|
|
![]() |
![]() |
|
|
Startseite > Themen > Alternative Therapien > Tinnitus Ein unbeschwertes Leben trotz TinnitusIm Jahr 1996 nahm der HNO-Arzt Dr. Philipps wöchentlich bis zu 8 neue Patienten mit Tinnitus in seiner Praxis auf. Und die Diagnose breitet sich in den letzten Jahren immer mehr wie ein Schreckgespenst in Deutschland aus. Betroffen sind überlastete Hausfrauen, die oft im Spagat zwischen Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen, Ehemännern und eigenen Bedürfnissen leben, und gestresste Arbeitnehmer. Eine Krankheit also, die man in allen Gesellschaftsschichten und allen Berufen finden kann. Von leisen Dauergeräuschen, etwa in der Art eines Bienensummens, bis hin zu einigen Stunden Baustellenlärm im Kopf reichen die beschriebenen akustischen Belästigungen der Betroffenen. Wenn auch die Art der störenden Geräusche oftmals sehr voneinander abweicht und die Dauer der akustischen Plage sehr unterschiedlich ist, gibt es doch eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die nahezu alle Patienten kennen: Die Lebensqualität ist gemindert, die Freude am Leben sehr eingeschränkt, Sozialkontakte werden oftmals als anstrengend erlebt, und die fehlenden Ruhephasen belasten den Gesundheitszustand und das Allgemeinbefinden merklich. Der Alltag und dessen Gestaltung richtet sich nach dem Vorhandensein des Geräusches. Dr. Philipps wünschte sich endlich eine Therapieform, die „funktioniert“, seine medizinische Behandlung ergänzt und den Patienten aus seiner Hilflosigkeit herausführt. Maria Holl, Heilpraktikerin und Psychotherapeutin aus Aachen, hörte von diesem Wunsch und entschied sich, diese neue Herausforderung anzunehmen. Während ihres Studiums hatte sie bereits mit Sinnesbehinderten – besonders Hörbehinderten – und Tauben gearbeitet. Dr. Philipps beschrieb ihr die Symptome der Patienten und auch deren Lebensbesonderheiten: Tinnitus-Betroffene sind Menschen, die ein stressreiches Leben führen und dieses durch Eigen-Stress erhöhen, da sie in der Regel zu Perfektionismus neigen. Sie sind ausgeprägt ordentlich und sozial engagiert, haben einen sehr hohen Leistungsanspruch und Schwierigkeiten, ihre persönlichen Grenzen zu wahren. Genau an diesem Punkt setzt die von Maria Holl entwickelte Methode an: Sie hilft den Patienten, das Geräusch zu reduzieren, den Tinnitus als Stressbarometer anzunehmen und aus der Resignation des unheilbaren Tinnitus herauszukommen. Die Übungen sind leicht zu erlernen, und der Patient ist nach kurzer Zeit in der Lage, selbst Übungen aus ihrem Ratgeber bzw. dem Kurs auszuwählen. Überall und jederzeit, völlig ohne Hilfsmittel können sie durchgeführt werden. Alles was man dazu braucht, trägt man in sich bzw. ist sowieso überall vorhanden, wie zum Beispiel ein Türrahmen zum Massieren des Rückens. Was sind das für Übungen, die scheinbar „Wunder“ wirken?Das Geheimnis liegt in der Kombination. Maria Holl hat gleich 4 Bausteine zusammengeführt, um dem lästigen Tinnitus zu begegnen: Meditation, Bioenergetik, Selbstmassage und Atemübungen. Sie selbst war 14 Jahre Schülerin von Hetty Draayer, die als Niederländerin im Vielvölkerstaat Indonesien aufgewachsen ist. Bei ihr erlernte sie eine besondere Art der Meditation, die auf geniale Art westliches und östliches Wissen verbindet. Die inneren Übungen der taoistischen Medizin sind 3-5 Tausend Jahre alt und stammen aus der Zeit der chinesischen gelben Kaiser, die diese für die Selbstheilung der Menschen entwickelt haben. Ähnlich der von außen ansetzenden Akupunktur werden hier Punkte und Felder im Körper von innen stimuliert. Ein weiterer Bereich stammt aus der Bioenergetischen Analyse, einer Psychotherapie, die sich aus Gesprächen und Körperübungen zusammensetzt. Frau Holl ist vom International Institute for Bioenergetic Analysis, Alexander Lowen, New York zertifizierte Therapeutin. Aus dieser Therapieform nutzt sie beispielsweise leichte körperliche Übungen, um den Körper zu mobilisieren, neu zu aktivieren und die Resignation zu lösen. – Die Übungen führen aus der Hilflosigkeit in die Kraft und Selbstverantwortung zurück. Die Patienten lernen, wieder aktiv und freudvoll am Leben teilzunehmen. Der wohl anschaulichste Aspekt der Therapie ist die Selbstmassage. Die Patienten lernen, wichtige Bereiche des Körpers zu massieren, die verspannt sind und die das Ohrgeräusch beeinflussen. Manchmal scheint es sehr ungewöhnlich, wenn Maria Holl die sanfte Massage der Achillessehne als Grundübung propagiert, denn die Ohren liegen doch offensichtlich nicht am Fuß! Aber wenn sie dann erklärt, dass diese Sportler oft so schmerzende Sehne mit zu hohem Leistungsanspruch in Verbindung steht, klären sich die fragenden Gesichter schnell auf. Lachend zum Erfolg„Lass Würfel aus den Füßen fallen.“ – so eine Anweisung aus dem Selbsthilfeprogramm; dies scheint banal und hilft doch, denn das vegetative Nervensystem versteht keine Wörter, nur Bilder. „Nun sehen Sie auf Ihre Zehen und stellen sich vor, dass sie zu wachsen beginnen.“ Wieder eine Anweisung, die lächerlich und überhaupt nicht viel versprechend klingt. Genau dies kommentiert Maria Holl selbst in ihrem Buch, um den Lesern zu zeigen: Es ist völlig normal, dass die Übungen auf den ersten Blick seltsam und albern wirken. Aber Lachen ist immer eine gute Ergänzung zu den Übungen, denn der leichtere Umgang mit dem Handicap hilft, es zu besiegen. Außerdem beweisen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass sich bei frühzeitiger Behandlung und ausdauerndem Üben bei chronischem Tinnitus bei 8 von 10 Patienten nach 3 Wochen bis 3 Monaten bzw. nach 6 bis 8 Monaten eine Linderung einstellt. Es kommt ganz auf die Bereitschaft der Betroffenen an, sich mit den Übungen selbst Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. Der „innere Heiler“ wird aktiviert und die Patienten lernen sehr schnell, welche Übungen gut für sie sind. Maria Holl autorisiert jeden Patienten, innerhalb kurzer Zeit selbst die Übungen zusammenzustellen, durch die Behauptung: „Übungen, die mir Freude bereiten und mir immer wieder einfallen, sind die richtigen!“ Die Lebenskraft wird neu aktiviertDie Lebenskraft, auch als Chi bekannt, die nach den Erkenntnissen von Maria Holl bei Tinnitus-Patienten zu viel im Kopf-, Nacken- und Brustbereich und zu wenig im Becken, Beinen und Füßen gesammelt ist, wird harmonisiert und neu aktiviert. Welche Möglichkeiten gibt es für Betroffene?Angefangen hat alles 1996, und die ersten Kurse fanden im Zentrum für Gesundheitsförderung des Marienhospitals Aachen statt. Mittlerweile gibt es einen Gesundheitsratgeber, der in 12, leicht verständlichen Lektionen, die teilweise durch erklärende Zeichnungen ergänzt sind, die Betroffenen in ein Selbsthilfeprogramm einführt. Rückmeldungen, die ausdrücklich erwünscht sind, gibt es einige, so zum Beispiel per E-Mail von einer Frau aus Regensburg: „Was mich sehr gefreut hat ist, dass ich gleich zu Anfang einen deutlichen Erfolg verspüren konnte. Der Tinnitus war nach ein paar Wochen fast weg. Es macht mir immer wieder Spaß zu üben. Das Üben ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden.“ Die Kurse finden jetzt in der Praxis von Maria Holl statt. Meist kommen die Patienten 8 Abende, an denen ihnen in Gruppen von 8-12 Teilnehmern sowohl Grundlagenübungen, als auch an die persönlichen Bedürfnisse angepasste Methoden vermittelt werden. Maria Holl kann aber in anderen Regionen Kurse für Gruppen anbieten, die an einem oder zwei Tagen stattfinden, und für Betroffene außerhalb des näheren Umkreises gibt es zusätzlich die Möglichkeit der Blocktherapie an 3 - 5 aufeinander folgenden Tagen in Aachen. Um all den Hilfesuchenden in baldiger Zukunft die von Maria Holl entwickelte Therapie-Methode anbieten zu können, hat im Mai der erste Ausbildungskurs mit Heilpraktikern, Therapeuten und Menschen aus helfenden Berufen begonnen. Es handelt sich hierbei um eine berufliche Zusatzausbildung zum Tinnitus-Atemtherapeuten, die theoretisches Wissen vermittelt und praktische Übungen vorstellt. Die Auszubildenden lernen im Team und möchten das Wissen durch die Bundesrepublik weitertragen. Hans Knör, der Vorsitzende der Deutschen Tinnitus-Liga e.V. schreibt in der Novemberausgabe des Forums, dass der Ratgeber für Betroffene wie für Therapeuten gleichermaßen geeignet ist. Henriette Höllnigk Nähere Informationen unter:0241/ 51 38 50 Mo 19-20.30 Uhr, Di+Do 9-12.30 Uhr e-mail: info@maria-holl.de
Literaturhinweis: Maria Holl: Tinnitus lindern. Vorbeugung, sanfte und nachhaltige Heilung: Ein Selbsthilfeprogramm. Jopp Oesch Verlag, 2002. € 12,90.
|
BALANCE Heft-Abo aktuelles Heft
Copyright BALANCE ® online, 2001 - 2012 |