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Ausgabe 3/2009 > Yoga
Yoga
Was ist das denn nun genau?
Dehnende Bewegungen in einzelnen Stellungen, fließende Bewegungen, die sich aneinander reihen, wodurch sich Sehnen und Muskeln dehnen, das Rückgrat mal strecken, mal beugen und die Atmung möglichst mit den Bewegungen in Einklang bringen …
Was ist das, was wir flächendeckend in Fitnesskursen, Vereinen und Sportgruppen voll im Trend angeboten bekommen und üben?
Die Antwort scheint leicht zu geben. Denn natürlich ist genau es das, was wir tun: Durch körperliche Bewegungen Fitness erreichen – eben Gymnastik!
Yoga – ideal für jedermann
Diese harmonische Form der Gymnastik, die richtig gelehrt und geübt, besonders die inneren Muskeln und Sehnen beweglich, d.h. flexibel macht, stammt aus dem alten Indien und wurde dort vor Jahrhunderten von den indischen Tempeltänzern entwickelt. – Schwierigste Bewegungen durch eine extrem hohe Beweglichkeit optisch als Übungen der Leichtigkeit darzustellen war und ist das Ziel dieser sehr schönen, alten indischen Tanzform.
Die Übungen basieren auf dem Vorhandensein von zwei Elementen, dem Schöpfungsdual des Lebens, das uns in der westlichen Welt nach seinem Inhalt als Ying- und Yang-Symbol bekannt wurde und in Asien unter dem Begriff „Ausdruck der Lebensenergie = Tai Chi“ bezeichnet wird.
Die ausgewählten Bewegungsformen dieser Gymnastik wurden in Indien in großer Kenntnis über die menschliche Anatomie entwickelt. Im „Nebeneffekt“ stärken diese Übungen, wenn sie regelmäßig und intensiv mit kontrollierter Atmung trainiert werden, zentral das Herz, damit den Kreislauf und schaffen so die Versorgung der Organe, die dadurch kräftiger, leistungsfähiger also gesünder werden.
Darüber hinaus nimmt die Flexibilität der Sehnen, Bänder und Muskeln zu, werden die Gelenke beweglicher, wird der Gleichgewichtssinn gefördert, der somit zu einer höheren Bewegungssicherheit – vor allem Trittsicherheit – führt. Werden diese Übungen mit entspanntem tiefen Atem verbunden, wirkt dieser beruhigend auf den Körper; das Denken, Fühlen und führt zu einer ganzheitlichen Entspannung.
Durch dieses „Loslassen“ wird im Laufe des regelmäßigen Übens über Jahre das Denken ruhig und das Empfinden mit mehr innerer Klarheit „durchströmt“.
Ganzheitliche Ruhe, Entspannung und daraus entstehende positive Elemente im menschlichen Wahrnehmen führen zu einem harmonischen Gesamtzustand. Dieser tritt jedoch nur dann ein, wenn wir über die gymnastischen Übungen hinaus die Empfindungen der Denk- und Fühl-Ruhe als harmonische Kraft auch in unser tägliches Leben praktisch einbinden, was uns der berühmte Satz „In der Ruhe liegt die Kraft“ verdeutlichen will, den die Asiaten noch etwas tiefsinniger formulierten, mit den Worten:
„Wo Deine Konzentration ist, da bist Du.
Wohin Du sie lenkst, zu dem wirst Du!“
Gesundheitsprävention pur
Kurzum, diese indische Gymnastik ist ganzheitlich gesehen Gesundheitsprävention pur!
Sie verkürzt zudem Heilungsprozesse, beschleunigt und erreicht Heilung. Diese aus Indien kommende indische Gymnastik, die als „Hatha-Gymnastik“ bekannt wurde, sollte aufgrund ihrer positiven physischen, mentalen und emotionalen Aspekte jeden Menschen zugänglich gemacht werden, Pflichtprogramm in den Schulen sein! Denn durch diese Übungen könnte unser Gesundheitssystem und deren hohen Kosten stark entlastet werden, was nicht nur dem Einzelnen, sondern auch der Gemeinschaft zugute kommen würde.
Yoga ist keine Gymnastik!
Die Vorteile der indischen „Hatha-Gymnastik“ sind also unbestritten vorhanden und daher sehr empfehlenswert.
Im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch wird das indische Gymnastiksystem als „Hatha-Yoga“ bezeichnet.
Was aber soll diese intensive homogene Gymnastik nun mit „Yoga“ – der direkten bewussten Vereinigung mit (in) Gott – zu tun haben?
Sollte es möglich sein, durch die schwierigen gymnastischen Stellungen, z.B. der „Kröte“ – bei der wir auf beiden Händen stehen und die Beine an den Seiten in der Luft halten oder gar der „Spinne“, bei der wir die seitwärts gehaltenen Beine nun über die Schultern am Kopf vorbei führen - „Gott“ damit beeindrucken und ihn erreichen zu können?
Wenn dem so wäre, würden dann alle unsportlichen Menschen – insbesondere wenn sie keine indische Gymnastik machen – keine Chance haben „Gott“ je zu erreichen?
So stellt sich uns die Frage, wie der Weg, der laut der authentischen Yoga-Lehre direkt zu Gott führen soll, überhaupt zu begehen ist.
Yoga - ein Weg zu Gott?
Die beiden ursprünglichen Quellen der Yoga-Lehre geben darüber eindeutige Auskunft. In dem Jahrhunderte alten indischen Lehrbuch des Yoga, der Bhagavad-Gita, wird prägnant und klar erklärt, was und wie Yoga zu üben ist. – Lesen wir, was die Bhagavad Gita (im 6. Gesang, Shloka 12 und 13) über Yoga-Übungen aussagt:
...Gemüt und Herz auf den Einen richtend,
ein Meister (im Beherrschen) seiner Sinne und Gedanken.
In seinem Sitze aufrecht ruhend (entspannt), sorgenfrei
soll er den Yoga üben, um die Reinheit
der gottergebenen Seele zu erlangen.
Sein Körper, Kopf und Hals sei (gerade) aufrecht unbewegt (im Sitzen)
und fest auf seiner Nasenspitze sollen seine Augen (geschlossen) haften…*
Die Augen, mit denen wir physisch sehen, werden hier also zur Ruhe gebracht und fixiert, damit wir unsere Konzentration besser auf das Geistige dritte Auge, das in der Kopfmitte sitzt, richten können. Erweckt ist es das Wahrnehmungs-Zentrum unserer inneren geistigen Schau (der sog. 7. Sinn).
In der zweiten ursprünglichen Quelle, in seinem berühmten Kommentar zur Yoga-Lehre bestätigt Patanjali die vorgenannten Anweisungen der Bhagavad-Gita in seinen „Yoga-Sutren“:
Vers 45 – Durch Hingabe an Gott erlangt man die vollkommene Versenkung.
Vers 46 – Die Sitzhaltung soll (dabei) fest (aufrecht) und angenehm sein.
Vers 47 – Diese (eine) Sitzhaltung soll man in völliger Entspannung und in einem Zustand der Betrachtung des Unendlichen einnehmen.
Beide Textquellen beschreiben unmissverständlich, dass es sich beim Yoga nicht um gymnastische Übungen handelt, sondern ausschließlich darum geht, sich in einem konzentrierten geraden Sitz zu versenken.
Für Anfänger genügt der offene Lotussitz, für Fortgeschrittene der Lotussitz
Das Denken und Fühlen soll durch den geraden, aufrechten Sitz zur Ruhe kommen, wodurch innerlich eine Entspannung, eine Leere entsteht, durch die wir innere Erfahrungen aufnehmen. Diese führen uns im Laufe der Zeit immer mehr zum Verstehen der reinen Yoga-Lehre und damit zum Einklang mit dem Yoga – der Vereinigung in/mit Gott -.
Ziel der Yoga-Lehre
In der Bhagavad-Gita - 18. Gesang, Vers 61 - wird das wahre Ziel der Yoga-Lehre in sehr schönen Worten beschrieben:
„Ein Meister wohnt im Inneren der Geschöpfe und hat nur im Menschenherzen seinen Thron“.
Durch aufrechtes Sitzen, Leere in der Versenkung und der Aufnehmen von inneren Lehren sollen wir also eines Tages bis zum eigenen Zentrum, dem Herzen vordringen, um darin „den Meister“ – die Gottkraft – in uns zu treffen, die in jedem Menschen wirkt!
Die Inhalte der Yoga-Lehren sollen uns helfen, unser eigenes Denken, Fühlen, Sprechen und Handeln - gerade auch in der äußeren Welt – bewusst zu veredeln, wodurch wir Harmonie in unsere Umgebung ausströmen.
Der „YOG“ will auf diesem Wege jeden Menschen die „Ethik“ der Evolution und seines eigenen Wesens deutlich machen, durch die wir dann - laut dieser indischen hohen Lehre – zur bewussten Verbindung mit der Gottenergie kommen, dem Yoga!
Fazit
Das Yoga, die Verbindung mit Gott, hat mit indischer Gymnastik rein gar nichts zu tun, belegen die Original-Lehrtexte eindeutig durch sich selbst deutlich. Yoga bringt also völlig andere Voraussetzungen mit sich, als dies gymnastische Körper-Übungen tun. Gymnastische, zudem schwierige Übungen gibt es nicht auf dem Yoga-Weg, der gerade durch seinen einfachen o.g. aufrechten Sitz jederzeit für jeden – auch für ältere und unsportliche Menschen – möglich ist.
Dies bestätigen auch die wahren Yogis, u.a. Yogananda, der in seinen Vorträgen ausdrücklich darauf hinweist, dass die Hatha-Übungen rein gar nichts mit dem wahren Yoga zu tun haben.
Yoga und die indische Sport-Gymnastik sind also zwei völlig verschiedene Disziplinen, die keinerlei Gemeinsamkeiten haben und daher nicht als ein einheitliches System bezeichnet werden dürfen.
Info
Authentisches Yoga nach der Bhagavad-Gita und den Lehren Pantanjalis bietet seit 1952 der Studienkreis für Empirische Evolutionsforschung an. Interessierte können sich gern vertrauensvoll an uns wenden. E-Mail: evolutionskreis@aol.com, Telefon: 030-8520447.
* Sanskrit-Übersetzung von Edwin Arnolds, ins Deutsche übertragen von Dr. Franz Hartmann.

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