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Bioenergetik
die eigene Lebendigkeit wieder
entdecken
Über
unseren Körper erfahren wir, was wir wirklich fühlen,
was wir brauchen, worauf wir Lust haben und was wir wollen.
Bioenergethik gehört zu den Körpertherapien,
die vor allem in den USA begründet wurden. Im Sinne des Ganzheitsprinzips der
Naturheilkunde versucht sie, Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu
bringen, damit die Lebensenergie, auch „Bioenergie“ genannt, erhöht wird
und ungehindert durch den ganzen Körper strömen kann. Das fördert die
Gesundheit und die Lebensfreude und lässt uns die Fülle der
Lebensmöglichkeiten wieder erkennen und ausnutzen. Da heute viele Menschen
vorwiegend „aus dem Kopf“ leben, aber ihre Gefühle und körperlichen
Bedürfnisse vernachlässigen, kann diese Therapie vor allem zur Grundbehandlung
psychosomatischer Erkrankungen eingesetzt werden, ergänzt durch verschiedene
Naturheilverfahren. In der psychosomatischen Medizin gilt die Bioenergetische
Körpertherapie als einer der wichtigsten Therapieansätze.
Entstehung und theoretische Grundlagen der
Bioenergetik
Begründet wurde die Bioenergetik von dem 1910
geborenen Amerikaner Alexander Lowen. In den 30er Jahren stieß er erstmals auf
Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und seelisch-geistigem
Befinden. Er nahm Kontakt auf mit Wilhelm Reich, dem „Vater“ der
Körpertherapie und wurde dessen Schüler.
1947 begann Lowen seine Bioenergetik zu
entwickeln. 1956 gründete er das Institut für bioenergetische Analyse.
Theoretische Grundlage der Bioenergetik bildet die Annahme, dass es eine „fundamentale
Energie“ gibt, die man mit Lebenskraft am besten beschreibt. Diese Bioenergie
bestimmt u.a. die Körperhaltung und den Spannungszustand der Muskulatur
maßgeblich mit. Fließt sie frei durch den Körper, besteht eine aufrechte,
gute Haltung, während Störungen des Energiestroms zu Fehlhaltungen und
Verspannungen der Muskulatur führen.
Daraus kann der erfahrene Therapeut sichere
Rückschlüsse auf die lebensgeschichtliche Entwicklung und augenblickliche
Lebenssituation eines Menschen ziehen.
Neben den Veränderungen der Körperhaltung
sind dabei vor allem die „Verpanzerungen“ der Muskulatur bedeutsam. In ihnen
staut sich die Lebensenergie, wird „eingefroren“ und steht nicht mehr für
körperliche und geistig-seelische Aktivitäten zur Verfügung.
Als Ursachen solcher Energieblockierungen gibt
Lowen meist negative Erfahrungen schon in der frühen Kindheit an, sie können
aber auch erst im späteren Leben durch ungünstige Einflüsse entstehen oder
verschlimmert werden. Bewusst und willentlich lassen diese sich nicht mehr
auflösen. Eine typische Ursache ist die Ablehnung durch die Eltern, die dazu
führt, dass das natürliche Bedürfnis nach Zuwendung, Zärtlichkeit und Liebe
unterdrückt werden muss.
Unterdrückte Bioenergie führt zu Blockaden
Bioenergie wird im Muskelpanzer gebunden und
unter Kontrolle gehalten. Chronische schmerzhafte Verspannungen zum Beispiel in
der Rückenmuskulatur sind die häufige Folge, aber auch zahlreiche andere
psychosomatische Beschwerden können so entstehen. Befreit man die „eingefrorene“
Lebensenergie, indem man durch körperliche Übungen die Energieblockade im
Muskelpanzer aufhebt, können sich die verdrängten Bedürfnisse und Gefühle
abreagieren, d.h. gelebt und dauerhaft verarbeitet werden.
Die Körperarbeit der Bioenergetik besteht vor
allem aus folgenden Übungsformen: Stress-Positionen, das sind bestimmte,
anfangs unbequeme Körperhaltungen, die so lange wie möglich eingehalten
werden; dabei kommt es u.a. zur vertieften Atmung, guter Durchblutung und zum
Vibrieren der belasteten Körperpartien, wobei sich der Muskelpanzer löst und
die Energie wieder frei strömt, Erdungsübungen (Grounding), bei denen
man bewusst den Kontakt mit dem Boden herstellt und wahrnimmt, also wieder
lernt, mit „beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen“, Tiefenatmung
mit Hilfe von Atemhocker oder Schaumstoffwürfel. Bewegungs- und
Ausdrucksübungen machen den Körper beweglicher. Die Ausdrucksübungen
bestehen u.a. in Strampeln, Treten, Stoßen mit Händen und Füßen, wobei auch
Gefühle (wie Aggressionen, Wut, Trauer), die lange unterdrückt wurden,
abreagiert werden können. Fallübungen sollen vorübergehend die
Selbstkontrolle durch den Verstand ausschalten und die damit verbundenen
Verspannungen lösen.
Massageähnliche Manipulationen
am Muskelpanzer und einzelnen Verspannungen lösen diese auf. Diese Massage
arbeitet auch mit gezieltem, äußerem Druck, bis sich die blockierte Energie
schließlich, wenn der Druck zu stark wird, spontan entlädt.
Die körperlichen Übungen werden von
seelischen Reaktionen begleitet, weil mit der Lösung der Energieblockaden auch
lange verdrängte, im Muskelpanzer „eingefrorene“ Gefühle und schmerzhafte
Erinnerungen befreit werden. Sobald sich der Mensch seines Körpers bewusst/er
wird, gewinnt er ein neues Verhältnis zu sich selbst und findet Wege zu mehr
Ausgeglichenheit und Wohlbefinden.
Über Atmung und Bewegung drücken sich
Gefühle körperlich aus, durch Anspannen der Muskulatur und Einschränken der
Atmung werden diese kontrolliert. Die Bioenergetik verwendet Körpertechniken,
die eine tiefe und ungehinderte Atmung wiederherstellen sowie Bewegungs- und
Ausdrucksübungen, die festgehaltene Emotionen wiederbeleben, dem Bewusstsein
erneut erfahrbar machen.
Obwohl wir vom
Verstand her wissen, was unser Körper braucht bzw. was ihm schadet
und wie es im Leben besser gehen könnte,
rutschen wir immer wieder in alte erlernte Verhaltensmuster ab und sorgen dafür,
dass es uns schlecht geht.
Das Wahrnehmen und Lösen belastender
Energieblockaden führt letztendlich zu mehr Lebensfreude und selbstbestimmtem
Handeln.
Die geäußerte Energie zeigt oft wenig von
dem, was an lebendigen Lebenskräften hintergründig, unbewusst am Werk ist. Es
ist wichtig wahrzunehmen, welche Haltungen, verinnerlichte Maßnahmen dem
jetzigen Leben dienlich sind oder als alte Relikte gegen das heutige Dasein
gerichtet sind.
Die ungebremste Lebenskraft wird wieder erweckt
Mit Hilfe der Bioenergetischen Charakterarbeit
werden „Errungenschaften“, die früher als notwendige Abwehrreaktionen gegen
zum Beispiel schmerzliche Einflüsse auf die Person entstanden sind, spürbar,
erkennbar gemacht. Es wird die Bereitschaft gefördert, Verkrustungen
aufzubrechen und Blockierungen abzubauen. Neugierde auf die ungebremste
Lebenskraft, das Dynamische hinter den Blockaden wird geweckt. Das Seelische hat
im Körper seine Entsprechungen und kommt im Körper zum Ausdruck. Der Charakter
legt die Lebensgeschichte fest. Unter ungünstigen Lebenskonstellationen durfte
sich die Lebendigkeit im Körper nur wenig Raum verschaffen. Die Seele
verkümmerte, die Einheit von Körper und Seele ist gestört. Statt strömender
Lebendigkeit erlebt dieser Mensch Stress, Unzufriedenheit, Depression und
unbewusstes Getriebensein.
Lebensprozesse stellen sich aus
bioenergetischer Sicht in vier Phasen dar:
-
Bejahen
-
Nehmen
-
Halten
-
Geben
Charakterstrukturen beschreiben energetische
Störungen der Persönlichkeitsentwicklung in einer oder mehrerer der vier
Phasen: Die Bejahung ist der Antrieb jeden gesunden Lebensprozesses
(Urvertrauen). Im Nehmen tanken wir genügend Energie auf (auch gefühlsmäßige
Sättigung), um das Leben tatkräftig gestalten zu können. Durch das
Haltevermögen sammeln und speichern wir Kraft. Im Geben sind wir dann in der
Lage zu teilen, abzugeben, uns in Liebe hinzugeben.
Zusammengefasst bedeutet dies folgendes: Sind
die vom Säugling ausgehenden Lebensimpulse bejaht worden, hat er genug bekommen
und ausreichend Kräfte gespeichert, dann kann er sich hingeben. Es hat so viel
Lebenssubstanz entwickelt, um ausgeglichen und freigiebig in Kontakt mit „der
Welt“ zu treten. Dieser beschriebene optimale Entwicklungsverlauf stellt sich
nur dann so da, wenn keine frühen Störungen die Persönlichkeitsentwicklung
gravierend beeinflusst haben. In der Auseinandersetzung zwischen Triebstruktur
und gesellschaftlicher Realität, zwischen Innen- und Außenwelt kommt es je
nach Entwicklungsverlauf zu bestimmten, charakterlichen Manifestationen,
Verspannungen und Blockierungen der Muskulatur. In der Bioenergetischen
Körperarbeit (Einzel- und Gruppentherapie*) werden diese, vorwiegend in der
frühen Kindheit (bis zum 8.Lebensjahr) entstandenen Abwehrreaktionen offen
gelegt und in ihrer lebenseinschränkenden Wirkung gemindert bzw. abgebaut.
(* = „Die Gruppe bietet einen geschützten
Raum und ist gleichzeitig Übungsfeld für dich, in dem du deine Emotionen und
Empfindungen zeigen und dich in der Beziehung mit anderen Menschen
auseinandersetzen kannst.“)
Klaus Thomas
Nähere Informationen:
Praxis für Körper- und Psychotherapie Klaus
Thomas, HP für Psychotherapie Körpertherapeut; Diplom-Sozialpädagoge
40627 Düsseldorf-Unterbach
Tel. 0211/202977
e-mail:klausbio10@hotmail.com
home: www.klausbio.2xs.net

Quelle: BALANCE® 4/2002
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