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Fragen an Samarpan

Frage: Es gibt zwei Dinge, unter denen ich  im Moment sehr leide. Erstens bin ich unfähig, so zu arbeiten, wie ich sollte und zweitens spiele ich ständig Solitaire am Computer. Ich weiß, dass du auch Solitaire spielst, aber sicherlich nicht, um vor einem schlechten Gewissen davonzulaufen. Ich erinnere mich an letzten Sommer. Ich wollte ein Sonnenbad nehmen, konnte es mir aber nicht gönnen. Also ging ich in mein Büro um zu arbeiten. Aber wie jetzt auch, konnte ich es nicht, und so saß ich nur da und spielte Solitaire. Was das Ergebnis anbelangt, hätte es also gar keinen Unterschied gemacht, wenn ich mich in die Sonne gelegt hätte...

Samarpan: Was macht all dies für dich zu Problemen? Sind es nicht deine Urteile, deine Vorstellung davon, wie es zu sein hätte, was es zu Problemen macht? Dein schlechtes Gewissen ist das Schuldgefühl, das damit einhergeht, wenn du denkst, du seist eine Niete und würdest alles falsch machen. 

Du sagst, dass du Computer-Spiele spielst, um dem Gefühl von Schuld zu entgehen, weil du deine Arbeit nicht ordentlich verrichtest. Die Arbeit stapelt sich, der Druck wird immer größer. Und je größer der Druck wird, desto weniger kannst du tun. – Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Ich kenne so etwas nämlich auch sehr gut. 

Ich sage dir mal, wie ich arbeite. Wenn ich mich dabei ertappe, dass ich free-cell spiele anstatt das zu tun, was getan werden muss, ich aber gar keinen Impuls habe, es zu tun, dann mache ich einfach eine Pause, ruhe mich aus oder mache ein Nickerchen und warte darauf, dass die Energie und das Bedürfnis zu arbeiten, zurückkommt. 

Wir können uns nicht zwingen, das zu tun, was von uns erwartet wird. Das ist einfach unmöglich. Wenn dir die Arbeit nicht genug Energie gibt, sie zu erledigen, dann kannst du sie nicht erledigen. Wenn ich jetzt nicht die Energie hätte, dir diesen Brief zu schreiben, würde ich mich ausruhen, meinen Roman lesen, free-cell spielen oder was auch immer tun. Wir können nichts tun, weil wir denken, wir sollten es tun. Es geht nicht. Vielleicht können es einige Leute, aber du und ich nicht. 

Ich sehe das so: es ist nicht meine Angelegenheit, ob ich etwas tue oder nicht. Wenn das Leben möchte, dass ich etwas tue, dann muss es mir die Energie geben, die ich dazu brauche. Meine Arbeit muss mir Spaß und Freude machen. Wenn sie mich ausbrennt, mache ich sie nicht. Sie muss ein Spiel sein, das mir mehr Spaß macht als ein Computer-Spiel.  

Es hätte einen Unterschied gemacht, wenn du dir erlaubt hättest, ein Sonnenbad zu nehmen. Denn dann hättest du vielleicht die Erfahrung gemacht, dass du die Arbeit später hättest tun können. Ich erlebe es wieder und wieder, dass, wenn ich entspanne anstatt dagegen anzukämpfen, dass ich gerade keine Energie habe, sie wiederkommt, wenn es an der Zeit ist. 

Außerdem arbeite ich, um arbeitslos zu sein. Wenn es etwas gibt, was ich tun muss, und in der Regel ist genügend Energie vorhanden, um die Aufgaben zu erledigen, sobald sie auftauchen, dann erledige ich es sofort. Ich mag einen leeren Schreibtisch und einen leeren Kopf, denn so macht es einfach mehr Spaß, weil ich so nicht noch zusätzliche Arbeit damit habe, in dem ganzen Stapel etwas zu finden. Und wenn es doch einmal passiert, dass sich die Arbeit stapelt, dann warte ich, bis ich genügend Energie habe, um mich darum zu kümmern. Oft geschieht das am Tag, bevor ich zu einer Reise aufbrechen muss, manchmal sogar erst am Morgen der Abreise. 

Bist du sicher, dass ich Solitaire nicht als Flucht benutzt habe? Warum glaubst du, weshalb ich dich so gut verstehen kann?  

Aber auf diese Art und Weise lernst du. Du lernst etwas über das Leben. Du lernst, wie es funktioniert und wie es nicht funktioniert. Und auch ich lerne noch immer. Das Lernen wird nie aufhören. Mache dich nicht dadurch verrückt, dass du denkst, dass du es schon alles gelernt haben solltest.  

Uns ist beigebracht worden, wie man es falsch macht, und das haben wir ziemlich gut gelernt. Also geht es darum, uns von dem, was wir gelernt haben, zu trennen und stattdessen neu zu lernen. Erschaffe keine Grenze zwischen uns, indem du denkst, dass ich perfekt bin und du nicht. Das ist nicht wahr.  

Frage: Ich habe keine Freunde. Ich habe keine guten Freunde. Und ich hatte noch nie eine Beziehung. Ich hasse es, so zu leben, immer allein. ... Ich finde keine Antwort mehr. 

Samarpan: Halte einfach einmal an und sieh nach innen. Jetzt. Atme einfach und ruhe in deiner Mitte. Entspanne in dem Frieden und dem Raum der Stille. Fehlt es hier an irgendetwas? Kann irgendetwas oder jemand dies verbessern? 

Du brauchst keinen Partner. Du brauchst keinen Mann.  Du brauchst niemanden. Wenn du einen Mann kennenlernst, gut, genieße dann einfach die Momente des Beisammenseins. Und wenn du niemanden kennenlernst, genieße die Zeit mit dir allein. Verschwende diese schöne Zeit nicht damit, über einen Mann oder andere Leute nachzudenken, die nicht mit dir zusammensein wollen. 

Du bist in Ordnung so, wie du bist. Du „brauchst“ keinen Mann, um vollständig zu sein. Du bist bereits vollständig. 

Du sagst, dass du keine Antwort mehr findest. Die Antwort liegt in der Entdeckung der inneren Schönheit, die du bist. Schließe Frieden mit dem Schmerz. Der Schmerz wird dich zu dir selbst nach Hause führen, dorthin, wo du vollständig, ganz, zufrieden und in Frieden mit dir und der Welt bist. Und das steht dir schon jetzt zur Verfügung. Kein Mann kann dir das geben. Keine Beziehung kann diesen Hunger stillen. Das, wonach du suchst, kannst du nur in dir selbst finden. Die Einsamkeit wird dir dabei helfen, wenn du es ihr erlaubst. Lasse deine Vorstellungen einmal für einen Moment fallen und sei einfach in der Mitte der Einsamkeit. Was findest du hier? 

Weitere Informationen unter:

www.samarpan.de

 

Quelle: BALANCE 1/2003

 

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