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Startseite > Themen > gesund leben > Fasten FastenFastenzeiten finden wir in vielen alten Weltkulturen. Es wurde gefastet, um die Götter gnädig zu stimmen, den Regen zu schicken oder vor Hungersnöten zu bewahren. Von den Spartanern und Persern ist bekannt, dass sich ihre Jugendlichen immer härteren Fastenzeiten unterziehen mussten, um Kraft und Widerstandsfähigkeit zu entwickeln. Am bekanntesten ist jedoch das religiöse Fasten. Alle großen Religionsführer (Moses, Jesus, Buddha, Mohammed) haben gefastet. Im Christentum und Judentum wird Fasten als Weg zur Erlösung, zur Vergebung von Sünden und als Stärkung gegen Verlockungen verstanden. Im Islam werden die Gläubigen während des Ramadans aufgefordert, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder zu essen, zu trinken, zu rauchen noch sich zu lieben. Das soll den Charakter schulen und den Glauben stärken. Einen ähnlichen Hintergrund hat die 40tägige Fastenzeit im Christentum. In der Antike erwartete man vom Fasten die Heilung von Krankheiten, aber auch eine Reinigung des Geistes, Freiheit und innere Zufriedenheit. Man glaubte auch, Fasten schütze vor dämonischen Einflüssen. In antiken Mysterienkulten fastete man, um visionäre Erfahrungen machen zu können. Der Prophet eines Orakels musste einige Tage fasten, bevor er das Orakel fragen durfte. In vielen alten Naturvölkern fastete man, um in Ekstase zu geraten und in diesem Zustand Botschaften von Göttern zu erhalten. Was aber bewegt Menschen heute in einer Welt des kulinarischen Überflusses, sich auf das Abenteuer Fasten einzulassen? Die Angst vor dem Verhungern ist tief in uns verankert, und es gehört eine gehörige Portion Mut dazu, diese Angst zu überwinden. Oft muss man sich auch gegen die Meinung von Freunden, Familienangehörigen oder auch Experten durchsetzen, die Fasten für gefährlich oder gar Spinnerei halten wie Prof. Dr. Joachim Mössner, Magen-Darm-Experte an der Universität Leipzig, der, wie er selbst sagte, noch nie gefastet hat, aber Fasten als „mittelalterlichen Hokuspokus“ bezeichnet. Trotz solcher Expertenmeinung entschließen sich immer mehr Menschen dazu, Fasten am eigenen Leib auszuprobieren. Der Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn mahnte 1993 in einer Rede zur „Dringlichkeit der Selbstbegrenzung“. Viele Fastenwillige scheinen das auch so zu sehen. Sie möchten in einer Zeit der Fülle und des Überflusses wieder ein rechtes Maß finden, sich besinnen, zur Ruhe kommen und Kraft tanken. Frauen und Männer haben unterschiedliche MotivationenMeist reift der Entschluss zu fasten in einer Umbruchphase des Lebens. Bei Frauen hat es in der Regel psychische Hintergründe, wenn sie beispielsweise nach einer Trennung eine Besinnung zur Neuorientierung brauchen. Viele Frauen fasten zum ersten Mal in den Wechseljahren, wenn sie spüren, dass Veränderungen notwendig sind. Bei Männern liegen die Gründe eher im gesundheitlichen Bereich, wenn etwa der Arzt Abnehmen verordnet hat oder sie plötzlich einer Krankheit gegenüberstehen, der sie sich ausgeliefert fühlen. Manchmal fasten Männer allerdings auch, weil sie von ihrer Frau dazu verdonnert wurden, was allerdings immer zum Misserfolg führen muss. Mehr dazu später. Fasten hat viele GesichterFasten heißt, bewusst auf feste Nahrung zu verzichten – für Stunden, Tage oder Wochen. Fasten ist dem Körper bekannt. Er fastet nämlich in jeder Nacht. Im englischen Wort „break-fast“ (Fasten-Brechen) kommt das noch zum Ausdruck. In Mode gekommen ist auch das „Dinner-Cancelling“, bei dem die Abendmahlzeit ausgelassen wird. Es gibt das Lang- und Kurzfasten, wobei das Langfasten über mehrere Wochen meist als Heilfasten (z. B. nach Buchinger) in einer Klinik durchgeführt wird. Beim Buchinger-Fasten werden nur Kräutertees, Obst-, Gemüsesäfte und Gemüsebrühe getrunken. Diese Art des Fastens ist immer wieder kritisiert worden, da man eine ausreichende Vitalstoffzufuhr anzweifelt. Stattdessen wird das so genannte „modifizierte“ Fasten empfohlen, bei dem gezielt Vitalstoffe und vor allem Eiweiß zugeführt werden. Modifiziertes Fasten verhindert den Abbau körpereigenen Proteins, den Jojo-Effekt sowie zahlreiche Komplikationen des strengen Fastens und führt laut Studien auch zu einem relativ raschen Verlust von Fettgewebe bei guter Erhaltung der Muskulatur. Es stellt sich auch die Frage, ob ich alleine oder in der Gruppe fasten möchte, ob ich eher viel Bewegung brauche (dann ist die Form des Fasten-Wanderns sinnvoll, bei dem man täglich längere Wanderungen macht) oder ob ich eher eine besinnliche, meditative Zeit wünsche. Wer sich zum Fasten entschlossen hat, steht also vor der Qual der Wahl. Er muss das Fastenkonzept finden, das zu ihm passt. Den Königsweg gibt es nicht. Manchmal muss man erst einiges ausprobieren. Ich selbst habe nach einigen Versuchen das Molke-Fasten für mich entdeckt. Die Molke-Trinkkur ist die älteste Form des modifizierten Fastens. Sie gehört in die Sparte des Kurzfastens und wird meist 5-10 Tage durchgeführt. Schon Hippokrates verordnete Molke bei Lebererkrankungen, Gicht, zur Regeneration und Stoffwechselaktivierung. Molkeeiweiß enthält alle essentiellen und nicht essentiellen Aminosäuren und wird vom Körper optimal aufgenommen und verwertet. Molkeeiweiß steigert zudem die Entgiftungsfähigkeit und stärkt das Immunsystem. Weiterhin enthält Molke viele Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Enzyme. Es gibt mittlerweile zahlreiche Molke-Instant-Getränke auf dem Markt. Wer sie zum Fasten nutzen möchte, sollte einen genauen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen und auf Qualität achten. Oft sind zur Geschmacksverbesserung Aromen und Zucker zugesetzt. Da außer Fructose mit seinem niedrigen glykämischen Index jeder Zucker (auch Süßstoff!) hungrig macht, ist Vorsicht geboten. Für Personen mit Laktoseintoleranz sind diese Fertigprodukte nicht geeignet. Für sie gibt es als Alternative laktosefreie Molkeprotein-Shakes oder Soja-Protein-Shakes. Weglassen, was schadet – zuführen, was gut tutFasten führt zu einem positiven Ergebnis, wenn einige Bedingungen erfüllt werden. Die Nährstoffzufuhr muss optimal sein – kalorienarm aber vitalstoffreich und vielseitig im Geschmack. Da beim Fasten „Schlacken“ gelöst werden, ist die Einnahme von basischen Mineralstoffen wie Kalzium, Magnesium, Kalium sinnvoll und kann ein Überfluten des Körpers mit freigesetzten Säuren verhindern sowie die Ausscheidung beschleunigen. Rechtzeitig, das heißt schon am Abend vor Fastenbeginn eingenommen, verhindern sie zudem die bei vielen Fasteneinsteigern am ersten Tag auftretenden Kopfschmerzen. Ausscheidungsorgane unterstützenFasten fällt leicht und macht Spaß, wenn mögliche Komplikationen von vorn herein verhindert werden. So ist eine gründliche Darmreinigung das A und O. Sie erfolgt zu Fastenbeginn durch Glaubersalz oder das sanftere F.X Passage-Salz. Die Darmreinigung wird während der gesamten Fastenzeit weitergeführt, da sonst leicht Kopfschmerzen, Übelkeit und vor allem Hungergefühle auftreten. Dazu eignen sich Sauerkrautsaft sowie Kräutermischungen, die nicht nur die Darmentleerung fördern, sondern gleichzeitig die Entgiftungsorgane anregen. So mancher Fastende wundert sich über den „schwarzen Dreck“, der dann tagtäglich ausgeschieden wird. Trinken ist lebenswichtig. Beim Fasten gilt das ganz besonders, da die Niere das Hauptausscheidungsorgan ist. Beim Molke-Fasten werden etwa 1 Liter Molke getrunken und 2 Liter weitere Flüssigkeit in Form von Kräutertees, verdünnten Gemüsesäften und viel stillem Wasser. Die Geschmacksvielfalt ist wichtig, denn Eintönigkeit führt schneller zum Fastenabbruch. So schmeckt Molke süß, Brühe eher salzig, ayurvedisches Ingwerwasser scharf, Sauerkrautsaft sauer, Artischockensaft bitter, und stilles Wasser hat einen neutralen Geschmack. Da die gesamte Fastenverpflegung basenbetont sein sollte, sind säuerliche Früchtetees oder kohlen-säurehaltiges Wasser weniger geeignet. Unangenehme Begleiterscheinungen des Fastens wie Kopfschmerzen und/oder Übelkeit weisen darauf hin, dass die Entgiftung unzureichend erfolgt. Eine Verbesserung der Leberfunktion ist dann besonders wichtig. Feuchtwarme Leberwickel gehören beim Fasten zum Standard und sind wegen ihrer nicht nur entschlackenden sondern auch beruhigenden Wirkung sehr beliebt. Die Ausscheidung über die Lunge und die Haut wird durch maßvolle körperliche Bewegung (Yoga, Spaziergänge, Schwimmen usw.), Atemübungen, Saunagänge, Besuch einer Infrarot-schwitzkabine, basische Bäder oder Massagen gefördert. Die richtige Körperpflege ist ebenfalls wichtig. Viele Kosmetik- und Körperpflegeprodukte haben nicht nur bedenkliche Inhaltsstoffe, sondern „verkleistern“ auch die Poren. Man sollte auf sie beim Fasten ganz verzichten. Wasser alleine hat eine viel größere Reinigungskraft, als man denkt. Zur Hautpflege sind reine Öle wie Jojobaöl geeignet. Die Mundhygiene ist ganz entscheidend, da die Zunge gerade in den ersten Fastentagen stark belegt sein kann. Es wird empfohlen, den Belag zu entfernen, damit die Ausscheidungen nicht wieder in den Kreislauf gelangen. Fasten heißt nicht hungernEs gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Fasten und Hungern. Fasten ist der bewusste und freiwillige Verzicht aus feste Nahrung. Wer mit Vorbehalt und Ängsten an das Fasten herangeht, begibt sich in eine Stresssituation, was nagenden Hunger und Unwohlsein auslösen kann. Das ist auch der Grund, warum es unsinnig ist, jemanden zum Fasten zu überreden. Die innere Einstellung ist hier ganz entscheidend. Normalerweise sind Hungergefühle am zweiten Tag vorbei, und es beginnt eine Zeit, in der man oft überwältigt wird von dem Gefühl, dass nun nicht mehr der volle Magen das Wohlbefinden diktiert, sondern etwas anderes, das man lange nicht mehr wahrgenommen hat: „Ich bin nicht mehr abhängig von vollen Fleischtöpfen. Ich nähre mich aus mir selbst.“ Wer sehr kontrolliert und erfolgsorientiert ist oder nicht loslassen kann, wird sich in der ersten Zeit des Fasten nicht leicht tun. Aber das Fasten selbst wird nicht umsonst als „natürliche“ Psychotherapie bezeichnet, die viele innere Bewusstseinsprozesse und Veränderungen in Gang setzen kann. So manch einer verlässt die Fastenwoche nicht nur äußerlich als neuer Mensch. Während der ersten beiden Fastentage steht die körperliche Befindlichkeit im Vordergrund. Der Körper stellt sich auf die Ernährung von innen um. Kreislaufprobleme oder leichtes Unwohlsein können auftreten, was man aber schnell in den Griff bekommt. Ab dem dritten Tag passiert dann meist das „Fasten-Wunder“. Von Hunger ist nun keine Spur mehr. Man fühlt sich leicht, beschwingt, könnte Bäume ausreißen und möchte am liebsten die ganze Welt umarmen. Was passiert da? Man weiß heute, dass während des Fastens der Stresshormonspiegel um die Hälfte sinkt. Gleichzeitig erhöhen sich etwa ab dem dritten Fastentag die Wohlfühlhormone. Zusammen wirkt das stärker als moderne Antidepressiva. Das erklärt die intensiven Gefühls- und Sinneserlebnisse, die das Fasten zu einem besonderen Erlebnis machen und bis zu einem halben Jahr anhalten. Was gewinnt man durchs Fasten?Zunächst verliert man etwas und zwar überflüssige Pfunde (Männer mehr als Frauen), nicht unbedingt viele, aber erstaunlicherweise gerade dort, wo es erwünscht ist. Doppelkinn und „Hängebacken“ werden kleiner oder verschwinden ganz. Die zu enge Hose passt wieder. Die Haut wird insgesamt straffer und jugendlicher, vor allem im Gesicht. Krankheiten wie Rheuma, Altersdiabetes, Migräne und viele andere werden sehr positiv beeinflusst. Der Körper ist viel beweglicher. Der Geist auch. So manchem geht bei Fasten ein Licht auf. Lösungswege für Probleme tun sich auf. Man hat viel Energie gewonnen, diese Wege auch zu gehen. Stress und Angespanntheit haben sich aufgelöst. Stattdessen ist man von guten Gefühlen und innerem Frieden erfüllt. Kurzum: man fühlt sich tatsächlich wie neugeboren. Das Erstaunliche daran ist, dass dies alles innerhalb einer Woche möglich ist. Ulla Scholten Tel. 0 21 04 -1 34 73
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