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Herzinfarkt
Chance meines Lebens

Ein persönlicher Erfahrungsbericht über die Therapiemethode von Dr. Dean Ornish

Mein neues Leben fing im Februar 1997 an. Es fing an mit einem Schmerz in der rechten Schulter. Wir hatten uns eine Wohnung gekauft und waren seit Monaten jeden Abend damit beschäftigt zu renovieren. Der Schmerz kam völlig überraschend, doch ich arbeitete den ganzen Abend weiter. Er wurde aber immer schlimmer und breitete sich bis in die Rückenregion aus. Ich ignorierte den Schmerz, was sollte mir auch passieren, ich war 39 Jahre alt, 190 cm groß und 108 kg schwer, so gut wie nie krank, und als Mann zeigt man keinen Schmerz. Also ging ich ins Bett und versuchte zu schlafen. Irgendwann weckte mich ein starker  Stich in den Rücken, mein linkes Schulterblatt tat weh, und mir war übel. So langsam wurde es mir mulmig. Der Schmerz wurde immer schlimmer, und ich bekam kaum noch Luft. Meiner Frau wurde es nun doch zuviel, und sie fuhr mich ins Krankenhaus. Doch nach diversen Untersuchungen wurde ich ohne Befund entlassen. Also wieder nach Hause. In den 1. Stock kam ich nur mit viel Mühe, jede Treppenstufe wurde zur Qual. Der Hausarzt schrieb mich krank, wusste allerdings auch nicht was mir fehlte. Nach 3 Wochen trat immer noch keine Besserung ein. Ein anderer Arzt stellte dann endlich die Diagnose: HERZINFARKT, ein Glück das ich noch lebte ! Sofort ins Krankenhaus. Dort wurde durch eine Herzkatheteruntersuchung eine 3-koronare Erkrankung festgestellt:

RCA-Verschluss; Riva Stenose 85 %, Ramis diagonalis-Stenose 70 %,Ramus marginalis-Stenose 50 %

Der Termin für die OP, die in 20 Tagen ausgeführt werden sollte, wurde sofort festgelegt. Es waren 4-5 Bypasse vorgesehen. Durch Zufall las meine Frau in der Zeitschrift BIO über das Ornish-Programm. Als sie mir den Artikel gab und ich ihn las, wusste ich sofort dass

ich dieses Programm durchführen wollte. Meine Frau besorgte mir das Buch „Revolution in der Herztherapie“ von Dean Ornish. Es bestärkte mich noch mehr, diesen Weg zu gehen. In dem Artikel der BIO stand auch eine Adresse: Kurklinik Königsfeld, Parkstr. 10, 78126 Königsfeld, Prof. Brusis

Telefonisch vereinbarten wir einen Termin bei Prof. Brusis. Nach einer eingehenden Untersuchung von Prof. Brusis, entschieden wir uns gegen eine Operation. Ich meldete mich für eine 3- wöchige Kur nach Königsfeld an, um das Ornish-Programm kennen- und leben zu lernen.

Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt

Eine schwierige Zeit stand mir nun bevor. Mein ganzes bisheriges Leben wurde auf den Kopf gestellt. Alles, was ich früher unter dem Begriff „Genuss“  einordnete, war jetzt Tabu. Zigaretten (2 Schachteln am Tag ), Alkohol, Schokolade, Chips u.s.w... alles war jetzt nicht mehr gut für mich.

Am Anfang konnte ich nur 10 Minuten ganz langsam gehen. Nach 3 Wochen Kur ging ich schon eine  Stunde spazieren. Zwar hatte ich immer noch Schmerzen in der Brustgegend, die mir unglaubliche Angst einflößten, gleichzeitig aber ein großer Anreiz waren, das Ornish-Programm konsequent durchzuziehen. Zu Hause fand ich leider keinen Arzt der mich in dieser Hinsicht unterstützen wollte, das Ornish-Programm passte wohl nicht in das allgemeine Schema der Schulmedizin. Teilweise bekam ich von meinem Kardiologen massive Vorwürfe, wie stur und uneinsichtig ich doch sei.

Ohne die Unterstützung meiner Frau, sie leistete mir seelischen Beistand, eignete sich neue Kochrezepte an, ermutigte mich, auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben, hätte ich niemals diese harte Zeit hinter mich gebracht.

Körperlich ging es mir von Woche zu Woche besser. Der härteste Entzug warvorbei,  und ich konnte meine täglichen Spaziergänge immer weiter ausdehnen.

Ich begann meinen Tag mit dem Sonnengebet oder den 5 Tibetern. Durch diese Übungen bekam ich eine große Energie für den ganzen Tag. Jeden zweiten Tag begann ich nun zusätzlich mit Hatha-Yoga. Ich merkte, wie unbeweglich und steif mein Körper war, doch je länger ich meine Übungen ausführte, um so geschmeidiger und energiegeladener wurde mein Körper. Meinen Beruf (Disponent, recht stressig) konnte ich nach einer Eingliederung über 3 Monate wieder voll ausüben. Die Herzschmerzen traten immer weniger auf, und die Medikamente setzte ich in Eigenverantwortung, auf die halbe Dosis. Meine Geschmacksnerven hatten sich durch die Ernährung soweit gebessert, dass ich endlich wieder wusste wie himmlisch ein Apfel schmecken kann.

Nach einigen Höhen und Tiefen, die wohl bei jeder Krankheit auftreten, ging ich im September 99 zu einer meiner Routineuntersuchungen zu meinem Kardiologen (alle 6 Monate ein Belastungs-EKG). Die niederschmetternde Diagnose: angeblich schlechtere Durchblutung meiner Koronararterien. Dringendes Anraten, eine erneute Herzkatheteruntersuchung durchführen zu lassen. Sollte alles umsonst gewesen sein??? Meine Frau riet mir, ins Krankenhaus zu gehen. Zumindest bekamen wir dann endlich einen Nachweis, ob das Ornish-Programm etwas bewirkt hatte. Ich ging ins Krankenhaus und bekam folgendes Untersuchungsergebnis:

Riva Stenose 50 %, Ramis diagonalis-Stenose 50 %, Ramis marginalis Wandunregelmäßigkeiten. Über Riva und Cx ausgeprägtes Kollateralsystem zur RCA, die sich bis zur Crux darstellt. Der Kardiologe hatte sich geirrt! Und zwar gründlich. Ich hatte „nur“ noch eine 2-koronare Erkrankung. Alle Stenosen sind um über 20 % zurückgegangen.

Von einer Operation war keine Rede mehr.

Im Nachhinein bin ich dem Kardiologen sogar dankbar. Endlich hatte ich ein greifbares Ergebnis. Die Ärzte im Robert-Bosch-Krankenhaus konnten das Ergebnis nicht glauben. Es wurde mit dem alten Film noch einmal verglichen. Kein Zweifel, die koronare Erkrankung war gravierend zurückgegangen. Beide Untersuchungen wurden im Robert-Bosch-Krankenhaus vorgenommen. Es war keine Rede mehr von Operation. Für die Ärzte ist der Rückgang nicht erklärbar. Trotz allem verordneten sie mir weiterhin eine medikamentöse, cholesterinsenkende Behandlung.

Nach 3 Jahren setzte ich alle Medikamente eigenverantwortlich ab. Meine Cholesterinwerte sind hervorragend. Ich nehme nur noch Spirulina (Algen) und Vitamin E (3 X 200 mg am Tag). Inzwischen sind 5 Jahre vergangen, und mein persönliches Fazit ist: Jeder sollte die Verantwortung für seine Krankheit selbst übernehmen und nicht beim Arzt abgeben. Man muss alles hinterfragen, nichts als selbstverständlich hinnehmen. Natürlich sollte man diesen Weg nicht ohne ärztliche Hilfe einschlagen.

Über den Verein " Deutscher Verband zur Förderung Koronarkranker durch Lebensstiländerung e.V. Lifestyle fürs Herz " bekommt man Adressen von Ärzten die das Ornish-Programm unterstützen.

Das Ornish-Programm ist inzwischen ein nicht mehr wegzudenkender Teil meines Lebens. Sicherlich ist es mit dafür verantwortlich, dass nicht mehr viel an den Menschen erinnert, der ich einmal war. Ich denke anders, lebe anders und bin im Prinzip ein anderer Mensch. – Ich empfehle allen, die dieses Programm anwenden wollen, zuerst das Buch von Dean Ornish „Revolution in der Herztherapie“ zu lesen.

 

Rainer Weißschuh

www.koronare-herzerkrankung.de

 

Buch-Tipp:

Ich koche für dein Herz – Rezepte von Dorothee Weißschuh

buch.macher

autoren.verlag

Karrendorfer Str. 4

17498 Mesekenhagen

www.buchmacher-autorenverlag.de

ISBN 3-935039-10-7

Dieses Buch ist mehr als nur ein Kochbuch. Es ist eine Chance für Herz- und Kreislaufkranke und Menschen, die auf ihren Cholesterinspiegel achten müssen und beinhaltet viele leckere, unkomplizierte und leicht nachzukochende Rezepte.

 

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Quelle: BALANCE® 3/2002

 

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