Balance1
Balance2

Madhukar
Der erleuchtete Schwabe

Madhukar (44) ist gebürtiger Stuttgarter und gilt anerkanntermaßen als einer der großen spirituellen Meister unserer Zeit. Der ehemalige TV-Journalist und heutige moderne Repräsentant des Advaita, der Weisheitslehre vom Wesen der Wirklichkeit, kommt im Oktober zum ersten Mal nach Düsseldorf. Durch Papaji verbunden mit dessen Meister Ramana Maharshi bezeichnet er sich selbst als Diener der Wahrheit.

In den achtziger Jahren, als der Schwabe noch für deutsche Fernsehstationen unterwegs war, hatte er ein plötzliches, tiefes Erleuchtungserlebnis und eine Kundalinierweckung. Innerhalb eines Jahres erkannte er, dass dies noch nicht die endgültige Realisation des Selbst war. Als Yoga- und Meditationslehrer traf er seinen Meister H.W.L. Poonja, den „Löwen von Lucknow“, einen SatGuru des Advaita. Von ihm auf seine wahre Natur verwiesen, erwachte er. 1994 erhielt er Papaji’s Geheimnis: Die direkte Übertragung des stillen Geistes.

Was lehrst du?

Ich lehre aus der Leere. Aus einer Leere, die voll Fülle, Stille und Frieden ist. Die Menschen, die zu mir kommen, will ich nicht mit einer weiteren Lehre belasten. Weil eine Lehre immer alt ist, ein alter Weg. Mir geht es um die Frische des Seins, die immer da ist. Deswegen kann ich sagen: Ich lehre nichts. Ich lade die Menschen lediglich ein zu erkennen, was ihr wahres Selbst ist. Und ich kann diese wahre Existenz dem Wahrhaftigen beweisen, sofort. Es ist keine Lehre nötig. Kein Weg, der die Menschen irgendwann, in einer unbestimmten Zukunft zum Ziel führt. Es geht um das Erkennen deines wahren Selbst als Frieden und Stille. Hier und Jetzt. Mein Meister war kein Lehrer. Ich bin auch kein Lehrer.

Was geschieht in einem Meeting?

Wunderbares kann passieren. Täglich berichten mir Leute in Dankbarkeit, dass Leiden von ihnen abfiel, nachdem sie meine Hinweise befolgt hatten. Formal sieht ein Meeting folgendermaßen aus: Stille, einander in die Augen schauen, Dialoge. Wenn bei dir irgendeine Frage oder ein Erlebnis hochkommt, wenn du irgendwelche Zweifel hast, dann fragst du einfach, und ein Gespräch entsteht. Das kann sehr tief sein, aber auch sehr humorvoll  oder scheinbar hart, je nachdem, abhängig vom gegenwärtigen Moment. Ein Satsang-Meeting geschieht im Jetzt, ausschließlich im Jetzt. Was wirklich geschieht, ist die Hinterfragung der Gedankenstrukturen, die Auflösung von Belastungen und Illusionen, so dass  man sich wie in einer Oase einfach ausruhen kann.

Kann das, was in dieser Oase ist, mit in den in Alltag genommen werden?

Du BIST Frieden. Wenn deine Ausrichtungen und Empfindungen im Alltag anders sind, dann erscheint es so, als ob du diesen Frieden verteidigen und aus dem Meeting mitnehmen müsstest. Ich sagte ja bereits, ich beweise dir, dass dieser Frieden dein Seinsgrund ist, dein wirkliches Dasein.

Wie sieht das alles im Alltag aus?

Ich sehe keinerlei Unterschied zwischen Alltag und Meeting. Wenn du nur eine Stunde lang im Frieden bist, in deinem Alltag jedoch nicht, dann gibt es Strukturen in dir, die an etwas anderem verhaftet sind als im Frieden. Und die schauen wir uns an. Was ist dir wichtiger als Frieden und Freiheit? Ein wahrer Meister weist darauf hin, dass du frei bist, und zwar jetzt! Nicht nach zehn Jahren harten Praktizierens, nicht im Himmel, nicht im nächsten Leben. Sondern jetzt!

Braucht es dazu einen Meister, obwohl das unser wahres Selbst ist, unsere wahre Natur?

Das Dickicht unserer Empfindungen, unserer sensuellen und intellektuellen Wahrnehmungen, ist so dicht, so struppig gewachsen, dass wir uns mit dem Wahrgenommenen identifizieren. Das, was wir sehen, denken, fühlen, nehmen wir an als Wahrheit. Aber das ist nicht wirkliche Wahrheit, sondern sie ist determiniert, bestimmt durch unsere Sinne. Die wiederum sind programmiert durch unsere Kultur, unsere Erziehung, unsere Lebenserfahrungen, und wenn man die Symbolik der Inkarnationen dazu nimmt, von Tausenden von Leben. Und der Geist an sich ist nicht notwendigerweise interessiert, frei zu sein. Der Geist ist wie ein Affe, der glücklich sich von Ast zu Ast hangelt. Der Guru befreit dich aus diesem Labyrinth, diesem Dickicht deiner Sinneswahrnehmungen und deiner gedanklichen Verhaftungen – wenn es ein wahrer Guru ist. Ein wahrer Meister will, dass du frei bist, und zwar jetzt! Nicht im nächsten Leben, nicht im Himmel, nicht nach zehn Jahren von hartem Praktizieren. Jetzt.

 

klick hoch

Quelle: BALANCE 4/2003

 

Kontakt

BALANCE Heft-Abo
Medientipps
Leserbriefe
Verteilerstellen
Impressum
Anzeigenpreise

aktuelles Heft

Heft 1/2012
Heft 1/2012
Seit 1997 zeigen
wir neue Wege auf.

Haftungsausschluss

Datenschutzerklärung

Copyright BALANCE ® online, 2001 - 2012

Balance-unten