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Heilung
durch die Bereitschaft zur
Veränderung
Heilung ist die Wandlung von Krankheit in Gesundheit.
Voraussetzung für Heilung ist deshalb, die Bereitschaft, Wandlung anzunehmen.
Die Bereitschaft zur Veränderung muss für alle Bereiche des Lebens gelten. Es
geht nicht zu sagen, ich lasse Veränderung in diesem Bereich meines Lebens zu
und in den anderen nicht. Das Leben ist nicht teilbar. Es gibt nur die Wahl
zwischen zulassen oder blockieren. Das Leben ist ein Geschenk, dass sich ständig
wandelt...
Aus Mangel an Bereitschaft zum Wandel werden viele kranke
Menschen nicht gesund. Sie wollen lediglich die Veränderung ihres körperlichen
Zustands. Andere Veränderungen werden abgelehnt. Solange jedoch im Inneren alles
beim Alten bleibt, bleibt auch im Außen alles beim Alten. Die Ablehnung von
Veränderung beruht auf der Furcht vor Überraschungen. Überraschungen werden von
den Ängstlichen für böse gehalten. Sie haben Angst vor bösen Überraschungen.
Deshalb schließen sie die Tür für alle Überraschungen.
Überrascht kann ich nur sein, wenn Neues geschieht. Bin ich
ver-liebt, ist jeder Augenblick neu. Dann bin ich gespannt auf das, was kommt.
Bleibt alles beim Alten, weiß ich, was kommt. Deshalb ist Liebe ein heilendes
Mittel, ein Medikament. Ein Medikament kann aber nur wirken, wenn es eingenommen
wird. Mich können tausend Menschen lieben und ich könnte ihre Liebe dennoch
nicht in mir spüren. Ich muss bereit sein, die Liebe in mir zuzulassen.
Ich muss bereit sein, die Überraschungen, die sie mit sich
bringt, anzunehmen. Ich muss gespannt sein auf die Wandlung, die mir durch die
Liebe widerfährt. Der Wille, das (vermeintlich) Gute festzuhalten, keine
Veränderung zu dulden, behindert meine Liebe. Liebe braucht weichen Boden. An
Steinen prallt sie ab. So lange ich hart und fest bin, an meinen Ansichten,
Meinungen und Urteilen fest halte, kann die heilende Liebe in mir nicht
wachsen.
Veränderungen sind unaufhaltsam
Veränderung kommt ganz von alleine. Ich brauche nicht viel
zu tun. Wenn ich den Himmel betrachte, sehe ich die Wolken vorüber ziehen. Ich
muss nichts tun, es geschieht ganz von alleine. Mein Körper verändert sich.
Langsam aber stetig. Auch dafür brauche ich nichts zu tun. Es geschieht von ganz
allein. Die Jahreszeiten wechseln. Ich brauche nichts dafür zu tun. Jeder Tag
vergeht, die Nacht kommt. Jede Nacht vergeht, ein neuer Tag beginnt. Ich brauche
nichts dafür zu tun. Es geschieht von ganz allein.
Energie muss ich nur aufbringen, wenn ich versuche, die
ewigen Veränderungen um mich herum aufzuhalten. Jeder, der das versucht, wird
scheitern. Und viele, die es versuchen, zerbrechen an ihrem Scheitern.
Jede Veränderung ist unaufhaltsam. Wer sich dagegenstemmt,
verliert seine Kräfte. Wer es allzu lange probiert, wird krank.
Es gibt keinen Stillstand des Lebens. Die Lebensenergie
kann nicht aufhören zu fließen. Wird sie blockiert, prallt sie ab. Wie Wasser an
einem Staudamm macht sie an der Stelle der Blockade Kapriolen. Die Energie sucht
sich einen Weg an der Blockade vorbei. Sie fließt drunter und drüber, links und
rechts herum. Frei fließend erschafft sie das Schöne und Reine, abprallend an
der Blockade das Schmerzliche. Sie zerstört Körperzellen und lässt neue
entstehen, Prozesse werden verändert, verlangsamt, beschleunigt oder beendet. Es
kommt zu Krebs, Entzündungen, Infarkten. Die Schaffenskraft der Energie ist
unbegrenzt. Die Artenvielfalt ihrer Schöpfung ist unermesslich. Die Energie will
durch den Körper hindurch nach Außen fließen. Wird ihr das verwehrt, richtet sie
sich nach innen.
Über den vermeintlichen
Schutz von Mauern ...
Eine Blockade ist eine Mauer, die man baut, um sich und die
Welt vor seiner Lebensenergie zu schützen. Die Mauer soll verhindern, dass die
Lebensenergie nach außen fließt und dort dummes Zeug machen kann. Dahinter
steckt die Angst vor Missbrauch der Energie. Ich habe Angst, dass ich mit meiner
Energie nicht richtig umgehen kann, sie nicht zu meinem Nutzen sondern zu meinem
Schaden einsetze. Lieber blockieren als missbrauchen.
Ich habe Angst, meine Energie ganz und gar zu investieren
und dann von anderen Menschen enttäuscht und verletzt zu werden. „...Ich habe
all meine Kraft in die Liebe zu dieser Frau gesteckt, habe sie von ganzem Herzen
geliebt, und sie verlässt mich...“ Lieber blockieren als missbraucht zu werden.
Die Mauer wird immer dort gebaut, wo die Lebensenergie
gestoppt werden soll. Wer glaubt, dass ihn seine Worte in Teufels Küche bringen
könnten, baut eine Mauer im Bereich des Halses. Viele haben nicht nur Angst vor
dem Ausdruck ihres Ärgers sondern auch vor dem Ausdruck ihrer Freude. Oftmals
bleiben die Worte: „Ich liebe Dich“ unausgesprochen. Gerade Männer haben Angst,
als weich oder gefühlsduselig zu gelten. Als Polizist weiß ich, wovon ich rede!
Und wie sehr kann man enttäuscht werden, wenn der Energie
im Bereich des Herzens erlaubt wird, sich frei zu entfalten. Wenn man sich der
Liebe hingäbe und später die Trennung kommt? Jede Beziehung endet eines Tages
mit der Trennung. Entweder durch Scheidung oder Tod. Kaum ein Liebespaar stirbt
zur gleichen Zeit. Meist bleibt einer zurück. Und je größer die Liebe desto
stärker die Trauer. Davor scheuen viele zurück. Also fix gebaut die Mauer im
Bereich des Herzens.
Die Seele drückt sich durch den Körper aus. Zu jedem
Bereich des Körpers gibt es eine seelische Entsprechung. Der Ort der Symptome
kann daher ein Hinweis auf die seelische Ursache sein.
Warum habe ich wo Schmerzen?
Es hilft bei Krankheit nicht die Frage weiter: „Warum
gerade ich?“ sondern oft: ‚Warum gerade dort?’ Nun ist das für viele nicht so
recht einsehbar: „Was haben meine Rückenprobleme mit meiner Seele zu tun?
Schließlich muss ich schwer heben, mein Bandscheibenvorfall kommt von der
ständigen Belastung des Rückens...“
Dennoch haben nicht alle Menschen, die schwer heben,
Probleme mit ihrem Rücken. Ich spreche hier nicht von Muskelkater, der wieder
verschwindet. Auch Hunger geht vorbei, wenn man gegessen hat. Aber alle
dauerhaften Symptome haben eine seelische Ursache. Nicht zufällig ist der eine
anfällig für eine bestimmte Krankheit und der andere nicht.
Ein anderes Beispiel: Rauchen verursacht Krebs. Was hat nun
der Teer in der Lunge eines Kettenrauchers mit der Seele zu tun? Hätte der
Mensch nicht so viel geraucht, wäre ihm das Raucherbein erspart geblieben. –
Dennoch erkrankt der eine Raucher und ein anderer nicht. Viele Volksstämme auf
der Erde qualmen wie die Wahnsinnigen. Am allabendlichen Lagerfeuer werden auch
Kinder beim Herumreichen der Friedens-Pfeife nicht ausgenommen. Doch Lungenkrebs
ist bei ihnen unbekannt. Woran liegt das?
Entscheidend scheint zu sein, in welchem Bewusstsein
geraucht wird. Raucht ein Mensch bewusst, also um des Rauchens willen oder liegt
der Grund verborgen im Unterbewussten? Die Angehörigen eines Indianerstammes
rauchen aus anderen Motiven als die Broker an der New Yorker Börse.
Warum verführt die Seele den Körper zum Rauchen? Ist es
Genuss, lässt sich der Mensch eben nur auf das ein, was das Leben so bietet,
oder ist es Sucht, steckt eine Suche dahinter?
Nicht alle Sucher rauchen. Viele suchen woanders, haben
sich auf Süßigkeiten oder Alkohol verlegt. Manche suchen im Verborgenen, den
anderen fällt es nicht auf. Die Spezies des Workaholic wurde erst vor kurzem
entdeckt. Auch ich war lange Zeit ein Workaholic bei der Polizei. Mittlerweile
bin ich in der Beziehung seit einiger Zeit trocken.
Vor etlichen Jahren litt ich unter einer chronischen
Nebenhöhlenentzündung. Diese Krankheit ist nicht schlimm, aber ausgesprochen
lästig. Ich schluckte Tabletten, trank literweise Tropfen, aß Antibiotika und
ließ mir Nadeln in alle möglichen Körperteile stechen. Zeitweise bekam ich die
Symptome in den Griff, aber eben nur zeitweise. Wenige Wochen später war es
wieder schlimm wie eh und je. Die Medikamente zeigten ihre körperliche Wirkung,
aber meine Einstellung änderte sich nicht. Ich glaubte, ein zufälliges Opfer zu
sein, schließlich kann so etwas jeden treffen. Ich kam nicht auf die Idee, dass
die Beschwerden irgendetwas mit mir zu tun haben könnten.
Blockaden in den Nebenhöhlen sind ein Frontalzusammenstoss
von Gedanken und Gefühlen. Eine Art energetischer Verkehrsunfall. Die Zentrale
der Gefühle ist das Herz. Es liegt in der linken Körperhälfte. Die Zentrale der
Gedanken liegt in der rechten Kopfhälfte. Die Gedanken beeinflussen unsere
Gefühle. Sie streben nach unten. Wer seine Gefühle unter Kontrolle halten will,
schickt sie nach oben in den Kopf. Die Gedanken sind auf dem Weg nach unten
links. Die Gefühle sind auf dem Weg nach oben rechts. In der Mitte prallen sie
aufeinander. Der Unfall blockiert die Kreuzung. Daher sollte versucht werden,
die Unfallkreuzung insgesamt in den Griff kriegen. Was nutzt die Beseitigung der
Trümmer, wenn es zwei Minuten später wieder kracht.
Die Akzeptanz, dass die Ursache einer Krankheit in einem
selbst liegt, ist der erste Schritt zur Heilung. Wenn der Mensch die Macht hat,
zu blockieren, hat er auch die Macht, sich wieder zu öffnen. Das ist die gute
Nachricht. Voraussetzung für Macht jedoch ist die Bereitschaft, Verantwortung zu
übernehmen. Nur der Boss hat in der Firma das Sagen. Aber der Boss hat auch die
Verantwortung. Wer nicht bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen, kann nicht
auf der Chefetage den dicken Max markieren. Das ist die schlechte Nachricht.
Krankheit als Botschaft
Jede Krankheit beinhaltet eine Botschaft. Die Seele klopft
an der Türe des Körpers an. Sie klopft dort solange an, bis sie verstanden wird.
Es hilft nicht, nur den Körper zu behandeln. Wird das kranke Organ gegen ein
gesundes ausgetauscht, die Botschaft aber nicht angenommen, muss die Seele
weiter an die Türe klopfen. Verstärkt man die Tür, klopft sie umso lauter. Geht
die Heilung des Körpers nicht mit der Heilung der Seele einher, werden die
Symptome nur verschoben. Dann zwickt es heute nicht mehr hier, sondern morgen
dort.
Auf der Suche nach schalldichten Türen befinden sich viele
auf einer jahrelangen Tournee durch diverse Arztpraxen. Sie geben die
Verantwortung für ihre Krankheit an der Rezeption des Arztes ab und setzen sich
dann machtlos ins Wartezimmer.
Meditationsübungen sind gute Schlüssel, um der Seele die
Tür zu öffnen. Dann braucht sie nicht mehr anzuklopfen. Der Blick ins Innere
führt zu Klarheit und Erkenntnis. Meditation erfordert Mut: Den Mut seine
Gedanken, Gefühle und inneren Bilder bewusst anzuschauen. Im Alltag neigen wir
dazu, ihnen auszuweichen, sie durch äußere Einflüsse abzulenken. Doch soll
Meditation uns nicht zur Flucht aus dem Leben verhelfen, sondern vielmehr Oasen
schaffen, in denen wir uns um das Wichtigste kümmern: Um uns selbst. Denn
welchen Bestand hätten die Dinge, mit denen wir uns beschäftigen, wenn es uns
selbst nicht gäbe?
Meditationen – Medikamente für die Seele
In der ab Oktober startenden Reihe „Meditationen –
Medikamente für die Seele“, werden wir uns ausführlich mit dem Einsatz von
Meditationsübungen beschäftigen. Es sind kleine Techniken mit großer Wirkung,
sofern sie regelmäßig, sprich täglich, durchgeführt werden. Der Zeitaufwand
beträgt nicht mehr als 10 Minuten am Tag. Eine Stunde sitzen und Om singen ist
nicht mein Ding. Ich bin ein Fan von kleinen, kurzen Übungen. Zum Beispiel von
der hier:
Ich setze mich in bequemer Haltung hin, schließe die Augen
und achte auf den Punkt zwischen meinen Augenbrauen. Ich stelle mir meinen Atem
wie weißes Licht vor, der durch diesen Punkt ein- und ausfließt. Beim Einatmen
denke ich das Wort „Ich“ und beim Ausatmen das Wort „bin“: „Ich bin“.
Diese Übung führt mich zurück zu dem, was ich wirklich bin:
Nicht Ehemann, nicht Sohn, nicht Polizist, nicht Buchautor. All das bin ich nur
in Beziehung zu anderen. Ich bin Ehemann nur in Beziehung zu meiner Frau, ich
bin Sohn nur in Beziehung zu meinen Eltern, ich bin Polizist nur in Beziehung zu
den Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe, ich bin Buchautor nur in
Beziehung zu meinen Lesern. Aber all das bin ich nur zum Teil. In Wahrheit bin
ich mehr. Ich bin nicht nur eine Rolle, sondern ein „Ich“ - und damit nichts und
alles zugleich.
Peter Michael Dieckmann
Das Buch zum Thema:
Peter Michael Dieckmann: „Wenn zwei sich treffen in meinem
Namen“
Gespräche mit JJ
Goldmann Arkana
ISBN: 3-442-33723-2
Weitere Informationen unter:
www.gespraechemitjj.de
Quelle: BALANCE 3/2005
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