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Startseite > Themen > Verschiedenes > LSD LSDLSD – nur drei Buchstaben, die die Welt des 20. Jahrhunderts jedoch sehr nachhaltig verändert haben. Im April des Jahres 1943 entdeckte der Schweizer Chemiker Dr. Albert Hofmann als Angestellter der Firma Sandoz, bei seiner Forschung nach einem Kreislaufmittel durch einen „Zufall“ das wohl potenteste psychoaktive Mittel mit Namen Lysergsäurediäthylamid. Eine isolierte Substanz des Mutterkornpilzes, welcher u. a. gern auf Roggenähren gedeiht und welche, wie sich herausstellte, schon in homöopathischen Dosen äußerst wirksam auf die Psyche ist. Seither erlebten Hofmann selbst und Millionen Menschen weltweit durch dieses „Werkzeug zur Erforschung des Bewusstseins“ tief greifende psychologische und spirituelle Erfahrungen. Mit LSD-Unterstützung wurden neue Formen in Musik und Kunst erschaffen, erfuhren viele Menschen Heilung von Sucht, Traumata oder Depression, entwickelten sie alternative Gesellschaftsformen und es wurden nie gekannte Einsichten in das menschliche Bewusstsein ermöglicht. Anlässlich des 100. Geburtstages des rüstigen Jubilars am 11. Januar 2006, veranstaltete die gemeinnützige GAIA-Media Stiftung in Basel ein dreitägiges Symposium über diese folgenreiche Entdeckung mit dem Titel: „LSD - Sorgenkind oder Wunderdroge?“ Über 80 renommierte Wissenschaftler, Politiker, Soziologen, Künstler und Mediziner aus aller Welt informierten, diskutierten und beleuchteten Auswirkungen, Verbreitung, Gefahren und Möglichkeiten in Medizin, Gesellschaft und Kultur, dieser besonderen Substanz. Dr. Hofmann, einer der wichtigsten Naturwissenschaftler der Gegenwart und ehemals Mitglied im Nobelpreiskomitee, eröffnete in seiner warmherzigen Art selbst den Kongress, brillierte mit tiefsinnigen und natur-philosophischen Vorträgen und Interviews, nahm zudem lebhaft an Diskussionen teil und hatte – unter minutenlangem tosenden Applaus der knapp 2000 gerührten BesucherInnen – auch das Schlusswort bei diesem denkwürdigen Ereignis zu seinen Ehren. Dämonisierung und UnterdrückungSpätestens auf diesem Kongress wurde auch klar, dass psychoaktive Substanzen zu den interessantesten, aber auch am stärksten tabuisierten Phänomene in der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts gehören. Dass sie in der normal-bürgerlichen Welt kein gutes Ansehen haben, liegt einerseits – wie so oft – an einer unqualifizierten und gefährlichen Panikmache durch die Massenmedien, andererseits an politisch gewollter, absichtlicher Dämonisierung durch gezielte Falschinformationen, z.B. über angebliche Erbschädigungen, etc. Auf Initiierung der USA (welche übrigens die Substanz 1966 offiziell als Gift deklarierten!), ist seit Ende der 60iger Jahre die LSD-Nutzung in allen Bereichen (auch für medizinische Forschungen) offiziell weltweit verboten und unter hohe Strafen gestellt; erst in jüngster Zeit geht besonders die Schweiz hier wieder andere, öffnende Wege. In der Zeit vor diesem generellen Verbot war der Umgang mit ihr jedoch grundlegend anders: Künstler wie z. B. die Beatles oder Andy Warhol bekannten sich genauso zu den kreativen und bewusstseinsverändernden Wirkungen der Substanz, wie die Autoren Arthur Miller oder Aldous Huxley, der Philosoph Ernst Jünger, oder der weltbekannte Arzt Dr. Stanislaw Grof, um nur einige zu nennen. Psychologen und Ärzten wurde bis Anfang der 60iger Jahre von der Herstellerfirma Sandoz auf Beipackzetteln des Präparates sogar ausdrücklich der Gebrauch empfohlen, um therapeutisch gezielter mit ihren Klienten arbeiten zu können! Viele Mediziner und Universitäten konnten damals hervorragende Forschungsergebnisse durch Gebrauch von Psychodelika in der posttraumatischen Therapie (z.B. bei Kriegshinterbliebenen), in der Suchttherapie (Alkoholiker), oder auch in Schmerz- (z.B. bei schwer Krebskranken) und Psychotherapie, eindruckvoll belegen. Erst nachdem die Substanz statt eines eher sakralen „Bewusstseinstherapeutikums“ mit gezielter Einnahme in einem angemessenem Rahmen (Set & Setting), zur alles verändernden „Hippiedroge“ für breite Bevölkerungsgruppen verklärt und massenhaft wahllos sowie unkontrolliert geschluckt wurde, waren Missbrauch und psychische Unfälle natürlich vorprogrammiert. Von den Pflanzen der Götter zur GegenwartWie Geschichtsforschungen eindeutig belegen, dies wurde besonders vom Ethnobotaniker Christian Rätsch ausführlich beleuchtet, hatten psychoaktive Zauberpflanzen weltweit schon immer ihren Platz in der menschlichen Evolution. Mythologische Berichte über „verbotene Früchte“ die bei verschiedensten Ritualen und heiligen Festen eingenommen wurden, sind nicht selten. Im Altertum und in der Neuzeit nutzten die Schamanen der Urvölker sakrale Drogen für Heilung, oder um sonst nicht mögliche Einsichten zu erlangen und für Reisen ins Unterbewusste, zur Erweckung des natürlichen oder urmenschlichen Bewusstseins. Besondere Bedeutung hatten hier die berühmten psilocybinhaltigen (eine LSD verwandte Substanz) Zauberpilze Mexikos, afrikanische und asiatische psychogene Dschungelpflanzen (z.B. Ayahuasca) sowie natürlich der sagenumwobene Initiationstrank des antiken Eleusis. Über zwei Jahrtausende lang war das berühmte Heiligtum der griechischen Stadt Eleusis der wichtigste Tempel der abendländischen Spiritualität und Religion. Im Zentrum des damaligen Klärungsrituals, an dem jeder gebildete Mensch mindestens einmal im Leben teilnahm, stand die überlieferte Einnahme eines heiligen Tranks, der bei den Menschen außergewöhnliche mystische Bewusstseinserfahrungen und innere Läuterung auslöste. In den letzten Jahrhunderten wurde jedoch, mit Ausnahme der weisen Hexenfrauen des Mittelalters mit ihren Kräutern, das gesamte Feld des Selbst- und Weltverständnisses vor allem Kirche, Staat und Schulen überlassen - mit den bekannten Folgen. Erst seit Albert Hofmanns LSD-Entdeckung in der Neuzeit, wurden wieder gezielte – für Medizin und Wissenschaft äußerst bedeutsame – Forschungen zu psychedelischen Substanzen, eingeleitet. Doch die scheinheilige und rigorose US-Drogenpolitik (mit der nebenbei von CIA und anderen Institutionen geheime Milliardengeschäfte gemacht werden!) schiebt diesen wertvollen Erkenntnissen seit Jahrzehnten offiziell einen kategorischen Riegel vor, wie in Basel die amerikanischen Dozenten Rick Doblin und John Halpern von der Multidisciplinary Association für psychedelische Studien (MAPS) eindruckvoll darstellten! Durch zahlreiche Interventionen von Wissenschaftlern, Medizinern und liberalen Politikern besteht neuerdings Hoffnung auf eine leichte Wende. So wurde jüngst an der Harward-Universität unter strengen Auflagen wieder mit Psychodelika-Forschung begonnen und in der Schweiz gibt es nun einige therapeutische Pilotprojekte mit MDMA und Psilocybin. Bewusstsein und Gesellschaft der ZukunftAm 3. Tag des Kongresses befassten sich die Redner in Vorträgen und Seminaren eingehend mit der spannenden Frage des evolutionären Überlebenskampfes unserer Zeit sowie kreativen Antworten der kollektiven menschlichen Psyche hierauf. So machte z. B. der Soziologe und Publizist Günther Amendt darauf aufmerksam, dass es in der heutigen Zeit des propagierten „War of Drugs“ mit seinen folgenreichen Repressalien (welche u. a. dazu führten, dass US-Gefängnisse sogar als gut florierende Aktienunternehmen privatisiert wurden, was natürlich nur funktioniert wenn ständig genügend Häftlinge darin „betreut“ werden!) und der damit einhergehenden staatsgelenkten Massenmedien, ein verantwortungsbewusster freiheitlich denkender und handelnder Bürger weder von Politik und Industrie gewünscht wird. So hat natürlich Liberalisierung von wissenschaftlicher Bewusstseinsforschung einen sehr schweren Stand. Als Paradoxum am Rande sei hier noch erwähnt, dass wissenschaftlich-medizinisch eindeutig belegt ist, das LSD und ähnliche Substanzen weder betäuben noch süchtig machen, diese aber vom Gesetz her als „Sucht- und Betäubungsmittel“ deklariert sind! Keine unkontrollierte Freigabe befürwortenAlle Referenten waren sich jedoch darüber einig, dass von niemandem eine unkontrollierte Öffnung des „Drogenmarktes“ befürwortet wird, sondern der viel versprechende Einsatz von psychedelischen Stoffen im Rahmen von medizinisch-psychischer Therapie. Bei bestimmten Erkrankungen, oder unter Anleitung auch in kontrolliertem, sicheren Rahmen in meditativen Zentren für Fragen der individuellen Visionssuche, für Spiritualität, Rückbesinnung und innerer Öffnung/Erkenntnis (Religio) sollte die Anwendung jedoch wieder möglich sein können. Viel versprechende Ansätze hierzu wurden an Schweizer Instituten mit qualifizierten Therapeuten bereits erfolgreich durchgeführt. LSD und andere Mittel seien keine unabdingbaren „Steine des Weisen“, die von Anwendern dauerhaft benötigt werden, sondern sehr wirksame „Schlüssel“ für seelenöffnende Erkenntnisse der eigenen Evolution und des individuellen sowie gemeinschaftlichen Bewusstseins, die auch nicht mit zig Jahren Meditation oder mit anderen Techniken, so klar und deutlich erfahrbar sind. Viele Menschen wenden sich häufig nach ein- oder mehrmaligem Gebrauch wieder von diesen Hilfsmitteln ab, da sie so die für sie wichtigen Erkenntnisse erfahren haben, welche sie nun auf ihre Weise kreativ in die Welt einbringen können. Weitgehend Einigkeit herrschte auf dem Kongress auch darüber, dass die Menschheit nur dann ein Chance zum Überleben in Liebe und Freiheit hat, wenn sie offen ist für einen Paradigmenwechsel und sie die Möglichkeiten, welche die natürliche Schöpfung ihr hierzu zur Verfügung stellt, wahrnimmt und zum Wohle aller einsetzt! Der hundertjährige Entdecker selbst betonte, dass „sein einstiges Sorgenkind“ ein bedeutendes Werkzeug der Bewusstseinsforschung sei, welches den Kern unseres Menschseins tief berührt und öffnet – dies führe zu der Erkenntnis, dass alles Lebendige (Pflanzen, Tiere, Menschen) natürlich zusammengehört, jedoch NICHT das technisch-materiell Geschaffene. LSD sei nie so notwendig für die gewaltfreie Weiterentwicklung unserer Zivilisation gewesen wie heute und solle sinnvoll in unsere Gesellschaft integriert werden; es sei ein Geschenk der Pflanzenwelt an uns Menschen und ein bedeutendes Psychovitamin! Von den vielen Anerkennungen der Teilnehmer zu Tränen gerührt, wünschte Albert Hofmann den Anwesenden in seinem Schlusswort zum Kongress „dass die Sprache des Schöpfers allen Menschen verständlich werden möge und jeder Einzelne sie für sich liebevoll umzusetzen vermag“...
Carlo G. Reßler,
Literaturtipps:
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