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Psychosynthese
Eine Psychologie mit Seele

Wer schon einmal von der Psychosynthese gehört hat, kennt auch  meistens ihren Begründer: Roberto Assagioli (1888-1974), der Arzt und Psychiater war. Ursprünglich ein Schüler von Freud, hat er später diese spirituelle Psychologie und Therapie entwickelt,  die er Psychosynthese nannte. Synthese steht hier für die Betrachtung des Menschen aus einer ganzheitlichen Sicht. Assagioli ist so auch einer der Väter der transpersonalen Psychologie.

Immer mehr Menschen stellen sich Sinnfragen

 Die Psychosynthese spricht besonders  Menschen an, die im Grunde psychisch gesund sind und überwiegend auch mit dem Alltag des Lebens zurechtkommen, die aber dennoch eine Unzufriedenheit spüren. Da mag ein Bedürfnis nach mehr Selbstbestimmung sein, um unabhängiger von äußeren Einflüssen zu sein. Da können Fragen sein wie „Wozu bin ich hier?“, „Was ist der Sinn meines Lebens?“, „Wo ist mein Platz auf dieser Welt?“. Diese Fragen gehen häufig einher mit etwas, das man auch als spirituelles Erwachen bezeichnen kann, das mit Wünschen nach tiefgreifenden Veränderungen in der bisherigen Lebensweise verbunden ist, die nicht selten auch durch Krisen im äußeren Lebensbereichen hervorgerufen wurden. – Diesen „erwachten" Menschen kann die Psychosynthese mit ihrer spirituellen Perspektive und ihren Hilfen wertvolle Unterstützung geben.

Eines der Ziele der Psychosynthese auf der personalen Ebene ist es, den Kontakt zum „Ich“ zu verstärken, das als ein Zentrum definiert wird, aus dem bewusst wahrgenommen werden kann. Das Üben von Gewahrsein und Achtsamkeit durch Meditation hilft, mehr in Kontakt mit diesem Zentrum zu sein und zum Beobachter dessen zu werden, was im Innern vorgeht: im Körper, in den Gefühlen und im Kopf mit seinem permanenten Gedankenfluss. Neben dieser bewussten Wahrnehmung hat dieses Ich-Zentrum eine weitere wichtige Funktion. Hier können bewusst Entscheidungen getroffen, kann „ja“ und „nein“ gesagt  werden, bewusst und nicht als bloße Reaktion aus einem programmierten Verhaltensmuster. In diesem Zentrum ist die psychologische Funktion des Willens angesiedelt. Ein gut entwickelter Wille, bewusst zu handeln und zu entscheiden, ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Persönlichkeit.

Der Mensch ist eine Seele

Assagioli ging davon aus, dass der Mensch eine  Seele ist und eine Persönlichkeit hat, die aus vielen Teilen, Rollen, Verhaltensmustern und zahlreichen vermeintlichen Identitäten besteht, die Teilpersönlichkeiten genannt werden.  Er ging auch davon aus,  dass der Mensch aus der Tiefe seines Wesens nach  Ganzheit,  nach Selbstverwirklichung, nach Einheit, nach Liebe, Lebensfreude und nach einem tieferen Sinn im Leben strebt.

Wir können lernen, an Krisen zu wachsen

Ausgehend von der Hypothese, dass jedem Menschenleben ein Sinn zugrunde liegt, sind Herausforderungen und Widerstände dazu da, sich ihnen zu stellen und daran zu  wachsen. Es geht darum herauszufinden, was das Fließen der Lebensenergien behindert, wo Blockaden sind,  deren Ursachen in der individuellen Vergangenheit oder auch in den Normen von Erziehung und Gesellschaft liegen. Denn wie wir aufgewachsen sind, in welchem Umfeld,  in welchem Geist, alles das hat Einfluss darauf, wie wir das Leben wahrnehmen, wie wir uns verhalten und welche Glaubenssysteme uns einschränken. Wenn wir nicht wie  Marionetten an den Fäden unserer Vergangenheit unser Leben führen wollen, müssen diese neurotischen Elemente in unserem Verhalten ins Bewusstsein gebracht und allmählich transformiert  werden.

Bei dieser Arbeit mit den unbewussten Kräften wird immer mehr die Struktur der eigenen  Persönlichkeit und typischer Verhaltensweisen erkennbar. Diese einzelnen Teile der  Persönlichkeit, Rollen, Verhaltensmuster, Charakteristika der Persönlichkeit werden  in  der Psychosynthese „Teilpersönlichkeiten“ genannt.

Spirituelle Antriebe werden in der Psychosynthese  genau  so  real angesehen wie die auf der persönlichen Ebene angesiedelten Antriebe (Selbsterhaltungstrieb,  Fortpflanzungstrieb etc.) Es ist hier der Antrieb, der nach Selbstverwirklichung und Selbstrealisierung strebt. Hinter diesen Antrieben steht die große Sehnsucht nach Erfahrung von Einheit, Liebe und Verbundenheit. Diese Sehnsucht wird sehr häufig auf andere Menschen projiziert und führt dadurch zu Abhängigkeiten. Auch das Streben nach Ganzheit und Vollkommenheit ist ein Antrieb auf dieser Ebene.

Die Psychosynthese bezeichnet diese spirituelle Ebene als „Überbewusstes“. Während das Unbewusste seine Wurzeln in unserer individuellen und kollektiven  Vergangenheit hat, so liegt in diesem Überbewussten das Potential für unsere Zukunft, das Intuitive, das Neue, das Schöpferische und Kreative, das uns auf unserem Lebensweg hilft,  uns weiter zu entwickeln. Im Kontakt mit unserer Seele, in der Psychosynthese „Transpersonales Selbst“ genannt,  kann  wieder ein Urvertrauen erfahren werden, das bei den meisten Menschen im Laufe ihres  Lebens  abhanden gekommen ist.

Der Kontakt zu dieser  transpersonalen /spirituellen Ebene wird vor allem durch meditative  Praktiken, wie z.B. reflektive und rezeptive Meditationen sowie durch Visualisierungen hergestellt. Die Kräfte des Überbewussten können hier wirksam werden und durch Symbole und Bilder inspirative Botschaften vermitteln. Daneben gehört u.a. auch freies Malen zu den Mitteln, um Informationen aus dieser Quelle zu bekommen.

Möglichkeiten der Entwicklung durch Psychosynthese

Eine wichtige Voraussetzung für eine Entwicklung auf der spirituellen Ebene ist Offenheit für meditative Praktiken. Das beginnt mit Meditation als Übung des Gewahrseins, um  bewusster in der Gegenwart da sein zu können.

Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist jedoch die Entschlossenheit, das zu  verändern, was nach Veränderung drängt und das zu verwirklichen, was nach Verwirklichung ruft. Wer hierzu bereit ist, wird  mehr  und mehr Klarheit für den eigenen  Lebensweg erlangen.  Es kann der Beginn einer neuen Lebensweise werden, basierend auf einem „Selbst“-Bewusstsein, das über das  persönliche „Ich“ hinausgeht und in der allmählich die Sehnsucht nach Einheit, nach Transzendenz, nach Liebe und Geborgenheit erfüllt werden kann.

Hans Piron

Ein ausführliches Programm mit Workshops auf der Basis der Psychosynthese können Sie anfordern unter
Tel./Fax 02634-4296 

oder unter

www.zentrum-fuer-psychosynthese.de 

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Quelle: BALANCE® 2/2002

 

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