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EMDR – die „Winke-Winke-Methode“
Wie der Flügelschlag eines
Schmetterlings ...
Wie aufgrund eines Zufalls
eines der wirksamsten therapeutischen Verfahren entwickelt wurde
Der kritische Name „Winke-Winke-Therapie
geht zurück auf einen Spiegel-Artikel, der sich noch vor einigen Jahren über die
Möglichkeit mokierte, psychische Blockaden einfach wegwinken zu können. Die
erstaunlichen Erfolge dieses neuen, heute etablierten Verfahrens zur psychischen
Überwindung von katastrophalen Erlebnissen wie Erdbeben, Gewaltverbrechen oder
Unfällen erschienen damals zweifelhaft.
„Mit dem Flügelschlag
eines Schmetterlings, der auf der anderen Seite der Welt das Wetter ändern kann“
vergleicht Cora Besser-Sigmund die Wirkung von EMDR. Die Diplom Psychologin aus
Hamburg ist eine der kompetentesten und innovativsten EMDR-Therapeuten in
Deutschland und hat die klassische EMDR-Intervention für Anwendungen im
Coaching weiterentwickelt durch Kombination mit Kinesiologie und NLP-Techniken.
Genauso wie ein
Flügelschlag bewirkt EMDR-Intervention erstaunlich schnelle und positive
Bewegungen in der inneren Welt eines Menschen. Der Therapeut stimuliert durch
Winkbewegungen mit der Hand schnelle Augenbewegungen des Klienten. Die Emotionen
des „Bewinkten“ werden durch EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)
wieder in ein fließendes neuronales Gleichgewicht gebracht.
Der Siegmund Freud-Preis für die Entdeckung von EMDR
EMDR wurde im Jahre 1987
von der amerikanischen Psychologin Dr. Francine Shapiro, die für diese Arbeit
2002 in Wien den Sigmund Freud-Preis für Psychotherapie erhielt, eher zufällig
entdeckt. Auf einem Spaziergang bemerkte sie, dass stark belastende Gedanken und
Gefühle plötzlich verschwanden und nicht wiederkamen. Sie fragte sich, was an
diesem Spaziergang so besonders war und fand heraus, dass ihre Augen sich
ständig – bedingt durch den Lichteinfall zwischen den Blättern und Zweigen der
Bäume – hin und her bewegten. Sie verband diese persönliche Erfahrung mit den
Erkenntnissen der Schlafforschung, dass sich in unseren Traumphasen, den so
genanten REM- (rapid eye movement) Phasen die Augen schnell bewegen und ein
Zusammenhang zwischen intensiven Aktivitäten des Gehirns und den Aktivitäten
unserer Augen besteht.
Aus diesen eher zufälligen
Augenbewegungen entwickelte Dr. Shapiro das Konzept einer Serie von gezielten
Augenbewegungen, die so genannte bilaterale („beidhirnige“) Stimulation.
Nach einer Erprobungsphase
im Freundes- und Kollegenkreis setze sie ihre Methode auch erfolgreich bei
ihren Klienten ein. Es folgten intensive Studien speziell mit Traumapatienten
wie Vietnam-Veteranen, Missbrauchsopfern und anderen Personen mit PTBS
(Posttraumatische Belastungsstörung). Innerhalb von kürzester Zeit erzielte Dr.
Shapiro auch bei dieser Patientengruppe erstaunliche, nachhaltige Erfolge.
Mittlerweile findet EMDR auch Anwendung bei nahezu sämtlichen Angststörungen,
Phobien, substanzgebundenen Süchten und Schmerzzuständen. Die Palette der
Anwendungsmöglichkeiten weitet sich ständig aus.
Beispielsweise lässt sich
EMDR im Ressourcen-Coaching zur Kreativitätssteigerung einsetzen, für positive
Selbstmotivation und zur mentalen Vorbereitung auf Spitzenleistungen
(Prüfungen). Die Intervention eignet sich sowohl für einen effektiven
Stressausgleich und die Stabilisierung der inneren Balance als auch zur
Vergrößerung innerer Ruhe und Konfliktstärke. Die Methode findet inzwischen auch
Anwendung beim klassischen Coaching. Themen wie „Rampenlichtstress“, Bewältigung
von „Nackenschlägen“ und Lebenskrisen, Bewusstmachung und Überwindung von
leistungseinschränkenden Glaubensätzen und negativen Selbstbildern.
Erfolge werden oft schon nach zwei Sessions erzielt
Das besondere dieser
Technik besteht darin, dass nachhaltige Therapie- und Coachingerfolge schon
innerhalb weniger Sitzungen – oftmals genügen zwei bis vier Sessions – erreicht
werden. In den Studien zu EMDR wird viel Wert darauf gelegt, ehemalige Klienten
nach längeren Zeiträumen erneut zu befragen. Die Ergebnisse sind mehr als
zufriedenstellend. Besonders erfolgreich ist auch der Einsatz von EMDR bei
Kindern.
So einfach die
Intervention zunächst auch scheinen mag, so vielfältig und komplex ist ihre
Wirkung. Probleme und Blockaden werden mit EMDR nicht einfach „weggewinkt“,
sondern konstruktiv verarbeitet. Durch die schnellen Augenbewegungen wird
neuronal offensichtlich ein viel-dimensionales Verarbeitungspotenzial erzeugt,
wie man es in dieser Komplexität und Vieldeutigkeit nur aus Träumen oder
intensiven Trancen kennt.
Optimale Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften
Bis heute ist man sich
über das neuronale Wirkungsprinzip von EMDR nicht einig. Die meisten Hinweise
tendieren zu der These, dass durch die schnellen Augenbewegungen, die wir ja
auch aus dem Traumschlaf (REM) kennen, eine optimal koordinierte Zusammenarbeit
der beiden Gehirn-Hemisphären initiiert wird. Nicht nur bilateral stimulierende
Augenbewegungen erzeugen den intensiven Verarbeitungsprozess, auch mit taktilen
bilateralen Reizen oder mit auditiven Stimulationen ( z.B. angenehme Musik mit
abwechselnden links/rechts Tönen) erzielen viele Klienten ähnlich gute
Ergebnisse. Kinesiologen bewirken diese positiven Effekte schon lange mit
bilateralen Körperbewegungen.
Wir sagen nicht zufällig,
dass wir starr vor Angst sind und die Augen weit aufgerissen vor Schreck
erstarrt sind, wenn uns die Angst in die Knochen fährt. Traumatische
Erfahrungen, Erlebnisse mit Konflikten und Stress lassen uns oft noch Jahre
später innerlich erstarren. Oft genügt schon ein kleiner Auslöser, um uns
innerlich einzufrieren und ins Stocken zu bringen. Dann hilft auch keine
rationale Erklärung. Intelektuelle Erklärungsversuche und Beschwichtigungen
versagen, wir bewegen uns wie in einem Teufelskreis.
EMDR interveniert
therapeutisch nicht durch Analyse und Interpretation (auf der mentalen Ebene
rein „linkshirnig“). EMDR bringt durch die Stimulierung der Augenbewegungen auf
direkter körperlicher Ebene einen intensiven „beidhirnigen“
Verarbeitungsprozessin Gang, bei dem die Emotionen wieder in ein fließendes
Gleichgewicht gebracht werden und wir nachhaltig aus innerer Erstarrung erlöst
werden.
Auch wenn wir es nicht
glauben wollen, die Erfahrung lehrt uns immer wieder, dass wirksame Methoden
oft ganz einfach sind und doch komplexe Wirkungen zeitigen.
Nähere Informationen bei:
Robert Reschkowski
Coach und
Kommunikationtrainer
Tel. 0172 - 215 74 77
e-Mail: info@syntegron.de
Ausbildung zum Wingwave-Coach (EMDR im Coaching)
Weiterführende Literatur:
Shapiro, Francine: EMDR – Grundlagen und Praxis. Handbuch zur Behandlung
traumatisierter Menschen, Junfermann Paderborn 1999
Shapiro, Francine;
Forrest, Margot Silk:
EMDR in Aktion. Die neue
Kurzzeittherapie in der Praxis. Junfermann, 1998
Parnell, Laurel: EMDR –
der Weg aus dem Trauma. Junfermann
Lipke, Howard: EMDR &
andere Ansätze der Psychotherapie – ein integratives Modell. Die Behandlung von
traumatischem Stress. Junfermann, Paderborn 2001
Besser-Siegmund,
Cora;Siegmund Harry: EMDR im Coaching. Wingwave – wie der Flügelschlag eines
Schmetterlings, Junfermann, Paderborn 2001
Quelle: BALANCE 2/2003
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