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Startseite > Themen > Alternative Therapien > Sitzend aus der Misere Sitzend aus der MisereDas Säugetier Mensch hat sich über Millionen von Jahren zu dem entwickelt, was es heute ist. Wie alles in der Natur haben auch wir als Menschen uns sehr langsam über Anpassung immer weiter entwickelt, und zwar immer an den Bedürfnissen orientiert. Das heißt, dass es immer vorrangig wichtig war, alle Funktionen den jeweiligen Erfordernissen bestmöglich anzupassen. Dies ist ein Gesetz der Evolution. Es war für die Spezies Mensch, wie für alle anderen Säugetiere, vorrangig wichtig, sich und die Art zu erhalten. Dies war nur in Bewegung möglich. Unsere Vorfahren waren, abgesehen von Ruhepausen, wenn es nichts zu tun gab, ständig in Bewegung, um Nahrung zu suchen oder das Überleben der Gattung zu sichern. – Diese Tatsache ist insofern von besonderer Bedeutung, als sich ja somit jedes unserer Organsysteme und auch unser Bewegungsapparat unter dem nahezu ständigen Vorhandensein von Bewegung entwickelt hat. Bewegung muss also bei der gesunden Funktion eines solchen Systems eine übergeordnete Rolle spielen. Es dürfte kaum jemandem wirklich neu sein, dass z.B. eine üppige Mahlzeit besser und schneller verdaut wird, wenn man geht, als wenn man auf dem Sofa sitzt. Der Verdauungstrakt nutzt die Auf- und Abbewegung, um seine Arbeit zu tun, so auch alle anderen Organe. Das Rückrat als OrganFür unsere Betrachtung hier ist das Rückrat von besonderer Bedeutung. Man kann das Rückrat in der Vielzahl und Wichtigkeit seiner Funktionen getrost auch als Organsystem betrachten. Dieses hochkomplexe System von Knochen, Knorpeln, Pufferkörpern, Bändern, Muskeln, Gefäßen und Nervenkanälen hat sich darauf spezialisiert, unseren gesamten Organismus bestmöglich im Schwerkraftfeld auszurichten und fortzubewegen, und zwar auch, als und nachdem der Mensch sich mehr und mehr auf die Hinterläufe aufrichtete und seinen aufrechten Gang entwickelte. Da es notwendig war, dass das Wesen Mensch fast ständig in Bewegung war, war also auch das Rückrat in ständiger Bewegung. Es hat sich so entwickelt, dass diese ständige Bewegung seinem Selbsterhalt nützlich war. Es braucht die Bewegung um reibungslos funktionieren zu können wie ein Scharnier die Bewegung braucht, um nicht fest zu sitzen. Gleichgewicht und DynamikIn der unglaublich langen Zeit, in der der Mensch seine Spezialität des aufrechten Ganges entwickelt hat, bekam die Wirbelsäule eine besonders delikate Aufgabe: Den länglichen Rumpf über einer äußerst kleinen Fläche auszurichten und gleichzeitig mit erhöhtem Kompressionsdruck zurechtzukommen. Um diese Aufgabe zu erfüllen, war es wichtig, den Schwerpunkt immer möglichst zentral im Bereich der Füße zu halten. Nur so konnte das System mit geringem Kraftaufwand seine Aufgaben erfüllen. Dies verlangt höchst feine Bewegungen der einzelnen Wirbel zueinander. Jeder kennt sicher noch die Herausforderung ans Geschick, einen hohen Turm aus Bauklötzen zu bauen. Gerät dabei der Schwerpunkt zu weit nach außen, kippt alles um. Was erst, wenn Sie versuchen, den Turm beim untersten Klotz zu fassen und ins andere Zimmer zu tragen? Selbst wenn Sie den Turm nur so in der Luft halten wollen, werden Sie merken, dass Sie ständige kleine Korrekturen brauchen, um die Klötze übereinander zu halten. Das entspricht genau der Aufgabe, die die Wirbelsäule, unter anderem, für uns erledigen soll. Die Bandscheiben entwickelten sich zu einem Puffersystem, das Bewegung braucht, um seine Aufgabe zu erfüllen. Sie regenerieren sich über Bewegung und bleiben so lange der großen Herausforderung gewachsen, den Druck abzupolstern... oder aber sie verkümmern in Bewegungslosigkeit und machen uns die hinlänglich bekannten Probleme. Dies ist ähnlich den Dichtungen in Ihrer Autotüre, die länger flexibel bleiben, wenn sie benutzt werden. Bleiben sie unter ständiger Kompression werden sie schnell spröde und werden brüchig. Moderne ZeitenAll das bisher Aufgeführte bezieht sich auf einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren. Die Zeit, in der die Menschheit sich zivilisiert hat und damit ihre Lebensumstände drastisch verändert hat, ist dagegen winzig. Nach einigen Zwischenstationen sind wir heute soweit, dass wohl die meisten von uns den größten Teil ihrer Zeit sitzend verbringen. Eine Funktion, die früher kaum vorkam – denn zum Ruhen legte das Urviech Mensch sich eher hin – wurde also für Viele zur Basis der Funktion der Selbsterhaltung. Wir sind nicht mehr unterwegs, um Nahrung zu suchen oder zu jagen, sondern sitzen am Schreibtisch und verdienen das Geld, um uns damit die Nahrung kaufen zu können. Damit gebrauchen wir unser Rückrat in genau der Weise, mit der es am wenigsten zurechtkommen kann: In langer relativer Bewegungslosigkeit und unter Druck (auch mehr als früher, denn wir sind dicker denn je). Die Gattung Mensch hatte schlicht noch keine Zeit, sich solchen Umständen anzupassen und braucht dafür wohl auch noch eine lange Zeit. Die häufigsten und quälendsten Rückenschmerzen gehen mit einer Versteifung des Rückrates einher. Vielleicht haben wir es ja in einigen tausend Jahren geschafft, und unsere Wirbel sind teilweise miteinander verwachsen und die Bandscheiben der noch beweglichen Teile haben sich den neuen Gegebenheiten anpassen können. – Aber wollen Sie weiter leiden und sich damit trösten, dass es im Sinne der Evolution sein könnte, den Menschen sofa- und schreibtischtauglich zu machen? Ausweg aus dem DilemmaIst es nicht wesentlich sinnvoller, die Herausforderung anzunehmen und aus der Not eine Tugend zu machen. Könnte man die so bedeutungsvoll gewordene Funktion des Sitzens nicht für sich nutzen, statt sich immer weiter krank zu sitzen? Man kann!
Dass mehr Bewegung nötig ist, um gesund zu bleiben bzw. zu
werden, ist inzwischen eine verbreitete Einsicht. Die Fitnessstudios sind voll
mit schwitzenden Menschen, die so an ihre Vergangenheit anzuknüpfen versuchen.
In den Parks begegnet man früh wie spät joggenden Büroarbeitern, in zahllosen
Verkaufsshows preist man uns Trainingsgeräte an, die alles wieder in Ordnung
bringen sollen. Tolle Lösung: Wir verbringen also an die 8 Stunden sitzend und
schädigen uns damit, dann gehen wir 2 Stunden ins Studio oder laufen im Park,
sitzen wieder ein paar Stunden zu Hause. Und am nächsten Tag geht alles von vorn
los...
Wie wäre es stattdessen damit: die acht Stunden Sitzen FÜR unseren Rücken zu nutzen, statt gegen ihn und damit vielleicht sogar manche der manchmal lästigen Fitnessprogramme überflüssig werden zu lassen? Auf Basis der Feldenkraismethode gibt es ein Sitztraining, das nach einmaliger Einführung und mit einem denkbar einfachen Hilfsmittel die Vorraussetzungen dafür schafft. Sie werden in einem Seminar zunächst mit Hilfe der bewährten und recht angenehmen Lektionen in „Bewusstheit durch Bewegung“ auf ihre krank machenden Muster und Gewohnheiten aufmerksam gemacht. Gleichzeitig lernen Sie wichtige Zusammenhänge in Ihrem Körper zu erspüren und zu berücksichtigen. Diese Übungen machen Sie zunächst auf dem Boden liegend und später auf einem so genannten Ballkissen sitzend. Auf diese Weise finden Sie recht schnell heraus, wie Sie ihr Rückrat während ihrer Arbeit in Bewegung halten können, ohne sich dafür Zeit abzweigen zu müssen oder ihre Arbeit zu vernachlässigen. Auf diese Weise nutzen Sie die Zeit, in der Sie sich sonst schädigen, zur Sanierung und Gesunderhaltung ihres Rückens. Die dafür benutzten Ballkissen (nicht zu verwechseln mit den bekannten Sitzbällen!) sind dezent flach, passen auf jeden Stuhl und sind damit überall einsetzbar. Die Übungen verselbständigen sich nach sehr kurzer Zeit. Das heißt, Ihr Sitzen als solches wird zur Übung. Ihr Nervensystem widmet sich wieder wie früher der Aufgabe, Ihren Rumpf im Gravitationsfeld zu tarieren, statt mit „Verhaltungen“ auf Schmerzen zu reagieren und die Situation weiter zu verschlimmern. Aus der, wegen ihrer Einfachheit und Wirksamkeit inzwischen recht bekannten Feldenkraismethode, ist mit diesen „Aktives Sitzen“ genannten Trainings eine absolut zeitgemäße und wenig aufwändige Lösung für das Problem „zivilisationsbedingte Rückenschmerzen“ hervorgegangen.
Peter Schulz
Die Trainings werden vom Autor in offenen Wochenend-Workshops, Einzelstunden oder auch in Seminaren für Firmen vor Ort angeboten.
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