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Startseite > Themen > Alternative Therapien > Meditationen MeditationenWer zum ersten Mal einen Meditationskurs belegt, tut es in den seltensten Fällen, weil er Spaß haben möchte. Die Motivation für Meditation ist eine andere. Die einen suchen Entspannung, andere Heilung, wieder andere Erleuchtung. Die meisten Kursteilnehmer möchten intensiver als bisher im Hier und Jetzt leben. Sie wollen den Augenblick nicht mehr verpassen. Meditation ist bewusstes Leben im Hier und Jetzt. Wenn ich sonntags zu Hause auf dem Sofa sitze und an meine Arbeit am Montag denke, bin ich nicht in Meditation. Meine Gedanken sind nicht dort, wo mein Körper ist. Meditationstechniken sind Ablenkungstricks für den Verstand. Die Übungen dienen dazu, den Verstand von Vergangenheit und Zukunft abzulenken, damit das Herz die Gegenwart empfinden kann. Wer denkt, kann nicht gleichzeitig fühlen und wer fühlt, kann nicht gleichzeitig denken. Das eine schließt das andere aus. Unter großen Schmerzen ist es schwer, ein mathematisches Problem zu lösen. Das Gefühl hindert den Verstand, klar zu denken. Wer umgekehrt an einem mathematischen Problem arbeitet, läuft nur geringfügig Gefahr, währenddessen in einen Weinkrampf zu verfallen. Ebenso klein ist die Gefahr, große Freude zu empfinden. Denken ist die beste Methode, vor seinen Gefühlen zu flüchten. Meditation ist ein Weg, wieder zu ihnen zurück zu finden. Denken ausdrücklich erlaubtDaher wird oft gesagt, Meditation sei ein Zustand jenseits des Denkens. An diesem Anspruch scheitern viele, die sich in Meditation versuchen. Sie sitzen, atmen in einer vorgeschriebenen Technik und stellen nach einiger Zeit verzweifelt fest: „Ich denke ja immer noch.“ Womöglich ziehen sie die Konsequenz und sagen: „Meditation ist nichts für mich.“ Dabei kann niemand mit dem Denken aufhören. Es gibt ebenso wenig ein Nicht-Denken, wie es ein Nicht-Fühlen gibt. Die Lebensenergie zeigt sich im Bereich des Kopfes immer als Gedanke. In der Meditation aber fließt der Gedanke weiter. Er wird nicht festgehalten, sondern darf ungehindert fließen. Der natürliche Fluss der Gedanken wird oft nicht wahrgenommen. Daher glauben manche Meditierende, sie hätten aufgehört zu denken. Dabei haben sie nur aufgehört, nachzudenken. Wenn wir nachdenken, halten wir die Gedanken in unserem Kopf fest. Wir bemühen uns, nichts zu vergessen. Wenn ich kreativ schreibe, denke ich nicht nach. Meine Gedanken fließen durch meinen Kopf nach unten in die Finger, die dann in die Tasten hauen. Wenn meine Gedanken fließen, ist es logisch, dass ich „flüssig“ schreibe. Lese ich einen Tag später Korrektur, denke ich über meine Texte nach. Dann frage ich mich, ob ich mir den vorherigen Satz schenken soll oder nicht. Was soll ich tun? Ihn stehen lassen, ihn streichen, ihn woanders hinsetzen? Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr blockiere ich mein Schreiben. Ideen kommen immer nur dann, wenn man gerade nicht nachdenkt. Wie auch sollte ein neuer Gedanke in einen Kopf kommen, der mit Altem vollgestopft ist? Ständiges Nachdenken ist eine LastNachdenken kann durchaus nützlich sein. Wenn ich auf dem schnellsten Wege nach München will, muss ich darüber nachdenken, ob ich mit dem Auto fahre, den Zug nehme oder in den nächsten Flieger steige. Ständiges Nachdenken aber wird zur Last. Ein Problem wird von vorne bis hinten durchgekaut, und wenn man zu einem Ergebnis gelangt ist, geht es wieder von vorne los. Der Verstand wird niemals fertig. Er kann nichts anderes als denken. Es graut ihm davor, irgendwann einmal zu Ende gedacht zu haben. Irgendwie hat der Verstand Angst vor seinem Tod. Zumindest befürchtet er, nicht mehr gebraucht zu werden. Man hat uns von Kindesbeinen an erzählt, dass alles im Leben gut überlegt sein will. Treffe keine unüberlegten Entscheidungen! Das Dilemma ist nur, dass der Verstand gar nicht entscheiden kann. Er kann nur denken. Was soll er machen, wenn ein Problem zu Ende gedacht ist und er kein anderes hat? Also flugs das Ganze noch einmal. Der Verstand ist kein Meister des Loslassens. Jede Meditation beginnt im Kopf. Man hört auf die Worte eines Lehrers, oder liest die Anleitung einer Übung in einem Buch. Sobald man sich auf die Übung einlässt, machen sich die Gedanken auf den Weg zum Herzen. Sind sie dort angekommen, verwandeln sie sich in Gefühle. Die Grenze zwischen Kopf und Herz verläuft im Bereich der Kehle. Wer die Kontrolle nicht aufgeben will, hält die Gedanken an der Grenze auf und schickt sie zurück in den Kopf. Er wird nicht Meditierender sondern bleibt ein Mensch, der mit geschlossenen Augen denkt. Hat er aber den Mut, die Kontrolle zu verlieren, öffnet er das Tor zum Herzen. Nun ist alles möglich. Man kann lachen oder weinen, Wut, Angst oder Freude spüren. Die Übung entfaltet ihre Wirkung. Nach einer Weile fließt die Energie weiter nach unten in den Solar-Plexus. Nun ist der Mensch in seiner Mitte. Er ist in Meditation. In der Mitte verschmelzen die Polaritäten. Aus entweder und oder werden sowohl und als auch. Meditation ist ein Heilmittel gegen Angst. Angst ist immer auf die Zukunft gerichtet. Ich befürchte, dass etwas geschehen wird. Selbst wenn ich einem zähnefletschenden Löwen gegenüber stehe, ist meine Angst auf die Zukunft gerichtet: Ich befürchte, in zehn Sekunden zerfleischt zu werden. Gelänge es mir, mit meinem Gedanken absolut im Jetzt zu bleiben, verschwände sogar in dieser Situation die Angst. Ich würde zum Beobachter. Angst führt in die entgegengesetzte Energierichtung. In der natürlichen Energierichtung des Lebens setze ich die Ursache und erfahre die Wirkung. In der Angst erlebe ich es umgekehrt: Ich erfahre jetzt die Wirkung, die Ursache meiner Angst liegt in der Zukunft. Es gibt viele Möglichkeiten, Meditation zu üben. Doch haben alle Meditationsformen eins gemein: Sie legen Wert auf Haltung und Achtsamkeit. Die innere Haltung entspricht der äußeren Haltung. Das seelische Befinden eines Menschen wirkt sich auf seine Gestik und Mimik aus. Die Körperhaltung eines Depressiven nach Verlust von Haus und Hof unterscheidet sich von der eines Sportlers nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Umgekehrt kann eine Änderung der äußeren Haltung eine Änderung der seelischen (Ein-) Stellung bewirken. Was zumeist unbewusst geschieht, setzt Meditation bewusst ein. Die äußere, meditative Haltung wird zur inneren Haltung. Die Seele folgt dem Körper. Welche Körperhaltung für die Meditation gewählt wird, spielt keine große Rolle. Jedoch sollte man sich für eine Haltung entscheiden, die man immer dann einnimmt, wenn man meditieren möchte. Wählt man für seine Meditation immer die gleiche Haltung, fällt der Einstieg in die Übung leichter, der meditative Zustand wird schneller erreicht. Ich setze mich mit geradem Rücken hin, lege den Handrücken meiner rechten Hand in die Handfläche meiner linken, so dass sich beide Daumen berühren. Sobald mein Körper diese Haltung einnimmt, weiß meine Seele: Peter will meditieren. Die Achtsamkeit ist je nach Technik nach außen, auf einen Gegenstand, eine Musik etc. oder nach innen auf Gedanken, Gefühle oder den Atem gerichtet. Der Lehrer Buddhas meditierte, indem er einen Fluss beobachtete. Ein anderer Meister, Ramtha, wurde erleuchtet, weil er ein Jahr lang nur auf den Wind achtete, den er auf seiner Haut spürte. Yoga und Zen machen den Körper zum Objekt ihrer Achtsamkeit. Andere Techniken nutzen dafür den Atem. Auch ein Gedanke kann zum Objekt der Achtsamkeit werden. Die ständige gedankliche Wiederholung eines Wortes oder Satzes ist Meditation mit einem Mantra. Dabei wird der Gedanke durch sich selbst ausgelöscht. Er läuft sich tot und begeht quasi Selbstmord. Es gibt viele gute Bücher, in denen Meditationsübungen beschrieben werden. Übungen, die einem zusagen, sollte man ausprobieren. Zwar stellt sich die Wirkung erst nach einiger Zeit des regelmäßigen Übens ein, doch merkt man sofort, ob man mit der Übung klar kommt oder nicht. Wer eine Übung für sich gefunden hat, sollte dabei bleiben, solange sie Spaß macht. Es ist ein Märchen, dass uns nur gut tut, was uns schwer fällt. Das Gegenteil ist der Fall. Wer etwas mit Freude tut, vergisst alles andere um sich herum und ist vollkommen bei der Sache. Deshalb kann alles zur Meditation werden. Doch eine Übung reicht vollkommen aus. Wenn sie einen ein Leben lang begleitet, gut. Wenn man sie nach einigen Tagen gegen eine andere austauscht, auch gut. Schließlich geht es nicht darum, Meisterschaften im Meditationsmehrkampf zu gewinnen. Alle Übungen dienen dazu, in einen meditativen Zustand zu gelangen. Meditation ist somit nicht die Übung, sondern das Ergebnis. Regelmäßig durchgeführt helfen die Übungen, den meditativen Zustand immer länger aufrecht zu erhalten. Hält man den Zustand permanent, sind Übungen nicht mehr nötig. Die folgende Übung ist ein Medikament gegen zu langes Nachdenken. Ich wende sie an, um meinem Grübeln ein Ende zu bereiten. Sie beruht auf dem Wissen, dass Nachdenken nur in Bewegung geschehen kann. Wird man regungslos, stoppen nach kurzer Zeit auch die kreisenden Bewegung der Gedanken. Die Gedanken fließen durch einen hindurch und man glaubt, man habe aufgehört zu denken. Egal, ob man steht, sitzt oder liegt, es funktioniert. Nimm eine bequeme Haltung ein, schließe die Augen und rühre Dich nicht mehr. Werde absolut regungslos. Nun stell Dir innerhalb Deines Kopfes ein Labyrinth vor, in dem die Gedanken kreisen. Sie irren in dem Labyrinth herum und finden den Ausgang nicht. Lasse es für einige Zeit zu. Beobachte das Kreisen. Dann befehle den Gedanken stillzustehen. Sage: ‚Stopp’. Ab diesem Moment verlagere Deine Konzentration auf den Bauchnabel und leite Deinen Atem dorthin. Atme durch den Nabel ein und aus und stell Dir vor, wie mit jedem Ausatmen Deine Gedanken aus dem Kopf nach unten in den Bauch fließen und dort den Ausgang finden. Der Nabel ist der Ausgang aus dem Labyrinth. Peter Michael Dieckmann
Das Buch zum Thema:
Peter Michael Dieckmann: „Wenn zwei sich treffen in meinem
Namen – Gespräche mit JJ“ Weitere Informationen unter: www.gespraechemitjj.de
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