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Ausgabe 2/2008 > Reiki
Ich bin berührt ...
Reiki oder die Schule des Lebens
Reiki, ein Name für Lichtheilung
In jeder katholischen Kirche brennt ein ewiges Licht. Es ist das
Symbol für die ewige, göttliche Kraft, die alles erschaffen hat. Jedes
Teil im Universum spürt sie in sich. Jedes Teil im Universum ist
Ausdruck dieser Kraft. Wir können sie fühlen, und wir können sie sehen.
Ihr reinster für uns sichtbarer Ausdruck ist Licht.
Die Kraft hat viele Namen. Manche Heiler unterscheiden zwischen »Reiki«-
und »Christus«-Kraft oder sie haben andere Bezeichnungen für die
Heilenergie, mit der sie in Verbindung stehen. Diese Terminologien sind
jedoch irreführend, weil sie den Schluss nahelegen, es gäbe mehrere
solcher Energien. Vielmehr ist ALLES, WAS IST, mit derselben, einen
Quelle verbunden. Das Licht des Reiki ist kein japanisches, es ist kein
christliches, jüdisches oder buddhistisches Licht. Das Licht leuchtete
schon, lange bevor der erste Mensch es sehen konnte. Der Strom des
Lichts floss schon, lange bevor der erste Mensch es in sich spüren
konnte. Das ewige Licht des Reiki war da, bevor die Menschen ihre
Kulturen entwickelten, ihre Religionen erschufen, ihren Glauben
formulierten.
Es gibt keine unterschiedlichen Energien, es gibt nur Unterschiede in
der Qualität, sie zu erfahren. Ein Tier erfährt den Strom der
Lebensenergie in sich anders als ein Mensch. Ein Mensch wiederum erfährt
den Strom der Lebensenergie in sich anders als ein Engel. Die Erfahrung
ist immer individuell. Jedes Wesen ist einzigartig und einmalig und
spürt daher die Energie auch auf seine einmalige und einzigartige Weise.
Niemand kann die Lebensenergie so spüren, wie ich sie spüre. Auch die
Quelle selbst spürt die Energie auf ihre eigene und einzigartige Weise.
Gleich, wie man die Technik der heilenden Energieübertragung auch
nennt, sie ist nie unabhängig von der Person, die sie gibt. Es sind
nicht nur die Methoden, die Heilung verursachen. Die Methoden
unterstützen. Was wirklich heilt, ist die Ausstrahlung, die Präsenz des
Heilers. Es gibt keine Trennung zwischen dem Menschen und der
(heilenden) Lebensenergie. Es gibt keinen Unterschied zwischen der Seele
und der Energie. Meine Seele ist die Energie. Man könnte die Aura daher
auch als »Seelenenergie« bezeichnen. Mit jedem Einatmen nimmt der Körper
die Seelenenergie in sich auf, mit dem Ausatmen gibt er sie wieder an
die Aura ab. Der Atem stellt die Verbindung zwischen Körper und Seele
her. Nach dem letzten Atemzug im Leben eines Menschen löst sich die Aura
vom physischen Körper. Der Mensch wird zu dem, was er immer war. Licht.
Heilungstechnik ohne Vorschriften und Regeln
Reiki kann ohne Bedingungen, ohne Voraussetzungen und ohne
»esoterischen Schnickschnack« praktiziert werden. Es gibt keine Regeln,
an die man sich dabei halten müsste, allein der Wille, die Absicht des
Menschen, heilende Energie an sich selbst oder an andere zu übertragen,
zählt. Reiki wirkt auf unsere Aura ein. Die Aura ist ein Strom von
weißem Licht. Die Kraft, die beim Reiki übertragen wird, ist ebenfalls
weißes Licht. Reiki ist daher Lichtheilung in reinster Form. Die Energie
kann ohne Bedingung übertragen werden. Weder der Geber noch der
Empfänger hat eine besondere Voraussetzung zu erfüllen. Man muss nicht
vorher geduscht, sich allen Schmucks entledigt oder ein weißes Gewand
anhaben. Man muss nicht während der Behandlung liebe Gedanken denken und
nachher viel Wasser trinken. Wer es mag, soll es tun. Die Energie hat
nichts dagegen. Aber sie verlangt es nicht. Der Wille reicht aus: Der
Wille des Gebenden, die Kraft zu übertragen, der Wille des Empfängers,
sie in sich zuzulassen.
Reiki ist eine Praxis des Gebens. Nie wird dabei etwas (von einem)
genommen. Es gibt Heiler, die Krankheiten von einem Menschen nehmen. Der
Patient fühlt sich danach gut, dafür fühlt sich der Heiler anschließend
schlechter als vorher. Das kann beim Reiki nicht geschehen. Die Energie
fließt immer zunächst durch den Heiler selbst, bevor er sie an den
anderen übertragen kann. Er profitiert von ihr, wird stärker statt
schwächer. Reiki ist die praktische Erfahrung der Lehre, dass nur der
bekommt, der gibt.
Bei der Behandlung verbindet sich die Aura des Gebenden mit der Aura
des Empfangenden. Nicht die Technik des Handauflegens allein heilt,
sondern vielmehr das Licht, das durch die Präsenz des Gebers auf den
Empfänger ausstrahlt. Die Übertragung muss nicht über die Hände
erfolgen. Das Handauflegen ist die einfachste und naheliegendste
Technik. Die Energie kann aber auch mit dem Rücken, den Füßen und jedem
anderen Körperteil übertragen werden. Die Aura umgibt den ganzen Körper.
So wie jeder Bereich des Körpers die Energie empfangen kann, kann sie
auch mit jedem Bereich des Körpers übertragen werden. Reiki mit den
Augen zu senden ist eine der stärksten Übungen, die ich kenne. Auch
Worte können die Aura »berühren« und Heilung bewirken.
Der Kontakt mag ebenso aus der Entfernung hergestellt werden. Das ist
das Prinzip der Fernheilung. Das Licht zweier Menschen kann sich über
die Grenzen von Zeit und Raum hinweg verbinden. Das Licht vieler
Menschen kann sich verbinden und ausstrahlen. Das geschieht in jedem
Moment, wir sind uns dessen nur nicht immer bewusst.
Wüssten wir von der Macht, über die wir verfügen, könnten wir die
Kraft des Lichts, das wir ständig bündeln und ausstrahlen, im
Bewusstsein eines gemeinsamen Willens nutzen. Wir könnten die
Verhältnisse auf diesem Planeten allein durch unseren Glauben und unser
Wissen verändern. Mit dem Glauben an unsere göttliche Schöpferkraft und
dem Wissen, was wir erschaffen wollen, könnten wir wahrhaft Berge
versetzen. Doch mangelt es nicht nur am Glauben, sondern auch am Wissen.
Weil wir nicht wissen, was wir wollen, wissen wir auch nicht, was wir
tun.
Wir scheinen nicht zu wissen, ob wir die Natur erhalten oder weiter
mit schnellen Autos fahren wollen. Wir wissen nicht, ob wir die Tiere
schützen oder sie weiter essen wollen. Wir wissen nicht, ob wir den
Hunger in der Welt bekämpfen oder unsere Wirtschaft schützen wollen. Wir
lösen viele Probleme nicht, weil wir meinen, dass andere sie lösen
müssten, Politiker, Wissenschaftler, Wirtschaftsbosse. »Was kann ich als
Einzelner schon tun?«, fragen sich manche. Meine Macht kann jedoch nicht
größer sein als meine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Glaube
ich an meine Machtlosigkeit, werde ich nichts ausrichten können. Doch
glücklicherweise gibt es überall auf der Welt viele Menschen, die mehr
groß- als kleingläubig, mehr mutig als ängstlich sind.
Begegnung mit mir selbst
Reiki ist eine Technik, um Körper und Seele miteinander in Einklang
zu bringen. Das hat sie mit anderen meditativen Praktiken gemein.
Darüber hinaus aber kann der Effekt der Harmonisierung und
Blockadenlösung zugleich bei mir selbst und einem anderen entstehen.
Behandle ich einen anderen Menschen, fließt die Energie sowohl durch
mich als auch durch ihn. Wir beide profitieren gleichermaßen davon. Das
ist das Besondere und Schöne an dieser Form der Meditation.
Reiki hat mir geholfen, besser mit mir selbst und meinem Leben
umzugehen. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, leichter zu
verabschieden, was gehen will, leichter zu begrüßen, was kommen will,
und leichter mit dem zu leben, was bleiben will.
Auch haben die Einweihungen in die drei Reiki-Grade und meine
tägliche Übung dazu beigetragen, dass anstehende Veränderungen
beschleunigt wurden. Die Lebensenergie fließt nicht nur durch den
Körper, sondern auch durch die anderen Bereiche des Lebens. Werden
Blockaden beiseite geräumt, kann sie freier fließen.
Auf dem Weg des Reiki liegen drei Stationen, die »Grade« genannt
werden. An der ersten Station begegne ich mir selbst. Ich komme in
Kontakt mit meinem Körper und meiner Seele und erfahre die Lebensenergie
in einer anderen, höheren Qualität. Ich gehe anders in die Wohnung
meines »Ich« hinein, nicht urteilend, sondern freundlich. Deshalb werde
ich auch anders empfangen. Wer klingelt und freundlich um Einlass
bittet, wird anders empfangen als jemand, der, ohne zu grüßen, durch das
Fenster einsteigt.
An der zweiten Station begegne ich den Themen, vor denen ich bislang
erfolgreich fliehen konnte. Hier stelle ich mir die Fragen: »Was habe
ich mir und anderen in der Vergangenheit angetan?« Und: »Was haben die
anderen mir angetan?« Ich kümmere mich um die Wunden meiner Seele, die
nun heilen können.
Im zweiten Grad erkenne ich die Rollen, die ich in den verschiedenen
Bereichen meines Lebens spiele. In der Schule bin ich der Clown und vor
meinem Vater der ängstliche Junge, im Beruf bin ich der ehrgeizige
Kollege und in der Partnerschaft der eifersüchtige Liebhaber. Ich
identifiziere mich mit meinen Rollen und bin doch mehr als sie. Ich muss
die Masken ablegen, bevor ich mein wahres Gesicht sehen kann. Im zweiten
Grad werfe ich die Krücken weg, die mich auf meinem bisherigen Weg
stützten und zugleich am Weitergehen hinderten. Ich vergebe mir und
anderen; ich schließe Frieden.
An der dritten Station liegt der Meisterstab. Hier übernehme ich die
Verantwortung für mich und mein Leben. Ich mache ab jetzt keinen anderen
mehr verantwortlich für meine Gedanken, für meine Gefühle und für die
Situationen, die ich erlebe. Der symbolische Meisterstab verleiht mir
die Macht, Dinge zu verändern. Ich habe verstanden, dass ich wählen
kann, und ich mache von meinem Recht Gebrauch.
Man könnte es auch wie folgt beschreiben: Im ersten Grad kommt die
Energie von oben. Sie öffnet und berührt mich. Im zweiten Grad kommt die
Energie von vorn. Sie konfrontiert mich. Im dritten Grad kommt sie von
hinten. Sie schiebt mich an und gibt mir Kraft.
Die Schule des Lebens
Stell dir vor, du stehst auf einem Platz vor einer Schule. Du stehst
draußen auf dem Platz und siehst das Hauptportal der Schule. Es ist eine
große Schule, ein interessantes Gebäude.
Bleib nun für einen Moment auf dem Platz vor der Schule stehen, halte
den Blick auf das Portal und hör zu, was dort gelehrt wird:
In dieser Schule kann man lernen, Entscheidungen zu treffen,
Verantwortung zu übernehmen, Herausforderungen anzunehmen, Stillstand
und Veränderung zu akzeptieren.
In dieser Schule kann man lernen, das Zwitschern der Vögel zu hören,
den Wind auf seiner Haut zu spüren, den Himmel mal blau und mal
wolkenverhangen, mal dunkel und mal sternenklar zu sehen.
In dieser Schule kann man lernen, sich zu streiten und wieder zu
vertragen, schutzlos und beschützt zu sein, zu fallen und aufgefangen zu
werden, zu helfen und Hilfe anzunehmen.
In dieser Schule kann man lernen, zu wachsen und sich zu entwickeln,
sich so zu akzeptieren, wie man ist, manchmal stark und manchmal schwach
zu sein, mal gefangen und mal frei, mal abhängig und mal hingebungsvoll
zu sein.
In dieser Schule kann man lernen, zu geben und zu bekommen, hilflos
zu sein, mächtig zu sein, mal hungrig und mal satt zu sein.
In dieser Schule kann man lernen, zu lachen, zu weinen, zu trauern,
zu feiern, zu sterben und neu geboren zu werden, wütend und liebend,
ängstlich und mutig, verzweifelt und dankbar zu sein.
In dieser Schule kann man lernen, seinen Gefühlen zu vertrauen, seine
Gefühle zu zeigen, mit sich und anderen mitzufühlen.
In dieser Schule kann man lernen, zu lieben.
Nun stell dir vor, du gehst los von deinem Platz vor der Schule, du
gehst auf das Portal der Schule zu, gehst hinein in die Schule und
siehst dich um.
Du befindest dich:
mitten in deinem Leben.
Peter Michael Dieckmann
Das gleichnamige Buch des Autors: „Ich bin berührt – Reiki oder die
Schule des Lebens“ wird im Mai 2008 im Verlag Goldmann Arkana
erscheinen.
Taschenbuch, 320 S.
ISBN: 978-3-442-21807-3 • Euro 7,95
Weitere Infos unter:
www.gespraechemitjj.de
Quelle: BALANCE 2/2008

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