|
|
Startseite
>
Themen >
Alternative
Therapien > CranioSacrale Therapie
CranioSacrale Therapie
Im Rhythmus des Lebens
Die craniosacrale Therapie
oder craniosacrale Osteopathie (cranium, lat. = Schädel, sacrum, lat. =
Kreuzbein) hat sich als eine eigenständige Methode mit eigenen Spezialisierungen
aus der klassischen Osteopathie entwickelt.
Ende des 19. Jahrhunderts
fielen William Garner Sutherland, einem der ersten Schüler der amerikanischen
Osteopathieschule in Kirksville, beim Betrachten eines menschlichen Schädels die
unterschiedlichen Strukturen der Schädelnähte auf. Seine Aufmerksamkeit richtete
sich besonders auf die Flügel des Keilbeins sowie die Schuppen der beiden
Schläfenbeine. Der Gedanke kam ihm, dass sie „abgeschrägt sind, wie die Kiemen
eines Fisches, die auf eine Gelenksmobilität hinweisen“, einen gelenkigen,
beweglichen Mechanismus für Atmung, einen primären Atemmechanismus. Bei seinen
weiteren Untersuchungen konnte er Bewegungen der Schädelknochen wahrnehmen, die
sich bis zum Kreuzbein fortsetzten. Diese Bewegungen waren für ihn wie ein
Einatmen und Ausatmen des Schädels, aber anders als die Atmung der Lungen.
Sutherland baute sich einen Helm, mit dem er selektiv jeden einzelnen
Schädelknochen fixieren konnte. Je nach Schädelknochen, traten bei ihm
unterschiedliche physische und psychische Veränderungen auf. Diese Veränderungen
und Symptome waren für ihn nicht nur im Bereich von Kopf, Wirbelsäule und
Kreuzbein spürbar, sondern auch in seinen inneren Organen, wie zum Beispiel im
Verdauungstrakt. Nach dem Absetzen des Helmes verschwanden die Veränderungen und
Symptome wieder. Sutherland verbrachte viele Jahre damit, den
anatomisch-physiologischen Zusammenhang des craniosacralen Mechanismus
detailliert zu erforschen. Zu Beginn seiner cranialen Studien war er an den
physikalischen Manifestationen der Bewegungen der Schädelknochen interessiert,
der Biomechanik. Als er begann, eine Beziehung zu den Bewegungsdynamiken des
ganzen Körpers, der Biodynamik, herzustellen, fand er eine Reihe von
zusammenhängenden Pulsationen. Er spürte eine starke aber feine physiologische
Kraft im menschlichen System. Sutherland erkannte, dass diese Kraft das
fundamentalste ordnende und heilende Prinzip im menschlichen Körper-Geist ist.
Er glaubte, dass dieses ordnende Prinzip erzeugt wird durch etwas, dass er
Breath of Life – Atem des Lebens nannte.
Anfang der 70er Jahren
begann der amerikanische Arzt und Osteopath Dr. John Upledger sich für das
craniosacrale System zu interessieren. Als er bei einer Operation an der
Halswirbelsäule rhythmische Bewegungen des Gewebes, welches das Rückenmark
umschließt, zum ersten Mal sah, war er fasziniert. Er untersuchte und erforschte
das craniosacrale System weiter und brachte die Bedeutung emotionaler Prozesse
in die craniosacrale Therapie. Upledger war der Erste, der begann, auch
Nicht-Osteopathen in craniosacraler Therapie zu unterrichten.
Obwohl die craniosacrale
Therapie immer noch weitgehend unbekannt ist, breitet sie sich in den letztem
Jahren auch in Deutschland immer weiter aus. Angewendet wird sie u.a. von
Osteopathen, Ärzten, Zahnärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden,
Heilpraktikern und von nicht heilberuflich Tätigen als Entspannungstherapie.
Was ist das craniosacrale
System?
Das craniosacrale System
besteht aus den Schädelknochen, der Wirbelsäule mit dem Kreuzbein, den Gehirn-
und Rückenmarkshäuten und dem Liquor (der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit),
sowie den Strukturen zur Produktion und Resorption des Liquors. Es schützt das
Gehirn- und Nervensystem vor Erschütterungen und Verletzungen, es dient auch als
Nahrungs- und Transportsystem. Weiterhin steht das craniosacrale System mit
anderen Systemen in Verbindungen, welche es beeinflusst und durch die es selbst
wiederum beeinflusst wird: dem Nervensystem, dem Muskelskelettsystem, dem
Gefäßsystem, dem Lymphsystem, dem endokrinen System und dem Respirationssystem.
Die rhythmischen
Bewegungen, die Sutherland vom Schädel bis zum Kreuzbein spüren konnte,
entstehen durch die Eigenbewegungen des Gehirns und das Fließen des Liquors in
dem Membransystem von Gehirn- und Rückenmarkshäuten. Eine gleichmäßige und
wellenförmige Bewegung überträgt sich vom Schädel auf das gesamte craniosacrale
System. Von dort setzt sich die Bewegung fort über das Skelett und das
Bindegewebe und weiter auf den ganzen – zum größten Teil aus Wasser bestehenden
– Organismus.
Die Fähigkeit eines
Gewebes, diese natürlichen rhythmischen Bewegungen auszudrücken, ist ein Faktor,
der den Zustand unserer Gesundheit bestimmt. Die Bewegung wird auch als
craniosacraler Rhythmus bezeichnet.
Ein geübter
Craniosacral-Therapeut kann die rhythmischen Bewegungen am ganzen Körper
ertasten. Veränderungen, Asymmetrien und Einschränkungen in den Bewegungen
deuten auf Veränderungen oder Störungen im Körper hin. Diese können im Bereich
der knöchernen oder bindegewebigen Strukturen des craniosacralen Systems liegen,
aber auch in angrenzenden Strukturen wie Muskeln, Gelenken oder Organen. Die
Ursachen sind unter anderem oftmals Unfälle, Operationen, Vernarbungen,
entzündliche Prozesse, Muskel-Skelett-Probleme aber auch psychosomatische
Probleme und Stress. Dabei kann der Zeitpunkt einer Verletzung oder Veränderung
auch schon längere Zeit zurückliegen.
Der Aufbau des menschlichen Schädels
Bei Erwachsenen besteht
der Schädel, in dem sich das Gehirn befindet, aus 7 einzelnen Knochen. Bei einem
Neugeborenen bestehen einige Schädelknochen noch aus mehreren Teilen, und
deshalb beträgt die Anzahl der Schädelknochen 16. Diese 16 Knochenteile sind
sehr flexibel über Knorpel und Bindegewebe miteinander verbunden.
Zusammengehalten werden sie vor allem durch die innen dem Schädel anliegende
harte Gehirnhaut, die Dura mater.
Darunter liegt die
Spinnwebshaut, die Arachnoidea, und in dem Raum unter der Arachnoidea, dem
Subarachnoidalraum, fließt der Liquor. Man kann sich vorstellen, dass die 16
kleinen Schädelknochen sich auf dem Liquor wie 16 kleine Eisschollen bewegen.
Allerdings sind diese
kleinen Eisschollen sehr leicht verschiebbar. Die gleichmäßige Verteilung kann
sich verändern, die Knochen bzw. Knochenteile schieben sich unter- und
übereinander, die Schädelnähte werden ineinander gepresst, wenn äußere Kräfte auf
sie einwirken. Äußere Kräfte wirken auf die Schädelknochen schon in der
Schwangerschaft z.B. bei Lageanomalien ein, während der Geburt, um durch den
Geburtskanal zu kommen und später durch Unfälle, Stürze oder Operationen.
Zum Zeitpunkt der Geburt
ist die aus 13 Knochenteilen bestehende Schädelbasis besonders leicht durch
starke äußere Kräfte Verformungen ausgesetzt. Verformungen des
Hinterhauptsbeins, Os occipitale, im Sinne einer Verdrehung oder Kompression
haben meist auch eine Verdrehung und Fixierung im oberen Kopfgelenk, d.h. im
Gelenk, welches das Hinterhauptsbein mit dem obersten Halswirbel, dem Atlas,
verbindet, zur Folge. Die Verformungen und Verdrehungen sind in der Regel
reversibel. Treten bei der Geburt aber Komplikationen auf, zum Beispiel, wenn
die Geburt sehr lange dauert, ein Stillstand beim Geburtsvorgang auftritt und
Hilfsmittel wie eine Saugglocke oder eine Zange angewendet werden, sind die
Verformungen meistens stärker und nicht immer von sich aus reversibel. Dabei
sind nicht nur die Schädelknochen selbst betroffen, sondern oftmals auch die
Wirbelsäule bis hinunter zum Kreuzbein, sowie die Gehirn- und Rückenmarkshäute,
oder auch das Gehirn selbst. Prophylaktisch kann eine craniosacrale Behandlung
sinnvoll sein nach einer Frühgeburt, Sauerstoffmangel unter der Geburt und einem
zu schlaffen Tonus oder Hypertonus der Muskulatur des Kindes nach der Geburt.
Auch ein Kaiserschnitt, eine sehr schnelle Geburt sowie nach der Geburt erlebte
Stürze, Unfälle oder Operationen können Auswirkungen auf das craniosacrale
System haben.
Erst im Alter von ca. 5-7
Jahren ist die Zahl der Schädelknochen eines Kindes wie bei einem Erwachsenen.
Die Ausbildung der Schädelnähte ist mit ca. 12 Jahren abgeschlossen. Ab diesem
Zeitpunkt sind die Schädelknochen ein strukturgebender Anteil des Kopfes. Die
gesamte Knochenentwicklung im Körper ist mit ca. 28 Jahren abgeschlossen.
Bei der Behandlung von
Kindern sind es aber nicht allein die Techniken, die wichtig sind. Vielmehr ist
die Behandlung eine Kommunikation zwischen dem Therapeuten und dem Kind, wobei
beide Kommunikationspartner die Ebene der Kommunikation bestimmen. Aber
insbesondere Kinder lassen sich eine Kommunikation nicht aufzwingen. Es hängt
von dem Feingefühl und der Aufmerksamkeit des Therapeuten ab, inwiefern eine
Kommunikation möglich ist. Bei jeder Anwendung einer craniosacralen „Technik“
muss der Therapeut beobachten, ob und inwieweit ein Kind und sein System
Veränderungen annimmt und integriert. Dabei ist er oft auf nonverbale Anzeichen
angewiesen. Die Veränderungen und die Qualität der rhythmischen und
wellenförmigen Bewegungen des Gehirns und Liquors, die am ganzen Körper ertastet
werden können, spielen dabei eine wichtige Rolle. Es kommt darauf an, die
kleinsten Veränderungen, die einen Hinweis darauf geben, ob eine Kommunikation
noch besteht, wahrzunehmen und zu respektieren.
Anwendungsbeispiele der
CranioSacralen Körpertherapie
- Erkrankungen des Zentralnervensystems, wie Morbus Parkinson, Multiple
Sklerose, Folgen von Schlaganfällen, Neuralgien oder Migräne
- rheumatische Erkrankungen
- Tinnitus, Hörsturz
- Bandscheibenvorfälle, Ischialgien, Kieferfehlstellungen
- postoperative Schmerzzustände
Traumata (z.B.
Schleudertrauma) werden mit craniosacraler Therapie erfolgreich behandelt. Bei
gesunden Menschen wird die Belastbarkeit und die Konzentrationsfähigkeit erhöht.
Die sanften und respektvollen Berührungen sowie die Stille der Behandlungen
führen oft dazu, dass sehr schnell ein Zustand von Tiefenentspannung erreicht
wird.
Des Weiteren findet diese Therapie Anwendung bei
hyperaktiven Kindern, Schreikindern, Kindern, die keinen Schlafrhythmus finden,
Kindern mit Cerebralparese oder Immunschwächen.
Nähere Informationen –
auch über Ausbildungen – bei:
Santosh Weber · Tel. 0 21
33 - 977 907
www.santosh.de ·
cranio@santosh.de
Quelle: BALANCE 2/2003
|
Kontakt
BALANCE Heft-Abo
Medientipps
Leserbriefe
Verteilerstellen
Impressum
Anzeigenpreise
aktuelles Heft

Heft 1/2012
Seit 1997 zeigen
wir neue Wege auf.
Haftungsausschluss
Datenschutzerklärung
Copyright BALANCE ® online, 2001 - 2012
|