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Ausgabe 3/2008 > Frauen
Du bist der wichtigste Mensch in deinem
Leben!
Warum Frauen sich immer noch selbst fertig machen
Unzählige Frauen ab Ende dreißig leiden
an Körper und Seele. Ihr Leben besteht
aus Druck, Anstrengung, Hetze gepaart
mit Selbstverleugnung, Selbstabwertung
und Unterdrückung der eigenen Gefühle.
Erst wenn der Körper zusammenbricht,
öffnen sich viele für die Wende. Es ist
nicht der Druck von außen, es sind nicht
die Überforderungen in Beruf und Haushalt,
die verantwortlich sind für das Leiden.
Das Leiden der Frauen ist hausge-
macht
und wird seit Generationen von
Müttern an Töchter übergeben. Der Diplom-
Psychologe Robert Betz, der jedes Jahr
über 1.000 Frauen in Seminaren begleitet,
ermutigt in diesem Artikel Frauen, einen
neuen Weg einzuschlagen und sich selbst
ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit zu stellen.
„Kümmre dich endlich um das Wesentliche,
um dich selbst!“, ruft er ihnen zu.
„Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.“
Diesen Gedanken der Verzweiflung denkt
es in vielen Frauen, nicht alle sprechen
ihn aus. Besonders Frauen zwischen 35
und 45 sind betroffen. 15 bis 20 Jahre
lang waren sie fleißig, für andere da, für
Mann, Kinder, den Haushalt, oft noch für
die Eltern oder einen Elternteil, haben den
Spagat zwischen Haushalt und Berufstätigkeit
geschafft und sind dann geschafft.
Der Körper ist angegriffen bis erschöpft,
mit Make-up lassen sich die Spuren der
Überanstrengung nicht mehr wegtuschen.
Frauen in diesem Alter sind oft fix
und fertig mit sich und der Welt. Viele
denken für sich: „Das war’s jetzt wohl.
Ich habe was falsch gemacht. Ich war
einfach nicht so schlau wie andere. Aber
was habe ich nur falsch gemacht? Ich
wollte es doch gut machen.“
Die Gefühle von Frustration und des Versagt-
habens gehen einher mit Selbstvorwürfen,
mit Schuld- und Schamgefühlen,
sehr oft auch mit dem Gedanken, sich
das Leben zu nehmen. – An diesem
tiefsten und dunkelsten Punkt müssen
viele Frau ankommen, damit es aufwärts
gehen und das Blatt des Lebens gewendet
werden kann. Mein Wunsch ist es,
dass immer mehr Frauen verstehen, wie
und warum es zu diesem Tiefstpunkt mit
allen seelischen und oft körperlichen
Schmerzen kommen musste, denn nicht
selten sind diese Frauen von Krebs betroffen,
besonders an den weiblichen
Körperzonen Brust und Gebärmutter.
Wer seine Mutter nicht ehrt
– ist weiter an sie gebunden
Auch wenn der Kopf es kaum hören mag,
wenn du zu dieser Gruppe von Frauen
gehörst: Du bist auf dem richtigen Weg –
in das Leben. Du bist den klassischen
Weg einer Frau gegangen, die schon als
Mädchen gesehen hat, wie Mutter es
macht. Bereits die jüngsten Mädchen erleben
in ihrer Mutter ein Modell, an dem
sie in ihrer eigenen Lebensführung nicht
vorbeikommen. Vor allem das, was die
Mütter über sich selbst denken, ihr mangelhaftes,
abwertendes Selbstwertgefühl,
ihre Überforderung, ihr unbefriedigter
Hunger nach Liebe, Zärtlichkeit, Anerkennung
führen im Mädchen zu einer
Grundüberzeugung, wie das Leben einer
Frau in dieser Welt ist. Manche sind
selbstbewusst genug und sagen sich: „Ich
werde es einmal ganz anders machen. Ich
will mich nicht vor einem Mann erniedrigen
und tagsüber die Putzfrau der Nation
sein, um abends meinen Körper hinzuhalten
und die Beine breit zu machen – nicht
der Lust zuliebe, sondern um des lieben
Friedens willen. Damit ich meine Ruhe
habe.“ Die Gefühle vieler erwachsener
Frauen ihren Müttern gegenüber sind von
Mitleid und Verachtung zugleich geprägt.
Mit diesen Gefühlen der Mutter gegenüber
kann die Frau aber keinen eigenen
freien Weg gehen, denn sie zeigen an,
wie verstrickt sie mit ihrer – vielleicht
schon gestorbenen Mutter – noch ist.
Unsere Mütter und Väter sind Wege gegangen,
die wir nicht kopieren müssen.
Aber wir müssen uns klar machen, wie
unfrei wir bis heute sind, wie sehr gebunden
wir an sie sind, vor allem durch unsere
anmaßende Verurteilung ihnen gegenüber.
Wir maßen uns an zu denken, sie
hätten es anders machen sollen und können.
Das ist Arroganz und Irrtum zugleich.
Sie konnten es nicht besser. Darum
gilt es ihren Weg zu ehren und zu achten.
Mutter und Vater zu ehren bedeutet
nicht, ihnen auf ihrem Weg zu folgen.
Sondern es ehrt deine Eltern, wenn du
sagst: Ich danke euch dafür, dass Ihr mir
das Leben geschenkt habt und für alles,
was ihr für mich getan habt. Ja, ich verneige
mich vor euch und eurem Leben.
Und mit eurem Erbe in mir gehe ich jetzt
meinen ganz eigenen Weg. Und ich bitte
euch um euren Segen für diesen meinen
Weg.“ Dies sind Sätze aus einer sehr befreienden
Meditations-CD „Die Mutter
(bzw. der Vater) meiner Kindheit“.
„Jetzt reicht’s mir!“
– der Beginn eines neuen Lebens
Zurück zu den Frauen. Warum sind
Frauen mit einer solchen Biographie bis
vierzig oder fünfzig auf dem richtigen
Weg? Weil diese Erfahrungen des Leids,
die frau unbewusst erschaffen hat, sie
hinführen können zu einem kraftvollen
„Jetzt reicht’s mir!“, zu einem ersten bewussten
Schöpfungsakt, zu einer Entscheidung
für ein anderes Leben in diesem
Leben. Es ist der Wendepunkt von Unbewusstheit
zu Bewusstheit, von Ohnmacht
zur Macht, von der Angst in die Liebe,
der Frauen erst nach zwei Jahrzehnten
eines Lebens in Mangel, Begrenzung und
Abhängigkeit auf einen neuen Weg führt,
der von Selbstständigkeit, Freude, Selbstwertschätzung
und Freiheit geprägt ist.
Die Seminare, die sich mit Themen der
Selbsterforschung und Spiritualität im
weitesten Sinne beschäftigen, sind zu 70-
95 % von Frauen belegt. Das ist ein sehr
gutes Zeichen. Frauen sind in unserer Zeit
diejenigen, die die größten Veränderungen
im Zusammenleben der Menschen und
zwischen Mann und Frau erschaffen.
Wodurch? Indem sie aufwachen und mit
Mut einen neuen Weg gehen. Warum
sind es die Frauen? Weil sie als erste an
einem Nullpunkt der Verzweiflung ankommen
in ihrer Biographie. Bei ihnen
heisst die klare Alternative: leben oder
sterben? Sie spüren und wissen genau,
dass der bisherige Weg in seiner Verlängerung
in den frühen, schmerzhaften Tod
durch Krankheit führen würde und können
es an ihren Müttern und vielen
Schwestern beobachten.
Ehre, lobe und liebe dich selbst!
Wenn du dich in dem beschriebenen Weg
wieder erkennst, lade ich dich herzlich ein
zu einer neuen Betrachtungsweise, zu
neuen Gedanken über dich selbst als
Frau, über deinen bisherigen Weg und
über das Leben. Der erste Gedanke lautet:
„Du bist der allerwichtigste Mensch
in deinem Leben. Und es ist deine Verpflichtung
dir selbst gegenüber, allerbestens
für dich zu sorgen, dich zu ehren,
zu loben und lieben.“ Dies ist die Überschrift
über ein völlig neues Leben, der
allem, was die meisten Frauen bisher gehört
und gelebt haben, völlig widerspricht.
Es ist wichtig zu erkennen, dass es nicht
„die böse Welt“ oder die „beknackten
Männer“ waren und sind, die das Schicksal
der Frauen bestimmen, die verhindern,
dass Frauen ein glückliches Leben
leben. Frauen waren, wie Männer, immer
schon Schöpfer ihres Lebens. Nur hat ihnen
keiner gesagt, wie das Erschaffen im
Leben vor sich geht. Niemand hat ihnen
gesagt: Pass auf Mädchen, was du
denkst, sprichst und tust in deinem Leben,
denn deine Gedanken, Worte und
deine Handlungen sind das Schöpfungsmaterial,
mit dem du die Weichen deines
Lebens stellst. Beispiel: Wenn du denkst,
du seist nicht viel wert, dann müssen die
anderen Menschen dir dies bestätigen.
Wenn du dich nicht selbst liebst, wirst du
schwerlich die Liebe anderer erkennen
und annehmen können. Denn was du
über dich selbst denkst, so muss dir die
Welt im aussen begegnen. Wenn du dich
selbst nicht ehrst, würdigst und achtest,
steht auf deiner Stirn geschrieben: „Mit
mir kann man es machen!“ Eine deutliche
Aufforderung an die anderen, dich
auszunutzen und zu benutzen, heisst,
dich zu missbrauchen für ihre Ziele.
„Ich habe es so gut
gemacht, wie ich konnte!“
Darum kümmere dich zunächst um das,
was du bisher über dich selbst denkst und
fühlst.
Erkenne, wie sehr du dich bisher hinuntergedacht
hast durch Abwertung und
Selbstverurteilung, und öffne dein Herz
für dich und dafür, dir selbst zu vergeben.
Wer ein neues Leben starten will in diesem
Leben, der darf zunächst seine vielen
Urteile zurücknehmen, die er gefällt hat
über sich und die anderen. Der darf erkennen,
wie sehr er den Unfrieden mit
sich selbst und in seinem Verhältnis zur
Welt und insbesondere zu den Männern
gesät und gedüngt hat.
Die Tatsache, dass Männer – durch ebensolch
unbewusstes Verhalten – unendlich
viel Mist gebaut haben, heißt Leid erschaffen
haben in ihrer Beziehung zu den
Frauen und in ihren Familien – darf nicht
dazu führen, dass Frauen in ihrem verurteilenden,
Schuld gebenden und damit
trennenden Denken stecken bleiben.
Denn dies wäre die Garantie, dass sie sich
auch morgen noch als Opfer der Gesellschaft
oder der Männer wieder finden.
Wir können noch so unbewusst handeln,
dennoch bleiben wir immer Schöpfer unserer
Lebensumstände. Ich lade dich also
ein, deine Verantwortung für deinen bisherigen
Lebensweg zu übernehmen und
zu sagen: „Ich öffne mich dem Gedanken,
dass ich meinen Lebensweg – seit
ich von zu Hause auszog – selbst erschaffen
habe durch mein unbewusstes Denken,
Sprechen und Handeln.“
Und fast im selben Atemzug darfst du sagen:
„Und ich habe ich so gut gemacht,
wie ich es konnte und wusste. Und dafür
will ich mich loben.“ Erst dieser Schritt
bringt Frauen – wie auch Männer – aus
einer Position der Ohnmacht in eine neue
Position der Mächtigkeit, heißt der Fähigkeit,
ihr Leben wieder oder erstmals in ihrem
Leben selbst in die Hände zu nehmen
und zu gestalten – egal wie die äußeren
Lebensumstände gerade aussehen.
Es ist nicht die Not im Außen,
die uns hinunterdrückt
Viele resignieren angesichts der hoffnungslos
erscheinenden äußeren Situation.
Wer mit zwei Kindern von Hartz IV
lebt und keinen zahlenden Mann hat,
körperlich angegriffen ist und wenig
Freunde hat, hat dieser Mensch heute
noch eine Chance? Ja, die hat er. Worin
besteht diese Chance? Es ist nie die Not
im Außen, die uns hinunterdrückt. Das
Hinunterdrücken, das Erniedrigen, das in
die Verzweiflung Treiben, das machen wir
vor allem ganz allein – in unserem inneren
Verhältnis zu uns und dem Leben. Darum
müssen wir auch hier ansetzen und nicht
als erstes in aktionsbetonten Schritten im
Außen. Genauso wie der normale Lottomillionär
nicht in der Lage ist, mit seiner
Million kreativ und mehrend umzugehen,
so ist dem Menschen, der sich selbst in
Unfreiheit und Verzweiflung hinuntergedacht
hat, nicht mit Aktionsvorschlägen
gedient, die die äußere Situation betreffen.
„Gehst du nicht nach innen, dann
gehst du leer aus!“, heißt es so schön in
den Bänden von „Gespräche mit Gott“.
Das heißt: Jeder wirksamen Veränderung
im Außen geht eine grundlegende Veränderung
im Innen, im Bewusstsein voraus
Wer sich selbst wichtig nimmt,
ist ein Segen für alle!
Die eigene Verantwortung für den gesamten
bisherigen Lebensweg zu übernehmen
und sich alles selbst zugefügte
Leid zu vergeben, sind die ersten Schritte.
Sich selbst zum allerwichtigsten Menschen
in seinem Leben zu erklären und
sich für die Liebe zu sich selbst zu entscheiden,
sind die nächsten. Wer sich
selbst nicht liebt, ist auch für seine Kinder
letztlich eine Belastung. Kinder spüren instinktiv,
wie es Mama geht. Geht es ihr
gut, sind sie entlastet, geht es ihr schlecht,
fühlen sie sich schuldig und belastet. Das heißt, du tust deiner ganzen Umgebung
den größten Gefallen, wenn du anfängst,
gut für dich zu sorgen und dich zu lieben.
Aber wundere dich nicht, wenn du Gegenwind
bekommst von deinen Lieben
zuhause oder deinen bisherigen Freunden.
Denn sie wissen (noch) nicht, dass
es auch für sie das Beste ist, wenn du deinen
ganz eigenen Weg in die Freiheit, die
Freude, die Selbstachtung und Liebe
gehst. Denn sie haben sich gut an die sich
aufopfernde, durchhaltende, sich abhetzende
Mama und Frau gewöhnt. Menschen
mögen es gar nicht, wenn jemand
plötzlich ausschert aus dem Reich der
Schafe, der Mitläufer und Duckmäuser.
Mach dir darüber keine Sorgen und höre
weiter auf dein Herz. Tue nur, wozu deine
innere Stimme deutlich „Ja“ sagt. Gehe
den Weg der Liebe zu dir selbst. Wenn
dich Menschen verlassen, weil du plötzlich
gut zu dir selbst bist, haben sie dich
nicht verdient. Du wirst neue Menschen
anziehen, freue dich auf sie.
Das eigentliche Leben beginnt ab ca. 50
Ich ermutige alle Frauen (und natürlich
auch alle Männer), sich die Frage zu stellen,
wozu sie dieses Leben leben wollen.
Was bis zum vierzigsten, ja oft bis zum
fünfzigsten Lebensjahr geschieht, ist aus meiner Sicht ein wichtiges Vorspiel. Durch
unser unbewusstes Leben lernen wir, wo
es hinführt, nicht bewusst zu leben. Das
motiviert erst für ein selbst bestimmtes,
kraft- und freudvolles Leben. Das eigentliche
Leben beginnt für mich bei ca. 50
Jahren, beim einen früher, bei anderen
später. Darüber bin ich nicht betrübt, weil
mein Herz sagt, dass das Ganze völlig
sinnvoll ist.
Wir sind eine Menschheit in Windeln, die
erst dabei sind zu lernen, was es heißt,
großartige Schöpfer zu sein. Wir wissen
nicht, wer wir sind, also müssen wir es
lernen. Viele Frauen haben sich aufgemacht
in ein neues Leben und ich ziehe
meinen Hut (hätte ich denn einen) vor
diesen Frauen. All diese Frauen sind ein
Segen auch für die gesamte Männerschaft,
denn sie sind Vorreiter für ein
neues Leben in diesem Leben. Die Männer
werden folgen – keine Sorge. Mögen
Frauen stolz sein auf ihre Fähigkeit, nicht
nur neues Leben zu gebären, sondern
auch neue Lebenswirklichkeit zu kreieren
durch ihren Mut, ihre Sehnsucht, ihre Liebe
und ihre ungeahnten urweiblichen
Kräfte.
Das erinnert mich an den von vielen Sängern
und Sängerinnen interpretierten
Song von James Brown mit der Hauptbotschaft:
„Dies ist eine Männerwelt – aber
sie wäre nichts, absolut gar nichts ohne
eine Frau. This is a man’s world.
Empfohlene CDs von Robert Betz zu diesem Thema:
Die Mutter meiner Kindheit (Meditation)
Der Vater meiner Kindheit (Meditation)
Frauen – das starke Geschlecht (Vortrag)
Kümmer dich endlich um das Wesentliche – um dich selbst
(Vortrag)
Mich selbst lieben lernen (Vortrag)
zu beziehen über
www.robert-betz.de
Quelle: BALANCE 3/2008

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