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Die Agentur des Göttlichen

Die Vorstellung einer göttlichen Agentur ist meine Technik des Loslassens. „Loslassen“ ist das neuzeitliche Wort für „Vergebung“. Wenn ich etwas vergebe, gebe ich es ab, lasse von ihm los. Loslassen ist eine der schwersten Übungen überhaupt. Oft hört man von anderen, denen man seine Sorgen schildert, den Rat: „Lass doch einfach los, gib es ab!“

Dieser Tipp ist jedoch ohne Gebrauchsanweisung nur wenig wert. Die passende Gegenfrage wäre: „Wohin?“ Wenn ich meine Sorge loslasse, wo fällt sie dann hin? Löst sie sich in Luft auf, verschwindet sie im Nirwana? Man kann nicht einfach von jetzt auf gleich so tun, als gäbe es das Problem nicht mehr. Das Paket meiner Sorgen und Nöte ist nicht weg, wenn ich es aus dem Fenster werfe. Dann ist es zwar aus meinem Sichtbereich verschwunden, aber es existiert noch immer. Beruhigt kann ich nur sein, wenn ich weiß, dass sich jemand Kompetentes darum kümmert.

Ich stelle mir die Räumlichkeiten einer Agentur vor. Ihr Oberboss ist die höchste Macht des Universums: Gott. Er hat die Firma gegründet und Agenten eingestellt, die einzig und allein dafür da sind, mir meine Sorgen und Probleme abzunehmen. In den Räumen der Agentur kann ich meine Sorgen fallen lassen. Sie werden dort aufgehoben und bearbeitet. Keine Sorge ist zu klein, kein Problem ist zu banal, als dass ich sie nicht der Agentur anvertrauen könnte. Ich gebe einen Auftrag ab und bin beruhigt. Ich weiß mein Anliegen in guten Händen. Ich kann in der Gewissheit weiterleben, dass sich eine höhere Macht um meine Sorge kümmert. Die Auftragserteilung erfordert kein großes Brimborium. Ein kurzer Anruf genügt.

In meiner Kirche in Schillig an der Nordsee, dem Ort meiner Reiki Seminare, liegt ein Buch, in das man seine Bitten an Gott aufschreiben kann. Das Schreiben ist ein Akt des Loslassens, der befreiend wirkt. In meiner Vorstellung schauen die Agenten des Göttlichen täglich in die Fürbittenbücher dieser Welt und teilen dann die Arbeit untereinander auf. Wichtig zu wissen ist, dass die Agenten ihren Job aus Freude gewählt haben. Sie haben Spaß an ihrer Arbeit und sind traurig, wenn keine Aufträge eingehen. Es gibt so viele Agenten, wie es Menschen gibt, und nicht alle sind voll beschäftigt.

Ein göttliches Gesetz ist, dass bei der Bearbeitung eines Auftrags niemand zu Schaden kommen darf. Impliziert mein Auftrag einen Schaden für mich oder einen anderen, so wird ihn die Agentur des Göttlichen nicht entgegennehmen. Daher schaffe ich es nie, einen Sieg für den MSV Duisburg in Auftrag zu geben. Ich versuche es zwar immer wieder, aber es gelingt mir nicht. Die Erfüllung dieses Auftrags stünde in Konkurrenz zu den Aufträgen Tausender Anhänger der gegnerischen Mannschaft. Der Sieg des einen Vereins bedeutet zwangsläufig die Niederlage des anderen. Deshalb hat die Agentur des Göttlichen keinen Sachbearbeiter für »Sport« eingestellt. Da müssen die Jungs auf dem Platz allein klarkommen.

Die Bearbeitungsgebühr für meinen Auftrag ist nur meine Bereitschaft

Die Agentur des Göttlichen verlangt von mir kein Geld und keine Vorleistung. Sie verlangt nur, dass ich es mit dem Auftrag ernst meine. Voraussetzungen für die Bearbeitung meines Auftrags sind meine Bereitschaft, mein Wille und mein Glaube. Ich muss bereit sein, meine Sache in die Hände der Agentur zu legen. Dazu gehört die Akzeptanz, dass die zuständigen Agenten meinen Auftrag auf ihre eigene Weise erledigen. Ich darf mich nicht mehr einmischen. Ich brauche mir keine Gedanken darüber zu machen, wie mein Auftrag erledigt wird. Dennoch muss ich achtsam bleiben, um die günstigen Gelegenheiten, die mir von der Agentur gesandt werden, nicht zu verpassen. Die Agentur sorgt für günstige Gelegenheiten in Form von Begegnungen und Situationen. Es liegt an mir, diese Gelegenheiten zu nutzen. Lasse ich sie verstreichen, muss ich einen neuen Auftrag erteilen.

Gottes Wege sind unergründlich, seine Agenten verfügen über außergewöhnliche und wahrhaft übermenschliche Fähigkeiten und Talente.

Das Anforderungsprofil eines Agenten des Göttlichen ist allumfassend. Die Agentur verfügt über einen unermesslichen Fundus von Techniken, Materialien und Möglichkeiten. Zur Erledigung des Auftrags setzen die Agenten oft freie Mitarbeiter ein. Die Agenten geben Impulse an Menschen, die dann im Sinne des Auftrags handeln. Es ist wie in einer Firma, in der ein leitender Angestellter an einem Projekt arbeitet, dessen Ausmaße nur er überschaut. Er kann nicht alles selbst machen, er benötigt Hilfe. Er braucht Mitarbeiter, die Anrufe erledigen, Kopien fertigen und so weiter. Die Mitarbeiter müssen das Projekt nicht kennen, um ihre Aufgabe erfüllen zu können. Man kann eine Abhandlung über Einsteins Relativitätstheorie kopieren, ohne sie zu verstehen. Es reicht das Wissen, wie man den Kopierer bedient. Jeder Mensch ist ab und zu ein Mitarbeiter der Agentur, ohne sich dessen bewusst zu sein. Um in dem Gleichnis zu bleiben: Wir sind schon oft von einem Agenten Gottes zum Kopierer geschickt worden …

Ich muss wissen, was ich will!

Mein Wille definiert den Auftrag. Je stärker mein Wille ist, desto klarer ist der Auftrag. Ich muss also entscheiden, was ich will. Die Entscheidung für das eine ist oftmals eine Entscheidung gegen das andere. Ich kann nicht gleichzeitig in den Norden und in den Süden fahren. Wenn ich mich für den Norden entscheide, entscheide ich mich in diesem Moment gegen den Süden. Jedes Reisebüro wäre überfordert, wenn ich zur gleichen Zeit in zwei verschiedene Richtungen reisen wollte. Meine Buchung könnte nicht zu meiner Zufriedenheit bearbeitet werden. Deshalb würde das Reisebüro die Buchung nicht entgegennehmen. Auch die Agentur des Göttlichen lehnt Aufträge ab, die in sich widersprüchlich sind. Ebenso würde kein Reisebüro einen Flug für mich buchen, wenn ich nur draußen vor den Schaufenstern herumliefe und »Es wäre nicht schlecht, wenn …« vor mich hin murmelte. Ich muss schon hineingehen und konkreter werden.

Die Agentur freut sich über jeden konkreten Auftrag. Sie will ihre Kapazitäten nutzen und nicht Gefahr laufen, eines Tages aufgrund mangelnder Anfragen schließen zu müssen. Ein Überangebot an Aufträgen kann es für die Agentur nicht geben. Sie wächst quasi an ihren Aufgaben. Sie kennt und nutzt das göttliche Gesetz der Fülle, welches besagt, dass Energie entsteht, indem sie verbraucht wird. Je mehr Energie gegeben wird, desto mehr kommt zurück, je weniger Energie investiert wird, desto weniger kommt zurück. Viele Menschen glauben, es wäre umgekehrt. Sie haben den Glaubenssatz des Mangels verinnerlicht. Sie denken: „Ich darf nicht zu viel von mir (ab)geben, sonst verliere ich mich.“ Und weil sie nicht so viel (von sich) geben, bekommen sie auch nicht so viel zurück. Weil sie den Mangel leben, erfahren sie den Mangel und fühlen sich somit in ihrem Glaubenssatz bestätigt.

Die reinste Form der Energie ist Liebe. Das Geschenk der Liebe wird durch Aufmerksamkeit überreicht. Ein Mensch, der gebraucht wird, erhält Aufmerksamkeit. Energieentzug hingegen entsteht durch Ignoranz. Das Schlimmste, was einem Menschen geschehen kann, ist das Gefühl der Nutzlosigkeit. Wie alle Wesen im Universum sind auch die himmlischen Agenten auf (Lebens)energie angewiesen und freuen sich über unsere Aufträge.

Die Auftragserteilung ist unkompliziert. Nötig sind allein der Wille des Menschen, seine Sache in die Hände der Agentur zu legen sowie der Glaube, dass die Agenten helfen können, helfen dürfen und helfen werden. Kenntnisse über die Aufbauorganisation der Agentur und über die internen Abläufe bei der Bearbeitung der Aufträge sind für die Buchung eines Agenten nicht erforderlich. Es reicht ein Anruf in der Zentrale. Dort werden die Kundenwünsche angenommen und an die entsprechenden Abteilungen weitergeleitet. Dennoch kann es nicht schaden, die telefonische Durchwahl des Sachbearbeiters zu kennen.

Sieben Abteilungen der Agentur
– Hilfe in jeder Lebenslage

In meiner Vorstellung besteht die Agentur des Göttlichen aus sieben Abteilungen:

Die erste Abteilung ist zuständig für die „Hilfen im Alltag“. Ihre Agenten verfügen über handwerkliches Geschick und organisatorisches Talent. Die Techniker unter ihnen bekommen jedes defekte Gerät wieder in Gang. Die Manager sorgen für reibungslose Abläufe. Dazu gehören auch staufreie Autobahnen und freie Parkplätze. Die erste Abteilung hat ihren Sitz im Erdgeschoss. Sie ist die Basis der Agentur.

„Kraft zum Handeln“ ist das Aufgabengebiet der zweiten Abteilung. Ihre Agenten sind Kämpfer und Motivationstrainer. Sie verfügen über eine enorme Durchsetzungskraft und geben müden Kunden neuen Schwung. Mit ihrer Hilfe siegt der Mut über die Angst. Aus ihren Reihen kommen auch diejenigen Agenten, die manchmal Schutzengel genannt werden. Ich nenne sie lieber Bodyguards.

Die „Leader“ sind in der dritten Abteilung angesiedelt. Es sind Agenten mit Führungsqualitäten, die ihren Kunden Anleitung und Orientierung geben. Sie schreiten voran und zeigen den richtigen Weg zum gewünschten Ziel.

Die Agenten der vierten Abteilung berühren den Menschen. Sie vermitteln Wärme, Liebe und Vertrauen. Traurigen Kunden spenden sie Trost. Ihre Kompetenz ist Mitgefühl.

„Kommunikation“ ist das Thema der fünften Abteilung. Ihre Agenten sind wahre Strippenzieher. Sie schaffen Kontakte und Beziehungen und sorgen für die richtigen Begegnungen zur rechten Zeit.

In der sechsten Abteilung sitzen die Lehrer. Sie vermitteln Klarheit, Weisheit und Erkenntnis.

Die siebte Abteilung ist im Obergeschoss der Agentur angesiedelt. Sie ist damit von allen Abteilungen dem Himmel am nächsten. Ihre Agenten sitzen unmittelbar an der Quelle und sorgen für Inspiration und gute Ideen.

Die Einteilung in sieben Abteilungen einer göttlichen Agentur ist meine persönliche Technik, die geistige Welt um Hilfe zu bitten. Die konkrete Vorstellung, dass nun ein Agent aus dieser oder jener Abteilung mit meinem Auftrag beschäftigt ist, beruhigt mich ungemein. Zu Vorträgen nehme ich zum Beispiel immer meinen Agenten „Nummer Fünf“ mit, der mir hilft, Menschen für meine Seminare zu interessieren und neue Kontakte für weitere Vorträge zu knüpfen. Agent Nummer Fünf ist für mich beinahe im Dauereinsatz. Und da ich wie eine „gesengte Sau“ Auto fahre, wird auch mein Agent „Nummer Zwei“, der mich beschützt, nicht arbeitslos.

Manche Aufträge sind komplex, so dass mehrere Agenten aus unterschiedlichen Abteilungen zusammenarbeiten müssen. Ich stelle mir vor, dass die Agentur tägliche Meetings abhält, in denen die Belegschaft über die anstehenden Aufgaben informiert wird und – falls erforderlich – Absprachen bezüglich einer Zusammenarbeit getroffen werden. Entsprechend des Auftrags wird dann ein schlagkräftiges Agententeam zusammengestellt.

Man kann jeden Auftrag in kleines Notizbuch schreiben. Solch ein Eintrag hilft, ge--danklich von der Sorge loszulassen. Das Büchlein erinnert auch daran,  sich nach Erledigung des Auftrags bei der Agentur zu bedanken. Denn der Preis für die Arbeit der Agenten sind das Vertrauen, das man in sie setzt und der Dank für ihre Mühe.

Durch meinen Glauben schenke ich der Agentur des Göttlichen mein Vertrauen. Mangelndes Vertrauen wäre eine schlechte Basis für eine Zusammenarbeit. Wenn ich einem Menschen nicht glaube, vertraue ich ihm nicht. Dann zweifle ich an seinen Worten und seinen Taten. Wem ich mit Misstrauen begegne, dessen Wort kann ich nicht mit reinem Herzen hören, dessen Berührung kann ich nicht mit reinem Herzen spüren, dessen Geschenk kann ich nicht mit reinem Herzen annehmen. Die Agenten Gottes arbeiten für nur den, der reinen Herzens ist.

Peter Michael Dieckmann

 

Das Buch des Autors: „Ich bin berührt – Reiki oder die Schule des Lebens“ ist im Mai 2008 im Verlag Goldmann Arkana erschienen.
Taschenbuch, 320 S.,
€ 7,95
ISBN: 978-3-442-21807-3

 

Peter Michael Dieckmann, 1961 in Duisburg geboren, ist Hauptkommissar bei der Kriminalpolizei. Als „harter Junge“ eines mobilen Einsatzkommandos zählten für ihn nur harte Fakten. Umso größer seine Überraschung, als er in Reiki-Kursen seine innere Sensibilität entdeckte. Peter Michael Dieckmann gibt als Reikilehrer Seminare und Workshops.

 

Weitere Infos unter:

www.gespraechemitjj.de

 

 

 

Quelle: BALANCE 3/2008

 

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