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Hormonersatztherapie

Frauen als Versuchskaninchen? 

Die Wogen schlugen nicht nur in der Fachpresse hoch, als im Juli letzen Jahres bekannt wurde, dass eine groß angelegte Studie mit 8500 Frauen zur Hormonersatztherapie in den USA abgebrochen wurde. Eigentlich sollte die Studie bis 2005 laufen und nachweisen, dass langfristige Hormongaben Frauen vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Genau das Gegenteil trat ein. Nach durchschnittlich 5 Jahren waren die Schlaganfälle um 41% gestiegen, die Herzanfälle um 26 % und die Brustkrebsrate stieg 26%. Doch dem nicht genug: Gerade eben wurde auch in England eine Studie mit 5000 Frauen abgebrochen, die 1999 begann und eigentlich noch bis 2012 dauern sollte. Auch hier sollte nachgewiesen werden, dass Hormone vor Herzinfarkt schützen. Sie wurde nun als „Zeitverschwendung“ beendet. 

Nach Abbruch der ersten amerikanischen Studie im Juli reagierte das Bundesinstitut für Arzneimittel prompt und meldete: Bei Langzeitanwendung (länger als vier Jahre) der üblichen Östrogen-Gestagen-Kombination überwiegen die Risiken einen möglichen (!) Nutzen. Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Präparate in Deutschland gar nicht zugelassen. Frauen, die zur Zeit mit einem Hormonkombinationspräparat behandelt werden, sollten mit ihrem Arzt darüber sprechen. 

Ganz anders ein Berufsverband der Frauenärzte (SIKUM). Der Vorsitzende dieses Verbandes Prof. Dr. med. Alexander Teichmann, dem übrigens eine enge Verbindung zum Hormonhersteller Schering nachgesagt wird. Er verschickte Patientinneninformationen an die im Verband organisierten Frauenärzte, in denen die Studienergebnisse verharmlost wurden. 

Was ist davon zu halten? Zur Vertrauensbildung zwischen Arzt und Patientin ist dieses Verhalten nicht geeignet. Und jede Frau, die Hormone nimmt, kann nur hoffen, dass ihr Arzt, ihre Ärztin bei dieser Verharmlosungstaktik nicht mit macht. 

Was ist zu tun? 

Mehr Skepsis tut not. Dass das Krebsrisiko bei der Hormontherapie erhöht ist, ist schon lange bekannt und es steht auch auf dem Beipackzettel. Diesen Beipackzettel sollte man sich sowieso sehr bewusst durchlesen. Die dort aufgeführten Nebenwirkungen treten viel häufiger auf, als man es als Laie vermutet. Diese Nebenwirkungen müssen dann wieder mit anderen Medikamenten bekämpft werden. Und diese haben dann auch wieder Nebenwirkungen, die bekämpft werden müssen usw. usw. Da sagt einem doch schon der normale Menschenverstand, dass man es sich gut überlegen muss, Hormone zu schlucken. Sicherlich ist es in Fällen, in denen eine Frau massiv unter Wechseljahrsbeschwerden leiden, individuell mit dem Arzt oder der Ärztin abzuwägen, ob kurzfristig Hormone genommen werden. Dann ist aber auf jeden Fall empfehlenswert, Pflaster oder Gels zu verwenden, damit die Leber geschont wird. Es gibt aber auch zahlreiche pflanzliche, verschreibungsfähige Alternativen zu künstlichen Hormonen. Nur wirken sie nicht so schnell. 

Und was, wenn man lange Hormone geschluckt hat und umsteigen möchte? Die Umstellung auf ein pflanzliches Hormon wird nicht so leicht fallen, denn man kommt zunächst in einen „Entzug“: Die Wechseljahrsbeschwerden treten wieder auf, und es dauert wie gesagt eine Zeit, bis die pflanzlichen Mittel greifen. Im Vergleich zu einem erhöhten Krebsrisiko ist das aber nur das geringere Übel. Schon mit der Ernährung kann man viel erreichen. Sojaprodukte helfen nicht nur gegen die Beschwerden, sie schützen auch vor Brustkrebs und Herzinfarkt. Und wer Angst um seine Knochen hat, der sollte sich vollwertig, kalziumreich ernähren und regelmäßig bewegen, denn nur dann wird Kalzium auch in die Knochen eingebaut. 

Neue Umfrage zu Hormonen auch in Deutschland 

10000 Frauen in Deutschland sollen die Frage beantworten, ob das Brustkrebsrisiko durch die Hormonersatztherapie beeinflusst wird. Sie startete am 1. August diesen Jahres, als der Abbruch der amerikanischen Studie schon bekannt war. Die deutsche Studie wird von der Deutschen Krebshilfe für 2,5 Jahre mit 1,53 Mio. EUR gefördert. In die Studie einbezogen sind Frauen, die gesund sind und solche die schon Brustkrebs haben. „Die Studie wird wichtige Daten liefern, um Nutzen und Risiko einer Hormonersatztherapie besser abwägen zu können und die Beratung individuell zu optimieren“, so Prof. Dr. Wilhelm Braendle, Direktor der Universitäts-Frauenklinik Hamburg-Eppendorf. Die zu befragenden Frauen werden aus Daten des Hamburger Krebsregisters, über Ärzte und aus Karteien des Einwohnermeldeamtes ermittelt. „Wir erhoffen uns Antworten auf eine ganze Reihe von ungeklärten Fragen: Nach fünf Jahren werden wir Genaueres über die Häufigkeit und die Form der Hormonersatztherapie bei Frauen in Deutschland wissen, und wir werden durch die statistischen Daten endlich auch Aussagen machen können über das tatsächliche Brustkrebs-Risiko. Für alle Frauen ab 50 Jahren ist dies ein ganz wichtiger Faktor“, betonte Prof. Dr. Dr. h.c. Robert Fischer, Vorsitzender des Medizinischen Beirats der Deutschen Krebshilfe, bei der Vorstellung der Studie in Bonn. 

Langfristige Risiken wurden nicht untersucht 

Das heißt auf gut Deutsch: Hormone sind Frauen bisher viele Jahre verschrieben worden, ohne dass man die langfristigen Risiken untersucht hat. Frauen waren unfreiwillige oder - wenn sie über die Risiken aufgeklärt waren - freiwillige Langzeit-Versuchskaninchen für die Pharmaindustrie. Nur die wird sich den Schuh nicht anziehen, denn schließlich stehen die Risiken auf dem Beipackzettel. 

Nähere Informationen unter:
www.thimbus.de

 

Quelle: BALANCE 1/2003

 

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