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Startseite > Themen > gesund leben > Ayurveda AyurvedaAyurveda ist eine Lehre, die zahlreiche praktische Maßnahmen zur Selbstheilung und zur Erhaltung der Gesundheit beinhaltet. Die Fähigkeit des Einzelnen, seine Gesundheit selbst positiv zu beeinflussen, ist ein zentrales Thema der ayurvedischen Wissenschaft, wobei der Ernährung eine bedeutende Rolle zukommt. Der Satz: „Du brauchst keine Medizin, wenn Du Dich richtig ernährst, und du brauchst keine Medizin, wenn du dich falsch ernährst“ passt sehr gut in dieses Gesundheitssystem. Dass die Ernährung einen Einfluss auf den Heilungsprozess verschiedener Erkrankungen hat, ist einleuchtend. Dies praktisch umzusetzen, setzt jedoch umfangreiche Kenntnisse der ayurvedischen Ernährungsregeln voraus. Solche Regeln werden leichter verständlich, wenn man die einfache Sichtweise und Philosophie der Ernährung nach Ayurveda kennt. Diese Philosophie hat ihren Ursprung bereits in der Schöpfungsvorstellung und entwickelte sich über die Entstehung der Elemente und die Geschmackseigenschaften der Elemente bis hin zu den Auswirkungen der Geschmacksrichtungen auf die Gesundheit des Menschen. Die Entstehung der ElementeDie Schöpfungsgeschichte beginnt mit der Vorstellung, dass der Kosmos zunächst aus reinem Bewusstsein bestand, das sich schrittweise in verschiedenen Elementen zu manifestieren begann. Aus diesem Zustand gingen lautlose Schwingungen des kosmischen Klanges hervor, die sich im gesamten Raum ausbreiteten. KLANG und RAUM bildeten das erste Element „Äther“. Damit der Klang hörbar werden konnte, entstand als zweites Element „Luft“. Luft repräsentiert das Prinzip der BEWEGUNG. Je nach Heftigkeit der Bewegung entsteht Wärme durch Reibung. Im Extremfall der Wärmeentwicklung beginnt die Luft zu glühen. Damit war das dritte Element „Feuer“ und die Eigenschaft HELL oder LEUCHTEND geboren. Feuer hat die Fähigkeit, Gegenstände zum Schmelzen zu bringen und somit flüssige Elemente zu erzeugen. Bei jeder Feuerung entsteht z. B. Wasser. Somit lieferte die Schöpfung als viertes Element „Wasser“ und gab ihm die Haupteigenschaft FLÜSSIG. Je weiter sich das Wasser vom Feuer entfernte desto kühler wurde es, bis es gefror. Damit entstand erstmalig ein FESTER Zustand. Alles, was fest ist, zählt zum fünften Element der Schöpfung „Erde“. Somit waren die fünf Elemente vollständig. Nach der ayurvedschen Lehre setzen sich alle Gegenstände aus diesen fünf Elementen bzw. deren Eigenschaften zusammen. Tiere, Menschen, Pflanzen, Nahrung, Gefühle, Erkrankungen etc. sind allesamt aus einer spezifischen Kombination der Eigenschaften dieser fünf Elemente zusammengesetzt. Zur weiteren Anwendung dieser Theorie wurde der Begriff „Dosha“ eingeführt, womit eine energetische Gruppenbildung der Elemente gemeint ist. Die erste Gruppe hat die Bezeichnung „VATA“ und setzt sich aus Äther und Luft zusammen. Die Gruppe „PITTA“ besteht aus Feuer mit einem geringen Wasseranteil. Dagegen besteht die dritte Gruppe „KAPHA“ hauptsächlich aus den Elementen Wasser und Erde. Abb.1: Klick auf das Vorschaubild Bild 1 zeigt eine schematische Darstellung der 5 Elemente sowie der drei Doshas und ihre Zuordnung zueinander. Diese Darstellung soll helfen, manche Zusammenhänge in der ayurvedischen Denkweise zu veranschaulichen. Die Elemente besitzen neben ihren Hauptmerkmalen noch weitere Eigenschaften: Äther ist z. B. gewichtslos, subtil, hörbar und sich ausbreitend; Luft ist beweglich, leicht, trocken, kühl und klar; Feuer ist hell, leuchtend, heiß, scharf und leicht; Wasser ist flüssig, zäh, feucht und kühl; Erde ist fest, hart, grob, schwer, träge und kalt. Ayurveda hat eine besondere Sichtweise zur Erkennung von Objekten, Ereignissen, Empfindungen, Erkrankungen etc. entwickelt. Diese Sichtweise basiert darauf, dass solche Dinge sich nur als Summe der Eigenschaften der darin enthaltenen Elemente zeigen. Das heißt, dass nicht nur Elemente Eigenschaften haben, sondern dass auch Eigenschaften, zusammen addiert, zu Elementen führen. Diese Sichtweise lässt sich an folgendem Beispiel ver-deutlichen: Ein Mensch, der unruhig ist und sich ständig bewegt, verfügt nach dieser Theorie über einen zu hohen Anteil an einem „beweglichen“ Element. Er besitzt eine Eigenschaft des Elements Luft. Dieses Element ist bei ihm zu stark vertreten, daher die herrschende Unruhe. Dagegen besitzen diejenigen, die sich besonders langsam verhalten zu viel Anteile an dem Element „Erde“. In ihnen ist die Eigenschaft der Erde, nämlich „träge“ im Übermaß vorhanden. Betrachtet man die ayurvedische Ernährungslehre in der oben beschriebenen Weise, dann drückt sich die Eigenschaft eines Nahrungsmittels in seinem Geschmack aus. Der Geschmack eines Nahrungsmittel ist nicht zufällig, sondern ein Hinweis auf die darin enthaltenen Elemente und führt somit zu der Wirkung dieses Nahrungsmittels. Verschiedene Geschmacksrichtungen besitzen also verschiedene Wirkungen. Süße Früchte sind feucht und kühl und somit vereinigen sie die Elemente Wasser und Erde in sich. Dagegen deutet eine Zitrone durch ihren sauren Geschmack auf die Schärfe des Feuers in Vereinigung mit dem groben Charakter der Erde hin. Bitterer Geschmack erzeugt ein sich ausbreitendes, trockenes und kühles Empfinden im Körper. Das sind Eigenschaften von Äther und Luft. Salziger Geschmack ist scharf und feucht. Das deutet auf die Elemente Feuer und Wasser hin. Nahrungsmittel mit herbem, zusammenziehendem Geschmack wirken trocken und fest, ähnlich wie eine Kombination aus Luft und Erde. Diese zunächst verwirrenden Zusammenhänge zwischen den Geschmacksrichtungen und den Elementen werden anhand einer einfachen graphischen Darstellung deutlich: Bild 2 zeigt, wie Geschmäcker sich aus den Eigenschaften einzelner Elemente zusammensetzen: bitterer Geschmack beinhaltet Eigenschaften der Luft und des Äthers, süße Früchte besitzen die Eigenschaften von Wasser und Erde usw. Aus ayurvedischer Sicht, lässt sich die menschliche Natur auch in die Theorie der Elemente und die sich daraus ableitende Dosha-Lehre einordnen. Jeder Mensch besitzt eine individuelle Dosha-Struktur, seine Konstitution, die seinen körperlichen und geistigen Eigenschaften entspricht. Je nachdem, welche Eigenschaften ein Mensch hat, körperlich wie emotional, können die dominierenden Elemente bzw. Doshas bei ihm identifiziert werden. Je nachdem, welche Nahrungsmittel verzehrt werden, können solche Eigenschaften positiv oder negativ beeinflusst werden. Die Ernährung der Konstitution anpassenDurch unsere Ernährung nehmen wir die Eigenschaften des Nahrungsmittels auf. Das birgt die Chance in sich, übermäßig vorhandene Elemente und Doshas im Körper zu reduzieren. Durch Vermeidung von Nahrungsmitteln, die diese überschüssigen Elementen beinhalten, kommt der Dosha-Haushalt wieder ins Gleichgewicht. Dadurch können gesundheitliche Probleme vermieden, reduziert oder beseitigt werden. Es ist z. B. vorteilhafter, wenn Personen, deren Konstitution überwiegend durch die Elemente Äther und Luft beeinflusst ist, also Vata-Typen, sich mit salziger, saurer oder süßer Nahrung ernähren (s. Bild 2). Bei Ihnen soll das bereits in hohem Maße vorhandene Vata nicht durch Einnahme von bitteren oder zu-sammenziehenden Mitteln weiter erhöht werden. Bei Zuständen mit erhöhtem Pitta, ist ebenfalls laut Bild 2, süße, bittere oder herbe Ernährung eher angezeigt als salzige, saure oder scharfe. Dagegen sind scharfe, bittere und herbe Nahrungsmittel geeigneter für Kapha-Typen als salzige oder süße. Abb. 2: Klick auf das Vorschaubild Somit dienen die Abbildungen 1 und 2 als Entscheidungshilfe bei der Anpassung der Ernährung an die menschliche Konstitution, und eine gesundheitserhaltende Ernährung nach Ayurveda lässt sich so leicht in den Alltag mit einbeziehen. Als weitere Überlegung kann man den Prozess der Heilung betrachten. Manche Beschwerden lassen sich durch die richtige Auswahl der Nahrung auf sanfte Weise mildern oder beheben. Hierbei ist die Kenntnis der Konstitution der betroffenen Person sowie des Doshas der aktuellen Beschwerde erforderlich. Danach werden, wieder mit Hilfe von Bild 2, die Geschmacksrichtungen und somit die entsprechenden Nahrungsmittel ausgewählt, die das störende Dosha reduzieren und den Heilungsprozess einleiten. Das setzt eine gewisse Erfahrung voraus und sollte daher erst nach Konsultation eines erfahrenen Ayurveda-Therapeuten erfolgen. Auch Gefühle haben ihren eigenen „Geschmack“ Die Wissenschaft von den Geschmacksrichtungen umfasst auch den Geist des Menschen. Gefühle haben einen besonderen „Geschmack“ und, je nach ihren Eigenschaften, eine Wirkung auf den Körper. Falsche Gefühle wirken wie falsche Ernährung. Bittere Gefühle, wie Kummer, oder zusammenziehende Gefühle wie Ängste sind verwandt mit den Elementen Äther und Luft und würden, nach Bild 2, Vata verschlimmern. Sie reduzieren sich durch Einnahme von süßen oder sauren Substanzen. Ähnlich ist es mit Neid bzw. Zorn, die sauren bzw. scharfen „Geschmack“ haben, womit sie zu den Verwandten des Pitta-Dosha zählen. Solche Gefühle werden durch Einnahme von süßen oder herben Nahrungsmitteln abgebaut. „Süße Gefühle“ wie Verlangen und „salzige Gefühle“ wie Gier haben eine Ähnlichkeit mit der Anziehungskraft. Das ist eine Eigenschaft der Erde und gehört daher zu Kapha. Sie werden mit herben und bitteren Mitteln reduziert. Zusammenfassend lassen sich Entscheidungen über die richtige Ernährung eines Menschen – bei normalem Gesundheitszustand – durch Beantwortung der folgenden Fragen treffen: 1. Welches Dosha bzw. welche Elemente sind momentan vorherrschend? 2. Welcher Geschmack ergibt sich nach Bild 2, um dieses Dosha zu reduzieren? 3. Welche Nahrungsmittel besitzen den nun ermittelten Geschmack? Die Bestimmung der individuellen Konstitution ist erlernbar und wird in zahlreicher Literatur beschrieben (z.B.„Das Ayurveda Heilbuch“ von Vasant Lad). Dabei ist darauf zu achten, dass nicht nur die Konstitution bestimmt wird, sondern auch das Dosha der evtl. momentan vorliegenden Beschwerden ermittelt wird. Zu diesem Thema werden des öfteren Seminare angeboten. Die Antwort auf die zweite Frage kann mit Hilfe von Bild 2 gefunden werden. Die Geschmacksrichtungen der meisten Nahrungsmittel sind in der Regel leicht zu erkennen, so dass auch die Antwort auf Frage 3 nicht schwer fällt. Für Nahrungsmittel mit kompliziertem Geschmack gibt es Tabellen in zahlreichen Büchern, worin die Geschmacksrichtungen vieler Nahrungsmittel aufgeführt sind. Somit ist eine Integration der ayurvedischen Ernährungslehre in den Alltag durchaus machbar. Diese bewusste Ernährungsweise ist eine gesundheitsfördernde Maßnahme ohne jeglichen Verzicht auf Genuss und Freude am Essen. Dr. Efat Chafik Weitere Informationen: |
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