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Startseite > Ausgabe 4/2008 > Aromapflege Aromapflegeim Seniorenheim und in der privaten Altenpflege und -betreuung Dieser Artikel ist für all die Menschen geschrieben – egal ob aus der Pflege kommend oder Laien – welche ihren Angehörigen zu Hause oder beruflich zur Pflege anvertrauten Menschen mit der Aromapflege ein Stück Liebe und Geborgenheit, Wärme und Mitgefühl sowie auch Hilfe und Unterstützung geben möchten. In der Aromapflege geht es um Zuwendung, die dem Kranken oder zu pflegenden alten Menschen zuteil wird, um Berührung, die tröstet, aber auch um Duft, der den Menschen erfreut. Es geht um die Linderung von Beschwerden, sowohl körperlichen als auch seelischen. Aber auch um prophylaktisches – also vorbeugendes – Arbeiten, denn mit ätherischen Ölen kann man so manchem Wehwehchen vorbeugen oder gar Einhalt gebieten. Aromatherapie reduziert den MedikamentenbedarfAnhand unterschiedlicher Studien wurde bereits belegt, dass da, wo zum Beispiel aromatherapeutische bzw. aromapflegerische Maßnahmen ihren Einsatz fanden, der Medikamentenbedarf deutlich und nachhaltig reduziert werden konnte. Forschungen an der Kieler Universität wiesen nach, dass zum Beispiel Pfefferminzöl, sanft auf die Schläfen und Stirn und Nacken aufgetragen, sich in seiner Wirkung gegen durch körperlichen und psychischen Stress entstandenen Spannungskopfschmerz nicht von der Wirkung von Paracetamol unterscheidet. Dabei ist Pfefferminzöl natürlich wesentlich verträglicher. Auch ist wissenschaftlich erwiesen, dass die meisten ätherischen Öle sehr effizient Krankheitserreger töten oder zumindest in Schach halten können. Es gibt sogar Studien, die besagen, dass ätherische Öle hoch wirksam auf krankheitserregende Bakterien wirken, wobei sie die so genannten guten Bakterien nicht beeinträchtigen. Die praktischen Erfahrungen mit Aromatherapie zeigen dies auch. Die Aromatherapie befasst sich also mit der Erhaltung von Gesundheit, der Linderung von Beschwerden und der Heilung von Krankheiten durch die therapeutische Verwendung von natürlichen Duftstoffen, entsprechend den Prinzipien der Naturheilverfahren (ganzheitliches Vorgehen). Im privaten und alltäglichen Bereich in Pflegeeinrichtungen kommt jedoch zumeist die Aromapflege zum Einsatz. Ihr Ziel ist die Erhaltung von Gesundheit und Linderung von Beschwerden mittels natürlicher Duftstoffe, überwiegend ätherischer Öle. Aromapflege ist hier immer als eine adjuvante, also als eine begleitende Maßnahme zu verstehen, die keine medizinische Behandlung ersetzt. Im Altenheim betreibt man eher prophylaktische Aromapflege. Die Berührung in Verbindung mit ätherischen Ölen über Massage, Einreibungen oder dergleichen wirkt stimmungsaufhellend, aktivierend, erdend etc. – entsprechend dem Wunsch der Verwendung und dem ätherischen Öl der Wahl. So kann eine Massage mit einem ätherischen Öl die Türen zu einer engeren, vertrauensvolleren Beziehung öffnen, die es dem zu Pflegenden bzw. zu Betreuenden zum Beispiel ermöglicht, seine Wünsche und Hoffnungen, aber auch Ängste und Träume offen auszusprechen. In der Aromapflege können die ätherischen Öle auch in Duftlampen, für Inhalationen, Einreibungen und Bäder angewendet werden. Über die Duftlampe beeinflussen die ätherischen Öle – über die Nasenschleimhaut aufgenommen und durch die Verarbeitung im limbischen System – die Psyche und wirken harmonisierend, beruhigend, belebend, konzentrationsfördernd, einschläfernd, anregend etc., aber auch desinfizierend und reinigend in der Raumluft, antiviral, antibakterizid, insektizid, antimykotisch u.v.a.m. Bei Kopfschmerzen und beginnenden Erkältungserkrankungen ist die Reaktion sehr wirkungsvoll. Ätherische Öle wirken auf viele unserer SinneBei Einreibungen verdunsten die ätherischen Öle durch die Körperwärme. Wir nehmen sie über die Nase auf, sie dringen aber auch tief in die Haut ein und verteilen sich über die Kapillaren zu den größeren Blutgefäßen über alle Blutzellen bis hin zu allen einzelnen Zellen. Sie entfalten sich zudem auch über das Lymphsystem und die Muskulatur und entfalten dort ihre Wirkung.– Für Einreibungen werden die ätherischen Öle duftfreien Cremes oder Lotionen zugefügt. AnwendungsmöglichkeitenBei Inhalationen erfolgt die Weitergabe der Wirkstoffe ebenfalls über die Atemwege / Lunge – also Riechzellen und Blutbahn weiter zum limbischen System. Hierzu geben wir 3 Tropfen ätherisches Öl auf einen ½ Liter heißes Wasser, bedecken den Kopf mit einem großen Tuch über der Schüssel und atmen die Dämpfe für etwa 10 Minuten tief ein und aus. Dabei halten wir die Augen geschlossen. Doppelte Wirkung beim BadenDie ätherischen Öle beim Bad anzuwenden ist sicherlich die sowohl schönste als auch entspannendste Methode und dabei äußerst effektiv. Auch hier erfolgt die Aufnahme der Wirkstoffe über die Haut. Die Moleküle dringen tief ein und verbreiten sich über das Blut – bzw. das Lymphsystem und erreichen die Muskulatur, wobei der Duft des ätherischen Öls über die Atmung auch die Psyche beeinflusst. Während des Badens genießen Sie also die Wirkung der ätherischen Öle sowohl über die Hautaufnahme als auch über die Inhalation. Ein Bad mit Lavendel oder Bergamotte verhilft nicht nur Ihnen zu einer wohltuenden Nachtruhe, sondern auch alten Menschen, die unter Schlafstörungen leiden. Den Bedürfnissen Achtung zollenDie Aromapflege sollte immer an den Bedürfnissen der Menschen orientiert eingesetzt werden. Der eine sehnt sich nach Wärme, die andere nach Kühle (z.B. bei Fieber). Doch es gibt noch zahlreiche andere Bedürfnisse – gerade älterer Menschen – die wahr- und ernst genommen werden wollen: Bedürfnisse nach Sicherheit, Nähe, Orientierungsmöglichkeit (klarer Kopf), Konzentration, Leichtigkeit, Freude, Geborgenheit und schlafen zu können etc. Viele sehnen sich nach mehr Appetit – nicht nur auf Essen und Trinken, sondern auch nach Aktivität, Bewegung, Lebendigkeit ... man möchte vielleicht eine „Last abatmen“. Die Erkenntnis der sanften Heilung und Pflege wurde über viele Jahre vernachlässigt und erfährt nun glücklicherweise ein ‚Come-Back‘. Die Aromapflege/Aromatherapie bietet uns die Möglichkeit, viele alltägliche Gebrechen wie Erkältungskrankheiten, Herpes, Infektionen der Verdauungsorgane auch ohne Medikamente zu lindern oder gar zu heilen. Die Aromatherapie/Aromapflege zeigt in der Regel sehr schnell positive Wirkungen. Führt die Behandlung/Anwendung nicht nach kurzer Zeit zu einer Besserung, so soll unbedingt der Arzt hinzu gerufen werden. WirkungsweisenEine antibakterielle Wirkung haben zum Beispiel die ätherischen Öle Thymian, Oregano, Bohnenkraut, Nelke und Zimt. Ebenfalls gut in der antibakteriellen Wirkung und ausgesprochen gut verträglich sind Teebaumöl, Salbei, Lorbeer und milde Sorten von Basilikum, Lavendel, Zitronengras, Rosenholz, Rose, Zitrone und Niaouli. Eine antibiotische Wirkung finden wir bei den ätherischen Ölen Teebaum und Lavendel; antivirale Wirkung hat Teebaumöl, Eukalyptusöl, Zitronenöl, Melisse und Litsea Cubeba. Zypresse eignet sich zum Beispiel bei beginnenden Halsschmerzen. (hemmt die Vermehrung der Viren). Fiebersenkende Wirkung: Basilikum, Bergamotte, Ingwer, Kamille, Melisse, Orange, Palmarosa, Patchouli, Pfefferminz, Zitrone , Lavendel, Spearmint. Für eine schleimlösende Wirkung ist das Rosmarinöl das erste Mittel der Wahl, die preiswertere Alternative ist hier das Eukalyptusöl. Ebenfalls hilfreich sind Lavendel, Pfefferminz und Niaouli. Eine hustenreizlindernde Wirkung finden wir bei den ätherischen Ölen Ingwer, Sandelholz, Schottische Pinie. In Verbindung mit der Fähigkeit, Schleim zu lösen, ist es natürlich auch sehr nützlich, wenn das Öl auch noch auswurffördernd ist. Diese Eigenschaften besitzen alle Eukalyptusöle, aber auch Cajeputöl, Ingwer, Majoran. Auch Anis und Fenchel seien hier genannt, die vor allem als Hausmittel für Kinder sehr beliebt sind. Desinfizierend wirken Limette, Teebaum, Wachholder (vernichten Keime), genesungsfördernd Basilikum, Lavendel, Limette, Majoran und Zypresse und eine das Immunsystem stärkende Wirkung haben Bergamotte, Lavendel, Teebaum, Zitrone und Niaouli. Beruhigend sind Melisse, Mandarine (besonders bei Kindern und älteren Menschen ist Indische Narde sehr beliebt, sie ist dem Baldrian in seiner Zusammensetzung sehr ähnlich, vielleicht sogar noch wirksamer und wesentlich angenehmer im Duft), Eukalyptus citriodora und Citronellöl sind preisgünstig und wundervoll beruhigend. Bei Angstzustände und Depressionen und Verbitterung sind die ätherischen Öle angebracht, die angstlösend wirken wie das Neroliöl und das Öl des echten Eisenkraut. Ein Aromabad mit Jasmin, Rose, Ylang Ylang, Geranie und/oder Muskatellersalbei) kann Wunder wirken. Auf das Nervensystem ausgleichend und stabilisierend wirken Lavendel, Melisse und Orange, das Gedächtnis steigern Basilikum, Majoran, Eukalyptus, Rosmarin, Pfefferminze, Grapefruit, Zitronen gras oder Limette. Begleitung auf dem letzten WegÄtherische Öle können aber noch mehr: sie unterstützen in der palliativen Pflege den leichteren Zugang zur Kommunikation auf dem emotionalen und spirituellen Niveau. In der geriatrischen Pflege ist der Einsatz ätherischer Öle besonders bei desorientierten, ängstlichen und depressiv verstimmtem Bewohnern hilfreich. Sie erfahren durch geruchliche Stimulierung und bei entsprechender Anwendung (Handmassage) auch über den Körperkontakt eine positive Beeinflussung ihres Befindens und erleben dadurch eine verbesserte Lebensqualität. Auch in der Sterbebegleitung kann man ätherische Öle sinnvoll nutzen: Mit Hilfe von ätherische Ölmischungen kann man versuchen, dem Sterbenden Erleichterung zu verschaffen und ihn beim Loslassen zu unterstützen. Die Begleitung geht auf Wunsch über den letzten Atemzug des Sterbenden hinaus. Auf seiner letzten Reise begleiten wir den Sterbenden in Frieden, Ruhe. Dies ist mit Hilfe ätherischer Öle sehr gut möglich. Die Einsatzmöglichkeiten ätherischer Öle sind so vielfältig und interessant. Vielleicht konnten wir ihnen einen Weg aufzeigen, sich in dieses spannende und duftende Thema mit Freude hineinzubegeben. Die Devise lautet also „Ausprobieren, begeistert sein, weiter machen...“ Aromapflege ist leicht anzuwenden, macht Spaß und benötigt nicht viel Zeit. Sie passt wundervoll in die tägliche Pflege.
Sylvia Beneke
Kontakt: www.seniorenhaus-am-park.de Tel. 0 42 71 - 95 19 15
Quelle: BALANCE 4/2008
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