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Fit für’s Lernen! 

Körperübungen zur Steigerung der Konzentrations- und Lernfähigkeit

Körperübungen sind eine sehr große Hilfe für die Lernfähigkeit eines Kindes. Sie nehmen in der Lerntherapie und in der Lernförderung von Kindern mit Lernproblemen eine zentrale Rolle ein.

Nicht für jeden ist es nachvollziehbar, wieso dies so ist, wo es beim Lernen doch vorwiegend um den Erwerb geistiger Fähigkeiten geht! Schaut man jedoch einmal genauer hin, so entdeckt man, dass die Lernfähigkeit eines Kindes meist gar nicht so viel mit den geistigen Kapazitäten zu tun hat. Sie wird von vielen verschiedenen Dingen geprägt und beeinflusst, denn Lernen ist ein Vorgang, der das ganze Kind mit all seinen Fähigkeiten fordert. – Für die Lernfähigkeit eines Kindes ist seine gesamte körperliche Situation wichtig. Hierbei spielt natürlich der Zustand der Nerven und des Gehirns eine wichtige Rolle, aber genauso bedeutend ist das Körpergefühl des Kindes, der Zustand seiner Sinne, seiner Koordination, seines Gleichgewichtssinns, der Grob- und Feinmotorik!

Ebenso wie das körperliche hat auch das seelische Befinden eines Kindes, sein Selbstwertgefühl und seine sozialen Lebensbedingungen einen wichtigen Einfluss auf die Lernfähigkeit.

Damit ein Kind erfolgreich lernen kann, braucht es:

a)  eine gesunde körperliche Basis, d.h. gesunde Nerven, gesunde Sinnesorgane, ein gesundes Körperempfinden und ein gutes Gefühl zu sich selbst

b) ein gutes Selbstbewusstsein

c) ein starkes Ichgefühl, das mit Entschlossenheit und Tatkraft verbunden ist

d)  die Fähigkeit, sich zu konzentrieren

e)  und ein gesundes Maß an innerer Freiheit

Können Sie sich ein Kind mit diesen Fähigkeiten vorstellen, das Probleme beim Lernen hat?

Körperübungen beeinflussen nicht nur den Körper

Die Übungen, die ich Ihnen im Rahmen dieses Artikels vorstellen möchte, unterstützen Kinder in den grundlegenden Bereichen, die für ein erfolgreiches Lernen die nötig sind. Sie stellen eine einfache Möglichkeit dar, wie Kinder sich stark machen können, an innerer Kraft, Selbstbewusstsein, Ruhe und Ausdauer gewinnen und damit fit für’s Lernen werden. Die Übungen stärken einzelne körperliche Bereiche, die Gehirnfunktionen und haben Auswirkungen auf die gesamte körperliche Situation des Kindes, wie auf sein seelisches Befinden.

Es handelt sich dabei um 3 ausgewählte Übungen aus der Körpertherapiemethode für Kinder „Polarity Lernförderung“. Die Wirkung der Übungen basiert auf dem Wissen, dass das körperliche und seelische Befinden eines Kindes sehr eng miteinander verbunden sind. Das körperliche Befinden bestimmt maßgeblich das Selbstgefühl eines Kindes und ist ausschlaggebend für sein Selbstbewusstsein und seine Handlungsfähigkeit. Kinder können durch die Übungen aus eigener Kraft körperliche Mängel, die ihr Selbstbewusstsein und ihre innere Stabilität behindern, überwinden und ihre Muskulatur, das Nervensystem und die Biochemie so trainieren, dass sie handlungsfähiger, konzentrationsfähiger und stärker werden.

Sie können die Übungen ohne Bedenken mit Ihrem Kind gemeinsam ausführen. Sie sind für Kinder mit Lernproblemen ebenso geeignet wie für Kinder, die keinen Schwierigkeiten beim Lernen haben. Bitte machen Sie jedoch aus dem Üben keinen Leistungssport, sondern achten Sie darauf, dass es dem Kind Spaß macht und dass es wohl angespornt, aber nicht überfordert ist.

In der Regel reichen 5-10 Minuten Üben täglich, um gute Erfolge zu erzielen. Die Übungen sind für Schulkinder ab 6 Jahren geeignet.

1. Übung: Selbstbewusstsein-/ Ich-Stärkung

Das Thema der ersten Haltung ist Selbstbewusstseins- und Ich-Stärkung. Ein Kind bekommt innerhalb dieser Übung ein gutes Gefühl zu sich selbst, baut sein Körperbewusstsein auf und verankert sich in sich selbst, so dass es sich in seinem Körper zu Hause und aufgehoben fühlt. Das Kind lernt innerhalb der Übung zu spüren, „Ich bin...“, „Ich kann...“,  und „Ich möchte...“. Dies sind wichtige Voraussetzungen für einen guten Lernerfolg, bei dem ein Kind Aufgaben aus sich und aus seiner eigenen Kraft heraus erfüllen kann.

Beginnen Sie jede Übung mit einer kurzen Phase der Besinnung, in der das Kind sich entspannt hinstellt und sich auf sich selbst konzentriert Es sollte dabei zur Ruhe kommen.

Die Übungen werden immer barfuß ausgeführt, um einen guten Stand und das Gefühl für „den Boden unter den Füßen“ zu gewährleisten.

Geben Sie Ihrem Kind die folgende Anweisung:  „Stell’ die Füße bitte schulterbreit hin, die Zehen zeigen dabei nach vorn (achten Sie dabei darauf, dass die Füße des Kindes auf einer Linie sind und nicht versetzt stehen), und gehe langsam soweit in die Knie, bis du deine Füße nicht mehr sehen kannst. Lasse deinen Rücken dabei ganz gerade, beuge ihn  nicht nach vorn.

Nimm beide Arme soweit nach oben, bis sie parallel zum Boden sind und mache mit den Händen feste Fäuste, so als wärst du ein Rennfahrer, der ein Steuerrad fest in der Hand hält! Schaue mit den Augen geradeaus, schau nicht auf den Boden und auch nicht in den Himmel.

Bleibe so stehen und atme weiter, auch, wenn es dich anstrengt. Versuch die Haltung beizubehalten ... eine halbe Minute, eine Minute, anderthalb Minuten, solange bis ich bis 10, ... 20 gezählt habe. Was meinst du, wie lange du so stehen kannst?“

Es ist ratsam, die Haltung langsam und genau in der beschriebenen Reihenfolge einzunehmen. Sie mag für uns Erwachsene einfach aussehen, doch die meisten Kinder können diese Haltung nicht ohne Übung ausführen. Sie fallen um, wenn sie die Haltung einnehmen sollen, bekommen ihre Beine nicht in die nötige Beugung oder können den Rücken nicht gerade halten.

Dies alles sind Anzeichen dafür, dass das Ich-Gefühl und das Selbstbewusstsein des Kindes noch körperliche Festigung brauchen.

Die wichtigen Punkte beim Einnehmen dieser Haltung sind:

  • die gerade Haltung des Rückens,
  • die Beugung der Beine,
  • die Spannung der Arme und
  • der inneren Halt, den das Kind in dieser Übung finden sollte

Wenn Sie auf diese Punkte achten, stärkt diese Übung das ruhige Selbstbewusstsein und Ich-Gefühl des Kindes. Darüber hinaus fördert sie das Durchhaltevermögen.

2. Übung: Innere Stabilität, Entschlossenheit, Tatkraft

Diese Übung stärkt die körperlich/psychische Grundlage für die Ausbildung innerer Stabilität und Handlungsfähigkeit/Tatkraft eines Kindes. Innere Stabilität und Tatkraft sind wichtige Faktoren beim Lernen, damit ein Kind sich schwierigen Situationen, die jeder Lernprozess mit sich bringt, stellen kann. Ein Kind muss zum Lernen mutig sein, es muss sich etwas zutrauen. Es muss Aufgaben anpacken können und so handlungsfähig sein, dass es selbstständig Lösungsmöglichkeiten für Probleme entwickelt.

Die Haltung dieser Übung bringt ein Kind dazu, innere Stabilität aufzubauen und sich dem Leben und dem Lernen zu stellen. Die Übung dient gleichzeitig der Überwindung von Ängsten. Beginnen Sie die Übung wiederum mit einer kurzen Besinnungsphase.

Bitte führen Sie auch diese, für Kinder recht schwierige Übung, genau in der beschriebenen Reihenfolge aus, um Haltungsfehlern vorzubeugen.

„Stell’ dich gerade hin, die Füße sind etwas weiter als schulterbreit auseinander, die Zehen zeigen nach vorn. Nimm beide Hände und falte sie in deinem Nacken, drücke die Ellbogen auseinander, so dass sie neben deinem Kopf sind.

Nun gehe langsam ein wenig in die Knie, soweit, dass du die Fußspitzen deiner Füße gerade nicht mehr sehen kannst. Drücke dann dein Becken nach vorn, so als würde dich jemand an deinem Gürtel ziehen.

Dein Körper bildet nun einen Bogen. Nimm Kopf und Nacken mit in diesen Bogen hinein, so dass deine Augen schräg nach oben gegen die Decke oder Zimmerwand schauen. Lasse die Augen offen und atme, wenn Du kannst, tief in den Bauch.

Bleibe in dieser Haltung. Eine halbe Minute, eine Minute, anderthalb Minuten, solange bis ich bis 10, ... 20 gezählt habe. Was meinst du, wie lange du so stehen kannst?“

Wählen Sie den Zeitrahmen für diese Übung nach der Fähigkeit des Kindes aus. Zwingen Sie das Kind nicht zu Höchstleistungen, die es überfordern. Es verdirbt die Wirkung der Übung und vor allem den Spaß daran. – Achten Sie besonders darauf, dass ihr Kind nicht ins Hohlkreuz geht, sondern das Becken und den Bauch nach vorne führt und dabei den ganzen Körper in den Bogen bringt.

Es kann möglich sein, dass ein Kind diese Haltung nicht einnehmen kann, weil es nur damit beschäftigt ist, die Haltung zu üben. Das Nervensystem und die Muskulatur dieses Kindes müssen im Üben erst entwickelt werden, um diese Haltung durchstehen zu können.

Lassen Sie in diesem Fall nicht locker, auch, wenn es ein paar Wochen dauert bis das Kind die Übung ausführen kann. Sie werden merken, wie stolz es ist, wenn es das erste Mal geschafft hat, diese Haltung einzunehmen.

Mit diesem einfachen Training wird der gesunde körperliche Aufbau eines Kindes unterstützt. Es erfährt Stabilität und Durchsetzungsfähigkeit, die es beim Lernen nutzen kann.

3. Übung: Konzentration, Innere Freiheit

Mit der dritten Übung dieser Reihe wird die Konzentrationsfähigkeit eines Kindes angesprochen. – Sich konzentrieren zu können bedeutet einerseits, in der Lage zu sein, seine Sinne und Gedanken auf eine Sache zu bündeln. Andererseits setzt Konzentration voraus, dass ein Kind sich nicht ablenken lässt.

Die beschriebene Übung lässt ein Kind störende Ablenkungen überwinden und hilft ihm dabei, seine Sinne und Gedanken auf etwas richten zu können.

Die Übung wird sitzend ausgeführt. Achten Sie bitte trotzdem darauf, barfuß zu üben. Die Phase der Besinnung vor dem Üben führen Sie im Stehen durch und beginnen danach mit der Übung.

„Setz’ dich bitte auf den Boden und winkle die Beine an. Die Füße bleiben dabei ganz auf dem Boden. Halte deinen Rücken gerade und nimm die Arme hoch, so dass sie parallel zueinander und parallel zum Boden sind. deine Hände bilden Fäuste. Schaue mit den Auge geradeaus. Bleibe in dieser Haltung. Eine halbe Minute, eine Minute, anderthalb Minuten, solange bis ich bis 10, ... 20 gezählt habe. Was meinst du, wie lange du so sitzen kannst?“

Wichtig an dieser Haltung ist, den Rücken gerade zu halten und die Beine nur so weit anzuwinkeln, dass die Arme nicht die Knie berühren. Der Rücken sollte so gerade sein, wie es dem Kind möglich ist. Sie können beim Einnehmen der Haltung helfen, indem sie Ihre Hände auf das Kreuzbein des Kindes legen und das Kind auffordern, den Rücken von hier aus aufzurichten. Eine weitere Hilfestellung ist es, sich so hinzusetzen, dass man die Sitzbeinhöcker spüren kann. Dann sitzt man automatisch gerade. Die Sitzbeinhöcker sind Knochenteile des Beckens, die unterhalb der Pobacken zu spüren sind. Achten Sie auch darauf, dass die Schultern nicht angespannt und hochgezogen sind.

Diese Übung erfordert viel Konzentration. Unterstützen Sie das Kind darin, sich nicht auf Ablenkungen einzulassen und ermutigen es: „Bleibe bitte so sitzen und lasse dich von nichts ablenken. Spüre einfach nur wie du sitzt, spüre deine Arme, deine Beine, deinen Bauch, schaue geradeaus und lass dich von nichts ablenken.“ – Das Kind wird mit Sicherheit Dinge sagen wie: „Ich kann aber nicht mehr.“, „Wie lange muss ich denn noch so sitzen?“ „Die Arme tun mir aber weh“ etc. Antworten Sie ihm dann immer wieder: „Lass dich nicht davon ablenken, dass deine Arme wehtun, lass dich nicht davon ablenken, dass du nicht weißt, wie lange du noch sitzen musst, bleib einfach sitzen und konzentriere dich auf dich.“

Alles, was sich in dieser Übung in dem Kind regt, sind Ablenkungen. Wenn es in der Lage ist, diese Ablenkungen zu überwinden, dann ist das ein großer Gewinn. Es erlangt durch die Überwindung die innere Freiheit von den Ablenkungen und ist um ein vielfaches konzentrierter, ohne sich anstrengen zu müssen.

Bitte beachten Sie, dass diese Übungen keine Allheilmittel bei Lernprobleme sind. Sie ersetzen keine genaue Befundaufnahme, wenn Ihr Kind Lernprobleme hat. Die Übungen können aber – auch bei Kinder, die nicht unter Lernproblemen leiden – dazu beitragen, dass Ihr Kind stabiler, stärker, ausgeglichener wird, ein besseres Körper- und Selbstwertgefühl bekommt und damit fit wird fürs Lernen!

 

Frauke Teschler

Pädagogin · Heilpraktikerin

 

 

Info: Polarity Düsseldorf

Kölner Str. 17

40211 Düsseldorf

Tel. 0211-1609770

www.polarity-online.de

www.polarity-lernfoerderung.de

 

Quelle: BALANCE 4/2003

 

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