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Konflikte
als Schlüssel zum Glück

Konflikte kennt jeder: Mit den Eltern, den Kindern, dem Partner, den Freunden, den Verwandten, mit völlig fremden Leuten, mit Institutionen und manchmal auch mit sich selbst. In der Regel kosten uns unsere Konflikte Nerven, Zeit, Energie, Geduld, Lebensfreude, Geld, usw. Mit anderen Worten: Konflikte belasten uns! Muss das sein?

In diesem Artikel soll eine Möglichkeit aufgezeigt werden, wie Sie konstruktiv mit Ihren Konflikten umgehen können, so dass Sie erkennen können, dass unsere Konflikte keine Hindernisse auf dem Weg zum Glück darstellen müssen, sondern Türen sind, hinter denen unser Glück darauf wartet, gefunden zu werden. Aber unsere Konflikte sind nicht nur die Türen, durch die wir unser Glück (-lich sein) erreichen können, sondern gleichzeitig auch der Schlüssel dazu. Die Kunst besteht darin, den Schlüssel zu benutzen und dann durch die Tür hindurch zu gehen. Und das ist einfacher, als man denkt.

Am Beispiel „Arroganz“ lässt sich dies gut veranschaulichen: Angenommen, es gäbe eine Person namens Peter, für den Arroganz eine schlechte Eigenschaft wäre. Weiterhin angenommen gäbe es Paul, der arrogant ist.

Zufällig begegnen sich Peter und Paul auf einer Tagung. Wie von einer unsichtbaren Hand gelenkt prallen die beiden aufeinander und bekommen sich prompt wegen einer Kleinigkeit in die Wolle. Das Ergebnis: Peter hält Paul für einen aufgeblasenen, arroganten Schnösel, ärgert sich furchtbar über ihn und schluckt, weil er nicht anders kann, seinen Ärger herunter... Wie wir alle wissen, lebt es sich mit heruntergeschlucktem Ärger nicht besonders gut! Können Sie sich an ein ähnliches Ereignis erinnern?

Opfer – Täter (wo arbeiten)

Das obige Beispiel ist so geschrieben, dass wir uns mit Peter, dem Opfer, identifizieren. Denn das ist das, was wir selbst typischerweise in Konfliktsituationen erleben. Wir erleben uns als Opfer und den anderen als Täter. Der logische Schluss daraus ist, dass ich als Opfer unschuldig bin, weil ich ja nichts gemacht habe und auch nichts machen kann! Nur der, der tut (der Täter also, der andere) kann etwas an der Situation und damit an meinem Wohlbefinden ändern. Damit (auch das scheint vollkommen logisch) muss ich den Anderen ändern(!?), wenn es mir besser gehen soll.

Haben Sie schon einmal versucht, einen anderen Menschen zu ändern? Haben Sie dabei auch festgestellt, dass das nicht geht, egal wie viel Mühe Sie darauf verwendet haben?

Also stecken wir in einem Dilemma. Schauen wir uns das Beispiel daher noch einmal genauer an: Es sind zwei Personen an diesem Konflikt beteiligt, und bis jetzt haben wir die ganze Verantwortung dafür dem Täter (Paul) zugeschoben. Ist das so in Ordnung?

Hätte Paul diesen Konflikt ohne Peter überhaupt erzeugen können? Nein! Damit erhält auch Peter einen Teil der Verantwortung. Peter wird somit vom reinen Opfer zum Mit-Täter. Er ist eine der beiden Personen, der die Situation (den Konflikt) durch seine Beteiligung erst möglich gemacht hat.

Wenn Peter das erkennt und damit nicht mehr nur hilfloses Opfer ist, sondern seine Verantwortung für das Entstehen des Konflikts übernimmt, dann hat er einen Ansatzpunkt für die Veränderung der Situation: Peter kann an seinem Teil der Verantwortung für den Konflikt arbeiten, und das ist um Längen einfacher, als an jemand anderem zu arbeiten.

Ordnung schaffen (was arbeiten)

Wir wissen jetzt also, woran wir arbeiten können und wo unsere Arbeit Früchte trägt. Nun steht die Frage nach dem „was arbeiten“ im Raum. Dazu schauen wir uns noch einmal das Beispiel an.

Das Thema des Konflikts bzw. der Punkt, an dem der Konflikt zum Ausbruch kommt, ist die Eigenschaft „Arroganz“. Paul hat davon jede Menge, und Peter kann sie nicht ausstehen.

Wie halten Sie es mit der Arroganz? Ist das für Sie eher eine positive Eigenschaft oder eine negative? Können Sie arrogante Menschen leiden oder regen Sie sich über sie auf? Natürlich ist das nur ein Beispiel. Sie können jedoch gerne die Eigenschaft „Arroganz“ durch jede andere menschliche Eigenschaft ersetzen und sich dann die gleiche Frage stellen: Ist diese Eigenschaft in Ihren Augen positiv oder negativ?

Meiner Erfahrung nach sind alle menschlichen Eigenschaften weder positiv noch negativ. Sie sind! Sie sind wie Werkzeuge, die wir zum Guten oder auch zum Schlechten einsetzen können!

Was hilft uns das aber bei unserem Konflikt? Ganz viel! Denn Eigenschaften, die wir als negativ und schlecht einstufen, sind wie Werkzeuge, die wir verlegt haben: Wenn wir sie brauchen, sind sie nicht zur Hand.

Wie ist das zu verstehen? Stellen Sie sich vor, jedes Werkzeug hat bei Ihnen einen bestimmten Platz an der Werkzeugwand. Damit jeder weiß, wo z.B. der Hammer hingehört, ist ein Umriss des Hammers auf der Werkzeugwand aufgemalt. Wenn Sie jetzt vor der Werkzeugwand stehen, sehen Sie sofort, ob der Hammer an seinem Platz ist oder nicht. Wenn eine unserer Eigenschaften (z.B. die Arroganz – ob wir ihrer bewusst sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle) nicht an ihrem Platz ist, dann erzeugt das an dieser Stelle so etwas wie ein Vakuum. Und so wie ein Vakuum Luft ansaugt, so saugt das Fehlen dieser (möglicherweise auch nur unterdrückten)  Eigenschaft bei uns diese Eigenschaft bei anderen an. Anders ausgedrückt: wenn ich zu wenig Arroganz in mir habe, dann treffe ich ganz automatisch auf Leute, die zuviel Arroganz in sich haben.

Zurück zum Beispiel: Für Peter ist Arroganz negativ besetzt. Für Paul hingegen positiv. Peter hat zu wenig Arroganz und Paul hat zuviel davon. Beide sind im Ungleichgewicht, und wie wir aus der Physik wissen, ziehen sich Plus und Minus gegenseitig an.

Solange Peter in seinem (Minus)-Ungleichgewicht bleibt, wird er immer wieder Menschen wie Paul anziehen, die in einem (Plus)-Ungleichgewicht sind. Dieses wechselseitige Anziehen hört erst dann auf, wenn wir im Gleichgewicht sind. Man könnte auch sagen: Wenn der Hammer an seinem Platz ist.

Wenn Sie möchten, nehmen Sie sich einen Moment Zeit und überprüfen Sie diese Aussagen anhand Ihrer eigenen Erfahrungen.

Der Andere als Hilfsmittel (wie arbeiten)

Und wie hilft mir das Ganze in der konkreten Konfliktsituation? Gar nicht! Ist der Konflikt da, dann ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Aber (!) wir können es wieder herausziehen und dafür sorgen, dass es nicht wieder hinein fällt.

Dazu brauchen wir unseren Konfliktpartner. Nicht die tatsächliche Person, sondern unsere Vorstellung von ihr. Unser Konfliktpartner steht stellvertretend für eine Eigenschaft, die wir an uns selbst nicht mögen. Wir könnten auch sagen, für ein Werkzeug, das wir verlegt haben.

Mit dem Werkzeug ist das ganz einfach: Wir suchen es und bringen es an seinen Platz zurück. Und mit unseren Eigenschaften geht das genauso leicht. Wir laden (in unserer Vorstellung) den Konfliktpartner (der die verlegte Eigenschaft repräsentiert) ein, sich seinen Platz in unserem Körper zu suchen und ihn einzunehmen. Sobald der Konfliktpartner (sprich, die ungeliebte Eigenschaft) seinen Platz eingenommen hat, hört das Ungleichgewicht in unserem Innern auf. Aber nicht nur das...

Wie wir aus der Physik wissen, braucht man für das Erstellen und Aufrechterhalten eines Ungleichgewichtes Kraft. Beispiel: Heben Sie mal einen schweren Stein hoch und halten Sie ihn fest. Das braucht Kraft!

Genauso ist es mit unseren Eigenschaften. Wenn wir sie von uns weisen, benötigen wir dazu Kraft bzw. Energie. Je weiter wir die Eigenschaften von uns weisen, umso mehr Energie kostet es uns, sie von uns fernzuhalten. Zurück zum Stein: Lassen wir ihn los, fällt er ganz automatisch von selbst an seinen Platz zurück und wir können unsere Kraft jetzt für etwas anderes einsetzen. Mit den ungewollten Eigenschaften ist das genauso. Hören wir auf, sie mit aller Gewalt von uns zu weisen, fallen sie an ihren Platz zurück und wir können die freigewordene Energie für etwas anderes einsetzen.

Wenn Sie das nach und nach mit all Ihren ungeliebten Eigenschaften machen, werden Sie feststellen, dass das Leben schöner wird und Sie mehr und mehr Energie zur Verfügung haben, die Sie für all das einsetzen können, was Ihnen wirklich Freude bereitet und Sie glücklich macht.

Resümee

Die Integration funktioniert in der Praxis fast genauso leicht wie hier beschrieben, auch wenn das für Sie zunächst schwer zu glauben ist. Doch wenn Sie es einmal ausprobiert haben, werden Sie nie wieder anders leben wollen.

Thomas Noß

 

Weitere Infos bei: LENA-evokativ

www.Lena-evokativ.de

 

 

Quelle: BALANCE 3/2005

 

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