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Inneren Reichtum schaffen

durch die Techniken des Glücks

Meine Gedanken gehören mir. Ich bin reich an Gedanken. Meine Worte gehören mir. Ich bin reich an Worten. Meine Gefühle gehören mir. Ich bin reich an Gefühlen. Mein Leben gehört mir. Ich bin reich an Leben.

Ein Mensch, den andere für arm halten, kann reich sein. Wo ist seine Armut, wenn er sie nicht sieht? Ein Mensch, den andere für reich halten, kann arm sein. Wo ist sein Reichtum, wenn er ihn nicht sieht?

Der Arme sieht den Mangel. Der Reiche sieht die Fülle. Ein erfülltes Leben entsteht durch das, was ich tue. Selten durch das, was ich habe. Ich bin erfüllt von dem, was mir Freude bereitet. Der Besitz eines tollen Autos allein kann mich nicht glücklich machen. Das Auto aber auszusuchen, es zu kaufen, zu fahren, anzusehen, zu berühren, kann mich glücklich machen. Wenn wir im Alter auf unser Leben zurückschauen, interessiert uns weniger, was wir alles besessen haben als vielmehr das, was wir alles getan haben. Umgekehrt bereuen wir weniger, was wir getan haben als vielmehr das, was wir unterlassen haben.

„Wer glücklich sein will, braucht Mut und wer sehr glücklich sein will, braucht sehr viel Mut,“ lautet ein Satz, den ich einmal als Tagesspruch in einer Zeitung gelesen habe. Der Glückliche hat den Mut, auf seine innere Stimme zu hören, die ihn auffordert, zu tun, was ihn glücklich machen wird. Die innere Stimme sagt: „Tue, was Dir Freude bereitet“. Der Unglückliche hat Angst davor, was die anderen denken könnten und traut sich nicht, zu tun, was ihn glücklich machen könnte. Er hat Angst davor, anderen zu schaden, wenn er seiner Freude folgt. Doch wer aus Angst vor Egoismus sein inneres Licht nicht anzündet, beteiligt die Anderen nur an seiner Dunkelheit.

Nimm dir ein paar Minuten Zeit und stell dir vor, wie es wäre, wenn du voll und ganz deinem Herzen folgen würdest. Male es dir aus. Stell dir vor, wie es wäre, wenn du voll und ganz deiner Freude folgen würdest. Male es dir aus. Stell dir vor, wie es wäre, wenn du voll und ganz deinem Leben folgen würdest. Male es dir aus.

Der Glückliche achte auf das, was er tut, der Unglückliche auf das, was ist.

Glück ist kein äußerer Zustand, sondern ein inniges Gefühl. Ein glücklicher Mensch fühlt das Leben in sich. Er fühlt sich lebendig. Ausdruck und Bestimmung des Lebendigen ist Kreativität. Der Glückliche achtet auf das, was er tut, der Unglückliche auf das, was ist. Glückliche Menschen richten ihre Konzentration auf Tätigkeiten, unglückliche Menschen auf Zustände.    

Gestern hörte ich im Radio das Interview mit einer Frau, die bereits seit zehn Jahren ohne Geld auskommt. Begonnen hat sie mit der Gründung eines Tauschringes. Die Menschen tauschen ihre Fähigkeiten aus und so erhält jeder Leistung ohne Bezahlung. Der Maurermeister renoviert das Haus des Bäckers, der ihm dafür eine Zeitlang Brot und Kuchen gibt und so weiter.

Sie hat das Konzept für sich selbst weitergeführt und gelernt, ganz ohne Geld auszukommen. Sie hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben und hält Vorträge darüber. Dazu wird sie von Gastgebern eingeladen und erhält Kost und Logis. In dem Interview sagte sie, dass sie in den letzten 10 Jahren zu einer glücklichen Frau geworden sei. Während der Sendung wurden Anrufer zugeschaltet, die Fragen stellen oder ihre Meinung äußern konnten. Wenige Anrufer gaben eine positive Resonanz, die meisten kritisierten die Frau. Sie wiesen auf die Probleme hin, die ein Leben ohne Geld mit sich bringt. Sie sprachen von den Kosten einer Krankheit, von Altersversicherung und so weiter. Die Frau beschrieb, was sie tat, die Anrufer beschrieben Zustände.

Auch mir wäre so ein Leben zu anstrengend. Ich weiß die Vorzüge eines funktionierenden Tauschmittels sehr zu schätzen. Mir fiel jedoch auf, dass einige dieser Anrufer in ihrem Statement sehr aggressiv waren. Sie schienen sehr ärgerlich zu sein über diese glückliche Frau im Studio, die sehr freundlich war und immer wieder darauf hinwies, auf keinen Fall andere bekehren zu wollen. Sie habe dieses Leben für sich gewählt mit allen Konsequenzen und verlange nicht, dass alle anderen genauso leben müssten. Dennoch hatte ich den Eindruck, manch Anrufer wäre gelassener geblieben, wenn jemand im Studio von seinem Leid und Unglück berichtet hätte.

Im Januar sollte ein Vortrag von mir in Düsseldorf stattfinden. Da mir der Veranstalter nachmittags von mangelnder Resonanz berichtete, entschied ich, die Veranstaltung kurzfristig abzusagen. Abends erhielt ich einen Anruf. Über zwanzig Leute stünden vor der Tür. Ich war zugleich erstaunt und ärgerlich über mich selbst. Das wird mir nicht noch einmal passieren und ich werde es wieder gut machen, wo ich kann. Eine Woche später traf ich mich mit einem spirituellen Lehrer, der mit seiner Gruppe vergeblich zu meinem Vortrag gekommen war. Er fragte mich, warum ich diese Veranstaltungen überhaupt machen würde. „Ich möchte, dass mein Buch weiterlebt,“ erklärte ich.

„Schlechte Motivation“, erwiderte er, „ganz schlechte Motivation. Du handelst aus Angst heraus. Du hast Angst, Dein Buch könnte sterben.“

„Aber das ist es nicht nur“ rechtfertigte ich mich. „Ich mache das sehr gerne. Ich habe Spaß daran, vor Leuten zu sprechen und über mein Buch zu erzählen.“

„Das ist eine gute Motivation,“ antwortete er, „das ist Handeln aus Freude.“

Wir ernten, was wir säen

Handeln wir aus Angst, erfahren wir Situationen, die unsere Angst verstärken, handeln wir aus Freude, erleben wir Ereignisse, die unsere Freude verstärken.

Jedes Gefühl setzt Energie frei. Die freigesetzte Energie kommt früher oder später zu uns zurück. Ärger zieht Ärger, Wut zieht Wut und Freude zieht Freude an. Ereignisse und Gefühle sind miteinander verbunden. Mir geschieht etwas Schönes und ich fühle Dankbarkeit und Freude in mir. Mir geschieht Schlimmes und ich fühle Schmerz, Traurigkeit oder Ärger in mir. Jeder Weg ist in zwei Richtungen begehbar. Wenn also ein äußeres Ereignis ein Gefühl in mir erzeugen kann, kann umgekehrt ein Gefühl in mir ein äußeres Ereignis hervorrufen.

Man stelle sich ein Lineal der Gefühle vor. Am Ende der einen Seite des Lineals liegt die Freude, am anderen Ende die Traurigkeit. Direkt neben der Freude liegt die Dankbarkeit. Der Weg von der Traurigkeit in die Freude führt über die Dankbarkeit. Man kann auf Kommando nicht Freude empfinden. Wenn ich traurig bin und man mich auffordert: „Freu dich“, habe ich keine Chance. Das Gefühl der Dankbarkeit aber kann ich jederzeit in mir entstehen lassen, indem ich meinen Blick auf das richte, was für mich da ist. Viele Schätze in unserem Leben werden uns erst im Augenblick ihres Verlustes bewusst. Es ist nicht nötig, solange zu warten. Ich kann mir den Wert dessen, was jetzt für mich alles da ist, bewusst machen, wenn ich es möchte. Ich schließe die Augen und mache mir klar, wofür ich alles dankbar sein kann. Damit richte ich meinen Blick auf die Fülle und erkenne den Reichtum meines Lebens. Dankbarkeit ist die Schwester der Freude. Wenn ich mich über etwas freue, bin ich gleichzeitig dankbar dafür. Somit kann ich zur Freude gelangen, wenn ich das Gefühl der Dankbarkeit in mir aktiviere. Dankbarkeit ist keine Verpflichtung, sondern eine Technik. Wir müssen niemandem dankbar sein, weil wir es schuldig sind. Aber wir dürfen dankbar sein, weil es uns damit besser geht.

Halte ab und an für einen Moment inne und danke dir selbst. Vieles hast du in deinem Leben schon gemacht. Viele Entscheidungen hast du getroffen. Und schon oft in deinem Leben bist du auf die Idee gekommen, dich zu kritisieren. Nur selten bist du auf die Idee gekommen, dir für deine Taten und Entscheidungen zu danken.

Und  lobe dich täglich einmal selbst. Es gibt keinen Tag, an dem es nicht einen Grund gäbe, sich selbst zu loben. Aber meine es ehrlich! Ein Prahlhans meint es nicht ehrlich. Er will über sein mangelndes Selbstwertgefühl hinwegtäuschen, will, dass die anderen ein besseres Bild von ihm haben, als er von sich selbst. Also lobe Dich selbst und meine es ehrlich. Wir haben alle gelernt, auf unsere vermeintlichen Schwächen und Fehler zu achten. Weniger haben wir gelernt, auf unsere Stärken und auf das zu achten, was uns gelingt. Vieles von dem, was lobenswert ist, halten wir für selbstverständlich. Die Fehler, die wir machen, nehmen wir nicht als selbstverständlich hin. Mit diesem inneren Programm ist es schwer, auf Dauer glücklich zu werden. Die Technik des täglichen Selbstlobes verändert das Programm zum Positiven.

Eine weitere Technik des Glücks ist, sein eigenes Leben als das interessanteste der Welt zu betrachten. Nun könnte man entgegenhalten, dass das Leben eines Rockstars, eines erfolgreichen Schauspielers und so weiter doch gewiss interessanter sei als der Alltag eines Buchhalters. Doch ist jedes Leben einmalig und einzigartig und deshalb unvergleichlich. Wer sein Leben für interessant hält, schenkt sich und dem Leben Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit gegenüber sich und dem Leben ist die Grundlage für persönliches Glück. Da ich mein Leben nicht mit dem Leben anderer vergleichen kann, ist mein Leben das interessanteste der Welt. Mit dieser Einstellung schenke ich mir und dem Leben die größtmögliche Beachtung. Auch die anderen profitieren davon, wenn ich achtsam bin. Wenn ich mich in jedem Augenblick für mein Leben interessiere, interessiere ich mich auch für die Menschen, die mir in diesem Augenblick begegnen.

Peter Michael Dieckmann

 

Das Buch zum Thema:
Peter Michael Dieckmann: „Wenn zwei sich treffen in meinem Namen – Gespräche mit JJ“, Goldmann Arkana
ISBN: 3-442-33723-2
Weitere Informationen unter:
www.gespraechemitjj.de

 

Quelle: BALANCE 3/2006

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