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Startseite > Themen > Verschiedenes > Astrologie AstrologieEs gibt in unserem aufgeklärten Zeitalter immer noch viele Menschen, die Astrologie und Horoskope etwas spöttisch mit dem verbinden, was landläufig in der Boulevardpresse jeden Tag, jede Woche veröffentlicht wird: „Heute werden Sie Ihrem Traummann begegnen“. „Treffen Sie am Freitag keine weit reichenden Entscheidungen“ usw. Der Weg zum Aberglauben ist da oft nicht weit. Macht man heutzutage deutlich, dass man sich mit Astrologie abgibt, braucht man fast schon eine Rechtfertigung für seinen – sonst als normal beurteilten – Geisteszustand. Ablehnung durch Unwissen?Der anerkannte Psychoanalytiker und Psychotherapeut Fritz Riemann („Grundformen der Angst“, ein Standartwerk der Psychologie/Psychotherapie) hat die Reaktion auf seine Faszination am Thema Astrologie einmal so beschrieben: „Ich machte die Erfahrung, dass bei den Ablehnenden offensichtlich keine Eigenerfahrungen vorlagen, sondern ein wie auch immer begründetes Vorurteil, das ihnen die Beschäftigung mit diesem Gebiete ersparte; dass andererseits diejenigen, die sich zu ihr bekannten, sich eingehend damit (i.e. Astrologie) beschäftigt hatten.“ Meine Beschäftigung mit Astrologie begleitete meine psychoanalytischen Studien während meiner tiefenpsychologischen Ausbildung und ich machte die Erfahrung, dass Astrologie und Psychoanalyse sich anscheinend mit verschiedenen Aspekten des Menschen beschäftigten – die eine mit seiner kosmischen, die andere mit seiner lebensgeschichtlichen familiären und sozialen Prägung. Es wurde deutlich, dass beide Richtungen sich nicht nur nicht widersprachen, sondern sich auch in Vielem bestätigten und ergänzten. In meinen tiefenpsychologischen Behandlungen über einen längeren Zeitraum lernte ich die Menschen, die zu mir kamen und kommen, bezüglich ihren Neigungen, Anlagen, ihrer Lebensgeschichte und ihren Verhaltensweisen so intensiv kennen wie sonst nirgendwo. Die psychoanalytisch gewonnenen Erfahrungen bestätigten nun das erstellte Horoskop in einem Maße, das selbst für notorische Zweifler eine hohe Überzeugungskraft hat. Selbst Widersprüche, die zunächst scheinbar auftauchten, machten nur deutlich, dass dann meistens die Menschen ihre Anlagen noch nicht voll haben erkennen oder entwickeln können, wie es das Horoskop vermutet. Soziale Situation, Erziehung und Milieu haben sie so gehemmt oder sich selbst entfremdet, dass sie vieles von sich selbst noch nicht verwirklichen konnten und so oft in seelische Ausnahmezustände zwangen. Denn das Horoskop verdeutlicht ja nur die Grunddisposition des Individuums für dieses Leben, nicht aber an welchem Entwicklungspunkt er nun gerade steht. Daraus ergab sich ein kostbarer therapeutischer Ansatz, da diese Menschen auf diese Art auf Potenziale aufmerksam wurden, die sie selbst bei sich als nicht existent erachteten und nun klarer erkennen zu vermochten. Astrologie – eine der ältesten „Wissenschaften“Astrologie fasst unser Sonnensystem, letztlich unser ganzes Universum als einen gewaltigen Organismus auf, in welchem – in einer stetigen Wechselwirkung – jedes kleinste Teilchen vom Ganzen beeinflusst wird und seinerseits wieder das das Ganze beeinflusst. Nietzsche sagte: „Jedes Individuum wirkt am ganzen kosmischen Wesen mit – ob wir es wissen oder nicht, ob wir es wollen oder nicht.“ Sein Weltbild und alle anderen Weltbilder sind Bilder von der Welt – also ein menschlicher Versuch, sich die unvorstellbaren Dimensionen der Wirklichkeit gleichnishaft vorzustellen. Unser wissenschaftliches Zeitalter allerdings befleißigt sich einer Sichtweise, die das Postulat des Allumfassenden, des Allgemeingültigen und Objektiven erhebt mit der Behauptung, dass die Bilder, die von der Welt entworfen werden, schon die Wirklichkeit selber sind. Dabei wusste bereits Platon, dass das Ganze immer mehr ist als die Summe seiner Teile. Analoges Denken liegt im „Trend“Astrologie lässt erkennen, dass dieser „wissenschaftliche“ Ansatz das außer Acht lässt, was uns zur Ganzheit fehlt. Sie verdeutlicht, wie sich die „Wirklichkeiten“, die Platon „Ideen“ und C. G. Jung die „Archetypen“ nennen, in Formen und Symbolen als Grundstrukturen und Gesetzmäßigkeiten ausdrücken. Ein solches Welt- und Wirklichkeitsverständnis setzt allerdings ein anderes „Sehen“ voraus, als wir es gewöhnlich gelernt haben. Diese andere Art des Sehens und Denkens nennen wir das „senkrechte Denken“, das nicht dem linearen Prinzip von Ursachen und Wirkung folgt (etwas ist, weil..), sondern einem Ähnlichkeitsprinzip (etwas ist, wie…) und einem Prinzip der Gleichzeitigkeit (C.G. Jung: Synchronizitätstheorie). Das senkrechte Denken in nicht-kausalem Zusammenhang folgt dem Gesetz der Analogie, das waagerechte Denken der streng naturwissenschaftlich definierten Realität. Die Art und Weise, analog zu denken, ist zunächst ungewohnt aber genauso überzeugend und vor allem allumfassender. Rüdiger Dahlke hat das bildhaft anhand unseres Gehirns erläutert: Unser Gehirn besteht aus einer linken, dem Denken zugeordneten, Hälfte und einer rechten, dem Sitz von Gefühl und Intuition. Die weitgehend verloren gegangene Verbindung dazwischen ist hinlänglich bekannt und diskutiert worden. Während Wissenschaftler sich oft nur aus der linken Hälfte bedienen, schaffen Künstler meist aus der rechten Gehirnhälfte, weil es ihnen offenbar um ganzheitliches, intuitives Erfassen der Wirklichkeit geht und nicht, einen Sachverhalt möglichst funktional und vernünftig auszudrücken. Manche Genies schaffen die Verschmelzung von beiden Hemisphären: Einstein ist hinlänglich bekannt als unkonventioneller Denker, der den gewohnten Denkrahmen der Wissenschaft verließ und Ausflüge in den mystischen Bereich der Intuition wagte. Er war im senkrechten wie im waagerechten Denken gleichermaßen bewandert, eine Fähigkeit die heutzutage in Toppositionen mehr und mehr geschätzt wird. Das analoge Denken, das die Astrologie bestimmt, vermag also eine Brücke zu schlagen zwischen rationalem Denken und dem intuitiven Erfassen von Mustern, Bildern und Symbolen, das uns in Urprinzipien und Urstrukturen begegnet. So kann man z. B. in der Analogie das Gemeinsame von Tiger, Brennnessel, Soldat im Prinzip der Schärfe und Aggression (= Marsprinzip) erkennen, dem auch die Farbe Rot zugeordnet wird. Oft wird Rot in Verbindung mit Wut und Zorn gebracht, was auch der Ausdruck „rot sehen“ verdeutlicht. Dieses Denkmodell haben in frühen Zeiten die Astronomen und Astrologen angewandt. Für den Menschen, der sich noch untrennbar als Einheit mit Natur und Kosmos erfuhr, und für den das „Oben wie unten“ – Mikrokosmos = Makrokosmos – selbstverständlich war, eignete sich der Sternenhimmel deshalb so gut zur Abbildung der Wirklichkeit, weil er leicht beobachtbar zum Auffinden von Urprinzipien und Gesetzmäßigkeiten war. In der Tat ließen sich entsprechende Planeten ausmachen. Ein Vorurteil der Astrologiegegner richtet sich gegen die Vorstellung, die Himmelskörper hätten Einfluss auf uns Menschen, eine typisch kausale Denkweise. Es handelt sich aber um ein analoges Geschehen: Wie unten, so oben. Die Astrologie ist also jene Lehre, die mit klassischen Urprinzipien arbeitet, die im Tierkreis auftauchen. Diese Urprinzipien, deren Repräsentanten die Himmelskörper Sonne, Mond, Merkur, Mars, Venus, Jupiter und Saturn waren, stehen für ganz bestimmte Grundstrukturen, die durch mythologische Entsprechungen – z. B. Mars, der Kriegsgott für Aggression – versinnbildlicht werden. Anhand des Sternzeichens Widder soll das astrologische Verständnis in sehr vereinfachter Form dargelegt werden. Der Widder ist das erste Sternzeichen im Tierkreis und fällt in den Beginn des Frühlings. Man könnte sagen, diese Zeit versinnbildlicht die Geburt der Natur, die mit Macht die Starre des oft noch frostigen Bodens durchbricht, wie (analog dazu) auch bei der Geburt eines Kindes der Kopf durch den Beckenboden nach außen dringt. Es ist das Zeichen des Neubeginns. Die Natur lässt oft impulshaft zum Vorschein kommen, was lange in der kalten Erde geschlummert hat. Die Wärme ist noch nicht beständig, sondern manchmal explosionsartig. Aber mit drängender Energie und Willen wird dem ersten Grün zum Durchbruch verholfen. Ungeduldig drängt die Natur, sich zu behaupten und durchzusetzen. Das kostet Aggression (von lat. aggredere = in Angriff nehmen, aber auch angreifen/kämpfen) im positiven Sinne. Diese genannten Merkmale sind denn auch die Eigenschaften von Mars, dem herrschenden Planeten des 1. Tierkreiszeichens Widder. Ihm wird in der griechischen Mythologie Impulsivität und unendliche Energie nachgesagt. Er ist wild ungestüm mit ungezügelter Leidenschaft für den Kampf. Mars verkörpert das Recht des Stärkeren, wie in der Natur die ’natürliche Selektion’ nur die gesunden und kräftigen Tiere am Leben lässt. Auch bei den Menschen herrscht oft das Recht des Stärkeren. Mars zeichnet sich durch Mut, Tapferkeit und Zielgerichtetheit aus. Als Planet hat er eine rote Farbe, die, mit der die Menschen seit jeher Aggression/Blut aber auch Vitalität und Liebe/Sexualität verbunden haben. Übertragen auf das Sternzeichen bedeutet dies: Das Prinzip des Widders ist das des Durchbruchs. Stoßartig bricht sich die vorhandene Energie seine Bahn. Ungestümes Agieren, Aggressionsfähigkeit zeichnet den Widder aus. An diesem rudimentären Beispiel wird schon deutlich, durch welche analoge Sichtweise die Zuordnung der einzelnen Sternzeichen entstanden ist und wie sie in der Ganzheit unseres Mikro- und Makrokosmos begründet liegt. Eine Charakterdisposition wird allerdings, wie biologisch durch viele unterschiedliche Gene, auch hier durch vielfältige Faktoren bestimmt, wobei die Hauptdeterminanten das Sonnenzeichen, der Aszendent und das Mondzeichen sind. Eine profunde astrologische Kenntnis ist Grundvoraussetzung für eine ernst zu nehmende Arbeit. Dann aber kann die sinnvolle Anwendung der astrologischen Deutung eine Hilfestellung sein für das Selbst- und Fremdverständnis im Aufzeigen von Anlagen, Möglichkeiten und Herausforderungen, mit denen ein Mensch sich im Leben auseinandersetzen muss. Keinesfalls bedeutet Astrologie ein fatalistisches Voraussagen von Glück und Unglück, oder einen unumstößlichen Determinismus, der den Menschen aus seiner Eigenverantwortung entlässt. Wir haben immer die Wahl, wie wir mit unseren Anlagen, der Welt, in der wir leben, umgehen möchten. Faszinierend ist die Verbindung von psychoanalytischen und astrologischen Konzepten im therapeutischen Kontext, sowie ein vergleichende kulturhistorische Ansatz, der – ganz im Sinne C. G. Jungs – eine Übereinstimmung von Ursymbolen, zu denen auch die Astrologie gehört, in allen Kulturen und Mythologien aufweist. Diese vergleichende Betrachtung lasst nicht unbegründet den Schluss zu, dass der Mensch wohl ein archaisches Urwissen besitzt, das weit mehr ist als rational begründete Wissenschaft und das Mensch, Natur und Kosmos als Teil eines großen, sinnvollen Ganzen zeigt. Amely Putz-Dülger
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