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Zeit...
Nimm dir
Zeit...
und nicht das
Leben
Die Zeit
kann man nicht beeinflussen, aber den Umgang mit ihr
Der Mensch ist Schnittstelle
von linearer Zeit und zyklischer Zeit. Wir sind eingebunden in die großen
Lebenszyklen der Natur. Im Werden und Vergehen, im Wechsel von Tag und Nacht,
in der Folge der Jahreszeiten ordnet sich unser Leben in regelmäßigen
Kreisläufen. Durch die Dynamik unseres Stoffwechsels, durch das Aufnehmen,
Nutzen und Ausscheiden von Nahrung, sind wir verwoben mit dem zyklischen
Austauschprozess der Natur.
Gleichzeitig gehen wir von der Geburt bis zum Tod eine
irreversible Lebensstrecke, wir spuren unseren Weg, geben unserer Bewegung
Richtung und verfolgen unsere Ziele, um weiter zu kommen und nicht auf der
Stelle zu treten oder ständig im Kreis zu gehen. Wir sind unterwegs, haben
Aufgaben zu lösen und Chancen zu nutzen, Gefahren abzuwehren und die uns
gestellten Bewährungsproben zu bestehen.
Die Zeit kann nicht zurückgedreht werden, sie nimmt uns mit
nach vorn, und wir müssen diesen Weg weitergehen, müssen erkennen, „was die Uhr
geschlagen hat“. Und für jede Zeit, jeden Tag und jede Stunde, sollten wir
dankbar sein, dass sie uns gewährt wurde.
Auch wenn wir noch so sorgsam mit unserem Körper umgehen,
unsere Zeit währt nicht ewig, wir sind Alterung, Verfall und Vergehen
unterworfen, und wir müssen uns immer wieder fragen, wie wir unsere Lebenskraft
sinnvoll in der verbleibenden Zeit nutzen wollen, um Erfüllung und Glück zu
finden. Zeit und Sinn, Quantität und Qualität sind miteinander gekoppelt. Wie
können wir uns selbst managen, um die gegebene Fülle in Erfüllung zu verwandeln
und dabei unsere Aufgaben zur Zufriedenheit aller erfüllen? Wenn wir unsere Zeit
mit Aufgaben immer weiter anfüllen, uns von immer mehr Informationsflüssen
ablenken lassen vom Wesentlichen und Wichtigen, wenn uns die Zeit immer
schneller nur noch wie Sand durch die Finger zu rinnen scheint und die
Anforderungen unsere Stunden, Minuten, von Augenblick zu Augenblick ohne
Atempause aufsaugen, wenn wir uns immer schneller takten ohne Rücksicht auf
unseren Energiehaushalt und unsere Bedürfnisse, wenn wir uns dazu zwingen, immer
erreichbar und allzeit ansprechbar zu sein, geraten wir immer mehr ins
Schleudern. Schließlich verlieren wir unsere Balance und unseren eigenen
Rhythmus und laufen dann Gefahr, dass unser Lebensfluss verödet. Wenn wir
unseren Körper, unser Bedürfnis nach Sinn-Erfüllung, unsere sozialen Beziehungen
vernachlässigen und die vielen Quellen, die unsere Batterien auftanken,
unpfleglich behandeln und austrocknen lassen, weil wir immer weniger Zeit
erübrigen und alles auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben, geraten wir aus
der Balance. Wenn wir unser Zeitkonto nur quantitativ managen und unser
Energiekonto laufend überziehen, um so viel wie möglich so schnell wie möglich
zu erledigen, sind wir bald selber erledigt, und es ist nur noch eine Frage der
Zeit, wann wir ins Stocken geraten, unser Leistungsstrom versiegt und wir
unsere Gesundheit auf Sand gesetzt haben. Wenn wir gestrandet sind, ist es zu
spät, dann haben sich auch unsere Aufgaben erübrigt, und wir werden endgültig
vom Platz gestellt.
Was sind das für Aussichten, wenn wir nicht auf uns hören,
von unseren inneren Einsichten absehen, wenn wir links liegen lassen, was wir
leise spüren und eigentlich immer schon gewusst haben, was nicht stimmt mit uns
und was schief läuft.
Aufrichtig zur Kenntnis nehmen, wo man steht
Der erste Schritt beginnt damit, aufrichtig und mutig zur
Kenntnis zu nehmen, wo wir stehen und worauf es hinaus läuft, wenn wir uns nicht
neu ausrichten. Es ist seltsam, dass wir das unscheinbare „Jetzt“ oft so
abwerten, die vergangenen Zeiten glorifizieren und die künftigen mit übermäßigen
Hoffnungen und Erwartungen betrachten. Kosten wir dieses „Jetzt“ nicht aus,
sondern erwarten wir alles von der Zukunft, dann besteht die Gefahr, dass wir
auch in den kommenden Zeiten nur enttäuscht werden, weil wir die konkreten
Angebote des künftigen Augenblicks auch nicht so erschließen, wie sie auf uns
zukommen. So leben wir vermeintlich nie, sondern hoffen zu leben, und so ist es
unvermeidlich, dass wir in der Bereitschaft, glücklich zu sein, es niemals sind.
Es geht darum, eine innere Lebendigkeit und
Wahrnehmungsfähigkeit für das Besondere einer Stunde aufzubringen. Wie kann ich
mich aber in der Fähigkeit einüben, die verborgenen Schätze des jeweiligen
Moments wahrzunehmen? Eine Hilfe ist es schon, wenn ich auf meinen Körper achte:
Jetzt werde ich vom Herzschlag am Leben gehalten, durchpulst mich das Blut,
damit sich der ganze Organismus erneuern kann. Jetzt hebt und senkt sich der
Brustkorb, Sauerstoff strömt in die Lunge, und wir stoßen den Atem wieder aus.
Jetzt kann ich meine Augen und Ohren öffnen, eine Fülle von Eindrücken wird
aufgenommen und verarbeitet, Gefühle steigen auf, Gedanken durchzucken mich.
Unerledigtes erzeugt negative Energien
Das Unerledigte und Aufgeschobene, das uns bedrängt und das
wir immer wieder verdrängen müssen, kostet nicht nur Energie. Im gleichen Maße,
wie wir Energie abziehen, laden wir negative Energie auf, indem unsere Gedanken
immer wieder darum kreisen und wir vielleicht ein schlechtes Gewissen haben und
uns mulmig fühlen. Den Körper kann man nicht belügen, er reagiert sofort auf
psychische Belastungen, auf all das, was wir in uns hineinfressen und gerät
unter Spannung. Mit viel Kraftaufwand versuchen wir unseren Körper in ständiger
Anspannung zu halten, um das Gewicht all des Unerledigten tragen zu können. Wir
müssen handeln, denn ab einem bestimmten Zeitpunkt wird Nichthandeln zur
Vermeidung. Je schneller wir handeln, um so eher werden wir unsere Vitalität
wiedergewinnen.
Persönliche Präsenz ist der Schlüssel zum Erfolg
Das komplizierte Leben, zu dem wir uns gezwungen glauben,
macht es schwer, den Tag zu planen, viele Dinge zu bedenken, die Gewichtigkeit
der einzelnen Aufgaben abzuwägen, die nächsten Termine schon im Blick zu haben.
Das führt dazu, dass wir nicht mehr bei dem verweilen können, was wir gerade
tun, weil immer schon die nächste Aufgabe wartet, eine weitere Tätigkeit
ansteht. Also rationieren wir die Zeit, werden fahrig und nervös, vermengen die
verschiedenen Bereiche, fühlen uns innerlich zerrissen und werden keiner Aufgabe
mehr wirklich gerecht.
Vor der Vielfalt der Beanspruchungen können wir nicht mehr
fliehen, aber wir können dafür Sorge tragen, dass diese Fülle verschiedener
Aufgaben uns nicht zersprengt und zerstreut. Wenn wir durch das Übermaß an
verschieden Aufgaben unter Druck geraten und im Wirrwarr der Anforderungen nicht
mehr wissen, was wir tun sollen (und jedes Tun immer dadurch gestört wird, dass
man noch andere wichtige Dinge ebenfalls tun müsste) kann es uns helfen, das
wir innehalten.
...Vielleicht ist der
Umgang mit der Zeit ein Gradmesser unserer Lebenskunst, und unsere Übung des
rechten Einklangs mit ihren Rhythmen ermöglicht uns die Verwirklichung
unserer Existenz...
... Wer über die Zeit
nachdenkt, der muss auch über die Vergänglichkeit nachdenken, er muss sich
über die Wirkung der Zeit Gedanken machen.
Otto Betz
Durch diese kleine Übung kann sich die Verkrampfung lösen
und eine Entspannung eintreten, so dass es danach wie ein Lichtschein
aufleuchtet und wir deutlich erkennen, was jetzt getan werden soll und welche
anderen Aufgaben warten können. Das Auffinden der tieferen Bedeutung des Hier
und Jetzt kann uns dazu verhelfen, die Unruhe der schwirrenden Gedanken
loszuwerden. Es ist schwerer, als man denkt, ganz einfach bei der Sache zu
bleiben, die man gerade tut.
Die durch notwendige Zwänge festgelegte Zeit nennt der
Philosoph Blumenberg die „Musszeit“, die der freien Entscheidung überlassene und
nutzbare Zeit nennt er die „Kannzeit“. Doch allzu schnell wird aus der „Kannzeit“
doch nur eine erweiterte „Musszeit“, und der Tagesablauf ist wieder festgelegt,
ohne dass man recht weiß, wie das geschehen ist. Die „Kannzeit“ entpuppt sich
oft als ein Zeitraum, der durch Konventionen und gesellschaftliche Bräuche
schnell ausgefüllt ist. Jeder entwickelt seine eigenen Rhythmen und Gewohnheiten
oder übernimmt die ungeschriebenen Vorschriften seiner Gesellschaftsschicht: was
man lesen, wo man sich sehen lassen, welche Einladungen man annehmen muss usw.
(Hans Blumenberg / Lebenszeit und Weltzeit)
Wir
haben 24 Stunden Zeit !
„Ich habe keine Zeit“ heißt vielmehr: meine Zeit ist
bereits verplant! Lothar J. Seiwert weist in seinem Buch „Wenn Du es eilig
hast, gehe langsam“ darauf hin, dass Zeitmanagement eigentlich in sich einen
Widerspruch bedeutet. „Wir können Zeit gar nicht managen, sondern nur uns
selbst.“ Zeitmanagement bedeutet Selbstmanagement. Denn die Zeit als konstante
Größe verrinnt kontinuierlich, unerbittlich, unbeeinflussbar. Seiwert betont,
dass Zeitmanagement als Selbstmanagement aktive Lebensgestaltung oder Live
Leadership bedeutet.
Weil unsere Zeit durch die Berufsarbeit und festliegende
Verpflichtungen tatsächlich weitgehend ausgebucht ist, müssen wir für die
verbleibende Zeit immer wieder Prioritäten setzen, müssen jeden Tag
Entscheidungen treffen, was uns wichtig ist und was nicht. Wir müssen unsere
Karten auf den Tisch legen. Wofür habe ich keine Zeit, was erachte ich als
Zeitvertreib, und wofür bin ich grundsätzlich nicht bereit, einen Zeitraum zur
Verfügung zu stellen?
In absehbarer Zeit wird die ungeteilte Aufmerksamkeit eines
Menschen eines der wertvollsten Güter sein. Entsprechendes gilt für das
Privileg, uns zurückzuziehen und abschalten zu dürfen.
Wir arbeiten effektiver,
leben gesünder und glücklicher, wenn wir uns nicht gegen unsere natürlichen
Körperrhythmen stellen und uns ab und zu den Luxus gönnen, „offline“ zu sein und
eine Auszeit nehmen, um unsere Batterien aufzuladen. Das bekommt auch unserer
Arbeit, der wir dann mit gefüllten Batterien wieder mit Freude die ungeteilte
Aufmerksamkeit schenken können und so effizienter Leistungen erbringen.
Nähere Informationen bei:
Robert Reschkowski
Coach und Kommunikationstrainer
Tel. 0172-215 74 77
mailto: Rrtual@aol.com
www.syntegron.de

Quelle: BALANCE
4/2003
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