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Erleuchtung
Mythos oder
Wirklichkeit?
Ein Erfahrungsbericht über die
Begegnung
mit Samarpan, einem erwachten Menschen
Den Begriff „Erleuchtung“
hatte ich noch nie gehört, als ich Samarpan im Januar 2001 zum ersten Mal
begegnet bin. Und hätte ich gewusst, dass es ein „Erleuchteter“ war, zu
dessen Veranstaltung ich mich da auf den Weg machte, ich wäre wohl nie dort
angekommen. Denn in unserer westlichen Welt aufgewachsen und entsprechend
geprägt, sträubte sich alles in mir gegen solchen „esoterischen Firlefanz“
... ungeachtet der Tatsache, dass eben dieser von mir als solcher verurteilte
„Firlefanz“ schon seit Jahrtausenden fester Bestandteil östlicher
Kulturkreise ist. Aber ich war eben „Westlerin“, und als solche dachte,
bewertete und fühlte ich auch.
Heute spielen Begrifflichkeiten
für mich keine nennenswerte Rolle mehr. Nach wie vor kann ich zwar mit dem
Begriff „Erleuchtung“ nicht viel anfangen, eher noch mit der Aussage, dass
jemand „erwacht“ oder „frei“ ist. Doch eigentlich drückt nichts von all
dem wirklich aus, wie es ist, wenn man mit einem solchen Menschen
zusammentrifft.
Wie alles begann
Es war ein trüber Winter-Tag,
als meine Freundin mir vorschlug, mit ihr zum Satsang mit Samarpan zu fahren. So
richtig Lust hatte ich eigentlich nicht. Schon wieder so eine Veranstaltung,
dachte ich, wo lauter abgehobene New Age-Leute andächtig mit im Lotus-Sitz
verknoteten Beinen meditieren, das muss ich mir eigentlich nicht antun. Doch ich
ließ mich überreden, und so fuhren wir zum Satsang nach Köln. – Satsang
bedeutet „Zusammensein in Wahrheit“ mit einem erwachten Menschen, zu dem man
nach vorn gehen und ihm Fragen stellen kann.
„Im Satsang mit einem
erwachten Menschen zu sein, ist eine unvorstellbare Hilfe,
um deine wahre Natur
zu erkennen.
Jeder, der zum Satsang kommt,
unabhängig davon wie lange, wird die Wahrheit erkennen –
das ist
unvermeidlich.“
Samarpan
Angenehm überrascht war ich
vom Publikum, das überhaupt nicht abgehoben war, wie ich befürchtet hatte,
sondern statt dessen eine bunte Mischung aus jung und alt, männlich und
weiblich, bieder und leger. Wir ergatterten zwei Plätze, und bald darauf betrat
Samarpan den Raum, begrüßte die Anwesenden und begann zu sprechen.
Noch heute kann ich nicht
wirklich beschreiben, was ich in diesen anderthalb Stunden, in denen ich ihn
ansah und ihm zuhörte, empfand. Sicherlich fühlte ich mich von seiner
humorvollen Art angesprochen, mit der er immer wieder den ganzen Saal zum Lachen
brachte, sicherlich begeisterte mich seine Fähigkeit, den Kern eines Problems
zu finden, sicherlich berührte mich, wie liebevoll und ruhig er mit den
Menschen sprach. Doch, was er tatsächlich in mir auslöste, ging weit über
Äußerlichkeiten hinaus. Es war, als ob tief in mir etwas mit ihm in Resonanz
gegangen wäre, als wäre da eine Saite in mir zum Klingen gebracht worden, die
mich an etwas erinnerte, von dem ich gar nicht mehr wusste, dass es existierte.
Ich wusste nur, dass meine Suche ein Ende hatte. Ich war angekommen.
An Samarpans Seite lernte ich
ein ganz anderes Leben kennen, als ich es bis dahin gewohnt war. Nach und nach
machten Sorge um Sorge, Angst um Angst, Zweifel um Zweifel Platz für oft
überströmende Freude, Lebenslust und tiefes, inneres Glück.
Samarpan lehrt nicht, predigt
nicht, macht keine Vorschriften und will nichts ändern – weder Menschen noch
Situationen. „Nimm an, was das Leben dir präsentiert und fühle die Gefühle,
anstatt zu versuchen, sie zu vermeiden.“ sagt er. Klingt einfach. Ist es auch
und zwar so einfach, dass wir gerade deshalb – weil wir daran gewöhnt sind,
kompliziert zu denken – zunächst Probleme damit haben.
Ich habe Wochen und Monate
damit zugebracht, allein um herauszufinden, was das Leben mir denn nun wirklich
präsentierte. Denn, was mir präsentiert wurde, war in der Regel gar nicht so
viel, weitaus umfangreicher waren dagegen die Geschichten, die ich darum herum
sponn, die Gedankenkonstrukte, die ich um dieses Wenige herum bildete. Und daran
war ich so gewöhnt, dass ich anfangs außerstande war, eine Lebenssituation
oder ein Gefühl von dem Gedankenkonstrukt darum herum zu trennen. Noch heute
noch gelingt mir das nicht immer... aber immer öfter.
Ich musste gründlich umdenken.
Hatte ich gelernt, hart mit mir und anderen ins Gericht zu gehen, mir viel
abzuverlangen, beherrscht und berechenbar zu sein und zu 100 % meinem Verstand
zu vertrauen, so musste ich das nun alles wieder verlernen und stattdessen
lernen, meinem Herzen zu folgen.
Was eigentlich das Normalste
auf der Welt sein sollte, stellte sich für mich als schwieriges Unterfangen
dar. Denn ich war dermaßen darauf konditioniert, mich anderen anzupassen, es
anderen Recht zu machen, dass ich dabei völlig aus den Augen verloren hatte,
was mir selbst gut tat, welche Bedürfnisse ich hatte. – An Samarpans Seite
lernte ich nun, mich selbst wieder mehr wahrzunehmen, mir meiner eigenen
Bedürfnisse bewusst zu werden, und ich lernte, mir zu verzeihen. Ich wurde
weicher – aber auch klarer – im Umgang mit mir selbst und dadurch auch im
Umgang mit anderen.
Ich akzeptierte mich erstmals,
wie ich wirklich war
Ein anderer Stolperstein war,
dass ich immer gedacht hatte, ich müsse erst anders sein als ich bin, bevor ich
mich „auf den Weg“ machen könnte. Unter Authentizität stellte ich mir vor,
so zu sein, wie ich sein wollte. Wäre ich erst selbstbewusst, frei von
Schuldgefühlen, toleranter und geduldiger, würde mich vernünftig ernähren,
mit dem Rauchen aufhören, eine bessere Mutter, disziplinierter und im Beruf
erfolgreicher sein ... dann, ja dann, dachte ich, könnte das Leben beginnen.
Samarpan sagte zu mir: „Du
kannst nur dort beginnen, wo du bist.“ Und das habe ich dann getan. Habe dort
begonnen, wo ich war. In meiner Unvollkommenheit, mit meinen Fehlern, Ecken und
Kanten, unperfekt, ängstlich, mit allem eben, was mich ausmachte... aber
erstmals wirklich authentisch. Ich begann mich zu akzeptieren, wie ich war und
nicht, wie ich sein wollte.
Hatte ich mein Leben lang
gedacht, wenn ich nur anders, besser wäre oder es richtig machen könnte, dass
ich dann glücklich wäre, stellte sich nun heraus, dass das genaue Gegenteil
der Fall war. Denn erst, indem ich nichts mehr ändern wollte, enthüllte sich
mir mehr und mehr der innere Frieden und das Glück, nach dem ich mich immer
gesehnt hatte.
Schmerzhafte Gefühle nicht
vermeiden, sondern zulassen
Auch lernte ich, dass
unangenehme Gefühle nicht annähernd so bedrohlich sind, wie wir sie uns
vorstellen und weshalb wir sie tunlichst von uns fernhalten wollen. Schmerzhaft
sind sie im Außenbereich, dort also, wo wir sie empfinden, wenn wir sie
vermeiden wollen. Lassen wir sie aber zu, lassen wir sie ganz an uns heran, dann
tun sie nicht mehr weh.
Samarpan hat das einmal sehr
schön bildhaft ausgedrückt. Er sagte, dass all unsere Gefühle ein Teil von
uns seien, die angenehmen wie die unangenehmen und dass wir sie doch einmal wie
unsere Kinder betrachten sollten. Die einen, wie Freude und Glück, werden
geliebt und die anderen, wie Angst und Trauer, in den Keller gesperrt. Nimmt es
da Wunder, dass die vergessenen, ungeliebten und weggesperrten Kinder vehement
versuchen, sich Gehör zu verschaffen? – Liebevoll angenommen, tut selbst
emotionaler Schmerz nicht weh, so paradox das auch klingen mag.
„Du hast versucht, gut zu
sein,
du hast versucht, so zu sein,
wie jemand sagte, dass du sein sollst, aber du hast nie versucht, du selbst zu
sein.
Wenn du einfach du selbst bist,
gibt es keine Probleme. – Höre auf, irgendjemand sein zu wollen.
Sei einfach
du. Es ist einfach, es braucht keine Anstrengung.“
Samarpan
Ich erinnere mich nicht daran,
im letzten Jahr auch nur einmal gelitten zu haben. Natürlich gab es die gesamte
„Negativ-Gefühlsskala“, ich war traurig, ängstlich, unsicher,
durcheinander, wütend, verletzt usw. Aber ich fragte mich dann immer seltener,
warum ich mich nun so fühlte, suchte nicht im Kopf nach Erklärungen oder
womöglich nach Schuldigen, machte keine Geschichte aus dem Gefühl und
versuchte nicht, die Geschichte zu ändern. Alles, was ich tat, war, das
jeweilige Gefühl zuzulassen und zu fühlen, bis es von allein wieder ging.
Und in der Regel ging jedes
Gefühl recht schnell wieder. So schnell, dass mein Verstand ganz begeistert
davon war und sich diese „Methode“ zu eigen machen wollte, frei nach dem
Motto: „Jetzt fühlen wir mal eben, was da ist, damit wir das unangenehme
Gefühl ganz schnell wieder loswerden.“ So funktioniert das natürlich nicht.
Kein Gefühl kommt aus dem Keller hervor, wenn es nur eingeladen wird, um so
schnell wie möglich wieder herausgeworfen zu werden. Es spürt ganz genau, wann
es wirklich willkommen ist.
Natürlich war ich nicht immer
imstande, jede Lebenssituation sofort als gegeben zu akzeptieren, und besonders
in der Anfangszeit hatte ich dann oft das alt vertraute Gefühl, mal wieder
versagt zu haben. Samarpan brachte es auf den Punkt: „Hast du akzeptierst,
dass du nicht akzeptieren konntest?“ Hatte ich natürlich nicht, sondern war
wieder dem selben Fehler aufgesessen, indem ich bereit war, eine mir
vorgestellte Realität zu akzeptieren, nicht aber die, mit der ich es gerade zu
tun hatte. Und die sah nun einmal so aus, dass ich gerade im Widerstand war.
Das „ja“ zu dem, was war,
brachte mich ins Jetzt
Unterstützt durch Samarpan,
seinen Rat, seine Aufmunterung und grenzenlose Geduld lernte ich nach und nach
zu allem einfach „ja“ zu sagen. Ja zu dem, was ist, und zwar zu dem, was
WIRKLICH da ist, d.h. auch zu Widerstand, Wut und vermeintlichem Fehlverhalten.
Vermeintlich deshalb, weil da noch immer der Verstand war, der mir lauthals
einreden wollte (und ab und zu immer noch will), dass Akzeptanz da sein müsse,
wo gerade Widerstand war, dass Geduld da sein müsse, wo gerade Rage war, dass
es anders sein müsse, als es war. Egal wie. Hauptsache anders.
Aber je weniger Beachtung man
den Gedankenspiralen schenkt, die quasi autoaktiv ablaufen – und das kann man
auch nicht verhindern, schon mal gar nicht, indem man sich dagegen auflehnt –
desto weniger machtvoll werden sie mit der Zeit. Es gibt sie zwar noch, aber
irgendwann ist es so, als ob leise im Hintergrund ein Radio vor sich hindudelt,
eine vertraute Geräuschkulisse halt, die man nicht bewusst wahrnimmt.
Je mehr ich „ja“ sagte,
desto mehr ließ ich mich zwangsläufig auch darauf ein, nicht mehr alles
verstehen zu wollen, ließ mich darauf ein, das Leben auf mich zukommen zu
lassen, es zu erleben, zu erfahren, anstatt es kontrollieren zu wollen.
Das Leben ist nicht
kontrollierbar
Und hatte ich immer gedacht,
dass das Leben leichter wäre, wenn ich es nur in von mir vorgegebene Bahnen
lenken oder es sonst wie manipulieren könnte, so stellte sich auch das als
Irrtum heraus. Das Leben ist nicht berechenbar. Es geht seinen eigenen Weg. Die
Wege, die es unserer Ansicht nach gehen sollte, geht es nur in unserer
Phantasie. Und die hat in der Regel herzlich wenig mit der Realität zu tun.
Indem ich mich auf das Leben
einließ, wurde es augenblicklich leichter. Es war, als würde ich nun ruhig mit
der Strömung schwimmen, während ich vorher immer dagegen angekämpft hatte.
Und was mir immer als Bedrohung erschien – nicht zu wissen, was passieren wird
– empfand ich nun als spannendes Abenteuer.
Heute fühle ich mich oft wie
die Hauptdarstellerin in einer Fernsehserie, von der ich nicht weiß, wie es in
der nächsten Folge weitergehen wird. Ich bin einfach nur gespannt auf die
Fortsetzung. Und das ist viel schöner als die anstrengende Zeit meiner –
ohnehin meist erfolglosen – Bemühungen, die Zukunft berechenbar zu machen.
Es gibt nur jetzt ... jetzt
erinnern wir uns an gestern, jetzt stellen wir uns morgen vor ... Aber all das
tun wir JETZT !
Wir sind davon überzeugt, dass
unser Glück in der Zukunft liegt. Aber diese Zukunft existiert nur in unserer
Vorstellung und wird zudem stets von einem „Wenn“ begleitet: Wenn mein
Partner endlich liebevoller und verständnisvoller ist…, wenn ich erst mein
Idealgewicht habe..., wenn ich einen Job finde, der mich ausfüllt… usw. …
dann werde ich glücklich sein.
Durch Samarpan lernte ich, das
Glück nicht mehr in einer imaginären Zukunft zu suchen, sondern stattdessen
hier und jetzt. Und erst dadurch stellte ich fest, dass ich eigentlich noch nie
im Hier und Jetzt gelebt hatte, sondern fast ausschließlich im Gestern und
Morgen... im Verstand also, der sich über die Vergangenheit beklagt und über
die Zukunft Sorgen macht.
Und nun bemerkte ich, dass ich
die Augenblicke größten Friedens immer dann erlebte, wenn ich ganz im Moment
lebte und der Verstand dadurch still war. Wenn ich z.B. ein Bild einfach nur
betrachtete, ohne ihm gleich eine Epoche zuzuweisen. Wenn ich in der Natur war
und einen Baum ansah, ohne mir über seine Gattung Gedanken zu machen. Wenn ich
ein Gefühl ganz nah fühlte... auch dann war der Verstand still.
Solche Momente vollkommener
Stille sind so unbeschreiblich schön, dass man sie festhalten möchte. Aber das
geht nicht. Man muss sie ziehen lassen, sich auf den nächsten Moment einlassen.
Immer wieder neu.
Seit ich Samarpan kenne, habe
ich viele Momente unendlichen Glücks empfunden und war dann anfangs oft am
Boden zerstört, weil ich sie nicht festhalten konnte. Aber diese Momente
festhalten zu wollen, würde bedeuten, das Leben anhalten zu wollen, gegen die
Strömung zu schwimmen, anstatt sich von ihr tragen zu lassen.
Ich lebe heute um so vieles
leichter, entspannter und glücklicher. Das Leben an sich hat sich zwar nicht
verändert, aber irgendetwas in mir ist anders geworden. Nicht mit einem
Paukenschlag, vielmehr war es meist so, dass ich mich in einer Situation
wieder fand, die mich Wochen zuvor noch hätte verzweifeln lassen und ich nun
plötzlich feststellte, dass ich vollkommen entspannt und gelassen war.
Auch die alltäglichen
Herausforderungen sind nicht leichter geworden, manchmal kommt es mir sogar vor,
als ob sie schwerer geworden seien. Doch da ich in ihnen nun kein Feindbild mehr
sehe, das es zu bekämpfen gilt, stellt sich die Frage nach einem Schweregrad
nicht mehr.
Auch die Frage nach Erleuchtung
stellt sich nicht mehr. Intellektuell ist sie ohnehin nicht zu begreifen,
wodurch sie in unseren Breiten vermutlich zum Mysterium wurde und dadurch zum
Mythos.
Was ich an Samarpans Seite
erleb(t)e, das war und ist eigentlich auch ein Mysterium... und dennoch erlebte,
erfahrene, wundervolle Wirklichkeit.
Samarpan wurde 1941 in San
Francisco geboren. Den Namen Prem Samarpan erhielt er von Osho. Seine
Selbstverwirklichung erfuhr er in einem Retreat mit Gangaji, die wiederum
Schülerin von Poonjaji ist, dem von Ramana Maharshi inspirierten „Löwen von
Lucknow“. Seit 1996 hält Samarpan in Europa Satsangs und Retreats (in
englischer Sprache mit Übersetzung) ab. Samarpan lebt mit seiner Frau in
Frankfurt.
Satsang mit Samarpan
Termine und Informationen unter
www.samarpan.de
.

Quelle: BALANCE® 4/2002
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