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Im Kreis der MÄNNER
Vision und Identität
Die Archetypen der männlichen Seele und die Heldenreise
des Mannes
Das, was einen Mann tief in
seiner Seele berührt, ist der Kontakt zum Wesen seines Mannseins. Dies kann er
am uneingeschränksten erleben im Kreis der Männer, mit der Achtung derer, die
ihm gleich sind und die bereit sind, sich selbst zu erforschen und zu
entwickeln.
Unser gesellschaftliches
Geschehen wird überwiegend von Männern bestimmt. Ob in der Wirtschaft, Politik
oder Familie, Männer haben die Macht und das Sagen. Dies ist zumindest die
Vordergrundwirklichkeit. Doch inzwischen hören wir immer häufiger, sei es in der
Therapie oder in entsprechender Literatur, von den Leiden und der Schwäche des
heutigen Mannes, von der Verunsicherung im Kontakt und dem Ringen um ein
Selbstverständnis des Mannseins.
Diese Hintergrundwirklichkeit
tritt im Männerprojekt IM KREIS DER MÄNNER hervor, wenn Männer anfangen, über
sich zu berichten. Dabei wird deutlich, dass in ihrer Entwicklung oft der enge
Kontakt zum Vater oder zu älteren Männern (Mentor) fehlte. Dies hatte zur Folge,
dass die jungen Männer in ihrem Reifungsprozess nicht angemessen unterstützt
wurden, was ihnen das Wesen vom Mannsein schwer erschließbar machte. Wenige
Männer erinnern sich an Situationen oder Zeiten in ihrem Leben, wo ihnen die
männliche Energie positiv vermittelt oder das Vertrauen in die eigene männliche
Kraft gestärkt wurde. Oft spielte die Mutter eine dominante Rolle in der
Erziehung und war auch nach ihren Kräften bestens bemüht, den Jungen in seiner
Entwicklung zu unterstützen. Doch wie kann das gelingen, wenn es um das Mannsein
geht?
Auf Fragen wie: Was ist ein
Mann, was ist Männlichkeit? Welche Kernerlebnisse braucht ein Mann zur
Identitätsfindung? Wie entsteht tiefe Freundschaft unter Männern?.. kann die
Frau, bzw. Mutter, dem Sohn keine befriedigenden Antworten geben. Es braucht
hier den tiefen Kontakt zum Vater und/oder zu älteren und wissenden Männern.
Tief verborgen in jedem Mann
liegen Grundmuster, sozusagen feste Verdrahtungen für den gelassenen und positiv
gereiften Mann. Diese maskulinen Fähigkeiten bezeichnen wir als Urbilder
(Archetypen). Sie bilden die Fundamente unseres männlichen Verhaltens. Männer
brauchen einen Zugang zu diesen positiven Kräften. Dies zu ihrem eigenen Wohl,
zur eigenen Entwicklung und auch zum Wohle des Ganzen - das heißt unseres
Umfeldes, der Familie, der Gesellschaft und unserer Erde.
Der Weg des Mannseins ist eine
innere Heldenreise. Sie geht über 4 Schritte entsprechend der 4 grundlegenden
männlichen Archetypen mit ihren speziellen Themen, Qualitäten und
Schattenaspekten. In den archaischen Kulturen waren diese Schritte in Form von
Initiationsprozessen ritualisiert und wiesen dem heranreifenden Mann einen
sicheren Weg zu seiner Identität, Würde und Beziehungsfähigkeit. „Für uns heute
wissen wir, dass solche Initiationen nicht in einem bestimmten Moment oder nur
einmal stattfinden. Sie geschehen immer wieder. Wir durchleben den Kreislauf der
Erfahrungen immer wieder, zunächst oberflächlich und je älter wir werden, mit
zunehmender Tiefe“ (R. Bly, Eisenhans). Oft sind die Männer in unserem
Kulturkreis weit über 40 oder 50 Jahre alt, bevor sie sich für den inneren Weg
des Mannseins öffnen können.
Die vier Grundaspekte des
männlichen Geistes sind:
Männliche Verletzbarkeit
– Heiler
Männliche Unabhängigkeit
– Wilder Mann
Männliche Entschlossenheit
– Krieger
Männliche Verantwortung
– König
Zuerst muss der Mann, der sich
auf die innere Heldenreise oder Gralssuche begibt, seiner tiefen Verletzbarkeit
begegnen. „Durch das Loch der Wunde dringt das gewaltige Reich der Seele ein“
(Robert Bly).
Als tiefes menschliches Erleben
schafft unsere Verletzlichkeit die Durchlässigkeit für unser Mann- und
Menschsein. Der Kontakt zur eigenen Verletzung ist eine Grundvoraussetzung für
den Zugang zu den reifen männlichen Qualitäten aller Archetypen. Wir brauchen
Mut, um uns unserer Wunde zu stellen und sie anzunehmen.
„Gott behüte uns vor dem Mann,
der seinen Schmerz nicht fühlt und der glaubt, er sei nicht verletzlich“
(Patrick M. Arnold)
Der Mann, der seine Wunde
untersucht hat und sich auf die Gefühle und die Not, die damit einhergehen,
eingelassen hat, entwickelt in sich die Qualitäten des Archetypen des Heilers.
Den unreifen Formen dieses Archetypen wie Macho oder Softie ist dies nicht
gelungen. Sie bleiben in ihrer Verletzung gefangen und geben sie auf ihre Weise
weiter an andere und verletzen insbesondere das Weibliche. Im Kontakt mit der
Wunde und dem Annehmen der eigenen Verletzlichkeit entsteht eine besondere
Kraft, die wir dann für unseren weiteren Weg nutzbar machen.
Im zweiten Schritt geht es um
die Qualitäten des wilden Mannes, der unter anderem für die Form der männlichen
Unabhängigkeit steht. Erst wenn ein Mann sich seiner Wunde gestellt hat, kann er
in den Autonomieprozess eintreten. Es geht hierbei nicht darum, der Wilde Mann
zu „sein“ sondern Kontakt zu ihm zu „haben“ und sich von ihm zur freien
Wesensnatur führen zu lassen (siehe Märchen Eisenhans, Gebr. Grimm). Es braucht
den Kontakt mit diesem Archetypen, um männliche Unabhängigkeit, Wildheit und
Sinnlichkeit in respektvoller Abgrenzung vom Weiblichen leben zu können. Auch
die Verbindung und tiefe Achtung vor der Natur als unsere Lebensspenderin wird
durch diese Qualitäten gefestigt.
Im dritten Schritt integriert
ein Mann den oft als schwierig erlebten Archetyp des Kriegers. Männliche
Konfliktbereitschaft, Kampf und Zentriertheit, sowie Achtung, Respekt, Würde und
Klarheit, Entschlossenheit und Entscheidungskraft. Oft wird das innere Bild des
Kriegerarchetypen mit dem zerstörerischen und verletzenden Schattenaspekt in
Verbindung gebracht. Schattenthemen wie männliche Gewalt und Zerstörungskraft
brauchen Raum, um angesprochen und erforscht zu werden. Um die positiven Aspekte
der männlichen Kriegerenergie bewusst werden zu lassen, ist die achtsame Arbeit
mit dem Stock oder dem japanischen Boken (Holzschwert) unterstützend, ebenso wie
der Feuerlauf. Ohne Kontakt zu den ersten beiden archetypischen Qualitäten der
Verletzbarkeit und Unabhängigkeit läuft der Krieger Gefahr, seinen
Schattenaspekten zu verfallen. Die großen Krieger aus der Mythologie waren immer
auf besondere Weise verletzbar bzw. verletzt (z.B. Achilles, Odysseus,
Siegfried, König Artus, Parzival).
Im Archetyp des Königs (Vater)
vereinigen sich die männlichen Tugenden wie Verantwortung, Führerschaft,
Verbindlichkeit, Fürsorge usw. Das Thema „Führerschaft“ ist bei fast allen
Männern belastet. Der gute kraftvolle Vater-Führer als Vorbild im guten Sinne
wurde selten erlebt. Doch wirkliche Verantwortung kann nur übernommen werden,
wenn auch eine Bereitschaft und Fähigkeit besteht, selbst Führerschaft zu
übernehmen und gute Führerschaft anzuerkennen. Hier werden nochmals die
Qualitäten der anderen Archetypen aufgegriffen, in Verbindung gebracht und in
einen größeren Zusammenhang gesetzt. Beim Archetyp des Königs begegnen wir auch
der inneren Pflicht, dem Ganzen zu dienen und über unsere eigenen Belange,
Wünsche und Vorstellungen hinaus zu wachsen. Das, was uns im Innersten
entspricht, im Leben umzusetzen, ist auch Thema dieses Abschnitts. Eine
Visionssuche (durchwachte Nacht allein in der Natur) schließt das Projekt ab.
Der Mann, der sein Männliches
erforscht hat und sich den Aspekten der Archetypen mit ihren Kräften und
Schattenaspekten gestellt hat, hat sich vom Jungenbewusstsein verabschiedet. Er
ist sich seiner Verletzbarkeit bewusst, kann autonom handeln und entscheiden,
sich auf Partnerschaft einlassen, Verantwortung übernehmen und Grenzen setzen.
Er achtet das Weibliche als gleichrangigen Gegenpol zum Männlichen und anerkennt
die Ergänzung und die Verschiedenheit. Er weiß, was er nur bei Männern nehmen
kann und macht sein Lebensgefühl nicht an der Beachtung und den Erfolgen bei
Frauen fest. Paarbeziehungen profitieren somit von der archetypischen
Männerarbeit in besonderer Weise.
Für Männer, die sich selbst
erforschen und auf die innere Reise zum Mann- Sein (Wesen) gehen, nutzen wir
rituell- archaische Elemente ebenso wie Erkenntnisse aus Psychologie sowie
westlichen und östlichen Weisheitslehren. Therapeutisch fühlen wir uns dem
humanistischen Ansatz der körperorientierten Psychotherapie verbunden. In
unserer Arbeit schöpfen wir aus unserem persönlichen Hintergrund, der
langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Menschen und dem eigenen
geistig-spirituellen Weg.
Mögen wir Männer bereit sein, das Natürliche zu wagen:
unsere Identität als Mann zu finden und zu festigen und darüber hinaus eine
Vision zu gewinnen über unser eigenes Leben, das sich in den Raum eines größeren
Ganzen einfügt.
START für das nächste
Männerprojekt ist der 8. Mai 2003. Es endet am 21. März 2004 und findet im
Westerwald statt. Der erste Abschnitt ist offen auch zum Kennenlernen der
Arbeit, die 4 weitern sind nur als Ganzes belegbar.
Info:
www.maennerprojekte.de

Quelle: BALANCE 1/2003
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