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Befreie dich von deiner Vergangenheit
Die Mutter – die größte Tür in deine Freiheit

von Robert T. Betz, Dipl-Psych.

Die meisten Menschen meiden die innere Auseinandersetzung mit der Geschichte, die sie mit ihrer Mutter (und ihrem Vater) erlebt haben. Der Preis für diese Vermeidung ist hoch. Ich behaupte, dass wir kein annähernd freies Leben führen können, solange wir innerlich nicht aufgeräumt haben mit unseren Gedanken und Gefühlen unserer Mutter gegenüber, d.h. mit den Gedanken und Gefühlen, die wir vor allem in den ersten Jahren unserer Kindheit gedacht und gefühlt haben.

Wenn Sie selbst Mutter sind, dann werden Sie sich durch diese Worte auf doppelte Weise betroffen fühlen, nämlich als Tochter wie als Mutter. Ich lade Sie ein, sich zunächst um sich selbst als Tochter zu kümmern (auch wenn Sie bereits 70 sind) und in Ihr inneres Verhältnis zu Ihrer eigenen Mutter Licht und Liebe zu bringen. Danach werden Sie weitaus besser imstande sein, Ihr Verhältnis zu ihren (vielleicht schon lange erwachsenen Kindern) auch heute noch auf eine völlig neue Grundlage zu stellen.

Ihre Mutter –  der wichtigste Mensch in Ihrem Leben

Da wir als Kind psychisch und physisch vollkommen abhängig sind von unserer Umwelt, im Normalfall von unserer Mutter, ist es nicht übertrieben zu sagen: wir sind unserer Mutter zumindest während der ersten Jahre unseres Lebens mehr oder weniger vollkommen ausgeliefert. Wir sind nicht nur davon abhängig, dass sie uns zu essen gibt, wenn wir Hunger haben, dass sie unsere Windeln wechselt, dass sie uns in jeder Situation hilft, in der wir Hilfe benötigen. Wir sind zugleich vollkommen ihren Wünschen, Ihren Vorstellungen darüber ausgeliefert, was für uns gut ist sowie ihren Launen, ihrer Willkür, Ihren Macken, ihren Verletztheiten, ihren Leiden und Sorgen. Kurzum, nichts was unsere Mutter innerlich oder äußerlich bewegt, entgeht uns als Kind. Wir können uns davon nicht abgrenzen und innerlich einfach sagen: „Mutter, diese Gedanken, diese Sorgen gehören zu dir, behalte sie mal schön für dich.“

So wie wir im Mutterbauch eine Zwangs-Einheit mit unserer Mutter bilden (denn manche Mutter ist nicht gerade erfreut darüber, dass da ein anderer Mensch in ihrem Bauch hockt und größer wird), so sind wir auch als Kleinkind gezwungen, mit dieser Frau zusammen zu sein und uns ihr vollkommen anzupassen, um zu überleben.

Das klingt dramatisch und das ist es aus der Perspektive des Kindes auch. Das Bild von der Mutter-Kind-Beziehung wird häufig geschönt oder romantisiert dargestellt. Es wird von der ‚Mutterliebe’ gesprochen, aber meist übersehen, dass die Mutter ihr Kind nicht 24 Stunden und schon gar nicht bedingungslos lieben kann. Viele Mütter sind schon bald nach der Geburt des Kindes mit diesem überfordert. Ihre Zuneigung und ihre Art der Zuwendung zum Kind schwankt erheblich, je nachdem, wie es ihnen selbst körperlich und psychisch geht. Für viele Mütter ist das Kind eine Belastung, auf die sie nicht vorbereitet wurden. Eine hohe Prozentzahl von Schwangerschaften war nicht geplant und so finden sich viele Mütter damit ab, dass sie schwanger sind. Von überschwänglicher Freude ist nur selten was zu hören. Und in fast jeder Mutter steckt noch ein verletztes Mädchen, das nicht satt geworden ist an Liebe: weder von seiner Mutter noch von seinem Vater noch später von irgendjemandem. Ein verletztes Mädchen erzieht also ein von ihr vollkommen abhängiges Kind. Was für ein Mensch – glauben Sie – kann da heraus kommen als Ergebnis?

Diese innere Befindlichkeit der Mutter führt immer zu unbewusstem Verhalten von ihrer Seiten zum Kind. Und unbewusstes Verhalten führt immer zum Brauchen des Kindes für ihre eigenen emotionalen Bedürfnisse. Dies ist immer ein Miss-Brauchen, denn das Kind ist nicht dazu da, den Bedürfnissen der Mutter zu dienen, sondern umgekehrt. Andererseits glaube ich, dass auch jede Mutter ihr Kind liebt – aber eben nur in der Begrenzung, wie sie es kann. 

Wie haben Sie Ihre Mutter erlebt?

Für unser Seelenwohl und unsere Befreiung ist es hilfreich, uns daran zu erinnern, auf welche Weise wir unsere Mutter als Kind wahrgenommen haben. Darum lade ich Sie ein, einige Fragen in sich aufzunehmen und wirken zu lassen. Diese Fragen finden Sie auch im ersten Teil meiner Meditations-CD „Die Mutter meiner Kindheit“ als Vorbereitung auf eine innere befreiende Begegnung mit unserer Mutter.

War Ihre Mutter eine anwesende Mutter oder eher oder oft abwesend?

Dies ist eine sehr wichtige Frage. Wenn Sie als Kind Ihre Mutter häufig als abwesend empfunden haben, sei es wegen ihrer Berufstätigkeit oder weil sie soviel anderes zu tun hatte, z.B. viele Geschwister zu versorgen hatte oder sich mehr um ihren Mann gekümmert hat, dann haben Sie als kleines Kind hierauf innerlich re-agiert.

Es hat Ihr Gefühl von Geborgenheit in dieser Welt und von Vertrauen in das Leben mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr beeinflusst, und zwar auf negative Weise. Kinder, die ihre Mutter häufig oder eher als abwesend wahrnehmen, denken z.B. ‚Mütter (oder Frauen) verlassen einen oft. Oder: ‚Auf Frauen/Mütter kann man sich nicht verlassen.’ Oder: ‚In dieser Welt ist man oft allein.’ Oder noch einfacher: ‚Ich bin allein.’

Kinder, die als Kind solche oder ähnliche Gedanken von Allein- oder Verlassen-sein gedacht haben, fühlen sich auch als Erwachsene innerlich meist allein und verlassen. Sie versuchen, dieses Gefühl entweder zu verdrängen, weil es schmerzt oder sie versuchen, es zu kompensieren, indem sie sich einen Partner suchen, der sie bitte nicht wieder allein lassen soll. Aber kein noch so liebender Partner kann die alte Wunde der Verlassenheit heilen, solange der erwachsene Mensch seine eigene Schöpfung nicht durchschaut und erkennt, dass er sich mit seinen unwahren Gedanken selbst allein gelassen hat und bis heute Einsamkeit, Verlassenheitsgefühl und ähnliches produziert und nährt.

War die Mutter andererseits ständig anwesend und um das Kind herum, kommt es darauf an, wie das Kind ihre Anwesenheit empfunden hat.  War die Mutter einfach präsent und da, sobald das Kind sie rief oder brauchte, oder war sie auf kontrollierende, überbehütend-ängstliche Weise ständig um das Kind herum, auch wenn dieses nicht nach ihr verlangte? Im letzten Fall kann die anwesende, kontrollierende und sorgenvolle Mutter zum einem Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins im Kind geführt haben. 

Solche Kinder können sich auch als Erwachsene nur schwer oder kaum aus der inneren Abhängigkeit von der Mutter lösen. Sie können dies leicht selbst prüfen bei sich: Was empfinden Sie, wenn Ihre Mutter Sie abends anruft und fragen würde, was Sie denn am Tage so alles gemacht haben? Oder wenn Sie sagt, dass ihr Ihr neuer Partner gar nicht gefällt.. Oder wenn Sie bei einem Besuch bei Ihnen sagen würde: „Wie sieht’s denn bei dir aus?“  An Ihrer inneren Reaktion von Ärger, Beklemmung, Wut oder sonst was ist nicht ihre Mutter schuld. Es sind Ihre eigenen unfreien Gedanken über sich selbst, die sie in solche Abhängigkeitsgefühle hineinmanövriert haben. Oder anders gesagt: Das kleine Kind in Ihnen glaubt immer noch an seine Gedanken von damals wie: ‚Mutter lässt mich nicht in Ruhe. Sie lässt mich nicht so sein, wie ich sein will. Sie will mich ändern. Ich halte diese Frau nicht aus.’ usw.

War Ihre Mutter eine starke oder eine schwache oder gar leidende Frau aus Ihrer Sicht als Kind?

Auch diese Frage ist von großer Bedeutung. Denn Ihre Mutter ist die erste Frau, die Sie als Kind erleben und da Sie in der Regel keinen Vergleich mit anderen Frauen haben (so wie das früher in Großfamilien möglich war), schließen Sie von dieser Frau zunächst auf alle Frauen der Welt. Wenn Sie Ihre Mutterbeziehung nicht liebevoll anschauen und aufarbeiten, suchen Sie sich,  wenn Sie ein Mann sind, später eine Frau, die Ihrer Mutter sehr ähnlich ist oder das genaue Gegenteil und wenn Sie eine Frau sind, ertappen Sie sich früher oder später mit Eigenschaften an sich selbst, die sie damals an Ihrer Mutter abgelehnt haben.

Oder Ihr Partner entdeckt diese an Ihnen und sagt Ihnen dies in einer Stunde der Verstrickung mit den Worten: „Du bist genauso wie deine Mutter !“  Und wenn Sie das trifft und es weh tut, dann können Sie davon ausgehen, dass er recht hat.

Ist Ihre Mutter eine schwache oder leidende Frau gewesen, dann lohnt es sich zu erinnern, an was genau sie gelitten hat. War es ihr Vater, unter dem sie gelitten hat? War es ihr eigener kranker oder kränklicher Körper? Waren es ihre Mutter oder ihr Vater, an denen Ihre Mutter litt. Die Folgen schwacher oder leidender Elternteile, insbesondere Mütter, sind für das heranwachsende und später erwachsene Kind enorm. Warum?

Ein Kind ist – auch nach der Geburt  – ein ‚offenes Wesen’, d.h. ein vollkommen offenes Energiesystem, das sich nicht gegen die Energien seiner Eltern wirksam abgrenzen kann. Jedes Leiden und jede Schwäche berührt das Kind innerlich; ja mehr noch: jedes Kind versucht instinktiv, die Mutter (oder auch den schwachen Vater) zu entlas-ten und sagt innerlich zu ihm: „Mama (Papa) ich helfe dir oder ich will dich retten. Ich nehme dein Leiden auf mich und trage es für dich.“ Dies tun Kinder nicht aus Liebe, sondern aus Gründen der vermeintlichen Selbsterhaltung. Da das Kind sich völlig abhängig von Mama und Papa fühlt, glaubt es letztlich, selbst sterben zu müssen, wenn Mama an ihrem Leiden oder ihrer Schwäche stirbt. Ein Leben ohne Eltern kann sich ein kleines Kind einfach nicht vorstellen. Das Kind ist in seinem Bewusstsein noch EINS mit Mutter und Vater; es weiß innerlich noch, dass es aus beiden hervorgegangen ist.

Auf diese Weise nehmen wir als Kind eine Menge an Energien von seiten der Mutter und des Vaters in uns auf, die uns später als Erwachsene zu schaffen machen, sei es, dass wir uns als ähnlich depressiv-traurig fühlen oder mit unterdrückter Wut durch die Welt laufen oder die gleichen oder ähnlichen Körpersymptome wie z.B. Leiden an diesem oder jenem Organ, Kurzatmigkeit, Schilddrüsenprobleme, unterdrückte Wut, Migräne, Magen- und Verdauungsprobleme usw.. Diese Dinge sind buchstäblich übernommen und gehören nicht originär zu uns selbst. Erkennen wir dies erst einmal, können wir diese Dinge unserer Mutter auch wieder zurückgeben.

Haben wir als Kind bewusst oder unbewusst versucht, Mama aus ihrem Leiden zu retten, dann betreiben wir dieses „Hobby“ in der Regel auch als Erwachsene weiter, indem wir Menschen anziehen, um sie vermeintlich retten zu können. Die Welt ist voll von Kümmerer-Frauen und Kümmerer-Männern. An diesen Aufgaben beißen wir uns dann jedoch die Zähne aus bzw. machen uns solche Rettungsversuche nicht glücklich. Auf dieser Welt müssen Sie niemanden retten, außer sich selbst.

Ganz besonders oft sind leidende Mütter solche, die sich für die anderen, für Mann, die Kinder, die Eltern und noch andere aufopfern. Solche Mütter ‚verfolgen’ uns auch später oft noch mit ihren Sorgen, die sie sich ständig und chronisch wegen jeder Kleinigkeit machen. Solche Mütter sind – so gut sie es meinen – für ihre Kinder eine immense Belastung und erzeugen in ihnen eine Menge an Schuldgefühlen, Ängsten und wiederum Sorgen. Kleine Mädchen, die solche Mütter wahrnehmen, glauben, dass dies ein Zeichen einer guten, liebenden Mutter ist, wenn sie sich viele Sorgen macht, sich aufopfert und erst zuletzt an sich selbst denkt. – Wenn es solche Mütter einmal nicht mehr auf der Erde gibt, wird diese Erde glücklichere Menschen beherbergen.

Wie hat Ihre Mutter ihre Weiblichkeit gelebt?

Diese Frage ist sowohl für Mädchen als auch für Jungen von Bedeutung für das spätere Frau- bzw. Mann-Sein. Wenn die Mutter aufgrund ihrer Erziehung und späteren Entwicklung nicht gelernt hat, ihr Frau-Sein und ihre Weiblichkeit und Sexualität mit Freude zu leben, hat die später erwachsene Tochter auch mit großer Wahrscheinlichkeit Probleme, zu ihrem weiblichen Körper, zu sexueller Lust und Hingabe und zu weiblichen Eigenschaften wie Vertrauen, Geschehen-Lassen, Empfangen u.a. zu stehen bzw. diese zu leben.

Eine Mutter, die ihre Weiblichkeit nicht schätzt, ehrt und mit Freude auslebt und zeigt, kann ihre heranwachsende Tochter nicht angemessen auf das Frau-Sein und seine Schönheiten vorbereiten oder sie hierzu ermutigen. Oft genug hieß der erste Kommentar der Mutter auf die erste Monatsblutung ihrer Tochter: ‚Jetzt hast du diese Schweinerei auch!’ Welche Einführung in das Frau-Sein!

Viele Frauen haben bereits als Mädchen eine innere Abneigung und Abwertung zum Frausein von ihrer Umwelt (ihrer eigenen Mutter, vom Vater und von anderen) übernommen.  Dies führt natürlich zu einer Abwertung der eigenen Person und häufig zu dem unbewussten Wunsch, lieber einen Jungen haben zu wollen als ein Mädchen. Nicht nur Väter wollen häufig lieber einen Jungen.

Viele Kinder hatten – aufgrund des schamhaften Verhaltens der Mutter – nie die Gelegenheit, ihre Mutter einmal nackt zu sehen, obwohl sie doch in diesem Körper neun Monate lang aufwuchsen. Sie nehmen ihre Mutter also kaum als körperliches Wesen wahr. Solche Mütter stehen den Kindern dann auch selten zum Knuddeln, Kuscheln, Schmusen, Streicheln und Halten zur Verfügung, Dinge, nach denen jedes Kind geradezu lechzt.

Die Abneigung der Mutter ihrem eigenen Körper gegenüber vererbt diese geradezu an ihre Tochter. Jedes Kind nimmt mit tausend Antennen alles wahr, was Mutter denkt und fühlt. Und das Verhältnis der Mutter zu sich selbst ist und bleibt das wichtigste Modell des Mädchens für sich selbst und des Jungen für seine erste Partnerwahl.

Krankheiten an spezifisch weiblichen Organen wie Brüsten, Gebärmutter und Eierstöcken (inkl. Blasen-Entzündungen) deuten auf ein verletztes Verhältnis zum eigenen Frau-Sein hin, dessen Ursache in den meisten Fällen in der frühen Mutterbeziehung liegt. Bei Gebär-Mutter-Krankheiten können Sie schon vom Namen mit Sicherheit darauf schließen, dass es mit der eigenen Mutter der Kindheit etwas zu klären gibt.

Was waren die Erwartungen und Wünsche Ihrer Mutter an Sie? 

Es ist äußerst nützlich, sich noch mal daran zu erinnern, was meiner Mutter wichtig war an meinem Verhalten. Wann war ich für sie in Ordnung? Wann hat sie mich gelobt? Was konnte sie an mir nicht leiden oder was hat sie mir verboten? Wann oder wofür wurde ich von ihr bestraft?

Ein Kind registriert bereits in frühestem Alter alles, was Mutter gefällt und was ihr nicht so gefällt. Und dies nicht nur bei sehr starken Emotionen, sondern auch schon die kleinen Regungen, ein Lächeln hier, ein Stirnrunzeln dort, bekommt das Kind voll mit.

Für das Kind erscheint es überlebenswichtig, ein Maximum an Aufmerksamkeit von seiner Mutter zu erhalten. Aufmerksamkeit, Bestätigung, wahrgenommen Werden, Beschäftigung mit ihm, Lächeln, Anerkennung, gefühlte Wertschätzung sind die wichtigste Nahrung für ein Kind. Hieraus bezieht es Energie, Freude, Liebe, Selbst-Bewusstsein, innere Ruhe und Gesundheit. Wird ein Kind konsequent ignoriert, wie Luft behandelt, stirbt es, wie US-Experimente in den 60er Jahren ergeben haben, obwohl es alles erhalten hat, was es physisch für seinen Körper benötigt.

Das Kind versucht also, hiervon so viel von seiner Mutter zu bekommen, wie nur möglich. Um dies zu erreichen, passt es sich ihren Erwartungen weitgehend an. Wenn die Mutter es beispielsweise kritisiert oder mit Liebesentzug bestraft, wenn es laut schreit oder wütend ist, wird sich das Kind mit der Zeit diesem Mutterwunsch anpassen und sich innerlich zunächst sagen: ‚Ich darf nicht wütend sein, wenn ich geliebt werden will.’ Aus dieser Erkenntnis heraus trifft das Kind dann eine Entscheidung, die dann heißt: ‚Ich will nicht wütend sein.’ Oder: ‚Ich bin nicht wütend.’ Diese Entscheidung hat insbesondere die überwiegende Mehrzahl von Frauen getroffen, als sie noch ein Mädchen waren und die Mehrzahl der Männer hat sich als kleiner Junge schon entschieden: ‚Ich will keine Angst haben.’ ‚Ich darf keine Angst haben’: Denn kleine Mädchen werden bis heute von Müttern und Vätern abgelehnt, wenn sie laut, frech und wütend sind und kleine Jungs, wenn sie empfindsam oder ängstlich sind. In den Köpfen von Müttern und Vätern geistern immer noch stereotypische Vorstellungen darüber herum, wie ein richtiges Mädchen und ein richtiger Junge zu sein haben.

Diese Schwüre, die wir als Kind einmal getroffen haben, wie ‚Ich will oder ich darf nicht wütend sein oder ich darf und ich will keine Angst haben und zeigen, dürfen und sollten wir als Erwachsene wieder zurücknehmen. Viele Krankheiten sind darauf zurückzuführen, dass wir gerade diese Gefühle nie bejahend gefühlt und nie gelernt haben, bejahend zu fühlen. Zum Beispiel sind die meisten Migränekrankheiten bei Frauen darauf zurückzuführen, dass hier Wut und Ärger unterdrückt wurde und dann in unserem Körper zu Drucksymptomen führte. Die Unterdrückung von Ängsten bei Männern führt unter anderem dazu, dass sich das Herz verschließt und es dadurch zu Verschlüssen der Herzkranzgefäße kommt und Herzinfarkte die Folge sind.

Eine Entscheidung für Klarheit, Frieden und Freiheit

Wenn es Ihnen nach dem bisher Gesagten auch nur ein wenig dämmert, wie stark Ihr inneres Verhältnis zur Mutter Ihrer Kindheit bis heute Ihr Leben und Ihre Befindlichkeit beeinflusst, dann reift in Ihnen vielleicht die Bereitschaft oder der Wunsch, eine Entscheidung zu treffen. Ich möchte Sie motivieren, sich zu entscheiden für Klarheit, Frieden und Freiheit in der inneren Beziehung zu Ihrer Mutter der Kindheit. Hierbei ist vollkommen gleichgültig, ob Ihre Mutter noch in ihrem Körper auf der Erde lebt oder ob sie schon auf die andere Ebene gegangen ist.

Auch Menschen, die vor dem Tod ihrer Mutter mit ihr Frieden geschlossen und sich mit ihr versöhnt haben, sind noch lange nicht im Frieden und in der Freiheit, was ihre Beziehung zur Mutter der Kindheit angeht. Hier irren sich sehr viele Menschen. Denn das, was da in den ersten fünf, sechs Jahren in und mit uns geschehen ist, war für die meisten Kinder so schmerzhaft, dass wir es tief nach innen verdrängen mussten, um damit leben zu können.

Sagen Sie sich also: ‚Ich wünsche mir von Herzen Frieden mit meiner Mutter. Ich wünsche mir, das Verhältnis mit meiner Mutter vollkommen in die Klarheit zu bringen. Ich möchte, dass meine Mutter frei von mir ist und ich frei von ihr bin. Wenn meine Mutter heute vor mir stehen würde, möchte ich ihr liebevoll ‚Danke, Danke, Danke!’  sagen können für alles, was sie für mich getan hat und ich möchte ihr sagen können: Mutter, ich liebe dich!.’ Frage: Könnten Sie das heute schon?

Der Weg zum Frieden mit der Mutter der Kindheit beginnt also mit dem ausgesprochenen Wunsch: „Ich wünsche mir von Herzen Frieden mit dir, liebe Mutter.“ Wenn Sie diesen Wunsch aussprechen können, dann werden Sie von Ihrer inneren Führung einen Weg geführt, der früher oder später in ein friedliches und freies Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrer Mutter führt. Noch einmal: Wir können nicht unser eigenes Leben in Freiheit leben und gestalten, wenn wir im Innern noch mit unserer Mutter verclincht und verstrickt sind. Das muss kein Streit-Verhältnis sein. Viele Menschen, die glauben, dass zwischen ihnen und ihrer Mutter alles im Frieden sei, müssen bei näherer Untersuchung feststellen, dass dieser Friede ein Scheinfrieden ist, der mit einem hohen Maß an Verstrickung, also Unfreiheit, zwischen beiden verbunden ist.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Vortrag Die Mutter deiner Kindheit, der ebenso wie die gleichnamige empfohlene Meditation auf CD erhältlich ist.

Weitere Infos unter:

www.robert-betz.de

 

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