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Ausgabe 1/2009 > Gruppentherapie
Gruppentherapie:
ein Mythos lebt
Als ich vor rund zwanzig Jahren mein etwas
verknülltes Innenleben glätten wollte, begab ich mich auf eine ziemlich
chaotisch verlaufende Suche nach dem richtigen Therapeuten. Schließlich
landete ich in einer Gruppentherapie, und zum ersten Mal fühlte ich mich
richtig gut aufgehoben. Ich lernte plötzlich, dass ich aussprechen
durfte, was ich wirklich fühlte und dachte, und nicht das sagen musste,
was andere von mir erwarteten. Ich konnte sein, wie ich war, ohne dass
Erwartungen an mich gestellt wurden und genoss die Freiheit, um das zu
bitten, was ich brauchte, ohne auf Erlaubnis warten zu müssen.
Es war keine der üblichen Selbsthilfegruppen, die
wir aus den 60er Jahren kennen, wo Menschen im Kreis saßen und über ihre
Probleme sprachen. Hier wurden vielfältiges therapeutisches Wissen und
Einfühlungsvermögen mit der heilsamen Energie der Gruppe vereint, um die
persönliche Balance zu finden.
Die Integration aller
Persönlichkeitsanteile
schafft Balance
Häufig sind es nicht integrierte
Persönlichkeitsanteile, die den Menschen aus der Bahn werfen. Der Mensch
verfügt über zahlreiche psychische Anteile, die sich stark von einander
unterscheiden und häufig miteinander im Kampf liegen. Werden diese
Impulse einer Persönlichkeit aus irgendeinem Grund nicht ausgelebt oder
verdrängt, fristen sie zunächst ein einsames Dasein, um sich dann
urplötzlich zurückzumelden, wenn sie die Möglichkeit haben, mit ihren
Themen in Resonanz zu gehen.
Nicht integrierte Persönlichkeitsanteile bergen ein
hohes Konfliktpotenzial und sind häufig Ursachen von Krankheiten. Will
man ein Leben in Selbstliebe und Selbstakzeptanz leben, so ist es
existenziell, alle Persönlichkeitsanteile zu integrieren.
Die Geborgenheit und Aufmerksamkeit
der Gruppe
öffnen die Wahrnehmung
Damals, in meiner ersten Gruppe, fand ich endlich
Beachtung, ohne dass ich durch Drama um Aufmerksamkeit kämpfen musste.
Neben Essen und Trinken ist es wohl wichtigste Bedürfnis des Menschen,
beachtet zu werden. „Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich
von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und
berührt zu werden.“, sagt Virginia Satir, die Begründerin der
systemischen Therapie. „Das größte Geschenk das ich geben kann, ist, den
anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies
geschieht entsteht Kontakt.“ Genau das war es, was uns allen in der
Gruppe die nötige Geborgenheit gab, um den Umgang mit unseren eigenen
unterdrückten Gefühlen neu zu erlernen.
Ich durfte sein. Und ich durfte gemeint sein, wenn
man mich ansprach. In der Kindheit hatte ich gelernt, wenn ein
Erwachsener meinen Namen rief und sagte, ich solle mal herkommen, war
der Grund meist der, dass ich in seinen Augen etwas falsch gemacht hatte
und mir eine Strafe drohte. Und damit bin ich in meiner Generation
sicher nicht die einzige. Unsichtbar zu sein war für mich als Kind eine
sichere Lösung. Konditioniert hatte ich dadurch, den Kopf einzuziehen,
wenn ich direkt angesprochen wurde. Dummerweise auch dann, wenn es hieß:
„Genau Sie sind die richtige für den Posten“ oder „Genau dich mag ich
besonders“. Statt meiner selbst gewahr zu sein, hatte ich gelernt, mich
zu ducken und einen Panzer zu tragen.
Eine Gruppe ist mehr als die Summe ihrer Mitglieder
Bewusstheit und Gewahrsein als absichtslose innere
Haltung, die wir in dieser Gruppe erlernten, war für uns die wichtigste
Basis, aus unseren Schatten hervorzutreten und endlich sichtbar zu
werden. Und dabei war es für mich wichtig, von mehreren Augenpaaren
gesehen und verstanden zu werden. Nicht nur Auge in Auge mit einem
Psychotherapeuten, den ich dafür bezahlte, mir diese Aufmerksamkeit für
eine Stunde zu geben. Die Aufmerksamkeit einer Gruppe ist nicht
käuflich. In manchen Lebens- und Entwicklungsphasen hat sicherlich auch
eine Einzeltherapie ihre Berechtigung und manchmal kann sie auch als
Vorbereitung für eine Gruppentherapie wichtig sein. Ich aber wollte
mehr. Einmal eingetaucht in die Gruppe, genoss ich den Prozess, der aus
den sich ständig ändernden Wechselwirkungen der Gruppenteilnehmer
hervorging.
Es entstand ein Raum des Vertrauens und der
Geborgenheit. Der Umgang mit unterdrückten Gefühlen wie Trauer, Schwäche
oder Scham wurde in der Gruppe neu gelernt und das Ausleben dieser
Gefühle als vollkommen natürlich erlebt.
Selbstbild und Fremdwahrnehmung
reflektiert durch
die Gruppe
Durch die Reflexion in der Gruppe kann jeder sein
Selbstbild überprüfen. Je offener und ehrlicher Menschen einander
mitteilen, wie sie einander wahrnehmen, desto besser kann jeder sein
Selbstbild reflektieren und möglicherweise anpassen. Jedes Verhalten hat
eine Wirkung und wird von Anderen unterschiedlich erlebt und beurteilt.
Durch offenes Feedback erfährt ein Gruppenteilnehmer, wie er auf Andere
wirkt. Nun kann er überlegen, ob er das so will und sein Verhalten
gegebenenfalls verändern. Dadurch werden Beziehungen geklärt. Wünsche
und Bedürfnisse, Freude und Anerkennung können ausgetauscht werden.
Ebenso können Ängste und Verletzungen angesprochen werden. Je
liebevoller das geschieht und je vertrauter der Rahmen ist, desto
intensiver ist der Heilungs- und Transformationsprozess.
Verschiedene Lebensmodelle
machen die Gruppe zum
Spiegel der Gesellschaft
Zu erkennen, dass wir nicht nur Menschen treffen, sondern innere
Welten, in denen diese Menschen leben, schafft einen grundlegend neuen
Zugang zu kollektiver Intelligenz. Die Auseinandersetzung mit den fremden Lebensmodellen, mit Konflikten, Rollen und
Persönlichkeitsanteilen und deren Integration führt zu einer Aktivierung
der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Diese sensibilisierte
Wahrnehmungsfähigkeit der inneren Erfahrungswelten ist ein großer
Schritt in Richtung des wahren Mitgefühls.
„Wie oben so unten“ oder „wie außen so innen“ – die
Gruppe ist immer ein Abbild der Gesellschaft, der Herkunftsfamilie oder
der aktuellen Konflikte der Teilnehmer. So bringt jeder Einzelne
unvermeidlich seine prägenden sozialen Erfahrungen mit in die Gruppe.
Mit Hilfe von Rollenspielen, Wahrnehmungs- oder Kommunikationsübungen,
bei denen die Mitspieler unweigerlich in einen emotionalen Kontakt
treten, werden diese Konflikte erkennbar. Die Auswertung des Erlebten
und die Reflexion in der Gruppe sind wichtige Bestandteile und haben das
Ziel, Verhaltensweisen zu verändern, Abhängigkeiten oder Ängste zu
überwinden und eine persönliche Autonomie zu erreichen. So entstehen in
der Gruppe neue Normen, von denen der Einzelne abweicht. Diese Normen
üben eine heilsame Wirkung auf den Einzelnen aus und sind spirituelle
Orientierungshilfe.
Jedes Individuum lernt oder verändert sich, wenn es
begreift, dass das, was im Gegenüber passiert, ein Spiegel seines
unbewussten Innenlebens ist. „Wie innen so außen“ – wenn die Gruppe im
Kleinen einen harmonischen Wachstumsprozess durchläuft, der von Liebe,
Mitgefühl und wohlwollender Kommunikation geprägt ist, so entsteht ein
Raum und eine Energie, die ebenfalls wie Regentropfen ihre Kreise und
Muster über die Gruppe hinaus in die Welt trägt.
Integrative Gruppentherapie
Nach einer Zeit der Heilung, in der ich mithilfe
der Gruppe meine verdrängten Persönlichkeitsanteile integrierte und zu
einem Menschen reifte, der sich selbst liebt und akzeptiert wie er ist,
folgte eine lange Zeit des Lernens. Seit sieben Jahren bin ich nun
selbst Therapeutin und schaffe meinerseits mit der integrativen
Gruppentherapie für viele Menschen Raum, aus ihrem Schatten heraus zu
treten, sichtbar zu werden und ihre persönliche Balance zu finden. Meine
Form der Gruppentherapie verbindet viele der klassischen Therapieformen
miteinander und sucht auf leichte, spielerische Art den Ausgleich und
die Integration aller Persönlichkeitsanteile eines Menschen. Die
Gruppentherapie biete ich in meiner Düsseldorfer Praxis an.
Ostara Müller, Heilpraktikerin
Nährere Informationen bei:
Integrative Gruppentherapie
Alternavita · Kühlwetterstraße 53
40239 Düsseldorf · Tel. 0211.641 35 56
E-Mail: alternavita@aol.com
www.alternavita.de
Ausbildung zum
integrativen Gruppentherapeuten
Für alle, die die integrative Gruppentherapie
erlernen möchten, startet die Ausbildung für Einzel- und
Gruppentherapeuten im Frühling 2009. Der Prozess, den die Teilnehmer der
Ausbildungsgruppe durchlaufen, ähnelt den Dynamiken, wie sie auch in
einer Therapie stattfinden. Nach der Ausbildung findet ein intensives
Coaching statt, damit die Teilnehmer ihr theoretisches Wissen direkt in
die Praxis umsetzen. Die gemeinsame Supervision erhöht die Sicherheit,
mit den manchmal heftigen Reaktionen, Situationen und Dynamiken
innerhalb einer Gruppe adäquat umzugehen. Weitere Informationen unter:
www.heilpraktikerschule-duesseldorf.de .

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