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Aloe Vera
eine Pflanze, die belebt und
heilt
„Vier Pflanzen sind
unerlässlich: der Weizen, die Rebe, die Olive und die Aloe. Die erste nährt
den Mensch, die zweite freut sein Herz, die dritte bringt ihm Harmonie und die
vierte Gesundheit.“
Dieses Zitat wird von Christoph
Columbus überliefert, der eine hohe Meinung von der auch „Der Arzt im Topf“
genannten Aloe gehabt haben soll. Belegt ist, dass die Seefahrer seiner Zeit die
Aloe auf ihren Reisen mitnahmen, um sie bei Krankheit und Verletzung hilfreich
anzuwenden. Spanien war zu dieser Zeit das Land, wo die Pflanze bereits in
Kulturen angepflanzt und in das übrige Europa exportiert wurde.
Die Aloe ist eine „alte“
Heilpflanze, deren Anwendung sich bis zu den frühen Hochkulturen
zurückverfolgen lässt. Auf Tonscherben aus dem Zweistromland und Papyrusrollen
aus Ägypten finden sich erste Rezepte, und ihre Wirkung war auch in Indien und
China bekannt.
Die großen Ärzte des
Altertums wie Dioskurides und Celsus befassen sich in ihren schriftlichen
Überlieferungen eingehend mit der Aloe. Ihren getrockneten, sehr bitteren Saft
innerlich als Abführ- und so genanntes Blutreinigungsmittel und äußerlich bei
entzündlichen Hauterkrankungen und Wunden anzuwenden, waren ihre wichtigsten
Empfehlungen. Diese blieben bis in die neue Zeit hinein die Grundlage ihrer
Anwendung. Durch die Möglichkeiten der modernen Forschung wurde inzwischen eine
Vielzahl weiterer nützlicher Substanzen in der Aloe nachgewiesen, deren für
die Gesundheit nützliche Wirkungen den Satz des Columbus vollauf bestätigen.
Wachstum und Verbreitung
Die Aloe ist in den meisten
subtropischen und tropischen Gebieten der Erde zu Hause. Trockenheit und starke
Sonnenstrahlung verträgt sie gut, während sie empfindlich auf Kälte reagiert
und deshalb in unseren Regionen nicht gedeiht. Sie gehört zu den
Liliengewächsen und ist eine Verwandte der Zwiebel. Äußerlich ähnelt sie der
Agave, ist mit dieser aber botanisch nicht verwandt. Bisher sind auf der Welt
etwa 300 verschiedene Aloearten verzeichnet, deren kleinste sich in
Gesteinsspalten zwängen, während andere die Größe kleiner Bäume erreichen.
Die am meisten genutzte Art ist die Aloe Vera. Die Botaniker bezeichnen sie auch
als Aloe Barbadensis Miller. Mit Blütenstil wird sie bis zu anderthalb Meter
hoch. Charakteristisch für die Pflanze sind die schwertförmigen, fleischigen
Blätter. Da sie in diesen reichlich Wasser speichern kann, zählt die Aloe zu
den sogenannten Blattsukkulenten.
Schneidet man das Blatt der
Aloe durch, findet sich unter einer dicken, gewachsten Außenhaut eine Schicht
mit Sekretzellen, die einen gelben bitteren Saft enthalten, mit dem sich die
Pflanze vor Fressfeinden schützt. Dieser Saft enthält Substanzen, die für die
ursprüngliche medizinische Wirkung der Aloe verantwortlich sind. Die darin
enthaltenen Aloine regen die Darmperistaltik an, während die Bitterstoffe
Magenbeschwerden lindern.
Der gesamte Innenraum des
Blattes enthält den gesundheitlich wertvollsten Teil der Pflanze. Er ist ein
farbloses Mark, das Gel, dass zu 95 Prozent aus Wasser besteht. Die
verbleibenden 5 Prozent sind ein Substanzgemisch, dessen Gesamtheit auf
vielfältige Weise die Gesundheit unterstützt. Die Beobachtung, dass nach
oberflächlicher Behandlung mit dem Pflanzengel Verbrennungen, Sonnenbrände
oder Schäden durch Röntgenstrahlen schneller abheilten, trieb vor allem in den
USA die Forschung voran. Hier entstanden die ersten Aloeplantagen, während in
Europa die Forschung stagnierte, unter anderem deshalb, weil es keine
Anbaumöglichkeit gab.
Mit modernen Analysemethoden
wurden in dem stacheligen Steppengewächs bisher über 200 verschiedene
Inhaltsstoffe nachgewiesen. Hierzu zählen u.a.:
• langkettige
Zuckerverbindungen, so genannte Polysaccharide und Mucopoysaccharide, die das
Immunsystem aktivieren
• entzündungshemmende Enzyme
und Chinone
• Wirkstoffe, die Bakterien
und Pilze bekämpfen
• 18 von 22 Aminosäuren, die
unser Körper benötigt
• dazu Vitamine,
Spurenelemente, essentielle Fettsäuren und weitere wertvolle Substanzen.
Die äußerliche Auftragung auf
offene Wunden, Hautschäden oder innere Verletzungen wie Blutergüsse und
Verstauchungen ist eines der etablierten Anwendungsgebiete der Aloe Vera. Das
Zusammenwirken mehrer im Pflanzenmark enthaltener Inhaltsstoffe zeichnet für
den Heilerfolg verantwortlich. Die Polysaccharide legen einen schützenden Film
über die Wunde, der sie luftdicht abschließt und die Ansiedlung von
Krankheitserregern verhindert. Enzyme inaktivieren Entzündungsbotenstoffe und
verringern so die Ausbreitung von Entzündungen und Wassereinlagerungen.
Wachstumsfaktoren aktivieren die Zellteilung und sorgen so für schnelleren
Ersatz abgestorbener Zellen und für Gewebsneubildung. Aufgetragen als Gel oder
Salbe beschleunigen die Inhaltsstoffe des Aloemarks den Heilungsprozess
erheblich.
Äußere und innere Wirkung
Auch innerlich angewandt bietet
das Aloemark vielfältige Möglichkeiten, die Gesundheit zu schützen und
wiederherzustellen. Hier ist zuerst das zu den sogenannten Mucopolysacchariden
zählende Acemannan zu erwähnen. Es ist ein wichtiges Immunstimulanz, das die
Aktivität der Immunzellen, d.h. Killerzellen, Antikörperzellen und ihrer
Botenstoffe anregt, die so eingedrungene Krankheitserregern, Bakterien und Viren
schneller lokalisieren und unschädlich machen können. Weitere Inhaltsstoffe
entfalten eine direkt antiseptische Wirkung, die vor allem bei der Reinigung des
Darmes von schädlichen Bakterien und Pilzen nützliche Dienste leisten. Auch
eine hemmende Wirkung auf immunologisch bedingte Entzündungsprozesse ist
nachgewiesen.
Die Berichte von Betroffenen
über den günstigen Einfluss der Aloe bei Neurodermitis, Schuppenflechte,
Allergien und Akne haben hier ihre Ursache. Die im Aloemark enthaltenen Vitamine
und Mineralstoffe regen den Stoffwechsel der Leber, aber auch den von Muskeln,
Nerven und Bindegewebe an und bringen so den ganzen Organismus in Schwung. Die
Stärkung der Leberaktivität wirkt zugleich reinigend und entschlackend.
Zusammen mit der Anregung der Zellteilung wird ein Gesundungs- und
Vitalisierungsprozess für den ganzen Körper eingeleitet.
Die Verwendung der Vielfalt der
im Gel vorkommenden Inhaltsstoffe für kosmetische Zwecke oder zur
Nahrungsergänzung öffnet ein neues Anwendungsgebiet in der Jahrtausende alten
Tradition der Nutzung der Aloepflanze. Zu diesem Zweck wird nur das reine
Pflanzengel ohne den aloinhaltigen Zellsaft verwendet.
Da wichtige Inhaltsstoffe durch
Zersetzung und Abbau schnell von ihrer Wirksamkeit verlieren, muss das Gel
stabilisiert und konserviert werden. Das geschieht durch Zusatz der schützenden
Vitamine C und E, durch kurzzeitiges Erhitzen und die Verwendung von
Konservierungsmitteln. Die Wirkung des Gels, das für die innere Anwendung als
Trinksaft angeboten wird und, für die äusserliche Verwendung, zu Salben und
Tinkturen verarbeitet, leidet darunter nicht. Wer auf Konservierungsstoffe
allergisch reagiert, kann auch das Gel des frischen Blattes verwenden.
Soll die Aloe ihre innere
Wirkung entfalten, bedarf es einer regelmäßigen Einnahme über einen längeren
Zeitraum. Bei einer empfohlenen Menge von 1-2 Esslöffeln (20 - 40 ml) täglich,
reicht der häufig in Liter-Flaschen angebotenen Trinksaft für einen guten
Monat. Guter Aloesaft hat einen herben Geschmack und Geruch, der zugleich ein
Qualitätsmerkmal ist. Die alte Weisheit „was bitter dem Mund...“ hat hier
sicher ihre Berechtigung. Um die Akzeptanz, vor allem bei Kindern, zu erhöhen,
wird das Aloegel auch mit Fruchtzubereitungen gemischt angeboten.
Wichtig ist, dass der
Hauptbestandteil der Säfte reines Aloegel ist. Das Prüfsiegel des IASC
(international Aloe Science Council), eines Zusammenschlusses von Farmern,
Herstellern, Ärzten und Wissenschaftlern bürgt für die Reinheit und Qualität
der Produkte.
Richtig angewandt und verbunden
mit einer ausgewogenen Ernährung und Lebensweise bringt uns die Ale vera eine
Extraportion Gesundheit, die stärkt und schützt und zu mehr körperlichem und
geistigem Wohlbefinden beitragen kann.
Michael Rössig
Der Autor ist promovierter
Biologe und bietet Vorträge über Heil- und Vitalpflanzen, darunter Aloe Vera,
im aktuellen Programm verschiedener Volkshochschulen an (Rückfragen unter
0211-273212)

Quelle: BALANCE® 4/2002
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