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Startseite > Themen > gesund leben > Parodontitis ParodontitisBalance: Was genau versteht man unter dem Begriff „Parodontitis“? Parodontitis, fälschlicherweise immer noch „Parodontose“ genannt, ist eine Entzündung des Zahnhalteapparates. Diese Entzündung wird immer von Bakterien verursacht und breitet sich am Zahnfleisch und vor allem im Kieferknochen aus. Das Ergebnis ist eine Zahnfleischentzündung und eine Zerstörung des Kieferknochens (Bildung von Taschen, Zahnfleischrückgang, Blutung bei der zahnärztlichen Untersuchung, Mundgeruch etc). In sehr seltenen Fälle (unter 2%) hat die Parodontitis zusätzlich zu der bakteriellen auch eine genetische Ursache. In diesen Fällen ist die gesamte Behandlungsplanung sehr komplex und langwierig, aber auch hier muss der Behandler seine Therapie gegen die spezifischen und aggressiven Bakterien richten. Balance: Wer ist besonders gefährdet, an Parodontitis zu erkranken? Fast jeder ist ein „potentielles Opfer“ ! Balance: Wie häufig tritt die Parodontitis in der Bevölkerung auf? Es wird geschätzt, dass über 50% der Erwachsenen an irgendeiner Form von Parodontalerkrankung unterschiedlichen Stadiums leiden. Balance: Wie kann man dieser Erkrankung vorbeugen? Die Vorbeugung ist relativ einfach, wenn sie korrekt geplant und durchgeführt wird. Hier gibt es zwei Säulen, die für den Erfolg der Vorbeugung verantwortlich sind: Die erste ist der „Laie“/Patient (sowohl derjenige, der keinerlei Symptome einer Parodontitis aufweist, als auch derjenige, der bereits erfolgreich behandelt wurde). Die Aufgabe und Verantwortung des Patienten liegt in der täglichen effektiven Pflege der Zähne nach den Empfehlungen seines Zahnarztes oder Parodontologen. Die zweite Säule ist der „Fachmann“/Zahnarzt bzw. Parodontologe und sein Team. Das Team hat eine enorm wichtige Aufgabe, die darin besteht, für den einzelnen Patienten eine spezielle Behandlungsplanung zu entwickeln und konsequent durchzuführen – dieser Plan variiert von Patient zu Patient. Dabei werden die Zähne gründlich gereinigt und poliert, spezielle Befunde erhoben, um Infektionsherde und -nischen zu entdecken, Zahnfleischtaschen ausgemessen, der Knochenverlauf bestimmt und evtl. vorhandene pathogene Bakterien nachgewiesen. Anschließend kommt die wichtigste Aufgabe des Fach-Teams zum Tragen: die Aufklärung des Patienten zur Realisierung und Stabilisierung der 1. Säule, nämlich der nachhaltigen Mitarbeit zur Pflege seiner Zähne. Wenn diese 2 Säulen nicht Hand in Hand arbeiten, ist alle Mühe umsonst! Balance: Wie wird die Parodontitis heute behandelt? Parodontitis ist nicht nur die häufigste Ursache für Zahnverlust, sondern auch für die damit verbundenen ästhetischen und funktionellen Beeinträchtigungen. Die Auswahl geeigneter Behandlungsmaßnahmen richtet sich dabei vor allem nach Art und Schwere der Erkrankung. Grundsätzlich gilt auch hier: der Erfolg hängt wesentlich von der Bereitschaft der Patienten ab, die Therapie durch eine optimale häusliche Mundhygiene zu unterstützen. Ziel der Therapie ist die Keimreduktion. Vor der Behandlung wird vom Zahnarzt bzw. Parodontologen stets eine aussagekräftige Diagnose erstellt. Dafür stehen ihm klinische und röntgenologische Untersuchungen und mikrobiologische Tests zur Verfügung. Ziel der eigentlichen Behandlung ist es dann, die vorhandene Bakterienmenge zu reduzieren und bestimmte, Parodontitis verursachende Bakterientypen zu eliminieren. Am Anfang der Therapie steht daher in der Regel die Beseitigung von Plaque und Zahnstein, wie auch von harten Ablagerungen oberhalb und unterhalb des Zahnfleischsaumes mit Hilfe von speziellen Instrumenten. Tiefe Zahnfleischtaschen, die typisch sind für eine weiter fortgeschrittene Parodontitis, erfordern dagegen nicht selten einen chirurgischen Eingriff, bei dem das Zahnfleisch aufgeschnitten und aufgeklappt wird, um den Reinigungszugang zu optimieren. Auch die Gabe von Antibiotika kann eine Möglichkeit sein, um diese krank machenden Bakterien zu bekämpfen. Von entscheidender Bedeutung für den langfristigen Therapieerfolg ist die Nachsorge durch den behandelnden Zahnarzt oder Parodontologen, wie zuvor (Punkt „Vorbeugung“) besprochen. Balance: Wie schätzen Sie die Erfolge dieser heutigen Behandlungsmethoden ein? Man kann mit Stolz behaupten, dass die Entwicklung der Parodontologie in den letzten 20 Jahren rasant war. Zusammenfassend muss man jedoch auch sagen, dass die bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Bakterien zwar stets nach „bestem Wissen und Gewissen“ durchgeführt wurden, wie man so schön sagt, jedoch alle Methoden mit gewissen Nachteilen behaftet sind: So zeigt die alleinige Reinigung der Zahnfleischtaschen zwar eine gewisse Besserung der klinischen Situation, jedoch hält dieser Zustand leider nicht allzu lange an, die Wiederbesiedelung durch die Bakterien ist in vielen Fällen nicht zu vermeiden. Besonders gravierend ist diese Tatsache, wenn die Reinigung „offen“, d.h. mit chirurgischem Eingriff durchgeführt wurde, denn das ist mit ästhetischen Nachteilen verbunden – und zudem sehr schmerzhaft. Die Verabreichung von Antibiotika ist ebenfalls kritisch zu hinterfragen, denn obwohl Antibiotika Bakterien zerstören können, ist auch hier mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen, dass dieser Zustand der Bakterienreduktion nicht dauerhaft anhält – es im Gegenzug aber zur Entstehung von äußerst bedenklichen Resistenzen gegen diese Antibiotika kommt und damit die Behandlung von anderen, im Extremfall lebensbedrohlichen Erkrankungen (man denke nur an die derzeitige Diskussion um die Vogelgrippe!) gefährdet ist. Ganz zu schweigen von den bekannten und unbeliebten Nebenwirkungen der Antibiotika während der Einnahme und immer häufiger auftretende Allergien... Doch zum Glück gibt es gute Fortschritte in der Wissenschaft und damit auch im klinischen Alltag: Wir haben heutzutage gute und zuverlässige (leider aber auch aufwändige) Untersuchungsmethoden, speziell was mikrobiologische Untersuchungen angeht und vor allem patientenorientierte minimal-invasive Behandlungstechniken, sodass wir in den meisten Fälle ohne Operationen und auch ohne die Verabreichung von Antibiotika behandeln können. Zusätzlich können wir in vielen Fällen den verloren gegangenen Knochen neu aufbauen, sodass die Situation dauerhaft stabilisiert werden kann. BALANCE: Sie gelten als sehr erfahrener Parodontologe und wenden nun ein neues Verfahren an, die „antimikrobiellen photodynamischen Therapie“ – was genau versteht man darunter? Die antimikrobielle photodynamische Therapie ist eine schonende und schmerzarme Behandlungsmethode zur Bekämpfung von Bakterien, die ohne Nebenwirkungen durchgeführt wird. Das Verfahren kommt ursprünglich aus der Allgemeinmedizin und wird dort seit vielen Jahren in der Behandlung von Tumorerkrankungen eingesetzt – insbesondere in den letzten 10 Jahren wurde dieses Verfahren nun speziell für die Bedürfnisse in der Zahnheilkunde, und da insbesondere für die Parodontologie weiterentwickelt. BALANCE: Wie wird das Verfahren durchgeführt? Zunächst werden Zahnfleisch- und Knochentaschen professionell gereinigt, um die weichen und harten Beläge zu entfernen und die Bakterienzahl zu reduzieren. Im zweiten Schritt wird eine blaue Farblösung in die Zahnfleisch- und Knochentaschen appliziert. Diese Lösung ist ein sogenannter „Photosensitizer“, das heißt ein Farbstoff, der auf Laserlicht einer bestimmten Wellenlänge reagiert. Die Farbstoffmoleküle heften sich an die Bakterienmembran, sodass die Bakterien angefärbt werden. Schließlich erfolgt die Belichtung mit einem sanften Therapielaser. Durch das Laserlicht kommt es zur Bildung von aktivem Sauerstoff, der die Bakterienmembran schädigt und so die Bakterien zerstört. BALANCE: Was sehen Sie als die wesentlichen Vorteile dieser Therapie an? Diese einfache und schnelle Therapie verhindert in vielen Fällen den Einsatz von Antibiotika oder chirurgische Maßnahmen, das ist in wissenschaftlichen Veröffentlichungen (sowohl in Europa als auch in den USA) nachgewiesen und bestätigt sich auch in meiner Praxis. BALANCE: Gibt es Begleiterscheinungen, Nebenwirkungen etc., mit denen die Patienten rechnen müssen? Die antimikrobielle photodynamische Therapie ist schmerz- und nebenwirkungsfrei! Durch das Auftragen des Photosensitizers färben sich die Zähne und das Weichgewebe vorübergehend blau. Diese Verfärbung ist harmlos und verschwindet nach einigen Stunden von alleine. BALANCE: Last but not least: was kostet eine Behandlung mit dieser neuen Therapie? Werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen? Innovative Behandlungsmethoden finden sich in den Leistungskatalogen der Krankenkassen meist nicht wieder. So auch die antimikrobielle photodynamische Therapie. Sie muss deshalb in der Regel von den Patienten selbst gezahlt werden. Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Schwere der Erkrankung, der Anzahl der betroffenen Zähne und eventuell sonstigen zu beachtenden Faktoren. Als grober Richtwert können jedoch Kosten in Höhe von ca. 30 m pro Zahn genannt werden. BALANCE: Herzlichen Dank für das Gespräch.
Weitere Informationen: Zahnärztliche Gemeinschaftspraxis PD Dr. Zafiropoulos, Dr. C. Beaumont Düsseldorf, Tel. 0211 - 49 76 86 - 0 www.blaues-haus-duesseldorf.de
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