Demeter-Bundes, in dem die bio-dynamisch wirtschaftenden Betriebe zusammengeschlossen sind. Demeter ist die griechische Göttin des Wachstums und der Fruchtbarkeit. Kontrolleure schneien in Demeter-Höfen unangemeldet auch zum Wochenende herein, um zum Beispiel zu kontrollieren, ob auch nicht mehr als die erlaubten 10% Futtermittel zugekauft sind. Das Ideal ist der geschlossene Organismus. Was von unserer Ministerin Künast jetzt gefordert wird, nämlich ein wesentlich geringerer Viehbesatz pro Hektar als heute üblich, ist für Rudolf Steiners und seine Anhänger seit Jahrzehnten selbstverständlich. Die chemische Industrie bot Vertretern der bio-dynamischen Wirtschaftsweise Ende der zwanziger Jahre eine Million Reichsmark, um den „Landwirtschaftlichen Kurs“ von Steiner „wegzukaufen“, Gott sei Dank ohne Erfolg. Die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Lebendige Hühner statt halbtoter Legemaschinen, vitalstoffreiche Pflanzen statt Frankenstein-Nahrung werden auch bei uns immer mehr „in“, nicht nur in Feinschmecker-Restaurants und betuchten Kreisen. Leider hat die Partei der Grünen und auch Frau Künast eine linke, aber keine grüne Tradition mit biologischer Denkweise und konnte mit dieser Ausrichtung überzeugte Ökologen wie Baldur Springmann mit seiner Liebe zur Schöpfung und tiefen Achtung gegenüber seinen „Mitgeschöpfen“ wie „Pflanzen- und Tierbrüdern“ aus ihrer Partei herausekeln. Ich hoffe, dass ihre momentane Rückbesinnung auf ökologische Werte keine Eintagsfliege darstellt. Die Bodenfruchtbarkeit ist die Basis allen Lebens (Hans Peter Rusch)Alle Fachleute, die sich grundlegend mit dem Thema der menschlichen Ernährung beschäftigt haben, kommen zu dem Schluss: „Die ideale Pflanzennahrung kommt vom biologischen Anbau.“ (Dr. Lothar Burgerstein, „Heilwirkung von Nährstoffen, Richtlinien für Gesundheit bis ins hohe Alter“, Karl F. Haug Verlag, Heidelberg, 7. verbesserte Auflage, 1994, S. 57). In den Industriegärtnereien und in der industrialisierten Landwirtschaft wird mit Pestiziden, Fungiziden und Insektiziden gespritzt, das Wachstum der Pflanzen wird mit Kunstdünger künstlich „gepuscht“, und es wird allgemein beklagt, dass unsere Böden immer mehr ausgelaugt werden und unsere Lebensmittel daher immer weniger von den erforderlichen Mineralstoffen aufweisen. Als ein grundlegendes Werk darüber, warum nur ein gesunder Boden mit intaktem Bodenlebewesen gesunde Pflanzen hervorbringen kann und diese wiederum zur Gesundheit des Menschen beitragen, empfehle ich Ihnen das tiefgehende Werk von Hans Peter Rusch, „Bodenfruchtbarkeit, Eine Studie biologischen Denkens“ (Karl F. Haug Verlag, Heidelberg, 6.Aufl. 1968). Die Parallelen von unfruchtbarem, „totem“ Boden und unfruchtbaren Pflanzen und Tieren sind nicht von der Hand zu weisen. Die biologische Leistung des Bodens ist die Voraussetzung für die Existenz höheren Lebens. Pflanzenkrankheiten und „Schädlinge“ sind ein Kriterium fehlender Gesundheit, genauso wie bei uns das Auftauchen immer neuer Viren. Rusch betrachtet Krankheiten und Schädlinge als „Regulativ der Urnatur“ (vgl. ebd., S.34) Ein gesunder Boden ist in der Lage, Viruskrankheiten zu heilen (vgl. ebd., S. 79), genauso wie ein gesunder menschlicher Organismus. Pflanzenschutz entspricht einer ChemotherapieEs gibt eine Parallele zwischen „Ödemen“ und unseren aufgedunsenen Treibhausfrüchten. Im humusreichen Boden besteht ein perfektes Säure-Basen-Gleichgewicht, ein kranker Boden ist übersäuert. Der Pflanzenschutz entspricht unserer Chemotherapie. Die Krankheit ist vielleicht verschwunden, das Symptom ist weg, aber der Organismus gibt den Versuch auf, sich selbst zu heilen. Es gibt heute Saaten, die keinen lebendigen Boden mehr vertragen und für die biologische Landwirtschaft unbrauchbar sind, genauso wie viele Menschen die gesunde Rohkost am Anfang nicht vertragen. Im biologischem Landbau kennt man keine Bodenmüdigkeit, die Parallele beim Menschen ist Vegetative Dystonie (vgl. ebd., S.76). Nahrung aus biologischem Anbau ist offenbar die Lösung des Krebsproblems. (Max Gerson) Rusch geht soweit zu sagen, dass „ein gesunder Apfel für den Menschen wichtiger sei als viele vergiftete“ (ebd., S.221). Max Gerson dachte diesen Zusammenhang zwischen Gesundheitszustand der Pflanzen und Gesundheitszustand des Menschen konsequent weiter. Er betrachtete den Boden und alles, was darin wächst, als „unseren äußeren Stoffwechsel“ (vgl. Gerson, „50 geheilte Krebsfälle“, Waldthausen-Verlag, S. 33 und S.195). Er nahm, wie Rusch, den Begriff „Mutterboden“ wörtlich: „Wir können den Boden mit einer Mutter vergleichen, die ihr Kind stillt.“ (ebd., S.196) Auch er stellt fest, dass „die meisten Krankheitserreger in einem gesunden Boden, der normalerweise reich an antibiotischen Substanzen ist, nicht lange überleben.“ (ebd., S.206) Da Gerson erkannt hatte, dass wir „gut für den Boden sorgen müssen“, damit er gesunde Pflanzen hervorbringen kann, ernährte er seine Krebspatienten, viele davon „austherapiert“, von biologisch gezogenem Obst und Gemüse. „Wenn wir Lebensmittel auf diese Weise anbauen, müssen wir sie als lebendige Substanzen essen, möglichst frisch und frisch zubereitet: denn Leben zeugt Leben. Nahrung aus biologischem Anbau ist offenbar die Lösung des Krebsproblems.“ (ebd., S.207) Deshalb: Versuchen Sie, so viel es geht, biologisch angebautes Obst und Gemüse zu kaufen oder fangen Sie an, es selbst anzubauen. Fangen Sie an, biologisch zu denken, und machen Sie sich das Wunder klar, dass in einem Gramm Erde mehr Lebewesen leben als Menschen auf der Erde (vgl. Rusch, a.a.O., S.129). „Würde man alle modernen Methoden der klassifizierenden Bakteriologie anwenden, so wäre – ohne Übertreibung – die Untersuchung einer einzigen Bodenprobe mehr als eine Lebensaufgabe.“ Auf dem Wochenmarkt, im Bioladen oder im Versand gibt es eine reiche Auswahl von biologisch angebautem Obst und Gemüse. „Wer erkannt hat, dass jeder künstliche Eingriff in den biologischen Substanzkreislauf zum Schaden der Substanz selbst geschieht, der darf nichts anderes fordern, als den Verzicht darauf.“ (Rusch, S.235) Jeder kann bei sich anfangen: Ich habe ein Stück Rasen für ein Hügelbeet geopfert, einen Obsthain und einen Komposthaufen angelegt, den ich mit Algenmehl („Algomin“) und Urgesteinsmehl anreichere, und füttere das Bodenlebewesen mit Grasschnitt, Comfrey und Unkraut. Lasst uns zu Geburtshelfern eines neuen „Zeitalter des Lebendigen“ (Alwin Seifert, „Gärtnern, Ackern ohne Gift“, Verlag C.H. Beck, München 1991, S.210) werden: „Und überall sind es Kräfte, denen es um das Lebendige geht, um das ganze, volle Wesen der Dinge, nicht bloß um den messbaren, zählbaren, wägbaren Teil.“ (ebd.) Info
unter: Tel. 040-895338 oder
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