|
|
Startseite > Ausgabe 4/2009 > Der Vater
Der Vater deiner Kindheit
Die Tür in deine Freiheit
Die Bedeutung, die das Thema "Vater (bzw. Mutter) der Kindheit und Jugend" für unser heutiges Leben hat, wird immer noch sehr unterschätzt. Egal, wie lange Ihre Kindheit her und egal wie lange Ihr Vater vielleicht schon nicht mehr auf dieser Erde ist: Was es bis heute tief in Ihnen fühlt und denkt über ihn, über sich als Kind Ihres Vaters und über Ihre Kindheit, das prägt Sie und wirkt sich massiv auf alle Lebensbereiche aus.
Dieser Vater der Kindheit lebt in Ihnen – und zwar meist so, wie Sie als Kind und Jugendlicher über ihn gedacht, geurteilt und gefühlt haben. Denn das Kind, das Sie damals waren, das kleine Mädchen oder der kleine Junge – auch dieses Kind lebt noch immer in Ihnen mit all seinen Wünschen, seiner Sehnsucht nach Liebe, mit seiner Wut, seinem Hass, seinem Alleinsein- oder Verlassenheitsgefühl, mit seinen Ängsten und seinem Ja oder seinem Nein zum Leben.
Meist hat dieses Kind – haben wir in unserer Kindheit ‚Nein’ gesagt zu diesem Leben und meist auch ‚Nein’ zu diesem Vater. Die Folgen dieses ‚NEINS’ müssen wir bis heute ausbaden, jeden Tag.
Es geht in der Klärung des Vater- und Mutter-Verhältnisses um weit mehr als darum, Frieden zu schließen. Es geht immer um mindestens drei Ziele, die wir im Verhältnis zu Vater und Mutter der Kindheit anstreben dürfen: um Klarheit, um Frieden und vor allem um Freiheit. Unsere Aufgabe als Erwachsener ist es, sowohl uns selbst innerlich aus den Verstrickungen der Kindheit zu befreien als auch unsere inneren Eltern in die Freiheit zu entlassen.
Ja, unsere Eltern – egal wo sie sich befinden – warten bis heute darauf, dass wir ihnen durch unseren persönlichen Prozess von Klärung, Vergebung, Versöhnung, Würdigung, Dank und Ehrung, die Freiheit wiederschenken, die auch wir ihnen genommen haben.
Die abwesenden Väter
Aus der Perspektive des Kindes gesehen und wahrgenommen, können wir die meisten Väter als ‚abwesende’ Väter bezeichnen. Sie sind physisch einfach nicht da – sie sind auf der Arbeit, unterwegs und im Falle einer Scheidung zeitweise oder sogar völlig aus dem Blickfeld des Kindes verschwunden.
In Kindern, deren Väter oft durch Abwesenheit glänzten oder die Mutter mit den Kindern allein ließen, denkt es sehr häufig Gedanken wie „Männer sind meist nicht da.“ Oder: „Männer gehen immer weg, sie verlassen einen immer wieder“ Oder: „Auf Männer kann man sich nicht verlassen“. Was glauben Sie, erfährt die später erwachsene Frau, die sich als Kind angewöhnt hat, solche Gedanken über ihren Vater zu denken und diesen dann auf Männer zu verallgemeinern? – Genau, sie zieht häufig Männer an, die sie wieder verlassen, die nie da sind, die ein paar hundert Kilometer entfernt wohnen oder die ständig beruflich unterwegs sind.
Die Sehnsucht nach Papas Liebe
Jedes Kind sehnt sich nicht nur nach der Liebe von Mama, sondern auch immer nach der Liebe von Papa. Selbst das Kind, das seinen Vater nie gesehen hat, weiß im Inneren, dass es einen Papa hat. Nur wenige Väter können diese Sehnsucht des Kindes, wahrgenommen, wichtig und ernst genommen zu werden, gehalten, gestreichelt und geliebt zu werden, wirklich erfüllen. Fragen Sie sich selbst einmal, ob Sie damals satt geworden sind von Papas Liebe. Wie oft hat er Sie in den Arm genommen, getragen, gehalten, aufgefangen und mit Ihnen geschmust? Waren seine Arme für Sie immer offen, wenn Sie sich als Kind nach seiner Liebe sehnten?
Dies haben die Wenigsten erlebt und damit eine Erfahrung des Mangels gemacht, die auch heutige Kinder noch häufig, wenn nicht in den allermeisten Fällen machen. Sie hinterlässt in Jungen und Mädchen einen Hunger, eine Leere, eine tiefe Sehnsucht. Die später erwachsene Frau versucht diese Sehnsucht oft durch einen Mann zu stillen, doch nur um zu erfahren, dass auch dieser sie nicht satt machen kann oder dass auch dieser sie – wie Papa – nicht wirklich wahrnimmt, nicht ernst nimmt oder Probleme mit Zärtlichkeit und Liebkosung hat. Der später erwachsene Mann versucht diese Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe durch Papa zu stillen, indem er sich nicht selten in seinem Chef eine Ersatzperson sucht und nach dessen Anerkennung, Würdigung und Wertschätzung lechzt. Doch innerlich satt werden kann er dadurch nie.
Je mehr einer Tochter der Vater und seine Liebe gefehlt hat, desto mehr wird sie dazu tendieren, in ihrem Leben Vater-Männer anzuziehen, mindestens 7 bis 10 Jahre, wenn nicht weit älter als sie. Daran ist nichts zu kritisieren, aber es hat natürlich immer Folgen. Z.B. dass sie innerlich immer diese nach Liebe hungrige Tochter bleibt und auch im Bett nicht mit einem gleichwertigen Partner Sex hat, sondern immer mit einem Papa-Ersatz.
Je mehr einem Sohn der Vater und dessen Liebe gefehlt hat, desto schwerer wird es ihm als Beziehungspartner fallen, seinen Partnerinnen das Gefühl von stabiler Sicherheit oder die ‚Schulter zum Anlehnen’ zu bieten, nach der sie sich sehnen.
Um die Sehnsucht des Kindes in uns zu stillen, um satt zu werden, dürfen wir uns innerlich genau diesem Papa der Kindheit zuwenden. Zunächst ist es wichtig, uns selbst diese Sehnsucht bewusst zu machen und den damit verbundenen Schmerz zu fühlen. Dann – in der Begegnung mit ihm – können wir unserem Vater von dieser Sehnsucht erzählen und das Schönste, wir können heute – auch 50 Jahre nach unserer Kindheit – von diesem Mann all die Liebe empfangen, nach der wir uns in der Kindheit gesehnt haben. Aber diese Liebe kommt nicht automatisch zu uns; wir dürfen uns auf sie hinbewegen, indem wir uns liebevoll und achtsam diesem Vater der Kindheit zuwenden.
Unser Vaterbild ist meist von der Mutter vermittelt
Um Licht in das innere Verhältnis zu unserem Vater zu bringen, sollten wir uns erinnern, wie unser Bild von unserem Vater in uns damals entstand. Bei den meisten Kindern ist es die Mutter, die in Anwesenheit der Kinder Bemerkungen über den Vater fallen lässt. Nicht selten kritisiert sie ihren Mann, gibt ihm die Schuld an ihrem Nicht-Glücklichsein und stellt sich als Opfer ihres Mannes dar. Selbst wenn sie das nicht offen mit Worten tut, spürt jedes Kind, was Mama über Papa denkt und fühlt. Das kann keine Mutter verhindern. Dieser Vorgang bringt das Kind in arge innere Bedrängnis. Es begreift den Appell von Mama, sich auf ihre Seite zu schlagen und mit ihr gemeinsam gegen Papa Position zu beziehen. Das Kind aber, das innerlich auch immer Papa liebt, fühlt diese Unstimmigkeit und sieht sich zu einem inneren psychischen ‚Spagat’ zwischen Mama und Papa gezwungen. Zu den Kosten dieses Spagats gehört eine ordentliche Portion an Schuldgefühlen.
Was Mutter über Papa in frühen Kindheitsjahren erzählt, wird zum Fundament des Männer-Bildes in Töchtern wie in Söhnen, denn das Kind lernt, auf die Männer dieser Welt durch die Brille seiner Mutter zu schauen. Das heißt, im Kind entsteht ein sehr verzerrtes Männer-Bild, das erst durch den Klärungsprozess mit der Mutter der Kindheit eine Korrektur erfahren kann.
Obwohl es das Gegenteil will, wird das Mädchen in der später erwachsenen Frau häufig Männer anziehen, die erstaunliche Ähnlichkeiten mit den Eigenschaften oder Verhaltensweisen von Papa aufweisen. Denn hier wirkt – wie so oft im Leben – das Energiegesetz: Das, was du ablehnst, das ziehst du an!
Auch für den kleinen Jungen ist die offene oder versteckte Kritik der Mutter am Vater – also ihre Nicht-Würdigung des Mannes an ihrer Seite – eine schmerzhafte und schwierige Angelegenheit. Er ist der Sohn dieses Mannes, den Mutter angreift. Aus Loyalität zur Mama, stellt er sich häufig auf deren Seite und verurteilt und verachtet Papa mit ihr. Hierdurch verliert er jedoch innerlich seinen Vater. Ja mehr noch. Er muss sich innerlich von all den (männlichen) Eigenschaften seines Vaters distanzieren, die seine Mutter verurteilt. Es denkt folglich in ihm: ‚So wie Papa darf und will ich nicht sein’. Hier – in frühen Kinderjahren – verdrängt er die Anteile, die er mit seinem Vater gemeinsam hat, um dann meist dreißig oder vierzig Jahre später oft mit Erstaunen oder Bitterkeit zu erkennen, dass er genau so geworden ist, wie er es nicht wollte.
Im Extremfall führt die durch die Mutter ausgelöste Verachtung des Vaters durch den Sohn dazu, dass er einen Großteil alles Männlichen in sich selbst und an allen Männern lernt zu verachten und abzulehnen und zu dem krassen Geschlechterbild kommt, das da heißt: „Männer sind schlecht, Frauen sind gut.“
Solche Männer haben es extrem schwer, sich selbst als Mann zu achten und zu lieben bzw. ihren Mann im Leben zu stehen.
Meine Vermutung ist, dass dieser innere Vorgang auch bei der Entstehung von Homosexualität bei Männern entscheidend mitwirkt. Es könnte die hochgradige Aggressivität erklären, die schwule Männer im Sex mit anderen Männern oft an den Tag legen, während sie in anderen Lebensbereichen wie im Beruf häufig weibliche Eigenschaften wie z.B. Kreativität, Feinfühligkeit, Gefühl für Schönheit, Ästhetik und Harmonie und manch anderes zu großer Blüte bringen bzw. weibliches Verhalten in Sprache, Mimik, Gestik und Bewegung in großer Kunstfertigkeit ausdrücken können.
Aber nicht nur für homosexuelle Männer trifft zu, dass Männer in unserer Gesellschaft so gut wie immer Mutter-Söhne sind. Denn zunächst sitzen auch wir neun Monate im Bauch dieser Frau und verbringen dann meist zehnmal mehr Zeit mit ihr als mit dem Vater.
Starke Väter – schwache Väter
Für Frauen wie für Männer ist die Frage wichtig, wie Sie ihren Vater als Kind wahrgenommen haben, insbesondere ob sie ihn als einen starken Vater oder als einen schwachen Vater empfunden haben.
Wird ein Vater vom Kind als schwach erlebt, sei es als depressiv, der Mutter gegenüber klein beigebend, Konflikten ausweichend, als Alkoholiker oder sonstwie, dann hat dies Folgen für das Selbstbild des Kindes wie für das Vaterbild. Schwache Väter werden von Töchtern wie Söhnen gemeinsam mit der Mutter einerseits verachtet (oft unisono). Gleichzeitig leiden Töchter wie Söhne oft mit ihren Vätern an dessen Schwäche. Alle Kinder haben die Tendenz, sich innerlich auf die Seite des schwächeren bzw. leidenden Elternteils, hier des Vaters, zu stellen. In der Größenphantasiewelt des Kindes glaubt es, das Ungleichgewicht zwischen der Position des Vaters und der Mutter ausgleichen zu können oder zu müssen. Wenn das Kind spürt: Papa leidet, dann sagt das Kind innerlich: Papa, ich nehme dir ein Stück Leiden ab, ich trage es für dich. Ein Kind ist wie ein offenes Gefäß, das sich nicht vom Leiden eines Elternteils abgrenzen und sagen kann: „Papa, das gehört zu dir und das lasse ich dir.“
Auf diese Weise beladen wir uns in der Kindheit mit einer Menge Lasten, die zu Papa oder Mama gehören. Dazu gehören Ängste, aggressive Gefühle wie Ärger oder Wut, Trauer bis Depressionen, Schuld- und Schamgefühle und manch anderes mehr. Vieles also, was uns innerlich belastet und schwer zu schaffen macht, gehört nicht wirklich zu uns, sondern wir haben es übernommen. Wenn wir uns für diesen Gedanken öffnen, können wir diesen Vorgang auch wieder rückgängig machen und Papa und Mama auch heute noch all das zurückgeben, was zu ihren Anteilen gehört.
Noch einmal zur Betonung: Bei diesem Vorgang waren wir nicht das Opfer von Mama oder Papa. Wir selbst haben als Kind diesen schöpferischen Akt innerlich getan, weil wir glaubten, auf diese Weise besser überleben zu können.
Denn in seiner Wahrnehmung denkt das kleine Kind: ‚Wenn Papa leidet, dann könnte er, wenn’s zuviel wird und er es nicht aushält, sterben. Und wenn Papa (oder Mama) stirbt, dann muss auch ich sterben.' Denn das Kind weiß innerlich, dass es aus beiden entstanden ist und glaubt, beide zum Überleben zu benötigen. Ein kleines Kind kann sich – von allein aus – nicht vorstellen, dass es überleben kann, wenn einer von beiden geht. Erst wenn Mama und Papa ihm eine neue Sicht vermitteln, kann es sich dieser Möglichkeit öffnen und auch bei Trennung der Elternteile mit Vertrauen in seine Zukunft blicken.
Wenn wir als Kind versucht haben, Papas Leiden mitzutragen, d.h. Papa zu helfen und zu retten, dann suchen wir auch als Erwachsene solche Menschen, die wir retten können. Insbesondere suchen sich Frauen solche Männer als Partner aus, die an irgendetwas leiden, einer Sucht, einer Depression oder sonst einer Schwäche, leiden mit diesen mit und tun alles mögliche, um diese aus ihrem Dilemma zu retten. Das hat nichts mit partnerschaftlicher Liebe zu tun, sondern mit dem Versuch, eine ‚Eltern-Lektion’ nachzuholen. – Erst wenn die Frau erkennt und bemerkt, dass sie sich innerlich in den Angelegenheiten von Papa und in denen ihres Partners befindet und diesen durch ihr Retter-Verhalten nicht stärkt, sondern schwächt, kann sie sich aus dieser Verstrickung befreien. Diese Befreiung beginnt aber nicht mit dem Versuch, im Außen bzw. im Verhältnis zum Partner etwas zu ändern, sondern indem sich die Frau nach innen wendet und sich liebevoll und ehrlich ihre innere Beziehung zum Papa ihrer Kindheit anschaut und mit diesem ihre Verstrickungen löst. Danach wird es ihr leicht fallen, in ihrer jetzigen Beziehungen Veränderungen in Richtung Klarheit, Freiheit, Freude und Selbständigkeit in die Wege zu leiten.
Die Welt ist voller Frauen, die Männer retten und voller Männer, die Frauen retten wollen. Gerettet wird aber letztlich niemand. Hier unterliegen Menschen einer Wahnvorstellung ihres inneren Kindes, die besagt, wenn du diesen Menschen rettest, erhältst du Liebe und Anerkennung und bist ein guter Mensch. Menschen, die sich aufopfern, müssen hierfür immer einen hohen Preis zahlen. Er heißt oft Bitterkeit, Enttäuschung, innere Leere, Verlassenheit, Einsamkeit, Wut und Krankheit. Wenn Sie zu diesen Menschen gehören, machen Sie Schluss damit – aus Liebe zu sich selbst und aus Liebe zu dem Menschen, den Sie retten wollten.
Mangelnder beruflicher Erfolg und die Vater-Beziehung
Wenn Sie als Frau oder als Mann bis heute auf stabilen beruflichen Erfolg warten bzw. immer wieder gescheitert sind, wenn Sie sich von Vorgesetzten nicht angemessen gesehen, gewertschätzt und gelobt fühlen und stattdessen von ihnen kritisiert oder entlassen wurden, auch dann lohnt es sich, Ihr inneres Verhältnis zum Vater Ihrer Kindheit zu überprüfen.
Sie könnten sich als erstes fragen: Habe ich die Lebensleistung meines Vaters anerkannt? Würdige und ehre ich meinen Vater? Bin ich stolz auf ihn? Könnte ich ihm heute – wenn er noch lebt – gegenübertreten und sagen: „Vater, ich achte und respektiere die Art, wie du dein Leben gelebt hast voll und ganz. Ja, ich verneige mich vor dir und deinem Leben.“? Oder können Sie ihm sagen: „Danke, Vater, für alles, du warst der beste Vater, der du sein konntest.“?
Niemand, der mit dem Vater seiner Kindheit in Unfrieden ist bzw. großer Verstrickung ist, kann innere Unterstützung und den Segen des Vaters erfahren. Denn der innere Unfriede wirkt wie eine Barriere, die verhindert, dass der Energiestrom vom Vater zum Kind fließen kann. Wenn Sie mit irgendetwas im Clinch liegen, können Sie aus dieser Richtung keine Geschenke erwarten. Das trifft genauso für Ihr Verhältnis zum Leben insgesamt wie für das Verhältnis zu Gott zu.
Wenn Sie sich von Herzen Klarheit, Frieden und Freiheit wünschen zwischen sich und der Seele Ihres Vaters und sich auf dem Weg dorthin vertrauensvoll führen lassen, dann gehen Sie auch den Weg des Erfolges und der Fülle. Warum? Wir erben vom Vater und durch diesen von allen Vätern und Urvätern eine Kraft, die ich gerne die väterlich-männliche Kraft nenne. Mit anderen Worten: das männliche Prinzip, das Frau wie Mann bei allen Projekten benötigt – ob im Privaten oder im Beruf –, wird gespeist aus den Kräften unserer männlichen Ahnen.
Je mehr Sie Ihren Vater und Ihre männlichen Vorfahren ehren, achten und würdigen, je bewusster sie sich sind, dass sie heute mit deren innerem Erbe im Leben arbeiten, desto mehr Dankbarkeit werden Sie diesen gegenüber empfinden und desto besser wird der Fluss der Fülle in Ihrem Leben fließen. Dies habe ich bis heute an Hunderten von Klienten und Seminarteilnehmern beobachten können.
Die Bindungen der Frauen an ihren Vater
Wenn eine Frau sich in ihrem Beziehungsverhalten zu Männern verstehen will, dann kommt sie nicht umhin, sich mit ihrem Verhältnis zum Vater der Kindheit zu beschäftigen. Diese innere Beziehung zum Vater der Kindheit ist so gut wie immer gekennzeichnet durch Verstrickung, d.h. durch Unklarheit, Unfrieden und Unfreiheit. Warum?
1) Der Vater ist die erste erwachsene männliche Bezugsperson, d.h. die erste gegengeschlechtliche Person, mit der das Mädchen in Beziehung tritt und Erfahrungen macht und über die es sich ein Urteil bildet. Dieses Urteil ist – wie schon erwähnt – so gut wie immer von der Mutter übernommen. Der Vater im Besonderen und Männer im Allgemeinen werden den Kindern von den Müttern meist im Zerrbild ihrer eigenen Verstrickungen präsentiert.
2) Leidet die Mutter unter ihrem Mann und ist sie die Schwächere, muss sich das Kind aus Gründen des Ausgleichs auf die Seite der Mutter schlagen und loyal mit ihr den Papa verurteilen. Im ersten wie im zweiten Fall sitzen die Verurteilungen von Papa und damit von Männern auch in der erwachsenen Frau noch tief und wirken sich verzerrend auf ihre Männerbeziehungen aus.
3) Ist Papa der Schwächere und Leidende – und das sind auch heute noch eine Menge von z.B. trinkenden, depressiven oder cholerischen Vätern – schlägt sich das Mädchen innerlich auf die Seite von Papa und versucht ihn zu retten. Solche Mädchen suchen sich auch später fast immer schwache Männer, die sie retten wollen.
4) Ist das Mädchen Papas Liebling bzw. Prinzessin, dann ist sie innerlich so gut wie mit ihm verheiratet. In der Phantasie des kleinen Mädchens geschieht dies häufig. Diese sehr starke innere Bindung lässt auch die erwachsene Frau nicht frei für eine wirklich tiefe Bindung zu einem Mann. Für das kleine Kind in der Frau käme das einem Verrat an Papa gleich.
5) Viele Mädchen haben in der Kindheit eine gute, herzliche, nahe Beziehung zu Papa gehabt. Dieser beschäftigt sich mit der kleinen Tochter, unternimmt viel mit ihr und ist für sie auch körperlich zum Schmusen, Knuddeln und Raufen da. Dies ändert sich bei vielen Vätern fast schlagartig, wenn sie merken, dass ihre Tochter dabei ist, eine Frau zu werden, d.h. in der Pubertät ist. Viele Väter ziehen sich an diesem Punkt aus Angst vor den eigenen sexuellen Impulsen der Tochter gegenüber, der Angst vor möglichem Missbrauch oder auch nur einem Gedanken in diese Richtung schweigend aus der Beziehung zur Tochter zurück. Viele Frauen berichten hierzu, dass Papa fast von heute auf morgen nicht mehr für sie da war. Dies bedeutet für viele Mädchen ein für sie unerklärtes Verlassenheits-Trauma, unter dem sie auch in ihren späteren Beziehungen heftig leiden. Das kleine Mädchen in der erwachsenen Frau will auf keinen Fall, dass ihm dies noch einmal passiert. Aber die Angst vor solch einer Wiederholung führt gesetzmäßig genau dazu, dass sie auch von ihren Männern immer wieder verlassen wird, bis sie die alte Wunde zur Kenntnis nimmt und heilen lässt.
Robert T. Betz, Dipl. Psych.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Vortrag „Der Vater deiner Kindheit“. Dieser Vortrag ist ebenso wie die der „Die Mutter deiner Kindheit“ auf CD erhältlich. Besonders empfehle ich die gleichnamigen Meditations-CDs zur Begegnung mit Mama bzw. Papa für Klarheit, Frieden und Freiheit.
Weitere Infos unter:
www.robert-betz.de

|
Kontakt
BALANCE Heft-Abo
Medientipps
Leserbriefe
Verteilerstellen
Impressum
Anzeigenpreise
aktuelles Heft

Heft 1/2012
Seit 1997 zeigen
wir neue Wege auf.
Haftungsausschluss
Datenschutzerklärung
Copyright BALANCE ® online, 2001 - 2012
|