Balance1
Balance2

Aufatmen ...

Mit Räucherwerk die heilende Kraft des Atems entdecken

„Kein Tag ist glücklich ohne Wohlgeruch.“ lautet ein ägyptisches Sprichwort. Und wohl keine andere Zeit des Jahres eignet sich so sehr für Atemübungen mit aromatischen Düften wie die Herbst- und Winterzeit, in der wir uns viel in geschlossenen Räumen aufhalten. Exotisch duftende Räucherstoffe und feine ätherische Öle können uns darin unterstützen, uns innerlich und äußerlich zu reinigen und zu unserer eigenen Mitte zurückzufinden.  

Räucherstoffe ... Nahrung für die Götter

Der Gebrauch von Räucherstoffen und ätherischen Ölen für medizinische, magische und rituelle Zwecke findet seit Jahrtausenden auf der ganzen Welt statt. So verwendeten Heiler, wie zum Beispiel die Druiden, verschiedene Räucherstoffe, um Patienten von Krankheiten und negativen Kräften zu befreien. Sie beobachteten, dass manche Bäume „weinten“, wenn ihre Rinde verletzt war und durch die Tränen, das Harz, schnell wieder gesund wurden. Die Druiden verwendeten daraufhin das Harz, aber auch die Nadeln und die Rinde der Bäume bei ihren Heilungsritualen. Sie räucherten Räume, in denen Kranke lagen, und vertrieben dadurch krank machende Geister. So wurde nicht nur das Zimmer von unsichtbaren Wesenheiten und schlechten Energien befreit, sondern er wurde auch gleichzeitig desinfiziert und der Patient mit heilenden Aromen versorgt.

Bei magischen und religiösen Zeremonien versetzten Schamanen sich mit dem aufsteigenden Rauch bestimmter Hölzer, Harze und Blätter in Trance; Seherinnen inhalierten den Rauch von bewusstseinsverändernden Stoffen, um in Ekstase zu fallen, und Priester verbrannten Harze, um mit den Göttern in Kontakt zu treten. Neben vielen anderen Substanzen spielt zum Beispiel Kampfer in Nepal und Indien eine wichtige Rolle. Es heißt, dass es die Lebensenergie Prana vermehrt, die Sinne öffnet und dem Geist Klarheit verleiht. Aber auch in anderen Kulturen, wie bei den nordamerikanischen Indianern, sind Räucherungen ein zentraler Bestandteil vieler Rituale. Hier wird vor Beginn einer jeden Zeremonie Salbei verbrannt, um Ritualplatz und Menschen zu reinigen.

Der Gebrauch von Räucherstoffen war aber nicht nur Schamanen, Heilern oder Druiden vorbehalten, sondern war Bestandteil des Volksglaubens. Die Kelten wussten zum Beispiel sehr genau um die schützende und heilende Wirkung unterschiedlichster Räuchersubstanzen. Die großen Höfe hatten Hausaltäre, vor denen kleine Tongefäße standen, in denen Räuchermischungen verbrannt wurden. In die offene Feuerstelle, die ihren Platz in der Mitte des Wohnhauses hatte, warf man entsprechende Pflanzenteile in die Glut und betete dabei um Gesundheit und Nachwuchs. Die Kelten glaubten, dass der Geist der Pflanze, der in den löslichen Stoffen der Pflanze ist, durch das Feuer freigesetzt wird und dass Mensch das innerste Wesen des Pflanzengeistes somit durch den Atem und über die Haut aufnimmt. Die Druiden sagten, dass die Götter sich von diesem Rauch ernährten und die Menschen ihnen nicht nur ein freundliches Opfer darboten, sondern in gewisser Weise auch mit für ihr leibliches Wohl sorgten.  

Keltische Räucherpraktiken noch heute in den Alpen

Verschiedene keltische Räucherpraktiken haben sich sogar in einigen Alpentälern bis in unsere Tage erhalten. Die Bauern räuchern ihre Häuser und auch die Ställe der Tiere in den zwölf Rau(c)h-Nächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigsfest. Das hat wie bei den Kelten hygienische Gründe, man reinigt aber auch rituell die gesamte Wohnatmosphäre und bereitet Haus und Bewohner auf ein neues Jahr vor. Die dafür notwendigen Kräuterbüschel haben die Frauen und Mädchen am Maria-Himmelfahrtstag Mitte August gepflückt.  

Dass Räucherstoffe so geschätzt werden, hat wohl damit zu tun, dass sie so vielschichtig wirken können. Mal sind sie beruhigend, mal können sie einen Menschen, der die entsprechende Substanz verwendet, aber auch in andere Bewusstseinszustände bringen.  

Die heilende Wirkung  von Räucherstoffen wurde besonders von der Ethnomedizin wissenschaftlich bestätigt 

Die bewusstseinsöffnende Wirkung liegt unter anderem daran, dass die so genannten Informationen der Geruchsstoffe über die Nase in unser limbisches System im Gehirn eindringen, die auch als Nahtstelle zwischen Körper, Psyche und Seele gilt. Somit können Räucherstoffe unsere Achtsamkeit schärfen, wodurch wir in der Lage sind, feinstofflichere Ebenen bewusster wahrzunehmen. Mittlerweile ist die heilende Wirkung von Räucherstoffen besonders von der Ethnomedizin wissenschaftlich bestätigt worden.   

Weil Räucherstoffe und auch ätherische Öle eine so wohltuende Wirkung auf den menschlichen Körper und Geist haben, möchten wir Sie an dieser Stelle mit den Duftstoffen bekannt machen, die sich gut dafür eignen, innere und äußere Räume zu reinigen und Sie bei Atem- und Meditationsübungen sehr gut unterstützen. Gerade im Winter halten wir uns viel in Wohnungen auf und nicht selten sammeln sich gerade hier verbrauchte und negative Energien. Räuchern und lüften Sie und befreien Sie den Raum von alten, negativen, und machen Sie Platz für positive, kreative und konstruktive Energien. Die hier aufgeführten Räucherstoffe enthalten alle ätherische Öle und können somit entweder als Räucherstoff oder als ätherisches Öl verwendet werden. 

Doris Iding

Räucherstoffe und ihre Wirkung

Beifuß: Das ätherische Öl des Beifuß besteht u. a. aus Cineol, Pinien und Thuon; des weiteren enthält es Harz, Zucker und Bitterstoffe. Beifuß gilt als älteste Ritualpflanze der Welt und sollte vor bösen Geistern und negativen Energien schützen.  

Kiefer: Die Kiefer enthält ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Vitamin C und  Terpene. Beim Einritzen der Kieferrinde „weint“ der Baum Harztränen, die Terpentin enthalten. Früher räucherte man auch in Deutschland mit Kiefernzweigen, um sich vor Hexen zu schützen. Als Räuchermittel hat die Kiefer eine ausgesprochen positive Wirkung, und innerhalb einiger Augenblicke kann sie ein Gefühl der Traurigkeit in  eine besänftigende Freude verwandeln.

Rosmarin: Enthält viele ätherische Öle, Flavonoide und Phenolsäure, die stark antiseptisch und entzündungshemmend wirken. Es heißt, dass Rosmarin böse Geister vertreibt. In französischen Krankenhäusern wurde Rosmarin allein – oder zusammen mit Wacholder – geräuchert, um die Luft zu verbessern. In der Aromatherapie verwendet man Rosmarin, um das Gedächtnis zu stärken. Darüber hinaus wirkt es anregend, belebend und erfrischend. 

Salbei: Es gibt verschiedene Salbeiarten, die viele ätherische Öle enthalten, die unterschiedlich sein können und verschiedene Aromen aufweisen. „Salvia officinalis“ zum Beispiel enthält ein kampferartiges Öl, welches im Übermaß verwendet, Halluzinationen hervorrufen kann. Salbei wird von vielen Indianerstämmen als Räuchermittel verwendet und bildet die Basis für jedes Ritual. Die Indianer glauben, dass es Dämonen vertreibt und Geister bannt.  Salbei eignet sich hervorragend für Reinigungen von Räumen, Häusern oder Ritualplätzen.

 

klick hoch

Quelle: BALANCE 4/2003

 

 

Kontakt

BALANCE Heft-Abo
Medientipps
Leserbriefe
Verteilerstellen
Impressum
Anzeigenpreise

aktuelles Heft

Heft 1/2012
Heft 1/2012
Seit 1997 zeigen
wir neue Wege auf.

Haftungsausschluss

Datenschutzerklärung

Copyright BALANCE ® online, 2001 - 2012

Balance-unten