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Sunflower-Therapie®
Kinder lernen leichter, schneller, besser
„Ob der Philipp heute
still, wohl bei Tische sitzen will?“ Also sprach in ernstem Ton der Papa zu
seinem Sohn … Doch der Philipp hörte nicht, was der Vater zu ihm spricht.“
In den neunziger Jahren drang ein Krankheitsbild in das
Bewusstsein der Öffentlichkeit, das neu zu sein schien: ADHS
(Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom). Doch schon im 19.
Jahrhundert, als der „Struwwelpeter“ erschien, waren typische
ADHS-Verhaltensweisen bekannt. Was damals als Ungezogenheit und Folge eines
schlechten Charakters angesehen wurde, ist heute als Krankheitssymptom
anerkannt. Seit vielen Jahren bemühen sich Psychologen, Kinderärzte und
alternativmedizinisch orientierte Therapeuten um effektive Behandlungsformen.
Die Sunflower®-Therapie ist solch ein Weg. Sunflower®, in Deutschland von dem
Allgemeinmediziner Dr. Gerhard Otto eingeführt, ist ein mehrgleisig arbeitendes
Regulationsverfahren zur seelischen und körperlichen Ausbalancierung der
betroffenen Kinder.
Im familiären Zusammenleben gibt es Situationen, die man
als zeitlos bezeichnen könnte. So z. B. den täglichen Versuch, die
überschießenden Aktivitäten eines Kindes behutsam zu dämpfen und in sinnvolle
Bahnen zu lenken. Es gibt nichts Herzerfrischenderes als ein lebhaftes und
fröhliches Kind. Doch wenn die Lebhaftigkeit zum Terror für andere
Familienmitglieder wird, wenn sie sich verselbständigt und im Laufe der Zeit
pathologische Züge annimmt, dann leidet ein Kind mit großer Wahrscheinlichkeit
an ADHS. Während Kindergartenkinder in erster Linie durch motorische Unruhe,
Entwicklungsverzögerungen und mangelnde Konzentration beim Spielen auffallen,
kommt mit Beginn der Schulzeit eine weitere Problematik hinzu. Die unzureichend
entwickelte Fähigkeit zur Informationsverarbeitung zieht Lernstörungen
unterschiedlicher Ausprägung nach sich. Nicht selten ist die Versetzung in die
nächste Schulklasse gefährdet. Verhaltensauffälligkeiten im Unterricht führen zu
Konflikten mit Lehrern und Mitschülern.
Lange glaubte man, es handele sich bei ADHS lediglich um
eine Art Stoffwechselstörung im Frontalhirnbereich und um eine minimale
Funktionsstörung bei der Weiterleitung von Reizen entlang der Nervenbahnen. Da
diese Funktionsstörung auf einem Ungleichgewicht in der Versorgung mit den
Neurotransmittern Dopamin und Noradrenalin beruht, behandelte man ADHS mit einem
sog. Sympathicomimeticum, z. B. Ritalin, dem Standardmedikament bei
Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität. Es waren der englische Osteopath
Mark O. Mathews, der Anfang der neunziger Jahre entdeckte, dass es sich bei
Aufmerksamkeitsdefiziten, Hyperaktivität und Lernstörungen um ein multikausales
Krankheitsbild handelt, das dementsprechend eine mehrgleisig arbeitende
Kausaltherapie benötigt. Er entwickelten die Sunflower®-Therapie, ein
Behandlungskonzept, das die betroffenen Kinder in ihrer individuellen Gesamtheit
auf der Basis ihrer körperlichen und intellektuellen Funktionen untersucht und
behandelt.
Die Therapie ist vielschichtig. Sie besteht aus manuellen
Verfahren, Ernährungsänderungen sowie einer Nahrungsergänzung mit Vitaminen,
Mineralstoffen und Spurenelementen. Auch die Reduzierung von hemmenden
seelischen Programmierungen und der Abbau von negativ belastendem Stress ist
Teil des Konzepts.
Die Theorie der neurologischen Dysorganisation
Nach Untersuchungen von Mathews, beruhen
Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität, Lernstörungen und
Teilleistungsstörungen auf einer sog. neurologischen Dysorganisation, einer Art
„Durcheinander“ in der Verarbeitung von Reizen aller Art. Das Sunflower®-Konzept
berücksichtigt dabei die Tatsache, dass Nervensystem und Bewegungsapparat eng
miteinander verbunden sind. Die 650 Muskeln und über 200 Knochen des
menschlichen Körpers machen den größten Teil des Organismus aus. Wenn Muskeln
verspannt bzw. abgeschwächt sind, muss das Gleichgewicht von anderen
Muskelgruppen mit wesentlich mehr Aufwand ausgeglichen werden. Es bedeutet eine
enorme Verarbeitungsleistung für das Gehirn, die notwendigen Korrekturen ständig
aufrecht zu erhalten. Ein großer Teil der Kapazitäten des Zentralnervensystems
wird durch den permanenten Ausgleich von Dysbalancen im Bewegungsapparat
chronisch blockiert. Da wird verständlich, warum ein derart belastetes Kind
unter neurologischen Nachteilen leidet und Aufmerksamkeitsdefizite, bzw.
Lernstörungen entwickelt.
Ausgleich für den Körper bringt Ausgleich für die Seele
Die Unterscheidung zwischen Körper, Seele und Geist ist ein
theoretisches Modell und in der Realität nicht vorhanden. Im Menschen sind alle
drei Bereiche untrennbar verschmolzen und stehen in ständiger Wechselwirkung
zueinander. Körperliche Dysbalancen führen zu seelischen Beeinträchtigungen und
emotionale Belastungen ziehen körperliche Symptome nach sich.
Jeder Mensch ist eine psychophysische Einheit. Kinder mit
Verhaltens- und Lernstörungen brauchen eine Form der Therapie, die das
Verschmolzensein von Leib und Seele berücksichtigt. Jeder kleine Patient ist mit
seinen Defiziten als einmalig anzusehen und wird bei der Sunflower®-Therapie
ganz individuell behandelt. Da keine Fachrichtung oder Einzeldisziplin über alle
Informationen verfügt, die zur Behandlung eines so komplexen Krankheitsbildes
wie ADHS erforderlich sind, vereinigt Sunflower® eine Fülle von Verfahren. Dazu
gehören osteopathische Untersuchungs- und Behandlungsansätze, Muskeltests der
Angewandten Kinesiologie, verschiedene Stoffwechseluntersuchungen,
Ernährungsberatung, Nahrungsergänzungen, entgiftende und ausleitende Verfahren,
Gedächtnistraining und psychotherapeutische Verfahren wie die Neurolinguistische
Programmierung.
Sunflower® berücksichtigt die Erkenntnis, dass komplexe
Krankheitsbilder eine komplexe Behandlung benötigen. Nur dann sind
Therapieerfolge möglich, die an den Ursachen ansetzen und eine nachhaltige
Besserung herbeiführen.
Die Geschichte von Marie
Das Leben der heute 9jährigen Marie begann mit einem
Notfallkaiserschnitt. Ihre Probleme stellten sich jedoch erst mit neun Monaten
ein. Wenn sie auf dem Rücken lag, schien sie wie eine Banane geformt zu sein,
wobei die Beinchen nach rechts gebogen waren. In ihrer Entwicklung hinkte sie
ihren Altersgenossen hinterher. Irgendwann wurde bei ihr sogar eine Epilepsie
diagnostiziert, weil sie beim Spielen hin und wieder „abschaltete“. In der
Schule stellte sich heraus, dass sie unter Legasthenie litt. In einem Zeitraum
von vier Jahren konsultierten die Eltern einen Augenarzt, einen
Sprachtherapeuten, einen Lernpsychologen, hatten eine Sitzung mit Uri Geller und
mit Dr. Amanda Kirby (Gründerin des Discovery Centers für Legasthenie in
Cardiff), waren mit Marie bei einem Optometristen und einem Therapeuten für
Craniosakrale Osteopathie. Alles half „ein bisschen“, doch keine Behandlung
zeigte einen wirklich durchschlagenden Erfolg.
Mit mittlerweile acht Jahren nahm das Mädchen an einer
Sunflower®-Therapie teil. Tests ergaben, dass ihr Stoffwechsel Probleme mit der
Verarbeitung von Schokolade, Zucker, Käse und dem Lebensmittelfarbstoff
Tartrazine hatte. Das nahm ihr viel Energie und damit ihre Stärke und
Aufmerksamkeit. Eine Diät, kinesiologische Behandlungen, Sitzungen mit
Neurolinguistischer Programmierung sowie eine gezielte Vitamin- und
Mineralienzufuhr, ergänzt um einige homöopathische Medikamente, brachten die
Wende: Das schüchterne, schwache und verwirrte kleine Mädchen mit schlechter
Haltung und Balance hielt sich plötzlich aufrechter und war deutlich sicherer
auf ihren Füßen. Sie konnte die Treppen hoch und runter rennen, was sie vorher
nur Schritt für Schritt getan hatte. Sie bekam ein besseres Gefühl für ihre
Hände und Füße. Sie konnte auf einmal während des Fernsehschauens zuhören, ein
dualer Akt, den sie vorher nie durchführen konnte. Die extremen
Stimmungsschwankungen zwischen aufgeweckt und total weggetreten legten sich. Sie
war entschlossener, aufmerksamer und konnte sich endlich in der Klasse ihren
Sitzplatz merken. Die Lesefähigkeit verbesserte sich deutlich.
Vor der Sunflower®-Therapie sagte sie immer, dass die Leute
zu leise für sie sprachen. Deshalb hatte sie Mühe, Geschichten zuzuhören und
musste sich das gleiche Video mehrmals ansehen. Die meisten Kinderfilme verstand
sie nie. Wie sie die Welt gesehen hatte, kann nur geraten werden – ein
Mischmasch von Leuten, Orten, Bewegungen und Maschinen, vermutlich für sie sinn-
und verbindungslos aneinandergereiht. Nach der Sunflower®-Therapie machte ihr
Verständnis von der Welt einen Quantensprung. Auch ihr Gleichgewichtssinn
verbesserte sich drastisch: Sie lernte in nur einer Woche das Fahrradfahren ohne
Stützräder. Heute läuft und rennt sie normal, das Durchhaltevermögen ist sehr
gut, ihr Schlaf tiefer und ihre Lesefähigkeit verbesserte sich so stark, dass
sie nun auch lange Worte vorwärts wie rückwärts fehlerfrei buchstabieren kann.
In Deutschland gibt es bereits fünfzig Sunflower®-Zentren.
Die dafür erforderliche Aus- und Weiterbildung für Therapeuten wird von Dr. med.
Gerhard Otto in Essen durchgeführt.
Geprüfte Sunflower®-Therapeuten gehören medizinischen
Berufsgruppen an. Sie durchlaufen ein spezielles Ausbildungsprogramm und sind zu
ständiger Weiterbildung verpflichtet. Der Sunflower®-Trust hält seine Mitglieder
über neueste Forschungen ständig auf dem Laufenden, so dass neue Erkenntnisse in
der Behandlung von Verhaltens- und Lernstörungen umgehend in die Praxis
umgesetzt werden können.
Viele lerngestörte Kinder verfügen über ein größeres
Potenzial an kreativen Fähigkeiten als man auf den ersten Blick erkennen kann.
Einige hundert Euro und einige Stunden hochfocussierter therapeutischer Arbeit
können den Anstoß dafür geben, dass ein Kind die Möglichkeit bekommt, aus seinen
Fähigkeiten wirklich etwas zu machen und sein kreatives Potential zu entfalten.
Eltern und Erzieher, die sich für die Methode
interessieren, können sich unter
www.sunflowertherapie.com ,
www.sunflower-therapie.com bzw. bei Dr. med. Gerhard Otto, Sunflower®
Deutschland e. V., Lothringenstr. 6b, 45259 Essen informieren (Tel. 0201/
788477). Weiterführende Informationen enthält auch das Buch
von Dr. Gerhard Otto: „Lernen mit Sunflower®“ (11,- €). Zum Verein Sunflower®
Deutschland gehört eine Stiftung, die von Spendengeldern getragen wird. Sie
dient der Unterstützung bedürftiger Kinder, deren Eltern sich eine Behandlung
nicht leisten können.
Margret Rupprecht,
Medizinjournalistin
Truderinger Str. 106, 81673 München

Quelle:
BALANCE 1/2006
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